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Mittwoch, 19. Juli 2023

Im Kino: Oppenheimer

Robert Oppenheimer wird gerne als der „Vater der Atombombe“ bezeichnet, tatsächlich war er Leiter des „Manhattan Projekts“, einem Team von zahlreichen Physikern und Spezialisten, das gegen Ende des zweiten Weltkriegs in der Wüste von Los Alamos/ New Mexico fieberhaft an der Entwicklung dieser neuen Waffe arbeitete, um einerseits den Deutschen zuvor zu kommen, andererseits aber auch der zu diesem Zeitpunkt noch verbündeten Sowjetunion voraus zu sein.

Schwerpunkte des Films sind zwei Anhörungen in den 1950ger Jahren, die eine, bei der es um die Entziehung von Oppenheimers (Cillian Murphy) Sicherheitsfreigabe und damit um seinen Job geht, bei der anderen soll der Politiker Lewis Strauss (Robert Downey Jr.), zur Zeit des Manhattan Projekts Leiter der damals neu geschaffenen amerikanischen Atomenergiebehörde, als Handelsminister im Kabinett Eisenhower bestätigt werden. Beide Verfahren dienen mit ihren minutiös nachgezeichneten Verläufen als Aufhänger dafür, den Lebens- und Berufsweg des Robert Oppenheimer nachzuzeichnen, von seinen Anfängen als junger Wissenschaftler, über seine persönlichen und familiären Beziehungen bis zu seinem Aufstieg als Leiter des „Manhattan Projekts“.

Dabei nimmt die eigentliche Arbeit an der Bombe einen gewichtigen Teil des Films ein, insbesondere die Darstellung der unterschiedlichen Charaktere der an dem Projekt Beteiligten, vom hemdsärmeligen Militär Leslie Groves (Matt Damon), bis zum Scharfmacher Edward Teller (Benny Safdie), der sich vehement für die Entwicklung der in ihrer Wirkung noch mächtigeren Wasserstoffbombe stark macht. Höhepunkt dieser Arbeit und auch des Films ist der letzte entscheidende Test in der Wüste, der optisch und akustisch bombastisch und herausragend inszeniert ist.

Weniger spektakulär, aber nicht minder intensiv ist der persönliche Kampf, den der Politiker Lewis Strauss gegen Oppenheimer führt, den dieser sich durch eine mehr oder weniger unbedachten Äußerung zum erbitterten Feind gemacht hat, woraufhin Strauss unversöhnlich alles daran setzt, Oppenheimer zu diskreditieren, ja, zu vernichten. Einen äußerst wirksamen Hebel bieten dabei dessen diverse Kontakte zu kommunistischen Kreisen, in den 1950ger Jahren und der Kommunistenhatz unter der Ägide des Senators McCarthy ein berufliches Todesurteil, und die diesbezüglichen Befragungen Oppenheimers bei seiner Anhörung werden von Nolan fast schon genüsslich zelebriert.

Bei der Darstellung dieser voneinander verschiedenen Anhörungen bedarf es allerdings einiger Aufmerksamkeit, um bei der Vielzahl der aufgebotenen Akteure und Namen nicht den Überblick zu verlieren, dass die einzelnen Erzählstränge mal in Farbe und mal in Schwarzweiß ablaufen, hilft auch nicht immer weiter. Das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Zeitebenen bei den Vor- und Rückblenden ist inzwischen nicht nur bei Christopher Nolan ein beliebtes Mittel, um eine Erzählung nicht einfach linear zu präsentieren, sondern eine Komplexität zu schaffen, die sich jenseits von Zeit und Raum entwickelt, und dabei den Verstand herausfordert, wie es manche Theorien der Physik tun, wenn sie postulieren, dass es prinzipiell schließlich auch unmöglich sei, den Ort und den Impuls eines Teilchens gleichzeitig beliebig genau zu messen.

Getragen wird dieser wuchtige Film auf jeden Fall von einem hervorragenden Cast, allen voran Cillian Murphy, in dessen Gesicht so viel und gleichzeitig gar nichts zu passieren scheint, Quantenphysiker halt. Den Zwiespalt, in dem sich Wissenschaftler wie er stets befinden, wenn sie etwas Zerstörerisches in die Welt gebracht haben, obwohl sie doch nur das getan haben, was sie tun mussten (sonst hätte es ein anderer getan…), zeigt Murphys ambivalente Darstellung eindrucksvoll. Einerseits scheint sein Entsetzen angesichts der verheerenden Wirkung der Bomben über Hiroshima und Nagasaki echt, was auch zu seiner Weigerung, an der noch mächtigeren Wasserstoffbombe mitzuarbeiten, führt. Andererseits nimmt er doch auch gerne den Jubel und die Verehrung, die ihm als „Vater“ der Bombe entgegengebracht wird, als legitimen Lohn entgegen.

Aber auch Robert Downy Jr. darf endlich einmal wieder zeigen, was er auch noch kann, außer den Superhelden zu geben, und liefert ein großartiges Porträt des von Ehrgeiz, gekränkter Eitelkeit und Rachsucht getriebenen Politikers Strauss ab. Emily Blunt als Oppenheimers Ehefrau kommt erst spät, aber dann umso eindrücklicher zu einem intensiven Auftritt, und Tom Conti lässt den launigen Albert Einstein für einige kurze Momente wieder auferstehen. Die übrige Darstellerriege liest sich wie ein Who is Who der Hollywoodstars, von denen manch einer allerdings nur kurz auf- und gleich wieder abtritt, und bei manchen muss man genau hinsehen, um sie überhaupt zu erkennen.

Der Film bietet nicht nur in den Teilen, die sich mit dem Bau der Bombe beschäftigen, sondern auch in seinen verbalen Scharmützeln eine Tour de Force, auf die sich einzulassen man angesichts der Lauflänge von drei Stunden allerdings bereit sein muss. 

 Keine leichte Kost also im diesjährigen Sommermenü, aber eines, das sich lohnen kann, wenn man sich eben darauf einlässt, für alle Nolan-Fans allerdings ein absolutes Muss.


 

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan, b/a auf dem Buch von Kai Bird und Martin Sherwin

Kamera: Hoyte Van Hoytema

Schnitt: Jennifer Lame

Musik: Ludwig Göransson

 

Besetzung:

Cillian Murphy, Emily Blunt, Matt Damon, Robert Downey Jr., Josh Hartnett, Florence Pugh, Tom Conti, Benny Safdie, Mathias Schweighöfer, Jack Quaid, Cary Oldman, Gustaf Skarsgard, Kenneth Branagh, Olivia Thirlby, Rami Malek, Alden Ehrenreich, David Dastmalchian, David Krumholtz, Casey Affleck, Dane DeHaan, Alex Wolff, Mathew Modine,

 

180 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 20. Juli 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=NjlA8pKUavY (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=uYPbbksJxIg (Englisch)

 

 

 

Dienstag, 22. Juni 2021

Im Kino: A Quiet Place 2 (A Quiet Place Part II)

Nach dem Tod ihres Mannes (John Krasinski ) ist Evelyn Abbott (Emily Blunt) auf sich allein gestellt. Mit ihren Kindern, der gehörlosen Regan (Millicent Simmonds), Marcus (Noah Jupe) und dem neugeborenen Baby verlässt sie die nicht mehr sichere Farm, um ein neues Zuhause zu finden. Auf ihrem Weg durch eine Welt der unheilvollen Stille, in der jedes Geräusch den sicheren Tod bedeuten kann – die blinden Aliens reagieren noch genauso geräuschempfindlich und aggressiv wie zuvor– begegnet die Familie weiteren Überlebenden, wie dem undurchsichtigen Emmett (Cillian Murphy), und trifft auf ein mysteriöses Radiosignal…

In der Fortsetzung des Überraschungserfolgs von 2018 hat der Horror nichts von seiner Intensität eingebüßt. Wieder gelingt es meisterlich, die Stille fast körperlich spürbar werden zu lassen, sowohl die forcierte, bei der man unter Aufbietung aller Kräfte jegliches Geräusch vermeidet, aber auch die stille Welt, in der die gehörlose Regan ohnehin lebt. War der erste Teil zusätzlich noch auf einen eng begrenzten Schauplatz limitiert, wird dieser nun ausgeweitet, ein cleverer Schachzug, ohne den die Fortsetzung buchstäblich an ihre Grenzen gestoßen wäre. Nun können die bereits bekannten Elemente fortgeführt, aber durch neue, situationsbedingte ergänzt, werden, so dass sich Grundspannung durchweg hochhalten lässt. Ebenfalls geschickt eingefügt wird in einem kurzen Einschub die dem ersten Teil fehlende Vorgeschichte des Tages, an dem die Aliens an einem heiteren Samstagnachmittag auf der Erde landeten und das Leben der Menschen von einem Moment auf den anderen für immer veränderten.

Alles in allem ein gelungenes Sequel, das nichts von seiner Intensität und der atemlosen Spannung eingebüßt hat, die schon den ersten Film auszeichnete, erweitert um die mittlerweile coronabedingt unfreiwillig gewonnene Erkenntnis, wie schnell es tatsächlich gehen kann, um unser Leben, wie wir es kannten, komplett auf den Kopf zu stellen, denn kurz nach der Pressevorführung des Films am 10. März 2020 und kurz bevor der Film in die Kinos kommen sollte, begab sich die Welt in einen kollektiven Lockdown…

 


 Regie: John Krasinski

Drehbuch: John Krasinski, b/a den Charakteren entwickelt von Scott Beck und Bryan Woods

Kamera: Polly Morgan

Schnitt: Michael P. Shawver

Musik: Marco Beltrami

 

Darsteller:

Emily Blunt, Millicent Simmonds, Cillian Murphy, Noah Jupe, John Krasinski, Djimon Hounsou,

 

Paramount Pictures Germany

97 min.

FSK 16

 

 (Nun endlich doch noch!) 

Deutscher Kinostart: 24. Juni 2021

 

 Trailer: https://www.facebook.com/256377877168/videos/321459189507504


Mittwoch, 27. November 2019

Film-Rezensionen: Anna (Home-Release)


Anna Poliatova (Sasha Luss) lebt in prekären Verhältnissen in Russland, bis sie eines Tages vom KGB rekrutiert wird. Nach harter Ausbildung arbeitet sie eine Zeit lang sehr erfolgreich als Killerin und ihre Morde erledigt sie rasch und effektiv. Doch eines Tages gerät sie ins Visier der CIA...


Luc Besson verbindet in seinem Film Elemente des reinen Action- mit solchen des Spionagethrillers, dabei lässt er die Handlung sich nicht chronologisch entfalten, sondern springt in der Zeitebene vor und zurück. Dies schafft einerseits durchaus eine gewisse Spannung, aber zuviel des Guten ist irgendwann nicht mehr bekömmlich, und wenn der Zuschauer sich am Ende wie bei der Echternacher Springprozession fühlt, war es vielleicht doch ein Sprung zuviel. Außerdem scheint der Regisseur selbst an einigen Stellen den Überblick verloren zu haben, wenn in seiner Geschichte, die eigentlich gegen Ende des Kalten Krieges angesiedelt ist, Autos und technisches Equipment aus der Gegenwart auftauchen.

Die Actionszenen sind präzise choreographiert, während die Agentengeschichte ein wenig farblos und unoriginell bleibt, so wie die Hauptdarstellerin Sasha Luss, der es am nötigen Charisma mangelt. Dies besitzt Helen Mirren zwar im Überfluss, dennoch fehlt es zwar nicht ihr, wohl aber ihrer Figur Olga an überzeugender Tiefe, obwohl sie aus der namhaften Riege der weiteren Darsteller Cillian Murphy und Luke Evans immer noch herausragt, denn die beiden Herren sind nicht mehr als Staffage für die Heldin Anna, die dieser Bürde aber, wie gesagt, nicht ganz gerecht wird. 

Unterhaltungswert hat der Film dennoch stellenweise, wenn man sich nicht allzu sehr daran stört, dass (wieder einmal… die unsägliche Schmonzette "Red Sparrow" lässt grüßen!) Russen untereinander Deutsch (bzw. in der Originalfassung: Englisch) mit russischem Akzent sprechen, denn bei einigen gekonnten Actionszenen kann man sich getrost zurücklehnen und – wenn man auf dieses Genre steht – einfach genießen, hier findet Besson zu alter Stärke zurück, auch wenn ihm ansonsten leider der frische Ansatz abhanden gekommen ist.





Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson
Kamera: Thierry Arbogast
Schnitt: Julien Rey
Musik: Éric Serra

Darsteller:
Sasha Luss, Helen Mirren, Cillian Murphy, Luke Evans
 
Studiocanal
Frk. 2019
FSK 16
Homerelease: 28. November 2019 (digital ab 14.11.2019)
 
Details DVD:
Laufzeit: 114 min.
Bildformat: 2,40:1 (anamorph)
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: 5.1 Dolby Digital
Bonus: Making of Featurettes „Die Kostüme“/ „Der Restaurant-Kampf“/ „Die Produktion“/ „Die Verfolgungsjagd“ – diverse Trailer
EAN: 4006680093659

Details Blu-ray:
Laufzeit: 119 min.
Bildformat: HD 1080p/24 Full HD (2,40:1)
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dt. 7.1 DTS-HD MA; Engl. 5.1 DTS-HD (Master Audio)
Bonus: Making of Featurettes „Die Kostüme“/ „Der Restaurant-Kampf“/ „Die Produktion“/ „Die Verfolgungsjagd“ - diverse Trailer
EAN: 4006680093666

Details 4K UHD:
Laufzeit: 119 min.
Bildformat: 2160p Dolby Vision 2,35:1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dt. 7.1 DTS-HD MA; Engl. 5.1 DTS-HD (Master Audio)
Bonus: Making of Featurettes „Die Kostüme“/ „Der Restaurant-Kampf“/ „Die Produktion“/ „Die Verfolgungsjagd“ - diverse Trailer
EAN: 4006680094502