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Dienstag, 8. November 2022

Im Kino: Mrs. Harris und ein Kleid von Dior (Mrs. Harris goes to Paris)

Die verwitwete Ada Harris (Lesley Manville) verdient sich als Haushaltshilfe ihren bescheidenen Lebensunterhalt im London der 1950ger Jahre. Das wunderschöne Dior-Kleid einer ihrer Arbeitgeberinnen weckt bei ihr den Wunsch, genau so ein Kleid zu besitzen, koste es was es wolle, also arbeitet sie noch mehr und spart sich das Geld für eine Reise nach Paris zu Dior buchstäblich vom Mund ab. Dort angekommen gestaltet sich die Erfüllung ihres Traums allerdings um einiges schwieriger als gedacht, aber Ada lässt sich so leicht nicht entmutigen und verfolgt ihr Ziel ebenso naiv wie hartnäckig, wird sie am Ende Erfolg haben?

Mit seiner 1958 erschienenen Novelle hat Paul Gallico einen gleichermaßen liebenswerten wie zeitlosen Klassiker über den völlig irreal erscheinenden Traum einer Putzfrau erschaffen, und die Fernsehadaption aus dem Jahr 1982 mit der unverwüstlichen Inge Meysel ist vielleicht noch in Erinnerung.

Regisseur Anthony Fabian hat sich nun an eine Neuverfilmung gewagt und sich dabei in Zeit und Ort komplett zurück in die 1950ger Jahre begeben, mit dem Risiko, dass eine solch altmodische Geschichte möglicherweise nicht mehr funktioniert. Aber das Gegenteil ist der Fall, ihm ist ein charmanter Film gelungen, ein modernes Märchen, das vielleicht gerade in den heutigen Zeiten eine fast heilsame Wirkung entfaltet. Dies ist vor allem ein Verdienst der Ada-Darstellerin Lesley Manville, deren unwiderstehlichem Charme man sich einfach nicht entziehen kann, auch wenn die Handlung immer wieder die unwahrscheinlichsten Wendungen zu nehmen scheint.

Wer bereit ist, sich aufs Träumen einzulassen und keine Angst vor herzerwärmenden Gefühlen hat, wird sich bei diesem Film fühlen wie mit einer heißen Schokolade an einem kalten Wintertag vor einem prasselnden Kaminfeuer, die böse Welt da draußen für fast zwei Stunden ausgeblendet, hin und wieder braucht man das!

 


 Regie: Anthony Fabian

Drehbuch: Carroll Cartwright, Anthony Fabian, Keith Thompson, Olivia Hetreed, b/a Roman von Paul Gallico

Kamera: Felix Wiedemann

Schnitt: Barney Pilling

Musik: Rael Jones

 

Besetzung:

Lesley Manville, Isabelle Huppert, Lambert Wilson, Alba Baptista, Lucas Bravo, Ellen Thomas, Rose Williams, Jason Isaacs,

 

Universal Pictures

2022

115 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 10. November 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=56a056rXZzE (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=jVjPTiSvz6A (Englisch)

 

 

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Im Kino: Eine Frau mit berauschenden Talenten (La Daronne)

Patience Portefeux (Isabelle Huppert) ist Dolmetscherin im Drogendezernat, wo sie abgehörte Telefonate über geplante Drogendeals vom Arabischen ins Französische übersetzt. Als der Sohn einer Bekannten in einen geplanten Marihuana-Deal involviert zu sein scheint, hält sie ihre schützende Hand über ihn und beginnt danach – frustriert und gelangweilt von ihrem (unterbezahlten) Job – sich selbst für diese Geschäfte zu interessieren. Bald wird sie zur geheimnisvollen Strippenzieherin im Milieu, hinter der alle her sind.

Der Film kommt insgesamt wesentlich harmloser daher, als das eigentlich brisante Thema es andeutet und hier liegt auch etwas das Problem. Isabelle Huppert ist zwar großartig als Grande Dame des Marihuanahandels, aber insgesamt tändelt die Handlung etwas zu sehr dahin. Hier hätte etwas mehr Straffung und Spannung gut getan, dennoch ein stellenweise vergnüglicher und amüsanter Film über eine clevere Frau, die alle austrickst, von den teilweise tumben Dealern bis zur immer einen Schritt zu spät erscheinenden Polizei. Da es sich hier nicht um die wirklich harten Drogen handelt, sei die Frage erlaubt, wie lange der Staat noch mit immensem Aufwand an Mensch und Material seinen aussichtlosen Kampf weiterbetreibt, bis er es wagt, den Kriminellen dieses Geschäft zu vermiesen und endlich – wie bereits bei den legalen Drogen Alkohol und Zigaretten – den kontrollierten Verkauf in Angriff nimmt, und das über die zu erhebenden Steuern eingenommene Geld in eine produktive Drogenprävention steckt, statt Menschen mit Suchtproblemen unnötig zu kriminalisieren. Nur so eine Idee.

 



Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé

Kamera: Julien Hirsch

Schnitt: Valérie Deseine

Musik: Bruno Coulais

 

Darsteller:

Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani, Liliane Rovère, Jade Nadja Nguyen, Rebecca Marder

 

Neue Visionen Filmverleih

F 2020

FSK 12

104 min.

Deutscher Kinostart: 08. Oktober 2020

 


© Fotos und Trailer: Neue Visionen Filmverleih