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Mittwoch, 11. Februar 2026

Im Kino: "Wuthering Heights" - Sturmhöhe

Die junge Cathy (Margot Robbie) lebt alleine mit ihrem Vater (Martin Clunes) und ein paar Bediensteten auf dem Anwesen „Sturmhöhe“ (Wuthering Heights). Eines Tages nimmt der Vater den Waisenjungen Heathcliff (Jacob Elordi) zu sich und beide Kinder verbindet von nun an eine innige Freundschaft. Zur jungen Frau herangewachsen nimmt Cathy jedoch, nachdem ihr Vater Haus und Hof durch seine Spielsucht immer weiter zugrunde richtet und unter der intriganten Mithilfe von Nelly (Hong Chau), Cathys Gesellschafterin, den Heiratsantrag des neuen Nachbarn Edgar (Shazad Latif) an, der ihr eine sorglosere Zukunft verspricht, als die in ihren Augen nicht standesgemäße Verbindung mit Heathcliff, worauf dieser Wuthering Heights enttäuscht verlässt, um Jahre später, zu Wohlstand gekommen, auf Rache sinnend zurückzukehren.

Als Klassiker des englischen Gesellschaftsromans wurde „Wuthering Heights“, von der britischen Autorin Emily Brontë 1847 verfasst, bis heute bereits etliche Male für Kino und TV verfilmt. Nun also eine aktuelle Version, die sich von allzu großer Werktreue aber bereits durch den in Anführungszeichen gesetzten Titel distanziert. So fehlen denn auch sämtliche Nebenfiguren in Gestalt von Geschwistern und Kindern der Hauptcharaktere, übrig bleiben Vater Earnshaw, die Nachbarn Edgar und Isabella sowie eben jene Gesellschafterin/Haushälterin Nelly und natürlich als Zentrum des Ganzen: das Liebespaar Cathy und Heathcliff in seiner toxischen Beziehung, hin und hergerissen zwischen Leid und Leidenschaft.

So weit, so gut. Man kann sich natürlich die Frage stellen, wieso nicht gleich eine eigene Geschichte erzählt wird, wenn von der Vorlage alles eliminiert wurde, was den Roman eben auch ausmacht, einfach von einer Amour Fou erzählt, mit allen Höhen und Tiefen, angesiedelt im viktorianischen England, warum nicht. Aber dann hätte man natürlich nicht die Aufmerksamkeit, die der so bekannte und hinlänglich eingeführte Titel Wuthering Heights automatisch generiert, ein Kalkül das wahrscheinlich aufgehen wird.

So nun also „Wuthering Heights“: ein Schwelgen in durchaus beeindruckenden Bildern, untermalt von einem teilweise betörenden Soundtrack mit Songs der britischen Sängerin Charli xcx, wobei alles so opulent und bombastisch daherkommt, dass es irgendwann einfach zu viel wird, die geballten optischen und akustischen Effekte verlieren irgendwann ihren Reiz, weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen. Waren einige Kameraeinstellungen zu Anfang noch originell, der Blick zum Teil wie durch ein Schlüsselloch auf einen Bildausschnitt, oder die Gegenüberstellung des mehr und mehr verrottenden Wuthering Heights mit Edgars raffiniert und prunkvoll ausgestattetem Anwesen, so langeweilt dies irgendwann doch ein wenig.

Das eigentliche Herzstück des Ganzen, die leidenschaftliche – der Begriff enthält nicht umsonst das Wort Leiden in sich – Liebe zwischen Cathy und Heathcliff wird in all ihren Elementen rauf und runter dekliniert, trotz – oder gerade wegen – der angeblich so lustfeindlichen Ära gibt immer wieder sexuelle Anspielungen, die für die heißen Gefühle der Protagonisten stehen, ohne dabei allzu explizit zu werden. So ist von Margot Robbie weniger zu sehen, als in manchen ihrer bisherigen Filme, wenn überhaupt konzentriert sich die Körperlichkeit eher auf den gut aus- und anzusehenden Jacob Elordi, der mit leicht heiserer Stimme seine Liebesschwüre hauchen darf und später dann sein diabolisches Spiel mit der armen Cathy treibt, die sich die ganze Misere allerdings selbst zuzuschreiben hat.

Wer also Lust verspürt auf ein Liebesdrama mit zwei gutaussehenden Akteuren und sich an dem beschriebenen Etikettenschwindel nicht stört, hat lange 136 Minuten Zeit, sich von einem teilweise bombastischen Kinoerlebnis unterhalten zu lassen, denn bei allen Kritikpunkten, der Film gehört auf jeden Fall in einen Kinosaal und auf die große Leinwand.  

 

 


 Regie: Emerald Fennell

Drehbuch: Emerald Fennell, b/a Roman von Emily Brontë

Kamera: Linus Sandgren

Schnitt: Victoria Boydell

Musik: Anthony Willis

Original-Songs: Charli xcx

 Besetzung:

Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Alison Oliver, Shazad Latif, Martin Clunes, Ewan Mitchell, Amy Morgan

 Warner Bros. Pictures Germany

2026

136 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 12. Januar 2026

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=aNqfGM3KszI (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=3fLCdIYShEQ (Englisch)

 

Im Kino: Die Ältern

Hannes (Sebastian Bezzel), verheiratet mit Sara (Anna Schudt), hat zwei fast erwachsene Kinder, ist Bestsellerautor und lebt in einem schicken Haus in Hamburg. Eines Tages entdeckt er, dass nicht alle mit seinem Leben so zufrieden zu sein scheinen, wie er selbst: Die Tochter will in eine eigene Wohnung ziehen und seine Frau zieht mit ihr, dann fordert auch noch sein Verleger einen frischen Ansatz für sein nächstes Buch. Hannes ist völlig überfordert, aber vielleicht kann ihm seine neue Bekanntschaft Vanessa (Judith Bohle) wieder auf die Sprünge helfen…

Sönke Wortmann setzt ein Buch von Jan Weiler in Szene, was könnte da schon schief gehen? Tatsächlich einiges, denn „Die Ältern“ ist genauso wie das Leben von Hannes: tut keinem weh, ist vorhersehbar und unoriginell, klammert sich an jede vermeintliche Pointe wie ein Schiffbrüchiger an eine Planke [sic], um in der Bildsprache des Films zu bleiben.

Die Figuren entsprechen den Stereotypen ihrer jeweiligen Generation, die Eltern sind eben schon älter und kriegen nicht mehr alles mit, was ihre Kinder umtreibt, welche die üblichen Teenager-Probleme haben, wenn der Sohn durchs Abi zu rasseln droht und die Tochter flügge wird. Hier bläst einzig deren neuer Freund ein bisschen frischen Wind in die Segel, er wird charakterisiert als „dumm wie Gold, aber ein Herz aus Brot“, was seine intellektuellen Fähigkeiten, speziell im Umgang mit Sprichwörtern, beschreibt.

Ansonsten viele harmlose Klischees, Sebastian Bezzel ist verschlurft, aber liebenswert, Anna Schudt hat nach ihrer Ankündigung, dass sie das eheliche Domizil verlassen wird, nicht mehr viel zu tun, sie verlässt sozusagen auch den Film, wenn es auch kaum glaubhaft wirkt, dass eine Zwanzigjährige auf dem Weg in ein eigenes spannendes Leben ausgerechnet mit ihrer Mutter zusammenzieht. Die neue Bekannschaft Vanessa hat ein paar nette Momente, aber mehr auch nicht, wenn wenigstens die Dialoge ein bisschen origineller wären, irgendwie witzig-spritzig, wie man es bei einer Komödie erwarten dürfte, aber dafür gibt das Drehbuch leider nicht genug her.

Alles plätschert so harmlos daher, wie eine sterbende Welle am Strand, wer sich gepflegt zurücklehnen und 100 Minuten mal an nichts Schlimmes denken möchte, der ist hier genau richtig.

 

 

    
Regie: Sönke Wortmann

Drehbuch: Robert Gold, Jan Weiler, b/a Roman von Jan Weiler

Kamera: Andreas Berger

Schnitt: Martin Wolf

Musik: Helmut Zerlett

 Besetzung:

Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Judith Bohle, Philip Müller, Kya-Celina Barucki, Thomas Loibl, Nilam Farooq

 Constantin Film

2026

104 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 12. Januar 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_53Lz72ZPAM