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Sonntag, 13. Januar 2019

Film-Rezensionen: The Front Runner


Im Jahr 1987 hatte Gary Hart, Ex-Senator aus Colorado, beste Chancen, als Kandidat der Demokratischen Partei im Wahlkampf um das Amt des 41. Präsidenten der USA ins Rennen zu gehen. Diese Chancen lösten sich innerhalb kurzer Zeit in Luft auf, Hart zog zurück und der ehemalige Vizepräsident von Ronald Reagan, George H. W. Bush, setzte sich bei der Wahl 1988 gegen den neuen Kandidaten der Demokraten, Michael Dukakis, durch.


Der Grund für Gary Harts Scheitern lag nicht an seinen Fähigkeiten, er war ein überzeugender Redner und brillanter Analyst des politischen Geschehens. Zu Fall brachte ihn eine angebliche außereheliche Affäre mit
einer Frau namens Donna Rice. War man den bisherigen Präsidenten gegenüber in Bezug auf Liebschaften und sexuelle Eskapaden immer nachsichtig gewesen und hatte deren Verfehlungen geflissentlich aus der Berichterstattung herausgehalten, war der Fall des Gary Hart der erste, bei dem das private Verhalten eine so große Rolle spielte, dass es einen aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten zu Fall brachte.

Der Film orientiert sich eng an der Buchvorlage des Journalisten Matt Bai, der sich in seinem Werk „All the truth is out: The week politics went tabloid“ fundiert dem Politiker und Menschen Hart widmet, und daraus ist ein intelligenter und spannender Film entstanden, der den Zuschauer mitten hinein in die Maschinerie eines amerikanischen Wahlkampfs führt. Wir sind hautnah dabei, wenn ein ganzes Team von gewieften aber auch jungen engagierten Mitarbeitern praktisch Tag und Nacht an der Positionierung ihres Kandidaten arbeitet, und Hart ist kein einfaches „Produkt". Er ist eher spröde und zurückhaltend, viele der von seinem Team als notwendig erachteten PR-Termine machen ihm sichtlich keinen Spaß, aber er spielt mit, wenn auch widerwillig, um dann alle bei einem sportlichen Axtwurf auf eine Zielscheibe zu überraschen, wo er mühelos ins Schwarze trifft. Ansonsten fokussiert er sich jedoch ausschließlich auf seine politischen Botschaften und Analysen, von denen sich einige im Nachhinein als zutreffend erweisen sollten, wie hätte wohl ein Amerika ohne Bush Senior ausgesehen, hätte es einen Präsidenten Bush Junior dann überhaupt noch gegeben? Gedankenspiele, die sich ergeben, ebenso wie die Frage, weshalb ausgerechnet Hart über seine Affäre stolpern musste.

Der Film liefert hierzu keine endgültigen Antworten und bringt gerade dadurch den Zuschauer dazu, sich selbst ein Bild zu machen und zu hinterfragen, inwieweit private Seiten eines Politikers für dessen berufliches Wirken relevant sind. Wir sehen, wie ein intelligenter, politisch erfahrener Mann durch eine von ihm selbst angestachelte Presse zu Fall gebracht wird, die er mit einem wütend hinausgeschleuderten Satz „Follow me around. I don’t care" herausgefordert hatte. Offensichtlich ohne jegliches Verständnis für das Interesse an ihm als Privatperson, versucht er unbeirrt, seine Arbeit zu machen und reißt damit am Ende sich und sein engagiertes Team in den Abgrund.

Hugh Jackman in einer seiner stärksten Rollen spielt diesen Mann zurückgenommen und präzise, er porträtiert ihn als unterkühlten Menschen, soweit es um sein privates Umfeld geht, in der Sache leidenschaftlich und engagiert, der am Ende nicht begreift, wieso ein privater Fehltritt, der weder von ihm noch seiner angeblichen Liebschaft jemals bestätigt wurde, die politische Karriere beendete. 

Eine auch in den weiteren Rollen hochkarätige Besetzung macht aus dem Fall des Gary Hart ein politisches und gesellschaftliches Lehrstück, das auch heute nichts von seiner Brisanz eingebüßt hat.


Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Matt Bai, Jay Carson, Jason Reitman b/a Buch von Matt Mai
Kamera: Eric Steelberg
Musik: Rob Simonsen
Darsteller: Hugh Jackmank, Vera Farmiga, J.K. Simmons, Mark O’Brian, Alfred Molina,
Sara Paxton
 

Sony Pictures
113 min.
Deutscher Kinostart: 17. Januar 2019



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