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Mittwoch, 8. Oktober 2025

Im Kino: Amrum

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs wird das Leben auch auf der Nordseeinsel Amrum, wohin der kleine Nanning (Jasper Billerbek) mit Mutter (Laura Tonke) und Geschwistern aus Hamburg geflohen ist, immer schwieriger, während der Vater, ein hoher Nazi-Funktionär, sich irgendwo in Kriegsgefangenschaft befindet. Die Mutter kann das drohende Ende des Nazireiches nicht verwinden und verfällt in Depressionen und Nanning sieht nur einen Weg, sie dort wieder herauszuholen…

„Ein Hark Bohm Film von Fatih Akin“, so ist der Film überschrieben, und in der Tat scheint der greise Filmemacher zu seinen Wurzeln zurückzukehren, nur dass hier nicht die Nordsee das mörderische Element ist, sondern das verbrecherische Naziregime, dessen langer Arm auch bis auf die entlegene Insel reicht. Für die Umsetzung der Geschichte bedient sich Bohm dann aber doch lieber des Erfolgsregisseurs Fatih Akin, dem ein sehenswertes und anrührendes Porträt einer abgeschiedenen Welt im Umbruch gelungen ist, die trotz ihrer Abgeschiedenheit mit den Auswirkungen von Krieg und Nachkriegszeit zu kämpfen hat.

In ruhigen, fast monochromatischen Bildern folgt man den Anstrengungen des kleinen Jungen, der sich vor eine große Aufgabe gestellt sieht, deren Erfüllung ihn einerseits fast an seine Grenzen bringt, ihn andererseits aber auch durch Überwindung dieser Grenzen wachsen lässt, eine Lektion darin, wie man auf die harte Tour erwachsen wird.

 

Das Ganze ist aber zu keinem Zeitpunkt rührselig, sondern ein nostalgischer Blick zurück auf eine schwere Zeit, und letztendlich lässt uns der Film am Ende positiv gestimmt zurück, ohne allerdings einen Bogen in die heutige Zeit schlagen zu können und eine Antwort auf die Frage zu geben, was er uns für die Gegenwart mitgeben möchte. Aber wahrscheinlich war das auch gar nicht beabsichtigt.

 

 

Regie: Fatih Akin

Drehbuch: Fatih Akin, Hark Bohm

Kamera: Karl Walter Lindenlaub

Musik: Pia Hoffmann

 

Besetzung:

Jasper Billerbek, Laura Tonke, Diane Kruger, Steffen Wink, Detlev Buck, Lisa Hagmeister, Kian Köppke, sowie Matthias Schweighöfer, Hark Bohm

 

 

Warner Bros. Pictures Germany

2025

93 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 09. Oktober 2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=8sr3FcEc8Gs 

Donnerstag, 6. Januar 2022

Im Kino: The 355

CIA-Agentin Mason „Mace" Brown (Jessica Chastain) ist auf der Jagd nach einer in falsche Hände geratenen furchtbaren Schadsoftware, die die ganze Welt per Knopfdruck ins Chaos stürzen kann. Allein hat sie angesichts der Armada von Bösewichtern, die ihre gierigen Finger nach diesem MacGuffin ausstrecken keine Chance und so tut sie sich mit einer internationalen Truppe von Kolleginnen zusammen: Marie (Diane Kruger) vom deutschen BND, Technikspezialistin Khadijah (Lupita Nyong'o) vom britischen MI6 sowie der kolumbianischen Psychologin Graciela (Penélope Cruz). Welche Rolle die geheimnisvolle Lin Mi Sheng (Bingbing Fan) spielt, ist zunächst nicht klar, dafür überschlagen sich die Ereignisse im Minutentakt...

Wie es sich für einen Film im Agentenmilieu gehört, geht es auch in „The 355“ um nichts weniger als die Rettung der Welt mit Schauplätzen rund um die Welt, nur dass diese Mission diesmal ausschließlich in zarte Frauenhände gelegt wird, welche sich plötzlich gar nicht mehr als so zart erweisen, sondern gehörig zuschlagen können und müssen. Das machen sie richtig gut, gewöhnungsbedürftig höchsten für die ältere Zuschauergeneration, die sich, auch wenn sie mit Charlie’s Angels aufgewachsen ist, damit wird abfinden müssen, dass eine jüngere Generation heranwächst, für die es normal sein wird, dass nicht ausschließlich Männer die Hauptakteure in Actionfilmen sind und das ist auch gut so.

Noch nicht so gut ist, dass Frauen zwischendurch immer wieder beweisen müssen, dass sie Frauen sind, so wenn sie zwischendurch zu Hause anrufen, damit sich die Familie daheim keine Sorgen macht, oder wenn sie im Sommerkleidchen eine wilde und dreckige Verfolgungsjagd durch die Pariser Metro-Tunnel absolvieren und aus der Tarnung einer mondänen Abendveranstaltung heraus in High Heels und aufreizender Abendgarderobe in den Actionmodus schalten müssen, was das Rennen, Ballern und Prügeln irgendwie erschwert und letztlich dann doch wieder unglaubwürdig wirken lässt. Da kommen die alten Klischees halt immer noch hoch, aber vielleicht gibt es irgendwann einen Q, der ihnen eine Garderoben-Kollektion entwickelt, die sich bei Bedarf in praktische Arbeitskleidung verwandelt...

Über diese Kritikpunkte ließe sich hinwegsehen, wirklich nicht gut ist jedoch, wenn ein Actionfilm seine Handlungsfäden so vorhersehbar miteinander verknüpft, dass am Ende nun wirklich kein originelles Muster herauskommt. Die „überraschenden Wendungen" überraschen nicht und auch dialogmäßig hat man tief in den Klischeezettelkasten gegriffen. Hier hätten die Agentinnen wirklich mehr verdient gehabt, dann hätte dies ein richtig guter Film werden können!

Der Titel geht im übrigen auf die erste weibliche Spionin während der amerikanischen Revolution zurück, deren Identität bis heute nicht geklärt ist, dies wird kurz am Rande erwähnt, sollte dies möglicherweise ein Hinweis auf eine Fortsetzung sein? Wir werden sehen…

 


 Regie: Simon Kinberg

Drehbuch: Theresa Rebeck, Simon Kinberg, Bek Smith

Kamera: Tim Maurice-Jones

Schnitt: John Gilbert, Lee Smith

Musik: Junkie XL

 

Besetzung:

Jessica Chastain, Penélope Cruz, Diane Kruger, Lupita Nyong’o, Bingbing Fan,

Sebastian Stan, Edgar Ramírez

 

Universal Pictures/ Leonine Studios

2022

124 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 06. Januar 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=vXFmicWhv60 (Deutsch)

           https://www.youtube.com/watch?v=i200Q_UonJY (Englisch)