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Donnerstag, 10. September 2026

Im Kino: Frühstück bei Audrey (La Poupée)

Der nach einer enttäuschenden Beziehung einsame Kunstrasenvertreter Rémi (Vincent Macaigne) lebt allein, schwärmt seinen Kollegen aber von seiner neuen Freundin Audrey vor, wobei er allerdings verschweigt, dass es sich dabei um eine lebensgroße Puppe (Zoé Marchal) handelt. Eines Tages erwacht diese plötzlich zum Leben und stellt Rémi vor ungeahnte Probleme, und dann erweckt unerwarteterweise auch noch seine neue Kollegin Patricia (Cécile de France) sein Interesse …

Eine willige schöne junge Frau, die keine Widerworte gibt – wenn das nicht der Traum eines jeden Mannes ist! Leider ist ein Verhältnis mit einer Sexpuppe gesellschaftlich nicht so angesehen, so dass man sich selten öffentlich dazu bekennt und diese Leidenschaft eher im Geheimen pflegt. Hier wird der Protagonist allerdings nicht als Sonderling mit psychopathischen Zügen präsentiert, sondern als zwar durchaus etwas verpeilter aber liebenswerter einsamer Mensch, der für sich sein Glück gefunden zu haben scheint.

Die Probleme, die man(n) eigentlich vermeiden wollte, fangen dann aber genau da an, wenn aus der Puppe eine Frau aus Fleisch und Blut wird, die zwar gewohnt begehrenswert bleibt, aber nach und nach immer mehr Ansprüche stellt, ebenso wie ihre plötzliche emanzipatorische Entwicklung zu – gelinde gesagt – irritieren beginnt. Ein offensichtlich nicht so selbstbewusster Mann wie Rémi ist damit schnell überfordert.

Aber ebenso überfordern ihn auch die anderen beiden Frauenfiguren – neben der Kollegin Patrice gibt es noch seine lesbische Schwester Domi (Adèle Journeaux) – und es ist schön zu sehen, wie sich nach und nach alle Facetten der modernen Frau vor Rémi auffächern: hier das scheinbar gutaussehende Dummchen, dort die patente und burschikose Patrice, die sich im männlichen Kollegenkreis souverän zu behaupten weiß, bis hin zur selbstbestimmten Schwester, die eben Frauen liebt.

Der Film ist dabei kein trockener Lehrfilm über männliche und weibliche Rollenmuster und ihre Brechung, sondern eine lockere und leichte Komödie, die ihr Thema mit Augenzwinkern und originellen Einfällen abhandelt, wobei es besonders nett ist, dass die Prämisse einer zum Leben erwachten Puppe zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt wird. Nicht ganz gelungen ist allerdings der deutsche Titel. 

 

  Regie: Sophie Beaulieu

Drehbuch: Sophie Beaulieu

Kamera: Yann Maritaud

Schnitt: Jean-Francois

 Besetzung:

Vincent Macaigne, Cécile de France, Zoé Marchal, Marianne Basler, Adèle Journeaux, Gilbert Melki

 Novoprod/Canal+/Neue Visionen Filmverleih

2025

80 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 10. September 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=eBjsYCqc0Lw (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=MC1Zu3KjVyQ (Französisch)

Montag, 31. Juli 2023

Im Kino: Im Herzen jung (Les Jeunes Amants)

Nach einer kurzen Begegnung treffen sich Shauna (Fanny Ardant) und der Arzt Pierre (Melvil Poupaud) nach 15 Jahren zufällig wieder, dabei wird die von Anfang an bestehende Anziehung stärker und die beiden verlieben sich ineinander. Allerdings gibt es einen Haken: Shauna ist Anfang 70 und Pierre Mitte 40, außerdem lebt er eigentlich in einer glücklichen Beziehung mit Frau und zwei Kindern. Als wäre dies nicht bereits problematisch genug, erkrankt Shauna, und damit wird ihre Liebe, die in ihrem Umfeld ohnehin auf Unverständnis stößt, endgültig auf eine harte Probe gestellt…

„Wir alle atmen die gleiche Luft…“ Dies vorangestellt sollte die in diesem Film erzählte Liebesgeschichte eigentlich nichts Besonderes sein, allerdings sprechen gesellschaftliche Konventionen immer noch eine andere Sprache, vor allem wenn, wie in diesem Fall, eine Frau um so viel älter ist, als der Mann. Daran hat sich seit „Harold und Maude“ aus dem Jahr 1971 auch nicht wirklich etwas geändert, wobei es sich allerdings damals um eine eher schwarze Komödie über die Liebe zweier Außenseiter handelte, die ohnehin nicht die Mitte der Gesellschaft repräsentierten.

Hier nun werden wir hineingezogen in eine melodramatische Romanze zweier Menschen, die im Falle von Shauna eigentlich mit Liebe, Beziehung und dem ganzen Rest eigentlich bereits abgeschlossen hatte, und einem beruflich und familiär noch voll im Leben stehenden Mann. Insofern ist es für Außenstehende – und damit auch für uns Zuschauende – nicht so leicht nachzuvollziehen, was mit diesen beiden geschieht, aber ist es das nicht eigentlich immer? Was zwei Menschen aneinander bindet, welche Gefühle zwischen ihnen herrschen und worauf ihre Liebe fußt, das verstehen letztlich ohnehin nur die Betroffenen und ein Urteil hierüber erübrigt sich für alle anderen.

Die Liebe von Shauna und Pierre mag unverständlich erscheinen, und der Film hat gewisse Längen, in denen er sich bemüht, sie begreiflich werden zu lassen. Dass dies am Ende tatsächlich gelingt, ist den beiden großartigen Darstellern zu verdanken, die voller Zärtlichkeit miteinander agieren, so dass man ihnen von Herzen wünscht, dass ihnen noch einige erfüllte Jahre vergönnte sein mögen.

 


 

 Regie: Carine Tardieu

Drehbuch: Agnès de Sacy, Carine Tardieu, Sólveig Anspach

Kamera: Elin Kirschfink

Schnitt: Christel Dewynter

Musik: Eric Slabiak

Besetzung:

Fanny Ardant, Melvil Poupaud, Cécile de France, Florence Loiret-Caille, Sharif Andoura, Sarah Henochsberg, Martin Laurent, Olenka Ilunga Manda Touré, Julia Gómez


Alamode Film

Frk/B 2021

112 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 03. August 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=2JjOal2kJ_Y (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=8kJ_anG-_Uw (Französisch)