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Mittwoch, 6. November 2019

Film-Rezensionen: Last Christmas


Kate (Emilia Clarke) ist liebenswert, aber ungeschickt, sie kommt mit ihrem Leben nicht wirklich klar und scheint das Chaos förmlich anzuziehen. In einem kleinen Weihnachtsladen verkauft sie als Elf verkleidet unter den strengen Augen ihrer Chefin Santa (Michelle Yeoh) scheußliche Weinachtsutensilien aller Art. Im Moment ist sie wieder einmal auf der Suche nach einer Bleibe, zu ihren Eltern möchte sie auf keinen Fall zurück und bei fast allen ihren Freunden hat sie es sich durch ein Missgeschick verdorben. Auch ihre berufliche Karriere als Sängerin geht nicht recht voran, bei diversen Castings kann sie nicht wirklich überzeugen. Als eines Tages der geheimnisvolle Tom (Henry Golding) in ihr Leben tritt, fühlt sie sich sofort mit ihm verbunden, endlich scheint es jemanden zu geben, der sie so nimmt, wie sie ist, aber er hat ein Geheimnis, das ihre Beziehung bedrohen könnte…

Regisseur Paul Feig hat bisher einige Komödien wie „Brautalarm" oder "Taffe Mädels" mit
eher robustem Humor abgeliefert. Nun wagt er sich an eine romantische Weihnachtskomödie, die im vorweihnachtlichen London angesiedelt ist. Die Latte für einen guten Weihnachtsfilm liegt mit einem Film wie „Tatsächlich…Liebe" („Love Actually“) von 2003 enorm hoch, vielleicht ein wenig zu hoch für Feig, aber „Last Christmas“ hat auf jeden Fall Potenzial. Stimmungsvoll die Szenerie, sympathisch die Darsteller, witzige Dialoge und Situationskomik, dazu eine ernste Vorgeschichte, die dem Vordergründig-Lockeren eine unerwartete Tiefe gibt und für sentimentale und traurige Momente sorgt.
Das Drehbuch wurde von der britischen Schauspielerin Emma Thompson mitverfasst, sie und Feig haben es geschafft, die verschiedenen Elemente zu einem stimmigen Ganzen zu verschmelzen und sogar noch ein paar kurze sozialkritische Anmerkungen zum Thema Brexit und Obdachlosigkeit unterzubringen. Titelgebend für den Film war das von den einen geliebte und von anderen leidenschaftlich gehasste Lied „Last Christmas" des verstorbenen George Michael, dessen bekannte Zeilen nach dem Film eine völlig neue Bedeutung erhalten. Der Soundtrack ist gespickt mit weiteren Songs der Gruppe Wham!, wer sich hiervon und von einer Überdosis Weihnachtsflair nicht abgeschreckt fühlt, dem bietet der Film nette und größtenteils fröhliche Unterhaltung sowie den Rat, die Dinge manchmal einfach geschehen zu lassen und seinem Herzen zu folgen – You gotta have faith!

Kitsch? Ja, natürlich, aber es ist schließlich Weihnachten...



Regie: Paul Feig
Drehbuch: Emma Thompson, Bryony Kimmings, Greg Wise
Kamera: John Schwartzman
Schnitt: Brent White
Musik: Theodore Shapiro, Soundtrack: George Michael + Wham!

Darsteller:
Emilia Clarke, Henry Golding, Michelle Yeoh, Emma Thompson, Lydia Leonard, Ritu Arya, Calvin Demba

Universal Pictures International Germany
FSK 0
102 min.
Deutscher Kinostart: 14. November 2019


Mittwoch, 31. Oktober 2018

Film-Rezensionen: Nur ein kleiner Gefallen ( A Simple Favor)

Stephanie (Anna Kendrick) ist alleinerziehend und hat einen Kochrezept-Videoblog im Internet. 

Ihr kleiner Sohn Miles ist mit Nicky, dem Sohn von Emily (Blake Lively) befreundet, einer mondän auftretenden PR-Chefin in der Modebranche, die wenig Zeit für ihr Kind hat und deshalb froh ist, wenn Stephanie ihr hin und wieder aushilft. 
Für Stephanie scheint es Freundschaft zu sein, die sie mit Emily verbindet, aber vielleicht wird sie auch nur ausgenutzt. 

Als Stephanie Nicky wieder einmal bei sich hat, wartet sie vergeblich, dass Emily ihn abholt. Auch deren Mann Sean (Henry Golding) weiß nicht, was mit Emily geschehen sein könnte. Alle Nachforschungen und auch die späteren Ermittlungen der Polizei verlaufen im Sande, wobei Stephanie immer mehr den Eindruck bekommt, dass in die völlig falsche Richtung ermittelt wird. Mit Hilfe ihres Blogs und ihrer Aufrufe über das Internet ist sie in kurzer Zeit einer unglaublichen Geschichte auf der Spur, die noch unglaublicher wird, als tatsächlich Emilys Leiche gefunden wird, denn auch danach lässt Stephanie nicht locker und entdeckt weitere Details, die alles noch einmal in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.

Regisseur Paul Feig ist bisher überwiegend durch Komödien mit eher burschikosem Humor
bekannt. Nun legt er einen furiosen Thriller vor, in dem hier und da eine Prise schwarzer Humor aufblitzt. Seine beiden Hauptdarstellerinnen glänzen in ihren unterschiedlichen Rollen. Ist Anna Kendrick zunächst die naive Blogger-Mama, die bei allen Schul- und Nachbarschaftsaktivitäten verlässlich hilft, kommt Blake Lively als die erfolgreiche Geschäftsfrau daher, die bestens gestylt in ihrem ebensolchen Haus ihren nachmittäglichen Drink zu sich nimmt. Aber beide Figuren sind nicht das, was sie zunächst zu sein scheinen, und die Art, wie die trutschige Stephanie Emilys Geheimnis aufdeckt, hätte ihr wiederum niemand zugetraut.


Dem Film gelingt es, in schönen Bildern eine bitterböse Geschichte zu entwickeln, die spannend ist und Spaß macht bis zum überraschenden Ende, ein Psychothriller, der zunächst ein wenig an "Gone Girl" erinnert, der aber mehr als das Vordergründige zu bieten hat und auch als eine Satire auf das zunehmende Streben nach dem perfekten und durchgestylten Leben daherkommt.





   Regie: Paul Feig
Drehbuch: Jessica Sharzer, b/a Romanvorlage von Darcey Bell
Kamera: John Schwartzman

                                             

                                                     Darsteller:

Anna Kendrick, Blake Lively, Henry Golding, Rupert Friend

Studiocanal/Lionsgate
117 min.
Deutscher Kinostart: 8. November 2018