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Donnerstag, 2. Januar 2025

Im Kino: Queer

Wegen Drogenproblemen setzt sich der US-Schriftsteller William Lee (Daniel Craig) in den 1940ger Jahren nach Mexiko ab, wo er sich im Kreis weiterer Exilanten treiben lässt, ein Leben zwischen Alkohol, Drogen und meistens unverbindlichem Sex. Als er den deutlich jüngeren Allerton (Drew Starkey) kennenlernt, ist er einer Beziehung nicht abgeneigt, aber so richtig sicher, ob dieser tatsächlich Interesse an Männern hat, ist er sich nicht. Da hört er von einer Urwald-Droge, die angeblich telepathische Kräfte verleihen soll und begibt sich sofort auf die Suche danach, ein psychedelischer Trip ins grüne Herz der Dschungel-Finsternis beginnt…

Wer Regisseur Luca Guadagnino kennt, erwartet Sex und bekommt ihn in der Regel auch, im Fall dieser Verfilmung eines Romans von William S. Burroughs gehen die männlichen Protagonisten dabei durchaus explizit zu Werk. Das Ganze verbrämt sich lange Zeit in einem alkohol- und drogengeschwängerten Ambiente, ohne dass irgendetwas Nennenswertes passiert. Erst im zweiten Teil, als der Schriftsteller seine Komfortzone verlässt und sich in ein Urwaldabenteuer stürzt, kommt etwas Schwung in die Sache, mystische-psychedelische Dinge passieren und nicht immer ist klar, was Traum ist und was Wirklichkeit, aber so ist das halt bei einem Drogentrip, deswegen mögen ihn die einen und die anderen nicht.

Dabei sehen die Szenen in Mexiko zunächst eher wie in eine theaterhafte Kulisse eingebettet aus, die Straßen, Bars und Hotelzimmer wirken künstlich und übersichtlich, haben aber durchaus einen gewissen Charme, während man in den Urwaldszenen in eine völlig andere, ungeordnete Welt hineingeworfen wird.

Allerdings braucht es wieder einmal viel Sitzfleisch, denn Guadagnino nimmt sich viel Zeit für seine Geschichte, ohne dabei auf weite Strecken tatsächlich eine Geschichte zu erzählen, und das Ganze mäandert nach 136 langen Minuten einem eher unbestimmten Ende entgegen, aber wer sich darauf einlässt, bekommt einen homoerotische Drogen- und Alkoholtrip geboten mit einem beeindruckenden Daniel Craig, der seine Sache durchaus bravourös meistert.  

 


 Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: Justin Kuritzkes, b/a Roman von William S. Burroughs

Kamera: Sayombhu Mukdeeprom

Schnitt: Marco Costa

Musik: Trent Reznor, Atticus Ross

 Besetzung:

Daniel Craig, Daan de Wit, Jason Schwarztman, Henrique Zaga, Colin Bates, Drew Starkey,

 

A24/ MUBI

136 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 02. Januar 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=RW_ESAqFCQc (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=eknj5_0tF2s (Englisch)

Donnerstag, 7. März 2019

Film-Rezensionen: White Boy Rick


Richard „Rick“ Wershe Jr. (Richie Merritt), ein Junge von 14 Jahren, lebt mit seinem Vater Rick Sr. (Matthew McConaughey), der den Lebensunterhalt mit dem Kauf und Verkauf von Waffen verdient, und seiner Schwester Dawn (Bel Powley) im Detroit der 80ger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die einstige Auto-Stadt hat einen beispiellosen Niedergang hinter sich, entsprechend trostlos sind die Straßen und Viertel, in denen sich Rick bewegt. Seine Freunde findet er im kriminellen Milieu der Crack-Dealer und seine genauen Kenntnisse der Szene führen eines Tages dazu, dass das FBI ihn, der alle wichtigen Leute und Vorgänge kennt, als Informanten anheuert, ein Glücksfall für die Behörden, denn wer wäre in diesem schwierigen Terrain unverdächtiger als ein Kind? Mit seiner Hilfe soll der berüchtigten Curry Crew, dem Drogenkartell der Brüder Johnny „Lil Man“ und Leo Curry in einem unübersichtlichen Geflecht zwischen Politik und Gangstern – immerhin ist Johnnys Frau die Nichte des Bürgermeisters – das Handwerk gelegt werden.

Als Rick angeschossen wird, deckt er die Täter, was ihm noch mehr Respekt und Vertrauen der Drogenbosse einbringt. Dem FBI gelingt mit Ricks Hilfe schließlich durch einige Verhaftungen ein Schlag gegen das Kartell, danach lassen sie Rick jedoch fallen. Auf sich allein gestellt nutzt dieser seine Kenntnisse nun für sich selbst und steigt tatsächlich zum jüngsten Drogenboss Detroits auf, bis ihn die Polizei 1987 mit acht Kilo Kokain verhaftet und er eine lebenslange Freiheitsstrafe erhält.

Wer dies für die absurde Handlung eines Drehbuchautors hält: Den Fall des Rick Wershe gibt es wirklich, seit mehr als 30 Jahren sitzt er nunmehr seine Haftstrafe ab, Ende dieses Jahres soll er vorzeitig entlassen werden.

Der Brite Yann Demange hat aus dieser Geschichte ein berührendes Drama gemacht, eine Milieustudie ohne spektakuläre Szenen, aber dafür authentisch und mit intensiven Momente zwischen den Protagonisten, die unter die Haut gehen. Der junge Richie Merritt meistert seine schwierige Rolle beeindruckend, sein Spiel zwischen kindlicher Unbedarftheit und kaltschnäuzigem Drogenbarongehabe nimmt man ihm jederzeit ab. Matthew McConaughey verfolgt konsequent seine Abkehr vom einstigen Beachboy zum Darsteller schwieriger, kaputter Charaktere und Bel Powley überzeugt als Ricks von Drogen und falschen Freunden gezeichnete Schwester.

Insgesamt sehenswert ist der Film kein „J’accuse", er klagt nicht an, sondern vermerkt im Abspann lakonisch, welche Konsequenzen die Taten des echten Rick Wershe für diesen hatten, aber er gibt keine Antwort auf die Frage, wie ein modernes Rechtssystem in dieser Weise mit Kindern verfahren kann. Ohne Zweifel hat Rick Wershe schwere Straftaten begangen – Crack- und Kokainhandel im großen Stil sind keine Kavaliersdelikte – aber ein Kind als Informant zu missbrauchen, danach sich selbst zu überlassen, anschließend zu einer lebenslangen Haftstrafe zu verurteilen und es dann drei Jahrzehnte davon auch verbüßen zu lassen, wäre nach deutschem Strafrecht und unserem Rechtsverständnis völlig undenkbar, und das ist auch gut so!


Regie: Yann Demange
Drehbuch: Andy Weiss, Logan Miller, Noah Miller
Kamera: Tat Radcliffe
Schnitt: Chris Wyatt
Musik: Max Richter

Darsteller:
Matthew McConaughey, Richie Merritt, Bel Powley, Jennifer Jason Leigh, Eddie Marsan

Sony Pictures
111 min.
Deutscher Kinostart: 07. März 2019