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Mittwoch, 29. Oktober 2025

Im Kino: Bugonia

Michelle Fuller (Emma Stone) ist als CEO einer Medizinfirma erfolgsverwöhnt, da wird sie eines Tages von zwei Männern (Jesse Plemons, Aidan Delbis) entführt, die fest dran glauben, dass sie ein Alien ist, das es darauf abgesehen hat, die Menschheit zu vernichten, schließlich gibt es überall Zeichen ihres zerstörerischen Wirkens, wenn man nur die Augen offenhält und die Zeichen zu deuten weiß…

Was wie eine abgedrehte Story klingt, ist genau das, eine von Verschwörungsmythen überbordende Verrücktheit, wie sie zurzeit scheinbar nur Yorgos Lanthimos auf die Leinwand bringt, tatsächlich aber gibt es die südkoreanische Vorlage „Save the Green Planet“ aus dem Jahr 2003, an der sich Lanthimos auch recht eng orientiert, deren ungeschliffene Rohheit er aber zu einem brillanten Schmuckstück aufpoliert hat.

Zur Seite steht ihm dabei einmal mehr die unerschrockene Emma Stone als taffes Entführungsopfer und auch Jesse Plemons ist wieder mit von der Partie, als scheinbar armes Würstchen, das durch nichts und wieder nichts von seinen Vorstellungen darüber abzubringen ist, was die Welt im Innersten zusammenhält, beziehungsweise zerstört. Dabei wird sehr schön herausgearbeitet, wie hoffnungslos es ist, jemanden in die Realität zurückzuholen, der so fest in seinen Wahn abgetaucht ist, dass er bei Widerspruch alle Gegenargumente abschmettern kann, und sich natürlich dann, wenn man auf ihn eingeht, einfach nur bestätigt fühlt. Und am Ende besteht ja auch noch die Möglichkeit, dass vielleicht er Recht hat und alle anderen sich irren…

Wer Spaß an solch teilweise überdrehtem Irrwitz hat wird sich jedenfalls köstlich amüsieren, aber auch wenn das alles zu viel zu werden droht, kann man sich auf jeden Fall an einem Kammerspiel mit einem großartigen Ensemble delektieren, das alles aus sich herausholt, allerdings bei einem Spiel auf Leben und Tod, das nichts für allzu Zartbesaitete sein dürfte.

 


  Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Will Tracy, b/a Originaldrehbuch von Jang Joon-hwan

Kamera: Robbie Ryan

Schnitt: Yorgos Mavropsaridis

Musik: Jerskin Fendrix

 

Besetzung:

Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis

 

Universal Pictures

2025

118 min.

FSK16

Deutscher Kinostart: 30. Oktober 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=n5r3JYud6pY (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=7VBigr-JHB0 (Englisch)

 

 

Mittwoch, 17. Januar 2024

Im Kino: Poor Things

Dem brillanten Wissenschaftler Godwin Baxter (William Dafoe) gelingt es, auf äußerst unkonventionelle Weise eine junge Selbstmörderin zurück ins Leben zu holen. Das Ergebnis ist Bella Baxter (Emma Stone), ein Wesen, das in Windeseile die Entwicklung vom Baby zur lebenshungrigen und heftig pubertierenden, aber immer selbstbestimmter werdenden jungen Frau durchmacht, die sämtliche Konventionen ihrer Zeit missachtet und auf ihrem Weg alle Männer, vor allem den schmierigen Anwalt Duncan Wedderburn (Mark Ruffalo), wie arme Dinger aussehen lässt…

Was zunächst wie die irrwitzige Fantasie eines abgedrehten Filmemachers klingt, ist genau das. Überdreht, komisch und vollkommen schräg, in knalligen Farben liebevoll und bunt bebildert, entsteht eine stets künstlich scheinende Welt, die jedoch unter all diesem Zuckerwerk einen satirischen und durchaus kritischen Blick auf Konventionen wirft, und darauf, wie eine junge Frau sich aus eben diesen befreit, indem sie sie von vorneherein als nicht gegeben anerkennt. Auf dem Weg zu Freiheit und Emanzipation ist nichts eindimensional und schon gar nicht pink, nimm das, Barbie!

Wo der letztgenannte Film nichts anderes ist, als ein aufgeblähtes Vehikel einer unglaublich erfolgreichen Werbekampagne für ein weltbekanntes Spielzeug, der sich dafür den Mantel der Satire mit emanzipatorischen Tupfern und gleichzeitig großen Löchern überstreift, durch die das schamlose Gesicht eines Weltkonzerns blitzt, bietet Lanthimos ein erfrischend originelles, grelles und gleichzeitig liebevoll gezeichnetes Porträt dazu, wie Emanzipation auch gehen kann, und ist dabei auch noch unglaublich unterhaltsam.

Darüber hinaus sehen die in Godwin Baxters Haus herumhuschenden, von ihm neu gestalteten übrigen Geschöpfe nicht aus wie die armen gequälten Kreaturen auf der "Insel des Dr. Moreau", alles wirkt wie ein eigener Kosmos, in dem bei aller Skurrilität Harmonie und Frieden herrscht, ganz im Gegensatz zu der Welt da draußen, und auch Baxter selbst, der von seinem eigenen Vater verunstaltet und tatsächlich gequält worden ist, erscheint als liebenswerter Sonderling, der trotz seiner furchtbaren Erfahrungen optimistisch und ohne Groll seine Welt erschafft, dabei entgegen seinem Äußeren liebenswert und fürsorglich geblieben ist, als Wissenschaftler zwar keine Grenzen anerkennt, aber im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, vor allem im Bereich des Horrorgenres, durchaus Schönes und Gutes zu schöpfen imstande ist.

Wer Sinn für das Schräge hat und den Mut, sich auf das Experiment eines im wahrsten Sinne des Wortes schamlosen, gleichzeitig wunderschönen und auch noch witzigen Filmes einlassen möchte, der ist bei diesem Film goldrichtig! 


Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: TonyMcNamara, Alasdair Gray

Kamera: Robbie Ryan

Schnitt: Yorgos Mavropsaridis

Musik: Jerskin Fendrix

 

Besetzung:

Emma Stone, Willem Dafoe, Mark Ruffalo, Ramy Youssef, Christopher Abbott, Hanna Schygulla

 

Searchlight Pictures/ Walt Disney Motion Pictures

2023

141 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 18. Januar 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=lpLT_EPMq9k (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=-EfYJWRw2FM (Englisch)

 

Donnerstag, 21. Dezember 2023

Sneak Preview: Poor Things

Verrückt, originell, witzig und schräg mit einer herausragenden Emma Stone, als Wesen, das sich geistig im Eiltempo vom Kleinkind zu einer eigensinnigen und selbstbestimmen jungen Frau entwickelt. Mehr dazu zum Kinostart…

Regie: Giorgos Lanthimos

Besetzung: Emma Stone, Mark Ruffalo, Willem Dafoe, Hanna Schygulle

Deutscher Kinostart: 18. Januar 2024

 


Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=-EfYJWRw2FM

Montag, 20. November 2017

Film-Rezensionen: Battle of the Sexes - Gegen jede Regel

Die Amerikanerin Billie Jean King (Emma Stone) ist 1973 eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen der Welt. Leider wird sie, wie die anderen Spielerinnen auch, vom männerdominierten Tennisverband mit einem Bruchteil der Preisgelder abgespeist, die ihre männlichen Kollegen erhalten. In den siebziger Jahren ist die sexuelle Revolution in vollem Gange, überall kämpfen Frauen um ihre Rechte und so nutzen auch die Sportlerinnen ihren Erfolg, um auf gleiche Bezahlung zu bestehen. Als ihnen dies unter Hinweis auf die mangelnde Attraktivität des Frauensports verwehrt wird, gründen sie kurzerhand einen neuen Verband und organisieren ihre eigene Tour, was von den einflussreichen Funktionären milde belächelt wird. Den von King gegründeten Verband WTA gibt es übrigens bis heute.


Der Erfolg von Billie Jean und ihren Kolleginnen sorgt für Furore und weckt die Aufmerksamkeit des ehemaligen Tennisprofis Bobby Riggs (Steve Carell), einem Champion der 30ger und 40ger Jahre. Mittlerweile ist er Mitte fünfzig und mit einer wohlhabenden Ehefrau verbandelt, die ihm ein finanziell unabhängiges Leben bietet. Leider ist Riggs ein notorischer Zocker, der aus allem ein Spiel macht, und so kommt ihm eine interessante Idee: Er möchte noch einmal antreten, Billie Jean King auf dem Tennisplatz besiegen und damit die männliche Dominanz ein für alle Mal unter Beweis stellen. Allerdings stehen für ihn wohl mehr die gigantische Werbeaktion und ein ebensolches Geschäft im Vordergrund. King verweigert den Showkampf zunächst, sieht sich jedoch einem Druck ausgesetzt, der ihr keine andere Wahl zu lassen scheint, und so findet das Spektakel unter dem plakativen Titel „Battle of the Sexes“ schließlich vor den Augen von weltweit 90 Millionen TV-Zuschauern statt.



In Szene gesetzt hat den Film das Regie-Ehepaar Jonathan Dayton und Valerie Faris, bekannt unter anderem durch den charmanten Film „Little Miss Sunshine“ Den beiden ist ein weiteres sehenswertes Werk gelungen, in dem sie mit leichter Hand ein ernstes Thema unterhaltsam und vergnüglich umsetzen, eingebettet in die nostalgischen Bilder der wilden siebziger Jahre, in denen die Aufbruchsstimmung der Sechziger auf alle gesellschaftlichen Ebenen übergreift.



Emma Stone gelingt es dabei wunderbar, Billie Jean King in all ihren Facetten zu zeigen. Sie ist dominant und willensstark bei ihrem Sport, aber auch verletzlich und unsicher im privaten Bereich. Sie zeigt den in damaliger Zeit noch leidvolleren Weg, sich vor sich selbst und dann auch vor der Welt zu ihrer eigenen sexuellen Orientierung zu bekennen, ein Kampf, der erkennbar schwerer ist, als ihre Erfolge auf dem Tennisplatz.



Steve Carell brilliert einmal mehr, auch sein Bobby Riggs ist kein eindimensionaler Charakter, hinter der Fassade des mediengeilen Clowns steckt ein von seinen Dämonen Getriebener, der dennoch immer liebenswert bleibt, so dass ihm sogar seine Frau die ständigen Eskapaden verzeiht.


Auch wenn nach vierzig Jahren das Hauptthema des Films – gleiche Bezahlung von Männern und Frauen – leider immer noch Relevanz hat, macht es Spaß, einen Blick zurück zu werfen in eine Zeit, in der Frauen gemeinsam aufbrachen, um für einen gerechteren Anteil an der Gesellschaft zu kämpfen, ein Prozess, der immer noch andauert, bis wir hoffentlich eines Tages wiederum mit nostalgischem Blick zurückblicken und uns fragen, warum das alles so lange gedauert hat. 


Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris 
Drehbuch: Simon Beaufoy
Darsteller: Emma Stone, Steve Carell, Andrea Riseborough, Sarah Silverman, Bill Pullman, Alan Cumming, Elisabeth Shue, Austin Stowell, Natalie Morales

Fox Searchlight Pictures
121 min.
Kinostart: November 23, 2017