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Montag, 28. Januar 2019

Film-Rezensionen: The Mule


Der fast neunzigjährige Earle Stone (Clint Eastwood) hat seine ganzes Leben gearbeitet und steht schließlich dennoch vor der Insolvenz seines Blumenhandels. Als er mit den Resten seines Hausstands auf dem alten Lieferwagen bei der Hochzeit seiner Enkeltochter Ginny (Taissa Farmiga) auftaucht, erhält er von einem der Gäste ein willkommenes Angebot, etwas Geld zu verdienen, bei dem er nur das machen muss, was er als Handlungsreisender sein ganzes Leben getan hat: Auto fahren. Nebenbei transportiert er in seinem Kofferraum allerdings auch noch ein Paket, am Zielort stellt er den Wagen kurz ab und bei seiner Rückkehr ist das Paket verschwunden, dafür liegt ein Bündel Geld im Handschuhfach, und dieses Prozedere wiederholt sich bei jeder weiteren Fahrt.

Earl ist zwar alt und anfangs ziemlich naiv, aber er ist nicht dumm und so ist ihm bald klar, was er da transportiert, nämlich als sogenanntes „Maultier" („Mule“) Drogen für das örtliche Drogenkartell. Eigentlich hätte damit für Earl sofort Schluss mit seinen Fahrten sein müssen, aber die Geldbündel in seinem Handschuhfach werden immer dicker, die Pakete, die er transportiert allerdings auch. Der Kartellboss Laton (Andy Garcia) ist mit Earl hochzufrieden, denn wer wäre unverdächtiger als ein alter Mann in seinem Transporter, wobei sich Earl inzwischen bereits einen nagelneuen SUV gegönnt hat.

Auch sonst weiß er das Geld gut zu nutzen. Sein ganzes Leben lang hat er seine Lilien mehr geliebt und sich um sie mehr gekümmert, als um seine Familie, die er bei allen wichtigen Ereignissen im Stich gelassen hat, weil er irgendwo unterwegs war. Daran ist seine Ehe mit Exfrau Mary (Dianne Wiest) gescheitert und so hat er die Liebe seiner Tochter Iris (Alison Eastwood) verloren, die sich schon lange von ihm abgewendet hat. Nun beginnt er, sich mit seinem neuen Reichtum zurückzukaufen, was er verloren hat, indem er großzügig Geschenke an Familie und Freunde verteilt und dabei sichtlich seinen neuen Status als Gönner und Wohltäter genießt.

Erst als Mary im Sterben liegt, ist er endlich bereit, sich seiner Familie und seiner Verantwortung zu stellen, allerdings bringt er damit sich und seine Geschäfte in Gefahr, denn die Drogenfahndung in Gestalt der Agenten Bates (Bradley Cooper) und Treviño (Michael Peña) ist ihm letztlich doch auf die Spur gekommen, und deren Netz zieht sich immer enger zu. Nachdem er am Ende auch noch die brutale Seite seiner Geschäftspartner kennen gelernt hat, ist es fast eine Erlösung, als die DEA den Drogenring hochnimmt. Vor Gericht steht Earl entgegen den Bemühungen seiner Anwältin zu seiner Schuld, geht ins Gefängnis und kümmert sich dort um den Knastgarten. Das Wichtigste ist jedoch, dass seine Familie ihm verzeiht, zudem weiß sie zumindest für die nächste Zeit, wo er ist...

Clint Eastwood hat mit diesem Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, ein launiges Alterswerk vorgelegt, bei dem er erstmals seit „Gran Torino“ auch noch einmal selbst vor der Kamera agiert. Er tut dies mit Grandezza und einer entwaffnenden Lässigkeit, balanciert seine Figur Earl gekonnt zwischen Naivität und Gerissenheit. Seine Gesangseinlagen im Auto, sein lockerer Umgang mit den Drogengangstern vermitteln das Bild eines Lebenskünstlers, der mit allen Menschen gut auszukommen scheint, außer mit denen, die ihm am nächsten sind. Insofern ist es nicht leicht, völlige Sympathie für Earl zu entwickeln, er bleibt undurchschaubar. Auch wenn er sich am Ende seiner Verantwortung stellt, wird nicht klar, ob er seine Karriere als Drogenkurier bereut, eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass er seine Familie und Freunde mit schmutzigem Drogengeld gewinnen wollte, findet leider nicht statt. Dafür scheint die Reue bezüglich all der verlorenen Jahre, in denen er seiner Familie nie wirklich nahe war, echt zu sein, es ist nur schade, dass es eines Verbrechens bedurfte, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen.



Regie: Clint Eastwood 
Drehbuch: Nick Schenk, inspiriert durch einen
New York Times Magazine-Artikel „The Sinaloa Cartels’ 90-Year-Old Drug Mule“
von Sam Dolnick 
Kamera: Yves Bélanger
Musik: Arturo Sandoval
Schnitt: Joel Cox

Darsteller:
Clint Eastwood, Laurence Fishburn, Dianne Wiest, Bradley Cooper, Andy Garcia, Michael Peña, Alison Eastwood, Taissa Farmiga, Ignacio Serricchio, Loren Dean, Eugene Cordero

Warner Bros. Pictures, Imperative Entertainment
und BRON Creative
116 min.
Deutscher Kinostart: 31. Januar 2019 









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