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Montag, 6. Dezember 2021

Heimkino: Dinner for Two (Smagen af sult) (A Taste of Hunger)

Maggie (Katrine Greis-Rosenthal ) und Carsten (Nikolaj Coster-Waldau) sind ein Powerpaar: Er ist ein ehrgeiziger Gourmet-Koch und sie die umtriebige Managerin des gemeinsamen Restaurants in Kopenhagen, ihrer beider Ziel ist ein Michelin-Stern. In ihrer Küche bringen sie tagtäglich eine ausgewogene Harmonie von optischen und kulinarischen Genüssen zur Entfaltung und ziehen – wie nebenher – noch zwei kleine Kinder auf, alles scheint zu passen, bis ein unerwartetes, Ereignis den beinahe perfekten Einklang und damit ihren Lebenstraum zu zerstören droht…

In kühlen, makellos ausgeleuchteten Bildern zelebriert dieser Film die Kunst der Zubereitung kulinarischer Genüsse, so dass allein das Zuschauen bereits den Speichelfluss anregt. Der Blick hinter die Kulissen ist natürlich ernüchternd, das knallharte Regime in einer Küche verdirbt so manches Mal etwas den Appetit, aber es wird suggeriert, dass man nur so seine Ziele erreicht. Um dies zu unterstreichen wird ein Satz der amerikanischen Schriftstellerin Kathy Acker zum Motto des Films: „If you ask me what I want, I tell you I want everything!“ (Wenn du mich fragst, was ich will, sage ich dir: Ich will alles!)

Genau dies hat sich auch Maggie auf ihre Fahnen geschrieben, Familie, Karriere, Erfolg, alles ist möglich. Dass gerade sie ihr eigenes Erfolgswerk in Gefahr bringt, hat mit ihren plötzlichen Zweifeln zu tun, ob Carsten und sie wirklich immer füreinander da sind, als nämlich bei ihr die Möglichkeit einer Krebserkrankung im Raum steht, der Carsten nicht genug Aufmerksamkeit zu schenken scheint. Daneben lassen sich auch die beiden Kinder nicht immer in das durchgetaktete Schema ihres Lebens pressen, was dem Film kleine Brüche und ein paar herzerwärmende Momente schenkt, für die vor allem auch Flora Augusta, die Darstellerin der kleinen Chloe, sorgt.

Ein Film, der das Geschäft mit der Haute Cuisine verführerisch und abstoßend zugleich präsentierr, in dem Sinnlichkeit und Obsession die treibenden Kräfte sind, der es sich aber am Ende vielleicht ein wenig zu leicht macht, indem er nach all den kulinarischen Offenbarungen unwidersprochen das ganz Einfache kontrapunktisch entgegensetzt, eine schöne Idee, wenn es sich dabei nicht ausgerechnet um Hot Dogs vom Würstchenstand handeln würde…

 

Regie: Christoffer Boe

Drehbuch: Christoffer Boe, Tobias Lindholm

Kamera: Manuel Alberto Claro

Schnitt: Janus Billeskov Jansen, My Thordal

Musik: Anthony Lledo, Mikkel Maltha

 

Besetzung:

Katrine Greis-Rosenthal, Nikolaj Coster-Waldau, Flora Augusta, Charlie Gustafsson, August Vinkel, Nicolas Bro

 


Koch Films/ Zentropa

DK 2021

104 min.

FSK 12

 

Ab 02. Dezember 2021 als VoD, ab 09. Dezember 2021 auf Blu-ray und DVD

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Ao_6fgksMWI

 

Montag, 29. Juni 2020

Film-Rezensionen: Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen (Selvmordsturisten)


Als der Versicherungsmakler Max Isaksen (Nikolaj Coster-Waldau) an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt, gerät er in eine existentielle Krise, die ihn und seine Frau Lærke (Tuva Novotny) an ihre Grenzen bringt. Bei diversen Versuchen, sich in sein Schicksal zu fügen und letztlich auch zwei vergeblichen Ansätzen, sich selbst zu töten, stößt Max eines Tages auf das mysteriöse „Hotel Aurora", das finale Lösungen für betreute Suizide anbietet. Allerdings gibt es nach Unterzeichnung eines entsprechenden Vertrages kein Zurück mehr…

Der Film ist ein Mystery-Puzzle, das seinen Protagonisten, aber auch den Zuschauer auf eine surreale Reise zwischen Leben und Tod nimmt, wobei sich die Handlung in Rückblenden und Zeitsprüngen zunächst sehr behäbig entwickelt. Die verwaschenen Bilder scheinen ein Spiegelbild von Max Innenleben zu sein, der verzweifelt versucht, sich von Lærke zu verabschieden, ohne sie wirklich einzubeziehen. Seine beiden Selbstmordversuche zeigen einen grimmigen, grotesken Humor, ein Fremdkörper in einem ansonsten düsteren Szenario, das bis zum Ende keine richtige Spannung aufkommen lässt, wohl aber eine Faszination, die auch nach Ende des Films noch nachwirkt.

Neben Nikolaj Coster-Waldau, der seine Figur gleichzeitig intensiv und nichtssagend als Mann ohne Eigenschaften anlegt, ist das labyrinthisch und unwirklich anmutende Ambiente des Hotels Aurora der heimliche Hauptdarsteller, eine abgelegene Einrichtung inmitten der beklemmenden Kulisse einer grandiosen Gebirgslandschaft. Diese Beklemmung steigert sich, je tiefer Max in die Geschäftspraktiken des Hotels eintaucht, die seinen Kunden jede Wahl hinsichtlich des gewünschten Endes lässt, bezüglich der eingesetzten Mittel, aber auch, inwieweit ökologische Aspekte eine Rolle spielen sollen, sei es die kompostierbare Urne oder die Möglichkeit, als Pflanzendünger, dem Kreislauf des Lebens erhalten zu bleiben – nur auschecken kann man aus dem Hotel eben nicht mehr... und dann verschwimmen am Ende albtraumhaft die Grenzen zwischen dem, was Realität und was mögliche Visionen seitens Max aufgrund des Hirntumors sein mögen.

Der Film lässt sich in keine Kategorie so richtig einordnen, für einen regelrechten Thriller fehlen Spannungsbogen und Auflösung am Ende, und den ethischen Fragen im Zusammenhang mit erlaubter Sterbehilfe, wie es sie in einigen Ländern Europas gibt, stellt er sich auch nicht. Letzteres ist jedoch ein legitimer Ansatz, denn eine einfache Antwort zu diesem schwierigen Thema gibt es ohnehin nicht und so ergeht an den Zuschauer die Einladung, selbst oder mit anderen darüber zu reflektieren.

Alles in allem keine leichte Kost, aber dennoch sehenswert, und wenn man dafür empfänglich ist, wird der Nachhall des Films nach dem Verlassen des Kinos noch länger wirken, etwas, was nicht jeder Film zu bieten hat.


Regie: Jonas Alexander Arnby
Drehbuch: Rasmus Birch
Kamera: Niels Thastum
Schnitt: Yorgos Mavropsaridis
Musik: Mikkel Hess

Darsteller:
Nikolaj Coster-Waldau, Tuva Novotny, Kate Ashfield, Robert Aramayo, Johanna Wokalek, Sonja Richter

Dk/D/Frk/Sw/Nor
DCM Film Distribution GmbH
FSK 12
89 min.
Deutscher Kinostart: 02. Juli 2020


Bild- und Clipmaterial:
 © Jørgen-Nordby DCM, © Niels Thastum DCM, © Andreas+Schlieter DCM