Blog-Archiv

Dienstag, 26. Juli 2022

Heimkino: The Lost City – Das Geheimnis der Verlorenen Stadt (The Lost City)

Loretta Sage (Sandra Bullock) ist Autorin einer erfolgreichen Liebes- und Abenteuerbuchreihe, für die Frauenschwarm Alan (Channing Tatum) als Cover-Model agiert. Als Loretta nach der Präsentation ihres aktuellen Werks von dem exzentrischen Milliardär Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) zur Entzifferung einer alten Schatzkarte auf eine geheimnisvolle Insel entführt wird, macht sich Alan zu ihrer Rettung auf, und unversehens erleben Loretta und er die Dschungelabenteuer live, über die Loretta sonst nur schreibt…

In diesem furios und witzig in Szene gesetzten Film im Stil von „Romancing the Stone“ („Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“) und „Indiana Jones“, geht diesmal die Protagonistin erfrischend herzhaft zu Werke, während dem Möchtegern-Helden ein ums andere Mal ein Missgeschick zustößt. Allerdings wirkt auch die Dame nicht in jeder Situation souverän, zumal sie sich in der für solche Filme offenbar unvermeidlichen Abendgarderobe bewegt, in diesem Fall ein schreiend greller Glitzeranzug, für den Urwald denkbar ungeeignet. Aber mit genau solchen Elementen spielt der Film sehr geschickt, das Vorhersehbare geschieht auch meistens, aber immer mit einem Augenzwinkern und einer charmanten Portion Selbstironie, die beiden Hauptfiguren gut zu Gesicht steht. Allein Brad Pitt erlebt einen eher krassen Moment, den man in dieser Form nicht erwartet hätte, weil er für einen kurzen Moment mit der ansonsten so albern-heiteren Stimmung brutal bricht.

Sandra Bullocks Mimik wirkt an manchen Stellen zwar ein wenig eingefroren, aber ihr und Channing Tatum sieht man dennoch Spielfreude und –witz an, und Daniel Radcliffe zeigt einmal mehr, dass er sich seit Harry Potter beeindruckend weiterentwickelt hat. Alles in allem ein äußerst unterhaltsamer, weil handwerklich gut gemachter Film, gerade das Richtige in unfrohen Zeiten wie diesen.

  

Regie: Aaron Nee, Adam Nee

Drehbuch: Oren Uziel, Dana Fox, Adam & Aaron Nee

Kamera: Jonathan Sela

Schnitt: Craig Alpert

Musik: Pinar Toprak

 

Besetzung:

Sandra Bullock, Channing Tatum, Daniel Radcliffe, Da’Vine Joy Randolph, Brad Pitt, Oscar Nuñez, Patti HarrisonBowen Yang

 

Paramount Pictures Germany

2022

112 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 21. April 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=m9oArdbc7e4 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=nfKO9rYDmE8 (Englisch)

 

THE LOST CITY – DAS GEHEIMNIS DER VERLORENEN STADT
ab 21. Juli als Download zum Kaufen erhältlich 
ab 4. August auf 4K Ultra HD, Blu-ray, DVD und als Video on Demand

 

Heimkino: jackass 5 movie collection

Wer den ab März 2022 im Kino gestarteten letzten Streich der Truppe um Johnny Knoxville „Jackass Forever" dort verpasst hat, bekommt jetzt die Möglichkeit, das Versäumte im Heimkino nachzuholen. Doch damit nicht genug, in der im Titel genannten Sammlung gibt es dazu noch vier zwischen 2002 und dem 2013 erschienene weitere Filme, einschließlich des Spin offs „Bad Grandpa“ – wahrlich ein Höllentrip voller verrückter, wahnsinniger, idiotischer, brutal schmerzhafter und grandios unterhaltsamer Stunts, das Spiel mit der Schadenfreude wird offensichtlich nicht alt.

Bei Stunts geht man normalerweise davon aus, dass deren Ausführung zuvor bis ins kleinste berechnet wurden, um das Risiko maximal zu verringern, ob dies tatsächlich gewährleistet ist, wenn man gefährliche Tiere wie Stiere, Bären oder Geier – von Bienen, Spinnen oder Skorpionen einmal ganz abgesehen – in die Show einbindet, daran bestehen dann doch erhebliche Zweifel. Und die Späße sind – buchstäblich – so weit unten angesiedelt, dass zarte Gemüter und Schöngeister dem Ganzen Spektakel eher verstört beiwohnen werden, wenn sie sich die Filme überhaupt antun wollen – aber niemand sage hinterher, er sei nicht gewarnt worden!

Für alle anderen sind die Filme ein Riesenspaß, und genau den scheinen auch die Akteure selbst zu haben, völlig schmerz- und schambefreit zünden sie ein Feuerwerk irrer Mutproben, dass einem Hören und Sehen vergeht, und haben damit für alle Nachahmer im Internet die Latte – öhöm… – noch einmal recht hochgelegt. So wie in anderen Formaten Titten und Ärsche die Hauptrolle spielen, sind es hier immer wieder Schwänze und Eier, die mit Lust am Schmerz malträtiert werden, so dass der obligatorische Warnhinweis, der diesen Filmen stets voran- und noch einmal nachgestellt wird, eigentlich überflüssig sein dürfte: Wer würde diese Dinge tatsächlich freiwillig und in aller Öffentlichkeit nachmachen???

Die Jungs – und eher wenigen Mädels – schenken sich nichts, Knoxville und Steve-O sind zwar in die Jahre gekommen und bei einigen wie Steve hat ihr Tun offensichtlich doch Spuren hinterlassen., ihr kindlicher Spaß am Zerstören und Quälen ist es auf keinen Fall. Vielleicht sind es die aktuellen Zeiten, aber die Filme kommen irgendwie genau richtig, die krudeste Mischung aus Dschungel-Camp und „Versteckte Kamera“, die man sich vorstellen kann, völlig sinn- und geschmacklos, dabei voller scheinbar unbeschwertem pubertärem Anarcho-Humor, nicht nachdenken, einfach nur „genießen“, alles andere ist schon deprimierend genug!.

 

 

Stab „Jackass Forever"

 Regie: Jeff Tremaine

Drehbuch: nach Konzepten von Jason 'Wee Man' Acuña, Eric André, Derrick Beckles, Colton Dunn, Dave England, Spike Jonze, Johnny Knoxville, Nick Kreiss, Knate Lee, Preston Lacy, Bam Margera, Ehren McGhehey, Chris Pontius, Sarah Sherman, Steve-O, Jeff Tremaine, Andrew Weinberg

Kamera: Dimitry Elyashkevich

Schnitt: Sascha Stanton Craven, Matthew Kosinski, Matthew Probst

Musik: Joseph Shirley

 

Besetzung:

Johnny Knoxville, Steve-O, Chris Pontius, Dave England, Jason „Wee-Man“ Acuña, Ehren McGhehey, Preston Lacy, Sean McInerney, Zach Holmes, Davon Wilson, Eric Manaka, Rachel Wolfson, Spike Jonze. Jeff Tremaine, Dimitry Elyashkevich, Rick Kosick

 

Paramount Pictures Germany

USA 2022

96 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 10. März 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=DR_c2ghqAjg (Deutsch)

              https://www.youtube.com/watch?v=FNq-QT2Jpng (Englisch)

 

5-Filme-Paket (DVD)

alle Deutsch/ Englisch mit diversen Untertitelmöglichkeiten, FSK 18:

 

- jackass der film (85 min.)

 - jackass nummer zwei (90 min.)

 - jackass 3 (90 min.)

 -jackass präsentiert: BAD GRANDPA (88 min.)

 - jackass forever (92 min.)

 

Bonusmaterial:

 Für alle, die einfach nicht genug bekommen können enthält die Box für jeden Film noch umfangreiches Zusatzmaterial, jede Menge weiterer Szenen, Outtakes, (Begleit)Kommentare der Beteiligten, Making-of und vieles mehr

 

Seit Juni fürs Heimkino erhältlich.

 

 

 


 

 

Dienstag, 19. Juli 2022

Im Kino: Monsieur Claude und sein großes Fest (Qu'est-ce qu'on a tous fait au bon Dieu?)

Monsieur Claude Verneuil (Christian Clavier) und seine Frau Marie (Chantal Lauby), deren drei Töchter durch die multikulturelle Wahl ihrer Ehemänner bei den eher konservativen Eltern für reichlich Ungemach gesorgt haben, wohnen mittlerweile gemeinsam mit allen Familienmitgliedern in demselben kleinen Ort Chinon und Monsieur Claude kann keinen Spaziergang mehr machen, ohne auf einen der Schwiegersöhne zu treffen. Als dann der 40. Hochzeitstag der Verneuils bevorsteht, beschließen, die Töchter, ein großes Fest zu organisieren, zu dem auch die jeweiligen Eltern der Schwiegersöhne aus aller Welt anreisen sollen. Erwartungsgemäß steht damit ein großer Trubel ins Haus, dem nicht alle Beteiligte gewachsen sind…

Der gebeutelte Vater Claude hat sich mittlerweile in sein Schicksal gefügt und mit der multikulturellen Vielfalt im engsten Familienkreis halbwegs abgefunden, wenn auch tief im Inneren seine urfranzösische Seele immer mal wieder rebelliert, während seine Frau längst ihren Frieden mit der neuen Situation gemacht hat. Aus diesem Zwiespalt nährten sich die Teile 1 und 2, nun im dritten Anlauf werden durch die bisher noch nicht eingeführten Familienmitglieder, nämlich die Eltern der Schwiegersöhne Chao, Rachid und David aus China, Algerien und Israel, noch einmal die Spitzen und politischen Unkorrektheiten konsequent ausgereizt, garniert mit einigem Slapstick und Klamauk. Wer sich von letzterem nicht abschrecken lässt, kann durchaus seine Freude daran haben, wie erneut in alle Richtungen ausgeteilt und niemand verschont wird. Ein schwarzer Jesus im Krippenspiel mischt die Theaterszene auf und mit dem leicht manischen deutschstämmigen Galeristen, der sich vermeintlich für Tochter Ségolènes gewöhnungsbedürftige Eingeweide-Gemälde interessiert, werden der überkandidelte Kunstbetrieb und dessen Vertreter auf die Schippe genommen, und alle Beteiligten haben sich noch immer genügend Vorurteile und Voreingenommenheiten bewahrt, um sich gegenseitig auf den Schlips zu treten.

All dies sorgt weiterhin für genügend Spaß, wenn auch nicht mehr sehr viel Neues hinzugefügt wird, abgesehen von der Ausweitung des ohnehin schon großen Schauspielerensembles, damit dürfte dann aber auch das Ende dieser Reihe erreicht sein.

 

 

Regie: Philippe de Chauveron

Drehbuch: Guy Laurent, Philippe de Chauveron (Adaption, Buch, Dialoge)

Kamera: Christian Abomnes

Schnitt: Thomas Dessane, Sandro Lavezzi

Musik: Matthieu Gonet

 

Besetzung:

Christian Clavier, Chantal Lauby, Ari Abbitan, Medi Sadoun, Frédéric Chau, Noom Diawara, Frédérique Bel, Èmilie Caen, Èlodie Fontan, Alica David, Pascal N’Zonzi, Salimata Kamate

 

Neue Visionen Filmverleih

Frk 2021

98 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 21. Juli 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=T9j72RC6wMw (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=ZxlLzojqHUE (Französisch)

 

 

 

Dienstag, 5. Juli 2022

Im Kino: Thor: Love and Thunder

Nach seinen letzten Abenteuern ist Gott Thor (Chris Hemsworth) eigentlich im Ruhestand. Aber, wie das so ist, ein neuer Bösewicht, Gorr (Christian Bale), hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Götter die es gibt zu eliminieren. Um ihn zu stoppen versucht Thor – wie üblich – ein Team zusammenzustellen. Mit dabei sind viele bekannte Gesichter, unter anderem seine Ex-Freundin Jane Fonda, äh Foster (Natalie Portman), die überraschenderweise seinen magischen Hammer Mjölnir schwingt. Wird es der Truppe gelingen, die (Götter)Welt zu retten?

Wieder einmal bietet das Marvel-Universum alle Kräfte auf, um seine Fangemeinde zu erfreuen und spart weder an Mensch noch an Material, d.h. die Riege der Darstellenden ist lang und wohlbekannt, wobei sich wie gewohnt auch Figuren aus anderen Handlungssträngen tummeln. Das Ganze ist locker-flockig und humorig inszeniert, aber auch ernstere Szenen und natürlich spektakuläre Kampfsequenzen kommen nicht zu kurz, alles in allem die bewährte Mischung, und wer davon einfach nicht genug bekommen kann, der ist hier wieder einmal goldrichtig.

Für eventuelle Neueinsteiger gibt es einen launigen Abriss der ersten drei Thor-Filme, nach Möglichkeit soll niemand zurück bleiben. Aber auch ein paar neue Figuren werden aufgeboten, und der von Russell Crowe ein wenig neckisch dargestellte Gottvater Zeus macht durchaus Spaß. Christian Bale dagegen legt es so gut wie nie darauf an, dass seine Figuren irgendwelchen Spaß oder gute Laune verbreiten, so ist er als mieser, fieser Götterkiller durchaus passend besetzt.

Taika Waititis zweite Regiearbeit für die Thor-Reihe macht größtenteils Spaß, zumindest wird er all denen gefallen, die seinen manchmal etwas schrägen Humor mögen. Außerdem hat Waititi sich mit rund 120 Minuten Laufzeit für einen Superheldenfilm erfreulich kurz gefasst und damit den Beweis erbracht, dass dies also durchaus möglich ist. Ansonsten bewegt sich die Handlung im bewährten Schema, aber wer würde bei einem Franchise-Werk etwas anderes erwarten, somit ein solider Sommerfilm für zwei unbeschwerte Stunden im (klimatisierten) Kino.

 


 Regie: Taika Waititi

Drehbuch: Taika Waititi, Jennifer Kaytin Robinson, b/a den Marvel comics von Stan Lee und Jason Aaron

Kamera: Barry Baz Idoine

Schnitt: Peter S. Elliot, Tim Roche, Mathew Schmidt, Jennifer Vecchiarello

Musik: Michael Giacchino, Nami Melumad

 

Besetzung:

Chris Hemsworth, Natalie Portman, Christian Bale, Tessa Thompson, Taika Waititi, Russell Crowe, Chris Pratt, Jamie Alexander, Dave Bautista, Sean Gunn, Karen Gillan, Vin Diesel (Stimme), Bradley Cooper (Stimme), Pom Klementieff

 

Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

USA

2022

125 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 06. Juli 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=DuykDNe9BFs (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=Go8nTmfrQd8 (Englisch)

 

Montag, 27. Juni 2022

Im Kino: Der beste Film aller Zeiten (Competencia Oficial)

Um sich ein Denkmal über seinen Tod hinaus zu errichten, und weil er sich nicht so recht für den Bau einer Brücke erwärmen kann, beschließt der milliardenschwere Unternehmer Umberto Suárez (José Luis Gómez), einen Film nach einem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman drehen zu lassen, der natürlich, wie es sich für ihn geziemt, der beste Film aller Zeiten werden soll. Dafür ist das Beste gerade gut genug und so lässt er die exzentrische Regisseurin Lola Cuevas (Penélope Cruz) sowie mit Félix Rivero (Antonio Banderas) und Iván Torres (Oscar Martínez) zwei lebende Legenden der Film- und Theaterwelt engagieren, die in ihrer langen Karriere noch nie zusammen vor der Kamera gestanden haben. Das Unterfangen erweist sich erwartungsgemäß als ausgesprochen toxisch und man fragt sich, ob alle drei die Dreharbeiten überleben werden…

Die bissige mit Insiderpointen gespickte Komödie schenkt ihren Protagonisten nichts – und macht dabei ungeheuren Spaß. Wie sich hier die Egos zweier in die Jahre gekommener Stars aneinander abarbeiten ist witzig, manchmal tragisch und auch wenn das Ende im Verlauf der Handlung erahnbar wird, kommt es doch überraschend. Bis dahin erlebt man jedoch eine Tour-de-Force und darf bei der Entstehung eines Filmprojekts hautnah dabei sein, denn die Handlung spielt noch vor den eigentlichen Dreharbeiten, während der Proben vorab und der Erarbeitung des Stoffs, in der Phase in welcher sich die Beteiligten, vor allem Regisseurin und Hauptdarsteller einander annähern – oder eben auch nicht.

Auch wenn manches vielleicht überzeichnet ist und so manches Klischee bedient wird, das man über Filmstars und ihre Eitelkeiten im Kopf haben mag, so ist es doch vergnüglich anzuschauen, wie die unterschiedlichen Schauspieltypen karikiert werden. Wo der eine förmlich in seine Rolle hineinzukriechen versucht und alles über die Früh- und Vorgeschichte seiner Figur wissen muss, um diese realistisch darstellen zu können, genügen dem anderen sein Einsatzstichwort und der „Action“-Ruf des Regisseurs, um loszulegen.

Soviel zur Schau gestellte Selbstironie verdient Applaus, und auch wenn eine Straffung in der Inszenierung dem Film insgesamt gut getan hätte, hilft der grandiose Cast über die ein oder andere Länge hinweg. Es ist außerdem gut, dass es tatsächlich noch europäische Filme gibt, die sich wohltuend von dem Hollywood-Blockbuster-Einerlei abheben, und auch wenn Antonio Banderas für lange Zeit eben dort in Hollywood verschollen war, schön, dass er wieder da ist!

 


 Regie: Mariano Cohn, Gastón Duprat

Drehbuch: Mariano Cohn, Andrés Duprat, Gastón Duprat

Kamera: Arnau Valls Colomer

Schnitt: Alberto del Campo

Musik: Eduardo Cruz

 

Besetzung:

Penélope Cruz, Antonio Banderas, Oscar Martínez, José Luis Gómez, Manolo Solo, Pilar Castro

 

StudioCanal Germany

Esp/ Arg 2021

114 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 30. Juni 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=gFAqwx5-j40 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=SObvKkDEbE4 (Spanisch)

 

Im Kino: Minions 2: Auf der Suche nach dem Mini-Boss (Minions: The Rise of Gru)

Mit 11 ¾ beschließt der Schüler Gru, der größte Schurke der Welt zu werden. Zu diesem Zweck bewirbt er sich um eine freigewordene Stelle bei der Gangster-Bande „Die Fiesen 6“, die gerade ihren Anführer Wilder Knöchelknacker ausgebootet hat. Es läuft jedoch nicht alles wie geplant und Gru ist auf die Hilfe einer Schar kleiner gelber Helferlein unter Führung von Stuart, Kevin, Bon und dem zahnspangenbewehrten, äußerst schwatzhaften aber ungeheuer engagierten Otto angewiesen…

Als Prequel angelegt führt die Geschichte zurück in die 1970ger Jahre, zu den kindlichen Ursprüngen des später tatsächlich zu einem Super-Schurken herangereiften Gru, als die Verbindung zu einer Horde williger, aber zeitweise anarchische Helfer entstand. Hier ist alles wie gehabt, entweder man mag die Truppe, oder nicht, im ersteren Fall bieten die Minions ihre bewährte Mischung aus Chaos und Pfiffigkeit, gepaart mit einem Hauch Genialität. Vor allem ihr Kauderwelsch verblüfft immer wieder, eigentlich in einer völlig unbekannten Sprache gebrabbelt, versteht man doch auf mysteriöse Weise jedes Wort.

Die Rahmenhandlung über die Jagd nach einem wertvollen Stein und die Entführung und Befreiung Grus ist etwas bemüht, die Figuren der Fiesen 6 haben wenig Profil und auch Opa Knöchelknacker kann nicht wirklich überzeugen, sein großes Manko ist dabei die deutsche Stimme. Thomas Gottschalk hat einfach eine zu prominente Stimme, um mit seiner Figur zu verschmelzen, immer schiebt sich das Gottschalk-Bild davor, es eignet sich halt nicht jeder zum Synchronsprecher. Oliver Rohrbeck als Gru dagegen macht, wie immer, einen hervorragenden Job, und bei den Minions mag man sich gedacht haben, ist es eh egal, wer sie brabbelt…

Ein paar Ideen und putzige Szenen im Ambiente der bunten 1970ger Jahre nebst passendem Soundtrack sind nett anzuschauen und –hören, stellenweise auch durchaus witzig, also alles in allem ein Spaß für Klein und Groß – na ja, nicht ganz, man muss doch schon ein Fan der gelben Burschen sein, um restlos begeistert zu sein, dann aber lohnt sich ein Ausflug ins Kino durchaus.

 


 Regie: Kyle Balda, Brad Ableson, Jonathan del Val

Drehbuch: Brian Lynch, Mattew Fogel, Cinco Paul

Schnitt: Claire Dodgson

Musik: Hietor Pereira

Originalsongs: Pharell Williams

 

Besetzung:

Oliver Rohrbeck (Gru), Thomas Gottschalk (Knöchelknacker), Dela Dabulamanzi, Bastian Baker, Larissa Marolt,

 

Im Original (das wir hier nicht zu sehen/ hören bekommen…): Steve Carell (Gru), Pierre Coffin, Taraji P. Henson, Jean-Claude Van Damme, Michelle Yeoh, Dolph Lundgren, Danny Trejo, Alan Arkin (Wild Knuckles), Julie Andrews, Russell Brand

 

Universal Pictures

USA 2022

87 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 30. Juni 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=MqmcwkIyW58 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=PWC3Z5QOPgQ (Englisch)

 

 

Donnerstag, 23. Juni 2022

Im Kino: Elvis

Ein junger Mann aus dem Süden der USA namens Elvis Presley wird zum internationalen Rockstar und Sexsymbol – dies ist seine Geschichte.

Der tanz- und musikfilmerfahrene Regisseur Baz Luhrmann, der mit Filmen wie „Strictly Ballroom“ und „Moulin Rouge“ begeistern konnte, hat sich aktuell Leben und Werdegang eines der erfolgreichsten und bekanntesten (Rock)Sängers des Planeten vorgenommen, über den wahrscheinlich jeder glaubt, schon alles zu wissen.

Einiges wird aber wohl doch nicht so bekannt sein, und um dies zu unterstreichen, lässt Luhrmann quasi einen Insider aus dem Nähkästchen plaudern, indem er die Geschehnisse aus dem Off von Elvis’ einstigem Endecker und Manager, dem mehr als zwielichtigen Colonel Tom Parker, erzählen lässt. Hierin liegt auch ein wenig die Schwäche des Films, denn dieser Manager, der weder ein Colonel war, noch Tom Parker hieß, wird von einem durch Fatsuit und angebautem Doppelkinn zwar stark veränderten Tom Hanks dargestellt, der es jedoch trotz seiner früheren untadeligen Vorstellungen hier nie schafft, hinter seiner Rolle zu verschwinden. Er, der Antiheld des Films, bleibt seltsam blass, und durch seine Erzählungen aus dem Off schleicht sich eine gewisse Zähigkeit in den Film.

Demgegenüber ist der junge Austin Butler ein wahrer Glücksgriff, der mit jeder Faser seines Körpers und seiner (Sprech)Stimme zumindest in der Originalfassung die vibrierende Energie des jungen Musikers auf dem Sprung zu Ruhm und Reichtum auf die Leinwand transportiert. Da die gesungene Lieder – dankenswerterweise – nicht synchronisiert wurden, wie das bei manchen Musicalverfilmung schon der Fall war, kommt es zu einem leichten Bruch, wenn Elvis in der deutschen Fassung nicht mehr wie ein Südstaatenjunge spricht, sondern klingt wie jemand aus deutschen Landen, zum Beispiel Wuppertal oder Bielefeld...

Am besten ist der Film in den Anfängen, wenn er den junge Elvis zeigt, wie er in den schwarzen Wohnvierteln, in denen er aufwuchs, durch die kirchliche Gospelmusik beeinflusst und auf seinen späteren Weg gebracht wurde. Sein anfangs scheuer, immer ein wenig geduckter Blick, der Unschuld und Schüchternheit verheißt, steht in krassem Widerspruch zu seinen von Anfang an lasziven Bewegungen, sobald er eine Bühne betritt. Das vielzitierte Hüftkreisen wird ausgiebig von der Kamera durch wiederholte kurze Einstellungen auf im Rhythmus wackelnde Knie und Schritt eingefangen, was bei jungen Zusehauerinnen zu Kreischorgien und deren Erziehungsberechtigte und sämtlichen Moralhütern der Südstaaten zum Einschreiten führt.

Der Film verliert während der späteren Phase etwas an Dynamik, was zum Teil an der bereits erwähnten Erzählweise liegt, und es kommt nie wirklich zur einer echten Abrechnung mit einem Manager, der immer wieder betont, dass es ohne ihn keinen Elvis Presley gegeben hätte. Letztlich wird auch nicht ganz klar, wem Baz Luhrmann hier ein Denkmal setzen wollte, Elvis, der bereits sein eigenes Denkmal ist, oder doch Colonel Parker, der keines verdient hat, dem Schurken in dieser Geschichte, der seinen Schützling zwar auf den Weg gebracht, ihn dann aber gnadenlos ausgebeutet und um viel Geld betrogen hat.

Am Ende bleiben jedoch die mitreißenden musikalischen Sequenzen und Showelemente des Films in Erinnerung, ein in Bild und Ton pralles und buntes Spektakel, die verdiente Hommage an eine Legende namens Elvis Presley.

 


  Regie: Baz Luhrmann

Drehbuch: Baz Luhrmann, Sam Bromell, Craig Peace, Jeremy Doner, b/a Story von Baz Luhrmann und Jeremy Doner

Kamera: Mandy Walker

Schnitt: Jonathan Redmond, Matt Villa

Musik: Elliott Wheeler

 

Besetzung:

Austin Butler, Tom Hanks, Olivia DeJonge, Helen Thomson, Richard Roxburgh, Kelvin Harrison Jr., David Wenham, Kodi Smit-McPhee, Yola

 

Warner Bros. Pictures Germany

2022

159 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 23. Juni 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=GLlUl2IXvJ4 (Deutsch)

              https://www.youtube.com/watch?v=Gp2BNHwbwvI (Englisch)