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Mittwoch, 28. Juli 2021

Im Kino: Himmel über dem Camino – Der Jakobsweg ist Leben! (Camino Skies)

Der Film begleitet sechs Menschen aus Neuseeland und Australien auf dem Jakobsweg, fast 800 lange Kilometer von Frankreich nach Santiago de Compostela. Über den Weg an sich, seine Geschichte, die Landschaft und was die Pilger grundsätzlich erwartet, erfährt man wenig und technisch ist alles eher einfach gehalten, mit Handkamera im Gepäck gibt es halt keine raffinierte Bebilderung. Die deutsche Fassung liefert leider keine vollständige Synchronfassung, die deutschen Stimmen werden einfach über den Originalton gelegt, was sich immer wieder als störend erweist, hier wäre eine Untertitelung besser gewesen.

Ansonsten liegt der Fokus auf den sechs Pilgern und Pilgerinnen, Julie, Sue, Mark,
Terry, Claude und Cheryl, alle bereits in der zweiten Hälfte ihres Lebens, die sich aus verschiedenen Gründen auf die Wanderschaft begeben haben. Wer in diesem Lebensabschnitt aufbricht und sich, teilweise unter erheblichen Schmerzen, den Strapazen einer solchen Wanderung unterwirft, möchte oft Schicksalsschläge wie Trennung oder den Tod von geliebten Menschen verarbeiten, und diese sehr persönlichen Motive werden nach und nach behutsam angesprochen. Trotz aller Schwere auf der einen Seite kommt es aber durchaus auch zu beschwingten und fröhlichen Szenen und am Ende nimmt man teil am Stolz und der Erleichterung, den der Einzug in Santiago des Compostela für alle bedeutet, die es schließlich gegen alle Widrigkeiten geschafft haben.

Aber hier ist für manche die Reise noch nicht ganz zu Ende und der Film begleitet die Pilgerin Julie zum Abschluss in das Hafenstädtchen Muxia, wo für sie der endgültige Abschluss ihrer Reise liegt. Wie für die Wanderer untereinander ergibt sich für die Zuschauer so etwas wie eine Bekanntschaft auf Zeit, für einen kurzen Moment zoomt der Film völlig fremde Menschen und ihre Schicksale ganz nah heran, um sich dann wieder von ihnen verabschieden, vielleicht weckt er aber bei dem ein oder anderen den Wunsch, sich auch ohne ein schwerwiegendes Schicksal einmal auf diesen Weg zu machen.

 


 Regie: Moel Smyth, Fergus Grady

Drehbuch: Noel Smyth, Fergus Grady

Kamera: Noel Smyth

Schnitt:

Musik: Tom McLeod

 

Mit: Julie Zarifeh, Sue Morris, Mark Thomson, Terry, Claude Tranchant, Cheryl Stone, Father Manny u.a.

 

Dokumentarfilm

Ascot Elite/ 24 Bilder

NZ/ Aus 2019

FSK 0

80 min.

 Bildmaterial: © Ascot Elite Entertainment / 24 Bilder 

 

Nach immer wieder verschobenen Startterminen nun endlich ab  
29. Juli 2021 im Kino!
 
 
 

Donnerstag, 7. Februar 2019

Film-Rezensionen: The Prodigy

Ein Frauenmörder, der es liebt, seinen Opfern vor der Tötung die Hände abzutrennen, wird von der Polizei erschossen, nachdem eine der Frauen entkommen und bevor er sein "Werk" vollenden konnte. Im Moment seines Todes bringt in einem anderen Teil der USA eine Frau namens Sarah Blume (Taylor Schilling) ein Kind zur Welt. 

Der kleine Miles (Jackson Robert Scott) zeigt schon bald Entwicklungsschübe, die auf eine
Hochbegabung hindeuten (daher der Filmtitel: „Wunderkind"), während sein Sozialverhalten jedoch gestört zu sein scheint. Als er etwa acht Jahre alt ist, häufen sich die beunruhigenden Vorkommnisse, die sich nicht mehr mit den Sonderlichkeiten eines hochbegabten Nerds erklären lassen und seine verzweifelte Mutter wird in einen unauflösbaren Konflikt gestürzt zwischen der Liebe zu ihrem Kind und der Bekämpfung des Bösen, das, wie sie mehr und mehr glaubt, in ihm steckt.


Der Horrorfilm von Nicholas McCarthy appelliert an tiefste Elternängste und spielt ebenso mit den Gefühlen des Zuschauers, der immer wieder zweifelt, ob das Geschehen real oder nur in der Einbildung der Beteiligten existiert, weil die Inkarnation des Bösen in einem Kind stets eine besondere Anmutung darstellt. Aber es gab genügend Vorläufer, in denen sich, offensichtlich von deren Unschuld angezogen, das Böse genau aus diesem Grund gerne eines Kindes bedient, siehe Regan in „The Exorcist“ und natürlich Satansbraten Damien in "The Omen". Auch wenn einige Züge der Handlung der vorhersehbaren Logik des Genres folgen und dem abgebrühten Horrorfan sicher nicht mehr als einen wohligen Schauer bescheren werden, wartet der Schluss mit einer durchaus überraschenden Wendung auf, als Mutter Sarah vor einer grausamen Entscheidung steht.




Regie: Nicholas McCarthy
Drehbuch: Jeff Buhler
Kamera: Bridger Nielson
Musik: Joseph Bishara

Darsteller:
Taylor Schilling, Jackson Robert Scott, Colm Feore, Peter Mooney, Paul Fauteau

Orion Pictures/ splendid film
92 min.
Deutscher Kinostart: 07. Februar 2019




Fotos und Clip: © 2000-2019 MR FilmPressKit-online Gmbh


Dienstag, 26. Juni 2018

Film-Rezensionen: Love, Simon

Mit 17 ist man voller Erwartung auf das Leben und die große Liebe, der man hoffentlich eines Tages begegnen wird. Bei Simon Spier (Nick Robinson) ist die Lage etwas schwieriger, denn er ist schwul und weder seine Familie noch seine Schulfreunde wissen davon. Eines Tages erfährt er auf einer anonymen Schulseite, dass es noch jemanden in seinem Umfeld gibt und ohne zu wissen, wer der andere ist, beginnt er mit Blue, wie der sich ihm gegenüber nennt, einen E-Mail-Flirt. Simon hat eine liebevolle Familie und gute Freunde, aber nun erfährt er das erste Mal wie es ist, von jemandem verstanden zu werden, der so fühlt wie er. Nach und nach wird der Wunsch stärker, herauszufinden, wer Blue ist und in seinen Gedanken spielt er alle in Frage kommenden Kandidaten durch. Leider liest eines Tages der bei niemandem sonderlich beliebte Martin (Logan Miller) eine seiner E-Mails und erpresst Simon damit, ihn zu outen, wenn er ihm nicht zu einem Date mit der schönen Abby Suso (Alexandra Shipp) verhilft, während die Schulfreundin Leah (Katherine Langford) wiederum heimlich in Simon verliebt ist, wodurch die Irrungen und Wirrungen für alle Beteiligten ihren Lauf nehmen...


Der Film ist ein weiterer gut gemachter Teenager-Film, der das Thema erste Liebe und Coming of Age um die Variante Homosexualität erweitert, nur um zu zeigen, dass es letztlich keinen Unterschied gibt, die Gefühle und die Schwierigkeiten, sich dazu zu bekennen, sind dieselben. Erleichtert wird die Identifikation des Zuschauers mit Simon und seinen Problemen dadurch, dass er ein absoluter Sympathieträger ist, charmant, liebenswert und hübsch. Er selbst hält bei seiner Suche nach dem anonymen Blue auch nur nach gutaussehenden, sympathischen Jungs Ausschau, wodurch sich die Frage stellt, wie die Geschichte ausgesehen hätte, wäre Simon klein, dick, pickligen oder unscheinbar, wären die Toleranz und das Mitgefühl des Zuschauers genauso ausgefallen?

Davon abgesehen hinterlässt der Film ein gutes Gefühl und gibt den offensichtlich immer noch notwendigen positiven Anstoß, einmal mehr darüber nachzudenken, ob Homosexualität für einen jungen Menschen nach wie vor ein solch großes Problem darstellen sollte und ob es immer noch so schwer sein muss, sich seinen Eltern und Freunden zu offenbaren, und vor allem, ob es auf der anderen Seite immer noch eines „Outings“ bedarf, einer Offenbarung intimster Dinge, die niemanden sonst etwas angehen. Noch scheint es notwendig zu sein, in die Offensive zu gehen, um sich nicht erpressbar zu machen und den Zeitpunkt für diese Offenbarung selbst bestimmen zu können. Erst wenn dies nicht mehr notwendig sein wird, wird der Druck, der leider immer noch gerade für junge Menschen besteht, verschwinden und der Film ist so liebenswert gemacht, dass er hierzu einen guten Beitrag leisten kann




 Regie: Greg Berlanti
Drehbuch: Elizabeth Berger, Isaac Aptaker, b/a dem 
Jugendroman von Becky Albertalli „Simon vs. The Homo Sapien’s Agenda“ 
Kamera: John Guleserian 
Musik: Rob Simonsen
Darsteller:
Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Logan Miller, Keiynan Lonsdale, Jorge Lendeborg Jr., Jennifer Garner, Josh Duhamel

USA 110 min.
Kinostart: 28. Juni 2018