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Donnerstag, 3. Oktober 2024

Im Kino: Memory

Als Sylvia (Jessica Chastain), eine offensichtlich vom Leben ermüdete Frau, sich durchringt, ein Klassentreffen zu besuchen, interessiert sich dort niemand für sie, außer einem Mann (Peter Sarsgaard), der sie unentwegt anstarrt und ihr, als sie fluchtartig den Saal verlässt, nach Hause folgt. Aber der vermeintliche Stalker ist gar keiner, er heißt Saul und ist nur jemand, der an beginnender Demenz leidet. Als Sylvia beginnt, sich um ihn zu kümmern, entwickeln sich zwischen den beiden Gefühle, bis plötzlich ein ungeheurer Verdacht im Raum steht…

Der Film ist düster und grau, wie das beginnende Herbstwetter, es gibt nur wenige Lichtblicke, und die aufkeimende Liebesgeschichte kann die trostlose Stimmung nicht wirklich aufhellen. Chastain und Sarsgaard geben ihren Figuren zwar eine gewisse Tiefe, aber man bekommt keinen wirklichen Zugang zu ihnen. So ist der Verdacht, dem sich Saul ausgesetzt sieht, zwar schwerwiegend, aber plötzliche Zweifel an Sylvias Urteilsfähigkeit stellen alles wieder in Frage.
 
Eine Liebe ohne Zukunft, viel Trauma und viel Traurigkeit, vielleicht vermag der/die ein oder andere darin dennoch ein Fünkchen positiver Energie entdecken, wer sich damit auseinandersetzen mag, ist hier richtig, wer einen unbeschwerten Kinoabend sucht, eher nicht.
 

 


 

Regie: Michel Franco

Drehbuch: Michel Franco

Kamera: Yves Cape

Schnitt: Óscar Figueroa, Michel Franco

 

Besetzung:

Jessica Chastain, Peter Sarsgaard, Brooke Timber, Elsie Fisher, Josh Charles

 

MUBI

USA 2023

103 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 03. September 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=OR7fHlioBWY (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=Hbh862--Iy8 (Englisch)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 6. Januar 2022

Im Kino: The 355

CIA-Agentin Mason „Mace" Brown (Jessica Chastain) ist auf der Jagd nach einer in falsche Hände geratenen furchtbaren Schadsoftware, die die ganze Welt per Knopfdruck ins Chaos stürzen kann. Allein hat sie angesichts der Armada von Bösewichtern, die ihre gierigen Finger nach diesem MacGuffin ausstrecken keine Chance und so tut sie sich mit einer internationalen Truppe von Kolleginnen zusammen: Marie (Diane Kruger) vom deutschen BND, Technikspezialistin Khadijah (Lupita Nyong'o) vom britischen MI6 sowie der kolumbianischen Psychologin Graciela (Penélope Cruz). Welche Rolle die geheimnisvolle Lin Mi Sheng (Bingbing Fan) spielt, ist zunächst nicht klar, dafür überschlagen sich die Ereignisse im Minutentakt...

Wie es sich für einen Film im Agentenmilieu gehört, geht es auch in „The 355“ um nichts weniger als die Rettung der Welt mit Schauplätzen rund um die Welt, nur dass diese Mission diesmal ausschließlich in zarte Frauenhände gelegt wird, welche sich plötzlich gar nicht mehr als so zart erweisen, sondern gehörig zuschlagen können und müssen. Das machen sie richtig gut, gewöhnungsbedürftig höchsten für die ältere Zuschauergeneration, die sich, auch wenn sie mit Charlie’s Angels aufgewachsen ist, damit wird abfinden müssen, dass eine jüngere Generation heranwächst, für die es normal sein wird, dass nicht ausschließlich Männer die Hauptakteure in Actionfilmen sind und das ist auch gut so.

Noch nicht so gut ist, dass Frauen zwischendurch immer wieder beweisen müssen, dass sie Frauen sind, so wenn sie zwischendurch zu Hause anrufen, damit sich die Familie daheim keine Sorgen macht, oder wenn sie im Sommerkleidchen eine wilde und dreckige Verfolgungsjagd durch die Pariser Metro-Tunnel absolvieren und aus der Tarnung einer mondänen Abendveranstaltung heraus in High Heels und aufreizender Abendgarderobe in den Actionmodus schalten müssen, was das Rennen, Ballern und Prügeln irgendwie erschwert und letztlich dann doch wieder unglaubwürdig wirken lässt. Da kommen die alten Klischees halt immer noch hoch, aber vielleicht gibt es irgendwann einen Q, der ihnen eine Garderoben-Kollektion entwickelt, die sich bei Bedarf in praktische Arbeitskleidung verwandelt...

Über diese Kritikpunkte ließe sich hinwegsehen, wirklich nicht gut ist jedoch, wenn ein Actionfilm seine Handlungsfäden so vorhersehbar miteinander verknüpft, dass am Ende nun wirklich kein originelles Muster herauskommt. Die „überraschenden Wendungen" überraschen nicht und auch dialogmäßig hat man tief in den Klischeezettelkasten gegriffen. Hier hätten die Agentinnen wirklich mehr verdient gehabt, dann hätte dies ein richtig guter Film werden können!

Der Titel geht im übrigen auf die erste weibliche Spionin während der amerikanischen Revolution zurück, deren Identität bis heute nicht geklärt ist, dies wird kurz am Rande erwähnt, sollte dies möglicherweise ein Hinweis auf eine Fortsetzung sein? Wir werden sehen…

 


 Regie: Simon Kinberg

Drehbuch: Theresa Rebeck, Simon Kinberg, Bek Smith

Kamera: Tim Maurice-Jones

Schnitt: John Gilbert, Lee Smith

Musik: Junkie XL

 

Besetzung:

Jessica Chastain, Penélope Cruz, Diane Kruger, Lupita Nyong’o, Bingbing Fan,

Sebastian Stan, Edgar Ramírez

 

Universal Pictures/ Leonine Studios

2022

124 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 06. Januar 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=vXFmicWhv60 (Deutsch)

           https://www.youtube.com/watch?v=i200Q_UonJY (Englisch)

 

 

 

Dienstag, 4. Juli 2017

Film-Rezensionen: Die Erfindung der Wahrheit (Miss Sloane)


In Deutschland setzen sich Berufsverbände für ihre Mitglieder ein, um Einfluss auf Politiker und Gesetzgebung zu nehmen. Diese Lobbyisten arbeiten im Verborgenen, aber ihre Macht ist riesengroß. In den USA gibt es Kanzleien, die gegen entsprechendes Honorar bei dieser Arbeit helfen.


Elisabeth Sloane (Jessica Chastain) ist Lobbyistin, und sie ist eine der besten. Hat sie einen Auftrag angenommen, verbeißt sie sich erbarmungslos in die Aufgabe, bis sie erreicht hat, was man von ihr erwartet. Lobbyarbeit bedeutet für sie, die Pläne des Gegners vorherzusehen und immer einen Schritt schneller zu sein. Sie ist hart gegen andere und hart gegen sich selbst, ihr Privatleben reduziert sich auf regelmäßige Treffen mit einem Callboy (Jake Lacy).

Als eines Tages Vertreter der Waffenhersteller vorstellig werden, denen sehr daran gelegen ist, ein anstehendes Gesetz zu verhindern, in dem geregelt werden soll, dass Waffenkäufer registriert und persönlich überprüft werden müssen, scheint Elisabeth genau die Richtige, um diesen Job zu übernehmen.

Aber zur Überraschung aller und zum Entsetzen ihres Seniorpartners George Dupont (Sam Waterston) lehnt Elisabeth diesen Auftrag nicht nur ab, sondern wechselt die Seiten, indem sie bei der sehr viel kleineren Agentur Peterson Wyatt anheuert, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, das Gesetz auf den Weg zu bringen. Ihr neuer Chef Rodolfo Schmidt (Mark Strong), kann sein Glück nicht fassen, als er nicht nur Elisabeth selbst auf seine Seite bekommt, sondern einen Teil ihres alten Teams, das sie in einer bemerkenswerten Aktion überredet, ihr zu folgen. Lediglich ihre engste Mitarbeiterin Jane (Alison Pill) sieht die Chance gekommen, sich von Elisabeth zu emanzipieren und entscheidet sich gegen sie.
 
Sechzig Senatoren müssen für das Gesetz stimmen. Ein Teil hat sich bereits festgelegt, um jeden Unentschlossene wird mit allen Mitteln und in mühevoller Kleinarbeit gekämpft. Elisabeth kennt alle Tricks und hat keine Scheu, sie anzuwenden. Aber ihre alten Kollegen sind nun ihre Gegner und da diese ebenfalls nicht zimperlich sind, gelingt es, Elisabeth mit Interna aus ihrem vorherigen Job zu kompromittieren. Plötzlich sieht sie sich auf der Anklagebank in einem Korruptionsverfahren unter der Leitung des ehrenwerten Senators Sperling (John Lithgow), eine mindestens fünfjährige Haftstrafe droht. Allerdings ist der Senator nicht ganz so ehrenwert, und ob am Ende ein Sieg oder eine Niederlage steht, ist ein spannendes Spiel, bei dem die Karten immer wieder neu gemischt werden…
 
Der Film ist hart und kalt wie seine Protagonistin, ein politisches Katz- und Mausspiel mit überraschenden Wendungen, in dem die Akteure Ideen und Worte in einem zeitweise atemberaubenden Tempo abfeuern. Das Geflecht von Politik und Wirtschaft wird als der Sumpf präsentiert, den man sich genau so vorstellt. Dennoch ist der Film hochspannend, als Zuschauer ist man hin- und hergerissen zwischen Bewunderung für das hochprofessionelle Engagement aller und Abscheu über die eingesetzten Mittel.

Jessica Chastain verleiht Elisabeth Sloane eine intensive Präsenz, aber es ist schwer, sich für sie zu erwärmen. Wir erfahren nicht wirklich, warum sie sich zu einer vehementen Gegnerin der Waffenlobby macht, ob es ihre persönliche Einstellung ist, oder doch nur die Herausforderung in einer aussichtlos scheinenden Sache als Siegerin vom Platz zu gehen.

Obwohl Chastain den Film gnadenlos dominiert, ist dies natürlich kein Frauenfilm. Die Figur Elisabeth Sloane zeichnet das Porträt eines Machtmenschen, der es beruflich ganz nach oben bringen will und auf dem Weg dahin müssen Männer wie Frauen offensichtlich dieselben Mechanismen bedienen. Wer ein hochgestecktes Ziel erreichen will, so die Botschaft, muss hart und skrupellos sein, möglichst ohne private Bindungen, reicht die erforderliche Energie nicht aus, gibt es entsprechende Pillen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der angestrebte Erfolg verwerflich, gerechtfertigt oder ethisch neutral ist, entscheidend ist, alles dafür zu geben.


Regie: John Madden 
Drehbuch: Jonathan Perera 
Kamera: Sebastian Blenkov
Produktion: Ariel Zeitoun 
Darsteller: Jessica Chastain, Mark Strong, Sam Waterston, Gugu Mbatha-Raw, Alison Pill, John Lithgow, Jake Lacy, Michael Stuhlbarg
 
USA 132 Minuten 
Deutscher Start: 06. Juli 2017
http://www.die-erfindung-der-wahrheit-film.de/