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Samstag, 8. Juni 2024

Im Kino: They see you (The Watchers)

Die junge Künstlerin Mina (Dakota Fanning) verirrt sich nach einer Autopanne in einem undurchdringlichen Wald im Westen Irlands und wird bei Eintritt der Dunkelheit von drei Fremden in eine Hütte gebracht, wo diese sich vor gefährlichen Kreaturen verstecken, die jede Nacht auftauchen und jeden töten, der sich dann noch draußen aufhält. Diese Wesen beobachten die Insassen in ihrer hell erleuchteten Hütte ohne dass sie selbst gesehen werden, nur ihre unheimlichen Geräusche dringen zu den Gefangenen vor…

Es soll hier natürlich nicht verraten werden, welches Ziel diese „Watchers“ letztlich verfolgen, das ist der Regisseurin geschuldet, bei der es sich um niemand anderes als die Tochter des für seine geheimnisvollen Filme bekannten (und auch ein wenig berüchtigten) M. Night Shyamalan handelt.

Ziel dieses Werks war es offensichtlich, ein Netz aus zunächst unerklärlichen Vorkommnissen zu spinnen, die sich dann durch alte, fast vergessene Mythen erklären lassen. Leider hapert es dabei an einigen Stellen an der inneren Logik, denn auch wenn man sich – wie in diesem Fall – auf die mystischen oder irrealen Elemente eines Stoffs einlässt, sollte die Geschichte in sich doch stimmig sein.

Auch wenn der Film hin und wieder durch einige Gruselelemente eine gewisse Sogwirkung entfaltet, am Ende steht ein etwas inhomogenes Ergebnis, denn es gibt einige eingeflochtene Elemente, die interessant scheinen, dann aber doch nirgendwo hinführen. Für einen Horrorfilm gibt es zu wenig wirkliche Schockmomente, der mystische Überbau der Handlung wird schließlich zwar erklärt, lässt aber dennoch die ein oder andere Frage offen, was einen etwas ratlos zurücklässt – oder sollte hier der Weg in eine Fortsetzung geebnet werden?

 

 

Regie: Ishana Shyamalan

Drehbuch: Ishana Shyamalan b/a dem Buch von A.M. Shine,

Kamera: Eli Arenson

Schnitt: Job ter Burg

Musik: Abel Korzeniowski

 

Besetzung:

Dakota Fanning, Georgina Campbell, Olwen Fouéré, Siobhan Hewlett, Shane O’Reagan, Hannah Howland, Oliver Finnegan,Alistair Brammer

 

Warner Bros.

2024

102 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 06. Juni 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=SAckVqphOso (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=dYo91Fq9tKY (Englisch)

Mittwoch, 15. November 2023

Im Kino: The Quiet Girl

Die 9-jährige Caít wird im Sommer 1981 zu kinderlosen Verwandten ihrer Mutter gebracht, als diese wieder einmal schwanger ist, da ihre Eltern bereits mit den bisherigen Kindern und der gesamten Situation auf ihrem Hof überfordert sind. Verschüchtert und beinahe stumm versucht das Mädchen zurechtzukommen, und es braucht viel Verständnis und Geduld, bis sie zu den Pflegeeltern Eibhlin und Sean Cinnsealach Vertrauen fasst. Gerade als es ihr gelungen ist, soll sie zurück zu ihren Eltern…

Eingebettet in eine karge irische Landschaft ist dieser Film von spröder, aber eindringlicher Schönheit. Ohne große Worte, fast nur durch die Kraft der Bilder wird die ganze Gefühlswelt eines einsamen und emotional vernachlässigten jungen Mädchens spürbar, allein durch kleine Gesten und leise Momente wird man Zeuge von Caíts allmählicher Wandlung, die auf der anderen Seite auch die Erwachsenen erfahren, denn auch diese haben ein Schicksal zu tragen, das sich eher indirekt mitteilt.

Wer in unserer lauten und geschwätzigen Welt auch einmal eine Zeit der Ruhe und stillen Momente erleben möchte, hat bei diesem Film die Möglichkeit dazu, wer neben den üblichen bombastischen Blockbustern im Kino einmal wieder Emotionen ohne Kitsch erleben möchte, sollte sich diesen wunderbaren Film mit einer großartigen kleinen Hauptdarstellerin nicht entgehen lassen, schön, dass von Zeit zu Zeit ein solches Kleinod den Weg in die Kinos findet!

 


 Regie: Colm Bairéad

Drehbuch: Colm Bairéad, b/a der Kurzgeschichte „Foster“ („Das dritte Licht“) von Claire Keegan

Kamera: Kate McCullough

Schnitt: John Murphy

Musik: Stephen Rennicks

 

Besetzung:

Catherine Clinch, Carrie Crowley, Andrew Bennett, Michael Patric, Kate Nic Chonaonaigh

 

Neue Visionen Filmverleih

Irland 2022

95 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 16. November 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=MPbVvusSU7o (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=SH5c4FZd6qs (Original/ Irisch)

 

Dienstag, 3. Januar 2023

Im Kino: The Banshees of Inisherin

Irland in den 1920ger Jahren: Auf dem Festland herrscht Bürgerkrieg, um die Unabhängigkeit vom britischen Mutterland zu erkämpfen, aber davon ist auf der vorgelagerten Insel Inisherin (mit Betonung auf dem e…) nichts zu merken, hier geht das Leben seinen ruhigen Gang. Mittelpunkt der Gemeinschaft ist der örtliche Pub, und dort hängen normalerweise auch die Freunde Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) und Colm Doherty (Brendan Gleeson) ab, bis Colm sich eines Tages weigert, auch nur ein weiteres Wort mit Pádraic zu wechseln, einfach weil dieser ihn so maßlos anödet. Um zu zeigen, wie ernst es ihm damit ist, kündigt er eine drastische und verstörende Maßnahme an…

Das Leben auf dem Lande erscheint oft als paradiesische Idylle, in der die Menschen noch Zeit füreinander haben und sich in harmonischer Gemeinschaft miteinander austauschen. Es kann aber auch ganz schön öde sein, und man muss mit dem „Material“ zurechtkommen, das da ist. Sobald das nicht mehr genügt, gibt es nicht viele Möglichkeiten, etwas zu ändern, eine davon wählt Pádraics Schwester Siobhán, als sie die Insel verlässt. Die innere Emigration, die Colm vorschwebt, funktioniert dagegen nicht so, weil man sich auf begrenztem Terrain unweigerlich immer wieder begegnet.

Martin McDonagh hat aus diesem Dilemma einen anrührend eindringlichen Film gemacht, bei der Menschen und Landschaft in ihrer Beschränktheit gleichermaßen anziehend und abstoßend zugleich wirken. Den Film als Komödie einzuordnen fällt daher schwer, zumal die Figuren dafür auch nicht wirklich skurril genug sind, wenngleich es komische Momente gibt. Es überwiegt eher das Gefühl einer tiefen Tragik, eines Tages zu erkennen, dass man mit seinem Leben und seiner Zeit bisher nicht das Richtige getan hat und vielleicht nicht mehr lange genug bleibt, um dies zu ändern. Ist es besser, seine Zeit mit langweiligen Menschen in nichtssagenden Gesprächen zu verschwenden, als allein zu sein? Ist man selbst denn so viel interessanter als Gesprächspartner, oder steckt darin nicht auch eine gewisse Überheblichkeit?

Was der Film schließlich auch noch eindrücklich vor Augen führt, ist, wie schnell eine scheinbare Idylle gesprengt werden kann, wie rasch aus zuvor friedlichen Menschen und Nachbarn plötzlich unnachgiebige Feinde werden können, vor denen es kein Entkommen gibt. Wie aus Freundschaft am Ende Hass wird, ohne dass es eines wirklich gravierenden Anlasses bedarf, das ist erschreckend und da bleibt das hin und wieder aufkommende Lachen endgültig im Halse stecken.

Eindringlich inszeniert lebt der Film von seinen Darstellern, die allesamt hervorragend besetzt sind, aber es ist vor allem Colin Farrell, der die Schlichtheit seiner Figur und deren inneren Kämpfe ohne sichtbare oder exaltierte Schauspielarbeit und vor allem ohne Hilfe von MaskenbildnerInnen verkörpert, Mimik, Gestik und Stimme genügen manchmal auch, um eine große Schauspielleistung zu vollbringen!

Ein eigenwilliges, aber sehenswertes Werk über die Dämonen in jedem/r von uns, für alle, die es etwas ruhiger mögen, wobei es durchaus einige drastische Szenen gibt, die nichts für zarte Gemüter sind. Empfehlenswert wäre es, den Film in der Originalfassung – dann aber unbedingt mit Untertiteln – zu genießen, um den besonderen Charakter des Films noch besser erleben zu können, wobei hier nicht beurteilt werden kann, wie gut die deutsche Fassung geworden ist.


Regie: Martin McDonagh

Drehbuch: Martin McDonagh

Kamera: Ben Davis

Schnitt: Mikkel E.G. Nielsen

Musik: Carter Burwell

 

Besetzung:

Colin Farrell, Brendan Gleeson, Kerry Condon, Barry Keoghan, Pat Shortt,


Searchlight Pictures/ Walt Disney/ 20th Century Studios

2022

109 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 05. Januar 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=GQBpvw8FMes (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=9-R9u2UD3FU (Englisch)