Blog-Archiv

Donnerstag, 5. November 2026

Im Kino: Wildwood

Die zwölfjährige Prue lebt mit Eltern und kleinem Bruder in Portland, Oregon, und es ist ihr verboten, mit dem Bruder nach draußen zu gehen. Als sie sich eines Tages darüber hinwegsetzt und mit ihm einen Ausflug macht, wird dieser in einen undurchdringlichen Wald außerhalb der Stadt entführt und Prue setzt alles daran, mit Hilfe ihres nerdigen Mitschülers Curtis, ihren Bruder zu finden und zurückzuholen, nicht ahnen, welch gefährliche Mission ihr bevorsteht, welche finsteren Mächte sich ihr in den Weg stellen werden und welches Familiengeheimnis ihr bisher verschwiegen wurde…

Dieser in der Stop-Motion-Technik, also in äußerst aufwändiger Handarbeit hergestellte Film, bei der jede Figur in jede Position verschoben und dann gefilmt wird, sprengt mit dem hierfür betriebenen Aufwand sowohl aufgrund seiner Vielzahl an bewegten Figuren, als auch hinsichtlich seiner Länge jegliche Dimensionen.

Herausgekommen ist ein episches Werk, das von der ersten Minute an fasziniert, dessen Handlung mitreißt, zwischen wunderbaren emotionalen Momenten und monumentalen Schlachtszenen, es gibt sprechende Tiere mit menschlichen Attitüden, bei denen das Tierische aber durchaus immer mal wieder hervorlugt, geheimnisvolle Mythen und heroische Momente, die bewegen, ein Film, der bis zum Ende und darüber hinaus fesselt, der den Vergleich mit Klassikern wie dem Herrn der Ringe nicht zu scheuen braucht.

Es ist sicher aufgrund einiger der Schlachtszenen kein Film für kleinere Kinder, aber das LAIKA-Studio hat hier mit so viel Leidenschaft und Liebe zum Detail etwas Großartiges auf die Leinwand gezaubert, dass man nur hoffen und wünschen kann, der Film möge sein Publikum finden, das dies alles genießt und zu schätzen weiß.

 

   Regie: Travis Knight

Drehbuch: Chris Butler, b/a der Buchreihe von Colin Meloy, illustriert von Carson Ellis

Kamera: Caleb Deschanel

Schnitt: Christopher Murrie-Green

Musik: Dario Marianelli

 Besetzung:

Stimmen original: Carey Mulligan, Tantoo Cardinal, Marc Evan Jackson, Richard E. Grant, Jacob Tremblay, Tom Waits

 LAIKA Entertainment/ Capelight Pictures/ Polyfilm

2026

139 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 05. November 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_Cq_tkY8gek (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=dtr5JL1zkiM (Englisch)

 

Im Kino: Ein Talent fürs Morden (A Talent for Murder)

1995 hat sich die für den von ihr geschaffenen ikonischen, amoralischen Mordbuben Tom Ripley berühmte Thriller-Autorin Patricia Highsmith (Helen Mirren) in ihr Chalet in den Schweizer Alpen zurückgezogen und nichts und niemand kann sie offensichtlich dazu überreden, noch einen letzten Band nachzulegen. Da schickt ihr Verlag den jungen, ambitionierten Agenten Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich), um sie doch noch umzustimmen und es entwickelt sich zwischen den beiden ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem sich die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit immer mehr verwischen…

Der Film entwirft das Porträt einer gealterten, misanthropischen Frau, die sich rauchend und whiskeyschlürfend in einem düsteren Ambiente mitten in der wunderschönen Berglandschaft der Schweiz ihre einsamen Tage vertreibt, bis ihr das Schicksal einen eifrigen jungen Mann, im übertragenden Sinn, vor die Flinte treibt, aber so ganz weit hergeholt ist das Bild nicht, denn die Krimiautorin ist eifrige Sammlerin aller möglichen (Mord)Waffen.

Indem der junge Edward versucht, über seine Leidenschaft für das Werk Highsmiths und auch aus seiner offenkundigen Verehrung für die Meisterin diese zu ködern, hängt er, ehe er es merkt, bereits an ihrem Haken, indem sie scheinbar auf sein Angebot eingeht, ihren Tom Ripley noch ein letztes Mal auftreten zu lassen, allerdings nur unter der Bedingung, dass Edward ihr dabei hilft, gemeinsam mit ihr den erforderlichen mörderischen Plot zu entwickeln.

Geschickt werden dabei die Ebenen zwischen Realität und Fiktion verschoben, bei dem eigentlich schüchtern und eher harmlos wirkenden Edward zeigen sich dunkle Seiten, die ihn mehr und mehr zu einem Widergänger von Tom Ripley werden lassen, bis die Meisterin des amoralischen Thrillers sich voller Freude über ihr teuflischen Spiel zufrieden lächelnd zurücklehnen kann, sie scheint ihr Ziel jedenfalls erreicht zu haben…

Helen Mirren hat offensichtlich einen diabolischen Spaß an ihrer Rolle, es ist ein großes Vergnügen, ihr dabei zuzusehen, wie sie alle Register zieht, etwas weniger überzeugend ist ihr junger Gegenpart, der als harmloser Literaturagent durchaus Charme versprüht, dem aber leider die Tiefgründigkeit und das gefährliche Charisma eines Tom Ripley fehlen.

Wer Spaß an Kammerspielen hat und die Romane der Patricia Highsmith schätzt, wird hier auf seine Kosten kommen, kein spektakulärer Krimi, sondern eine Charakterstudie, die auch von dem Kontrast zwischen den düsteren Interieurs und der grandiosen Kulisse der Schweizer Bergwelt lebt.

 

  Regie: Anton Corbijn

Drehbuch: Joanna Murray-Smith

Kamera: Robbie Ryan

Schnitt: Andrew Hulme

Musik: Dickon Hinchliffe

 Besetzung:

Helen Mirren, Alden Ehrenreich, Olivia Cooke, Eduardo Xavier De Silva

 TOBIS Film/ Universal Pictures

2026

105 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 05. November 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Nompb4TC2g4 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=vnr--VYolws (Englisch)