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Dienstag, 12. Juli 2016

Film-Rezensionen: X-Men-Apocalypse (2016) (Deutsch)


X-Men: Apocalypse

Ein Film mit dem Begriff „Apocalypse“ im Titel impliziert keinen ruhigen Abend im Kino und so zündet dann auch gleich in der Anfangssequenz ein Feuerwerk an Spezialeffekten, dass von vorneherein klar ist: Hier kommt bis zum finalen Showdown – auf den dies natürlich nur hinauslaufen kann – etwas auf uns zu!


Die Geschichte knüpft zeitlich an den Vorgängerfilm „Days of Future Past“ an, der die Gemeinschaft der Mutanten vor der Vernichtung in der Zukunft bewahrt hat, dadurch dass Mystique (Jennifer Lawrence) in den siebziger Jahren davon abgehalten werden konnte, Präsident Nixon zu ermorden, was unweigerlich zum Ende aller Mutanten aufgrund der dann erfolgten Entwicklung der als Mutanten-Killer entwickelten Sentinels geführt hätte. Am Ende von „Days of Future Past“ finden sich alle die Mutanten zusammen, die im Folgenden die Geschichte weiterspinnen werden, d.h. die „junge Generation“, die mit „X-Men First Class“ bereits eingeführt wurde – mit Ausnahme von Wolverine, der quasi aus der Handlung herauskatapultiert wurde. Magneto (Michael Fassbender) schließt sich der Gruppe nicht an, spielt aber im aktuellen Film wieder eine entscheidende Rolle.


Allen Mutanten ist bekanntermaßen zu eigen, dass sie jeweils über eine besondere Kraft oder Gabe verfügen, manche sind mächtiger, manche weniger, und um ihre Fähigkeiten auch nutzbringend einzusetzen, wurde seitens des Militärs wiederholt an einer Bündelung dieser Kräfte gearbeitet, so zum Beispiel bei der Entwicklung der „Weapon X“ durch William Stryker

Dass es in grauer Vorzeit einen Mutanten namens En Sabah Nur gab, der bereits die Summe aller nach ihm geborenen in sich vereint, der demgemäß der mächtigste und kraftvollste Mutant aller Zeiten mit dem programmatischen Mutanten-Namen Apocalypse ist, war der jetzt lebenden Mutantengeneration nicht bekannt, weil er seit tausenden von Jahren gefangen in Ägyptens Erde lag. Dort wartete er auf seine Erweckung, wie der Sage nach Kaiser Barbarossa in seinem Kyffhäuser Berg, der mit seinen Getreuen bereit ist, nach dem Erwachen das Reich zu retten und zu neuer Herrlichkeit zu führen. Ähnliches hat auch Apocalypse (dargestellt von Oscar Isaac) im Sinn, als er plötzlich im Jahr 1983 zum Leben erwacht, auch seine Wiederkehr soll die Erde von allem Übel befreien, allerdings um den Preis, dass sie vorher in ihrer bestehenden Form vollkommen vernichtet wird, um dann ein neues, geläutertes Reich unter der Herrschaft von Apocalypse aufzubauen.


Apocalypses Erwachen verursacht buchstäblich ein Erdbeben, das weltweit registriert wird, und somit auch in der von dem noch jungen Professor Charles Xavier (James McAvoy) aufgebauten Schule, in der wir dem bereits bekannten Hank McCoy (Nicholas Hoult), dem später dazustoßenden Quicksilver/ Peter Maxcimoff (Evan Peters) sowie den neu eingeführten jüngeren Versionen von Jean Grey (Sophie Turner), Cyclops (Tye Sheridan) und Nightcrawler/ Kurt Wagner (Kodi Smit-McPhee) begegnen.


Um sein Ziel der Weltherrschaft zu erreichen schart auf der anderen Seite Apocalypse ein paar getreue Anhänger um sich (wem kämen da nicht die vier apokalyptischen Reiter der Bibel in den Sinn…), Mutanten, denen er auf seinen ersten Schritten begegnet, deren Fähigkeiten er nach seinem Geschmack optimiert. Bald ist das Quartett bestehend aus der jungen Storm (Alexandra Shipp), der neu eingeführten Psylocke (Olivia Munn), Angel (Ben Hardy) und eben Magneto komplett und bereit, gegen alle Welt, aber eben auch gegen ihre Mutantenkollegen in den Krieg zu ziehen.


Hinzu kommen noch einige weitere Mutanten auf beiden Seiten, als einzige Vertreter der Gattung Homo sapiens spielen die CIA-Agentin Moira MacTaggart (Rose Byrne) und der junge William Stryker (Josh Helman) eine Rolle, alles in allem eine etwas zu groß geratene Schar an Akteuren.


Damit folgt der Film allerdings seiner Gesamt-Maxime: viel hilft viel, im Endergebnis leider in allem immer eine Spur zu viel.

Die – durchaus hochklassigen – Action-Szenen folgen der üblichen Choreographie, aus ruhigen Zwischen-Sequenzen entwickelt sich die nächste spektakuläre Achterbahnfahrt, Zerstörung und Gemetzel in gleichbleibend hoher Taktzahl. Leider bleibt dabei stellenweise der bisherige Charme der X-Men-Reihe auf der Strecke, in der den einzelnen Charakteren immer auch eine gewisse Tiefe verliehen wurde. Dies ist besonders eklatant im Falle des Hauptbösewichts Apocalypse, der zu keinem Zeitpunkt mehr ist, als der Motor, der die Action antreibt. Er hat keine Ideologie, der er folgt, bleibt seelenlos und bietet keinen Ansatzpunkt für irgendein Verständnis seiner Mission. Hatte zum Beispiel Bolivar Trask in „Days of Future Past“ den durchaus ehrenwerten Gedanken im Hinterkopf, die Menschheit zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus den gegeneinander geführten Kriegen zu befreien und gegen einen gemeinsamen Feind – die Mutanten – zu vereinen – unabhängig davon, ob dieser Zeck seine eingesetzten Mittel heiligt – so folgt Apocalypse nur dem einen Ziel: alles muss vernichtet werden, damit es neu entstehen kann. Eine solche Prämisse erlaubt nur ein einziges Gegenmittel, nämlich die Vernichtung des Apolcalypse seinerseits. Hier haben sich aber Bryan Singer und der wiederum für das Drehbuch verantwortliche Simon Kinberg selber eine Falle gestellt, in der eigentlich unlösbaren Aufgabe, einen Mutanten zu vernichten, den sie selbst als übermächtig und unbesiegbar definiert haben.


Wie dies schließlich natürlich doch gelingt, braucht im Einzelnen nicht verraten werden, nur soviel: die Botschaft am Ende ist so schlicht wie unwiderlegbar: gemeinsam können wir es schaffen, eine Gemeinschaft ist letztlich immer stärker als der potenteste Einzelkämpfer.
Bis dahin ist es bei einer Filmlänge von 144 Minuten allerdings ein weiter Weg.


Der Verzicht auf einige Handlungsstränge, die zum Teil der angesprochenen Vielzahl an Mutanten geschuldet sind, hätte dem Film gut getan. Der gerade in den ersten beiden X-Men-Filmen, aber auch noch in „Days of Future Past“, so auflockernde Humor kommt dagegen leider zu kurz, man muss zwischen den tosenden Actionwogen schon sehr genau hinhören, um den einen oder anderen leisen oder witzigen Zwischenton nicht zu verpassen. Ironischerweise wird gerade in dieser Hinsicht Wolverine (Hugh Jackman) besonders schmerzlich vermisst, dieser mürrische, widerborstige Charakter mit dem schlagfertigen Humor hat den Vorgängerfilmen seine Seele und damit seinen Stempel aufgedrückt. Er hat zwar tatsächlich einen kleinen, nicht ganz unwichtigen Gastauftritt, in dem er sich durch eine Reihe von störenden Gegnern metzelt, letztlich spielt er für den neuen X-Men-Spirit bedauerlicherweise keine Rolle mehr.

Es ist offensichtlich, dass sich die Macher von X-Men Apocalypse an einem neuen, jüngeren Publikum orientieren, ob dies erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Man riskiert zumindest, das bisherige Publikum zu verlieren, das mit den vielen jungen Akteuren nicht allzu viel anfangen kann, und ob man sich auf das jetzige junge Publikum verlassen kann, bleibt angesichts der Überangebots and Blockbuster- und Superheldenfilmen abzuwarten. Eine offensichtliche Anbiederung an jüngere Zuschauer ist beispielhaft die Darstellung der Mystique, die sich fast ausschließlich in ihrer eigentlich doch so verhassten Raven-Gestalt präsentiert, wohl um ihren Fans keine durchgehend blau gefärbte Jennifer Lawrence zuzumuten.
Insgesamt ist der Film durchaus unterhaltsam, er bietet er jede Menge Spektakel in beeindruckender 3D-Optik. Wenn man sich darauf einlässt können auch die genannten Einschränkungen den Spaß nicht verderben.


Sehenswert aus der großen Riege von Akteuren ist auf jeden Fall James McAvoy, der den unerschütterlichen Glauben und Optimismus von Charles Xavier wieder herausragend verkörpert. Evan Peters’ Quicksilver kommt diesmal ein wenig ernster daher, hat er doch damit zu kämpfen, zu entscheiden, ob er sich seinem Vater offenbart, der von seiner Existenz nichts weiß. Dies hindert ihn aber nicht an einem weiteren originellen und spektakulären Speedauftritt. Obwohl diesmal der Überraschungseffekt aus „Days of Future Past“ fehlt, macht er genauso viel Spaß, wie beim ersten Mal. Kodi Smit-McPhee schafft den Spagat, seinem Charakter Nightcrawler sowohl furchteinflößende als auch komische Seiten zu verleihen. Für Michael Fassbender gibt es die Gelegenheit, in shakespearehafter Manier um den Verlust seiner kitschig-schönen kleinen Welt zu trauern, in die er sich dach seinem Scheitern in „Days of Future Past“ geflüchtet hat, dies gerät allerdings eine Spur zu theatralisch. Hugh Jackman zeigt einmal mehr, welche Präsenz er seinem Charakter Wolverine über die Jahre verliehen hat. Nach seinem kurzen, sprachlosen Power-Einsatz sorgt er paradoxerweise für einen der wenigen sehr stillen Momente des Films.
Wer den obligatorischen kurzen Hinweis auf kommende Ereignisse nicht verpassen will, muss natürlich auch in diesem Film bis zum letzten Buchstaben des kompletten Abspanns warten, wird hier der neue Schurke für den finalen Wolverine-Film angekündigt?


Ausdrücklich betont sei zum Schluss, dass die Comicvorlagen keine Grundlage für diese Rezension darstellen, inwieweit diese Vorlagen adäquat umgesetzt wurden, bleibt der Beurteilung der Comicexperten vorbehalten.



Titel: X-Men: Apocalypse

Regie: Bryan Singer

Drehbuch: Simon Kinberg, nach einer Story von Bryan Singer, Simon Kinberg, Michael Dougherty, Dan Harris

Musik: John Ottman

Visuelle Effekte: John Dykstra

Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac, Nicholas Hoult, Rose Byrne, Tye Sheridan, Sophie Turner, Olivia Munn, Lucas Till, Kodi Smit-McPhee, Evan Peters

Laufzeit: 144 min.
Deutscher Start: 19.Mai 2016

Film-Rezensionen: X.-Men-Apocalypse (2016) (Englisch)



X-Men: Apocalypse

A film with „Apocalypse“ in the title doesn’t indicate a quiet night at the movies. Thus, right from the beginning fireworks of special effects is set to ignite, to make it clear: there’s something big coming up until the final showdown.


The story ties in where we were left at in the end of „Days of Future Past“. There, in the seventies, the mutant community had been saved from extinction after preventing Mystique (Jennifer Lawrence) from killing president Nixon. This would have led to the development of the mutant-killing sentinels and finally to the death of all mutants on earth. At the end of „Days of Future Past“ all those mutants get together (who are now bound to continue, the „young generation“) already established in „X: First Class“, with the exception of Wolverine (Hugh Jackman), who has been literally propelled out of the story. Magneto (Michael Fassbender) doesn’t join this group, but again plays an important role.


As it is known, all mutants have special gifts or powers and some mutants are more powerful than others. To make better use of these powers the military has been constantly trying to bundle them like William Stryker did by developing his project „Weapon X“.


The actual generation of mutants is not aware that in the dim and distant past there existed a mutant named En Sabah Nur, who already combined many of their gifts in himself, being the most powerful mutant of all times with the programmatical mutant name Apocalypse. For thousands of years he has been buried under a thick layer of Egyptian soil, waiting to be reborn (just like in the legend of emperor Barbarossa, who is sleeping deep inside the Kyffhaeuser mountains, waiting to wake up and renew his empire and lead it, together with his faithful men, to new glory and splendor). Apocalypse (played by Oscar Isaac) has similar plans when he suddenly wakes up in 1983. He intends to deliver the – in his eyes – degenerated earth from all evil. But in order to reach that goal everything has to be destroyed literally down to the earth’s core. Afterwards, there will be room to establish a new kingdom of God in which he himself will be God.


Apocalypse‘s awakening is accompanied by a strong earthquake sensed all over the world. We see the effect in the new school of the young professor Charles Xavier (James McAvoy) where we again meet Hank McCoy (Nicholas Hoult) and later, also Quicksilver/ Peter Maximoff (Evan Peters), as well as the younger versions of Jean Grey (Sophie Turner), Cyclops (Tye Sheridan) and Nightcrawler/ Kurt Wagner (Kodi Smit-McPhee).


On the other side, Apocalypse recruits a bunch of faithful mutant followers (of course the four horsemen of the Apocalypse come to mind at once…) he meets and whose powers he modifies to perfection. Soon the quartet, including young Storm (Alexandra Shipp), the new established Psylocke (Olivia Munn), Angel (Ben Hardy) and Magneto, is ready to strike, going to war against the world and also against their fellow mutants.


There are some more mutants on both sides, plus two representatives of the human species: the CIA agent Moira MacTaggart (Rose Byrne) and the young William Stryker (Josh Helman), in the end too many characters to handle properly.

But with this the movie is following its topic: the more, the better – until in the end there is too much of everything.


The – for sure highclass – action sequences follow the usual routine: after a calmer interlude the next spectacular rollercoaster scene bursts out with high-pressure destruction and massacring.Too bad that in the end the old and familiar charm is lost and a lot of the characters lack their usual depth. This applies especially to the chief villain Apocalypse, who fails to be more than the motor that drives the action. He obeys no ideology, delivers no idea why to follow him and stays soulless and anemic. Bolivar Trask in „Days of Future Past“ for example, had in mind to prevent mankind from fighting each other for the first time in history and unite them against a mutual enemy – the mutants. The end may not justify his means, but here Apocalypse’s only impetus is to destroy everything and rebuild it afterwards. This allows only one thing to do: to destroy Apocalypse himself. Here Bryan Singer and scriptwriter Simon Kinberg have to struggle hard to get out of the trap they set up for themselves by presenting Apocalypse as the most powerful and thus, invincible mutant ever, who technically, can’t be defeated.


Of course there is a solution ( which won’t be revealed here) but only a limited one: the message in the end is as simple as apodictic: together, we can do anything – an alliance will always be stronger than the most potent but lone warrior.


But it is a long and strenuous way to get there with the film’s length of 144 minutes…


It would have helped if some of the subplots had been left out. On the other hand, the humor that lightened the mood, especially in the first two X-Men movies and also in „Days of Future Past“, is missing. One has to listen very carefully not to miss any light air or funny quips. Ironically, that’s where the absence of Wolverine hurts most, that stubborn and grumpy guy with the quick-witted humor who left his mark in all the other X-Men movies. Actually, he has an uncredited cameo supporting a rescue team of mutants by slashing his way through a line of enemies, but sadly, he is no longer part of the team.


The creators of this movie obviously aim at a new and younger audience at the risk of losing the old fan base, who may not be willing to follow all the new and young actors on the other side. Whether it will pay off isn’t for sure either with an excess supply of blockbuster and superhero movies around. One example for the ingratiation is the character of Mystique who is seen almost during the entire movie, in the once so detested shape, as Raven. This is probably so because the makers didn’t want to upset the fans of Jennifer Lawrence with her being blue-faced all the time…


On the whole, the movie is entertaing for sure, with a great amount of breathtaking action in excellent 3D optics. Whoever is willing to venture into the story will have a lot of fun despite the reservations mentioned.


From the respectable cast James McAvoy stands out. He again delivers a great performance as young Charles whose faith and optimism remains unshaken. Evan Peters as Quicksilver comes across more demure this time, having to struggle whether to open up to his father who doesn’t know about his existence. But he still gets another hilarious and spectacular speed-scene. Although the surprise effect from „Days of Future Past“ is gone, it is still great fun. Kodi Smit-McPhee’s Nighcrawler delivers a fine balance between being scary and funny at the same time. Michael Fassbender gets a heavy Shakespearean moment, mourning the loss of his icky sweet apple-pie world where he settled down after walking away at the end of „Days of Future Past“ ( which in the end is a bit too histrionic). Hugh Jackman in his cameo is able to show the high profile he has endowed Wolverine with over the years. The end of his short, non-verbal power-tread (ironically, again) is one of the few very silent and touching moments of the whole movie.


Whoever doesn’t want to miss the traditional after credit sequence has to be, as usual, very patient – but, do we get a hint at the villain in the final Wolverine movie?


Last but not least, this review doesn’t imply how or in what way the movie is true to the comic narratives. It is up to the comic specialists to judge that.



Title: X-Men: Apocalypse

Director: Bryan Singer

Script: Simon Kinberg, based on a story by Bryan Singer, Simon Kinberg, Michael Dougherty, Dan Harris

Music: John Ottman

Viual effects designer: John Dykstra

Cast: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac, Nicholas Hoult, Rose Byrne, Tye Sheridan, Sophie Turner, Olivia Munn, Lucas Till, Kodi Smit-McPhee, Evan Peters