Chris Hansen (Robert Pattinson) ist Mitte der 2000er Jahre mit einem Reality-Format im amerikanischen Fernsehen auf Sendung, bei dem Pädophile mit Lockvögeln geködert werden, um sie dann vor laufender Kamera spektakulär bloßzustellen. Weil er sich trotz immer weiter steigender Zuschauerquoten jedoch im Grunde nicht als seriöser TV-Mann ernstgenommen fühlt, treiben Hansen und sein Team ihre Hatz immer weiter, bis es eines Tages zur Katastrophe kommt…
Das oben beschriebene Konzept des Formats „To Catch A Predator“, war tatsächlich jahrelang in den USA erfolgreich, ein Kreuzzug gegen Kinderschänder, bei dem sich jeder Zuschauende automatisch moralisch auf der richtigen Seite fühlen durfte, ging es doch um die Überführung widerlicher Verbrecher. Dies ist allerdings grundsätzlich Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, alles andere reicht weit in den Bereich einer nicht zulässigen Selbstjustiz, und auch bei Polizei und Staatsanwaltschaft ist ein sogenannter Agent Provocateur, der, um Kriminelle besser überführen zu können, diese erst zu Straftaten anstiftet, hochumstritten.
Wenn nach der öffentlichen Demaskierung echte Polizisten, auch sie öffentlichwirksam, vor dem Fernsehstudio zugriffen, ändert das nichts an dem insgesamt fragwürdigen Geschäftsmodell, zumal es, wie der Film ziemlich plakativ deutlich macht, den Fernsehleuten, und hier allen voran dem Journalisten Hansen, in erster Linie um die immer höher werdenden Einschaltquoten ging, für die Menschen unfreiwillig an einen öffentlichen Pranger gestellt wurden. Aber auch die Lockvögel, meistens ambitionierte junge Schauspieler, wurden skrupellos eingesetzt, man kann schon fast sagen: missbraucht, während einige der im Hintergrund agierenden Onlinelockvögel sich durchaus selber an den schlüpfrigen Ergüssen, die sie für ihre Opfer fabrizierten, zu delektieren schienen. Natürlich ist auch der moralisch so überlegen agierende Hansen selbst nicht ohne Fehl und Tadel, und das, was er und seine Mitstreiter am Ende verursachen, überrascht dann nicht wirklich.
So ehrenwert das Anliegen des Films ist, dies alles sowie die fatale Eigendynamik des Fernsehformats an den Pranger zu stellen (sic!) und dabei auf die darstellerische Stärke von Robert Pattinson zu setzen, der mittlerweile auf schmierige Rollen abonniert zu sein scheint, so liegt seine Schwäche darin, dass er obwohl durchaus als Spielfilm angelegt, wie ein Pseudo-Dokumentarfilm daherkommt. Scheinbar improvisiert in die Kamera gesprochenen Monologe oder verrutschte, teilweise unscharfe Kameraeinstellungen machen das Zuschauen anstrengend und wenn am Ende die Fernsehmacher ebenso vorgeführt werden, wie vorher ihre Opfer, hinterlässt dies einen recht schalen Beigeschmack.
Wieder einmal bestätigt sich, dass gut gemeint nicht immer gut gemacht ist, das Thema hätte auf jeden Fall eine ansprechendere Umsetzung verdient gehabt.
Regie: Lance Oppenheim
Drehbuch: Ajon Singh, b/a auf einem Artikel von Luke Dittrich
Kamera: David Bolen
Schnitt: Daniel Garber
Musik: Ari Balouzian
Besetzung:
Robert Pattinson, Merritt Wever, Skyler Gisondo, Mathew Maher, Phoebe Bridgers, Bokeem Woodbine, Jonathan Lipnicki, Jeff Zucker
A24/ Leonine Distribution
2026
110 min.
FSK 12
Deutscher Kinostart: 24. September 2026
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=iaO2VzUthKc (Deutsch)
https://www.youtube.com/watch?v=5fHXyqQOKL8 (Englisch)

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