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Dienstag, 10. September 2024

Im Kino: Beetlejuice Beetlejuice

Nach dem tragischen Tod von Vater Charles bereitet Lydia Deetz (Winona Ryder), die ihren Lebensunterhalt inzwischen mit einer Geister-TV-Show verdient, zusammen mit ihrer Mutter Delia (Catherine O’Hara) die standesgemäße Beerdigung vor, während Tochter Astrid (Jenna Ortega) wegen all dieser Peinlichkeiten am liebsten im Boden versinken möchte. Von dem schmierigen Geist Beetlejuice (Michael Keaton), der einst beinahe ihre Mutter in eine von ihm forcierte Zwangsehe getrieben hätte, hat Astrid keine Ahnung, aber das ändert sich, als sie, von jugendlichem Trotz getrieben, dessen Namen drei Mal ausspricht…

Was folgt, ist ein turbulentes, buntes, schockierend-schönes und spaßiges Abenteuer, bei dem kein Auge trocken bleibt, zumindest bei allen, die Sinn für solche überdrehten Tim-Burton-Ergüsse haben, ein Film für Neulinge, aber natürlich auch für diejenigen, welche 36 Jahre nach dem ersten Teil Lust auf eine Fortsetzung haben. Neben dem titelgebenden Poltergeist mit den schlechten Zähnen gibt es ein Wiedersehen mit Bob, dem Vorsteher des Schrumpfkopf-Sekretariats, in dessen Hände Beetlejuice gerne alle delikaten Aufgaben delegiert, man erfährt, wie es im Zwischenreich vom Leben zum Tod so zugeht – wer hätte gewusst, dass dort ein funkiger Soul-Train wartet? – und dass die Körper Verstorbener immer noch daran zu knabbern haben, wie sie zu Tode gekommen sind – im Fall von Astrids Vater ist das wörtlich zu nehmen, schließlich ertrank er im offensichtlich piranhaverseuchten Amazonas…

Ein besonderer Leckerbissen wartet auf Liebhaber des wunderschönen Songs "MacArthur Park", gesungen von dem unvergleichlichen Richard Harris - die in voller Länge damit unterlegte Hochzeitszeremonie ist ein absolutes Highlight, und es wirkt für mich so, als hätte Tim Burton nur einen Aufhänger für dieses Lied gesucht und seinen ganzen Film darum herum komponiert, aber ich kann mich natürlich irren…

Eine absolute Empfehlung für alle, die auf das Schräge und Verrückte stehen, und das einmal mehr so schwungvoll und ideenreich inszeniert auf der Leinwand sehen möchten, wie es wohl nur Tim Burton hinbekommt!

Aber Vorsicht an der Kinokasse: Es fehlt nur noch ein "Beetlejuice" und er ist da...  

 

 

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Alfred Gough, Miles Millar, Seth Grahame-Smith, b/a auf den Charakteren von Michael McDowell und Larry Wilson

Kamera: Haris Zambarloukos

Schnitt: Jay Prychidny

Musik: Danny Elfman

 

Besetzung:

Michael Keaton, Winona Ryder, Catherine O’Hara, Jenna Ortega, Justin Theroux, Willem Dafoe, Monica Bellucci, Arthur Conti, Danny DeVito

 

Warner Bros. Pictures Germany

2024

105 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 12. September 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=rJ6mjpbmf0M (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=mvSJrK8aGaA (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=CoZqL9N6Rx4 (Englisch)

 

Im Kino: Ezra: Eine Familiengeschichte (Ezra)

Stand-up-Comedian Max (Bobby Cannavale) ist geschieden, lebt wieder bei seinem Vater (Robert De Niro) und hat beruflich eine Durststrecke. Als sein Sohn Ezra (William A. Fitzgerald), der an ASS, eine Autismus-Spektrum-Störung leidet, auf eine Sonderschule gehen soll, entführt er den Jungen kurzerhand und macht sich mit ihm auf einen Roadtrip von der Ost- an die Westküste, um dort eventuell von Jimmy Kimmel gebucht zu werden. Auf der Flucht vor Jugendamt und Polizei kommen sich Vater und Sohn immer näher…

…aber natürlich verschwindet die Autismusstörung nicht, so wie es sich, so hat es zumindest den Anschein, der Vater insgeheim wünscht. Max geht zwar mit der Diagnose durchaus offen um, aber man hat immer das Gefühl, er möchte mit Ezra die „normalen“, klischeehaften Vater-Sohn-Dinge tun, womöglich, weil ihn sein eigener Vater hierbei seinerzeit enttäuscht hat. Und so will Max nun alles besser machen, wobei ihm allerdings sein eigenes Naturell immer wieder im Weg steht, indem er ständig und überall aneckt, ausflippt und jedem anderen außer sich selbst für alles die Schuld gibt.

Am Ende hat man den Eindruck, dass Max und nicht Ezra dringend eine Therapie braucht, und vielleicht ist eine Nervensäge wie Max nicht gerade der richtige Umgang für einen sensiblen Jungen, der bereits genug Probleme hat, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden. Ein wenig gefährlich ist außerdem die unterschwellige Botschaft, dass sich Störungen wie ASS schon irgendwie bewältigen lassen, wenn man sich nur recht lieb hat…

Gut gemeint ist, wie so oft, nicht immer gut gemacht, die an sich zu Herzen gehende Geschichte überzeugt nicht durchgehend, die Abenteuer auf der Fahrt durch Amerika wirken oftmals sehr bemüht, und wieso sind eigentlich die in Filmen präsentierten Stand-up-Comedians oft so wenig witzig? Bonny Cannavale bemüht sich redlich, aber der Funke will nicht so recht überspringen, und Robert De Niros Filmcharakter hat außer ein paar Grantigkeiten nichts zu bieten, einzig der junge William A. Fitzgerald sorgt für die kleinen Höhepunkte, die der Film dann doch noch zu bieten hat.

 

 

Regie: Tony Goldwyn

Drehbuch: Tony Spiridakis

Kamera: Daniel Moder

Schnitt: Sabine Hoffman

Musik: Carlos Rafael Rivera

 

Besetzung:

Bobby Cannavale, William A. Fitzgerald, Tess Goldwyn, Rose Byrne, Robert De Niro, Whoopi Goldberg, Tony Goldywn, Geoffrey Owens, Vera Farmiga, Jimmy Kimmel

 

Tobis

2023

101 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 12. September 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=efdNlrkLXMY (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=aq1r-QqLoF0 (Englisch)

Mittwoch, 4. September 2024

Im Kino: Die Ironie des Lebens

Der erfolgreiche Comedian Edgar (Uwe Ochsenknecht) reist mit seinem Privatchauffeur Kurt (Henning Peker) quer durch Deutschland und steht jeden Abend in ausverkauften Vorstellungen auf der Bühne. Seit seiner Scheidung hat er sich weder um seine Kinder (Emilia Schüle, Robert Gwisdek) noch um seine Ex-Frau Eva (Corinna Harfouch) gekümmert, bis diese eines Abends in seiner Garderobe erscheint, um ihm mitzuteilen, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. Für den in die Jahre gekommenen Edgar eine Gelegenheit, innezuhalten und sein Leben und seinen Erfolg zu hinterfragen…

Was ist noch wichtig im Leben im Angesicht des nahenden Todes, mit dieser Frage versucht sich der Film auseinanderzusetzen. Gleichzeitig entwickelt er das Psychogramm einer Familie, die aufgrund des rücksichtslosen Karrierestrebens eines Partners zerbrochen ist, wobei die Hauptperson Edgar Züge eines Narzissten aufweist, ohne dass diese jedoch explizit herausgearbeitet werden. Insofern verspricht der Film mehr, als er am Ende zu halten imstande ist, für ein gutes Drama bedarf es immer auch leichter oder heiterer Elemente, die hier, ironischerweise trotz des Berufs der Hauptfigur, leider so gut wie gar nicht zu finden sind, obwohl die Regisseur Goller und Drehbuchautor Ziegenbalg in ihrer Gemeinschaftsarbeit „25 km/h“ eigentlich bewiesen haben, dass sie Komödie können.

Den Darstellern, allen voran Corinna Harfouch, sind zumindest im letzten Drittel einige berührende Momente zu verdanken, davor gibt es viele klischeehafte Elemente und auch die Dialoge zünden leider nicht immer. Alles in allem kein schlechter Film, der jedoch nicht uneingeschränkt überzeugen kann.

 

 

Regie: Markus Goller

Drehbuch: Oliver Ziegenbalg

Kamera: Torsten Breuer

Schnitt: Katharina Novak

 

Besetzung:

Uwe Ochsenknecht, Corinna Harfouch, Emilia Schüle, Robert Gwisdek, Henning Peker, Liza Tzschirner, Reiki von Calowitz

 

Warner Bros. Germany

D 2024

109 min.

FSK 12

FBW Prädikat: Wertvoll

Deutscher Kinostart: 05. September 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=IkFH3oUVjY0

Dienstag, 3. September 2024

Im Kino: Was ist schon normal? (Un p’tit truc en plus)

Das Vater-Sohn-Duo La Fraise (Clovis Cornillac) und Paulo (Artus) steht nach einem Juwelenraub ohne Fluchtwagen da, nachdem dieser vor der Einfahrt eines Behindertenheims von der Polizei abgeschleppt wurde. Die Behindertengruppe wartet gerade mit den Betreuerinnen und Betreuern auf ihren Bus, um in die Sommerfrische zu fahren. Es fehlt noch ein neuer Teilnehmer, den man in Paulo vermutet, und so fahren die Gangster mit, wobei La Fraise die Rolle eines Betreuers übernimmt. Was folgt ist eine Chaostour voller Überraschungen…

Erfolgreiche Komödien aus Frankreich gibt es viele und die meisten verdienen den Namen und auch den Erfolg, denn sie sind erfrischend und vor allem witzig, selbst, oder gerade, wenn sie sich an ein heikles oder schweres Thema heranwagen, siehe den wunderbaren Film „Mein ziemlich bester Freund“.

Auch hier ist das Sujet kein leichtes, wer eine Komödie über eine Gruppe behinderter junger Erwachsener macht, bewegt sich auf jeden Fall auf vermintem Gelände, denn an jeder Ecke steht die humorlose Gestalt der Political Correctness bereit, um die Rote Karte zu zücken. Darum schert man sich aber hier wieder einmal überhaupt nicht, sondern kalauert drauf los, was das Zeug hält und scheut auch vor derben Scherzen nicht zurück. Dass diese im Gegensatz zu den meisten deutschen Komödien dennoch zünden, liegt oft am Timing und vielleicht auch daran, dass bei französischen Filmen nicht nur Regie und Drehbuch gut besetzt sind, sondern oft auch noch jemand für die Dialoge zuständig ist, der sich genau darauf konzentriert, was sich erwiesenermaßen auszahlt..

Die Darstellerriege der jungen Menschen, die mit den unterschiedlichsten Behinderungen leben, meistert ihre Aufgabe mit soviel Witz und Spielfreude, dass bei diesem Spaß kein Auge trocken bleibt und ein paar hübsche Running Gags runden die Sache ab, wobei zu hoffen bleibt, dass die deutsche Fassung der Originalfassung gerecht wird. Bei allem Klamauk wird dabei niemand als unmündig diffamiert, sondern ernst genommen, was gerade bei jungen Erwachsenen mit ganz normalen altersmäßigen Wünschen und Bedürfnissen wichtig ist.

Natürlich geht am Ende auch für die Gangster alles irgendwie gut aus, aber das ist dem Genre geschuldet, es ist und bleibt eine Komödie, die gelungenste Sommerkomödie seit langem, die ihren ernsten Hintergrund nicht vergisst, dabei aber leicht und locker daherkommt – so sollte es viel öfter sein!

 

 Regie: Artus

Drehbuch: Artus, Clément Marchand

Dialoge: Artus, Milan Mauger

Kamera: Jean-Marie Dreujou

Schnitt:Jean-François Elie

 

Besetzung:

Artus, Clovis Cornillac, Alice Belaïdi, Marc Riso, Céline Groussard, Gad Abecassis, Ludovic Boul, Stanislas Carmont, Marie Colin, Thibaut Conan, Mayane Sarah El Baze, Théophile Leroy, Boris Pitoëff, Sofian Ribes, Arnaud Toupense, Benjamin Vandewalle

 

Constantin Film/ Paramount/ SquareOne Entertainment

Frk 2024

99 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 05. September 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=iXKBHxwtbU8 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=NOIKZv-Oh60 (Französisch)

 

Mittwoch, 21. August 2024

Im Kino: Horizon (Horizon: An American Saga – Chapter 1)

Mitte des 19. Jahrhunderts stehen die bis dahin bereits existierenden Vereinigten Staaten von Amerika vor einem Bürgerkrieg, der droht, alles wieder auseinanderzureißen. Der Westen dagegen ist noch weit und größtenteils leer, zumindest nach Auffassung von Heerscharen weißer Siedler, die auf dem Weg sind, um ihren Traum von einer eigenen Ranch auf dem eigenen Land wahrzumachen. Dass dort bereits Menschen leben, interessiert nicht, was im Folgenden zu heftigen Kämpfen führt – die Geburt einer Nation war immer schon schmerzhaft und getränkt mit dem Blut vieler Männer, Frauen und Kinder…

Regisseur Kevin Costner folgt, ebenso wie die Siedler, einem Traum und hat dafür größtenteils sein eigenes Geld eingesetzt. Nach seinem Mega-Erfolg „Der mit dem Wolf tanzt“ aus dem Jahr 1990 und der ebenfalls erfolgreichen Western-Serie „Yellowstone“ setzt er diesmal, so scheint es, alles auf eine Karte, um seine Sicht auf die Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents in epischer Breite aufzufächern.

Herausgekommen ist ein Western, der sich an bekannten Bildern, Figuren und Mustern orientiert, dabei aber weit über das Bekannte hinausreicht, indem er die Rolle der indigenen Völker und deren Grausamkeiten gegenüber den weißen Eindringlingen in Bezug setzt zu einer in ihren Grundfesten angegriffenen und sich verteidigenden Gesellschaft, was so sicher auch nicht zum ersten Mal gezeigt wird, aber auf jeden Fall nicht den ikonischen Filmen dieses Genres entspricht, wie sie einst so geliebt wurden.

Fraglich ist, ob es für ein solches Epos, wie Costner es hier auf die Leinwand bringt, noch ein genügend breites Publikum gibt, das bereit ist, sich über drei Stunden in dieser Form mit der amerikanischen Vergangenheit zu beschäftigen, zumal es damit ja noch nicht getan ist, denn es sollen noch drei weitere Filme folgen, um die in diesem ersten Teil begonnenen Handlungsstränge schließlich irgendwann zu ihrem jeweiligen Ende zu bringen.

Manche werden in diesem Mammutprojekt ein Meisterwerk sehen, andere werden es als langatmig und aus der Zeit gefallen ablehnen. Wer allerdings noch einmal einen „richtigen“ Western auf der großen Leinwand genießen möchte, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen, und dies wegen seiner wuchtigen Bilder in der unvergleichlichen Landschaft des amerikanischen Westens natürlich im Kino und nicht auf dem heimischen Bildschirm (oder Schlimmerem).

Vielleicht hilft der Film sogar auch, die für Europäer manchmal so fremd anmutende amerikanische Seele ein wenig besser zu verstehen, der Waffenfetisch und die damit verbundene Fixierung auf die Verteidigung von Haus und Hof mögen ihren Ursprung in diesen wilden Zeiten der Besiedlung des Westens haben…

 


 Regie: Kevin Costner

Drehbuch: John Baird, Kevin Costner, Mark Kasdan

Kamera: J. Michael Muro

Schnitt: Miklos Wright

Musik: John Debney

 

Besetzung:

Kevin Costner, Sienna Miller, Sam Worthington, Jena Malone, Owen Crow Shoe, Tatanka Means, Ella Hunt, Giovanni Ribisi, Danny Huston, Tom Payne, Abby Lee

 

Warner Bros. Company/ New Line Cinema/ Tobis

USA 2024

181 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 22.08.2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=-FZBohjgBPk (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=X5yOSu4R2ts (Englisch)

 

Mittwoch, 14. August 2024

Im Kino: Nur noch ein einziges Mal – It ends with us (It ends with us)

Gerade als sich Lily Bloom (Blake Lively) den Traum eines eigenen Blumenladens erfüllt, lernt sie den attraktiven Ryle (Justin Baldoni) kennen. Beide verlieben sich, heiraten und alles scheint perfekt zu sein, aber dann entdeckt sie an Ryle Seiten, die das Glück trüben und als Lily auch noch ihrer ersten großen Liebe wiederbegegnet, steht sie vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens…

Vordergründig ist der Film, basierend auf einem Buch der amerikanischen Bestsellerautorin Colleen Hoover, eine süßliche Liebesgeschichte, die, bevölkert von schönen Menschen, virtuos auf der Klaviatur der großen Gefühle spielt. Dann aber wird die Fassade aufgebrochen und hinter dem schönen Schein zeigt sich ein hässliches Gesicht, das wahrscheinlich in viel mehr äußerlich intakt scheinenden Familien verborgen gehalten wird, als man es sich vorstellen mag.

Dieses Tabu aufzudecken und – viel wichtiger noch –, die Kette ein für alle Mal zu unterbrechen, die von Generation zu Generation immer wieder neu aufgezogen wird, ist das eigentliche Thema der Geschichte, wie es der englische Titel um einiges Treffender umschreibt als der deutsche.

Leider hält sich der Film sehr dabei zurück, irgendetwas zu zeigen, was die offensichtlich anvisierte Zielgruppe übermäßig verschrecken könnte, und Regisseur Boldoni lässt den Hauptdarsteller Boldoni, auch nachdem die Maske gefallen ist, noch etwas zu gut wegkommen – verständlicherweise. Aber vielleicht hätte es zum Schluss, nach Lilys stärkster Szene, gleichzeitig auch dem stärksten Moment des Films, eines gleichwertigen Abgangs von Ryle bedurft, um dem Film die immer etwas zu liebliche Note auszutreiben und ihn damit zu einer wirklich ernstzunehmenden Anklage gegen häusliche Gewalt werden zu lassen.

 

 

Regie: Justin Baldoni

Drehbuch:Christy Hall, b/a Buch von Colleen Hoover

Kamera: Barry Peterson

Schnitt: Oona Flaherty, Robb Sullivan

Musik: Duncan Blickenstaff, Rob Simonsen

 

Besetzung:

Blake Lively, Justin Baldoni, Jenny Slate, Brandon Sklenar, Hasan Minhaj, Alex Neustaedter, Isabela Ferrer, Amy Morton, Kevin McKidd

 

 Sony Pictures/ Columbia

2024

130 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart:

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=mQZqBTzgAvE (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=DLET_u31M4M (Englisch)

Mittwoch, 7. August 2024

Im Kino: Touch

Der isländische Student Kristófer (Palmi Kormákur) kommt in den Swinging Sixties zum Studium nach London, aber bald schon reißt ihn die besondere Stimmung dieser Zeit mit. Anstatt zu studieren heuert in einem japanischen Restaurant an und verliebt sich in Miko (Kôki), die Tochter des Hauses. Eines Tages verschwindet sie wortlos aus seinem Leben, erst der alte, unheilbar kranke Kristófer (Egill Ólafsson) macht sich 50 Jahre später unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Beschränkungen auf die Suche nach seiner Miko (jetzt: Yôko Narahashi), und wieder einmal stellt sich die Frage, was wäre gewesen, wenn…

In ruhigen Sepiabildern entfaltet sich die Handlung auf ihren zwei Zeitebenen, der Vergangenheit, in der sich die Liebe zwischen dem schüchternen Kristófer und der japanisch-zurückhaltenden Miko entwickelt, und der Gegenwart, in der ein alter Mann sich gegen jeden Widerstand – Alter, Krankheit, Corona – auf seine wahrscheinlich letzte Reise macht, um etwas zu Ende zu bringen, was er als unbeschwerter junger Mann in einer fernen Zeit begonnen hat.

Seinen besonderen Reiz zieht der Film aus den drei unterschiedlichen Kulturen, in denen sich die Figuren bewegen. Der lockere britische Lebensstil der 1960ger Jahre bildet dabei lediglich den Rahmen, im Fokus stehen die Annäherung zweier eher durch Zurückhaltung geprägten, ansonsten aber völlig unterschiedlichen Lebensweisen, jeweils unter den erschwerten Umständen des Exils in einem fremden Land. Es ist berührend zu sehen, wie das junge Liebespaar sich bis zu einem gewissen Grad über diese Schwierigkeiten hinwegsetzen, aber am Ende doch daran scheitert.

Ein Melodram im besten Sinne, eine Liebesgeschichte mit ganz viel Gefühl, der man sich gerne hingibt, bei der die Traurigkeit über ein verpasstes Glück am Ende durch die bittersüßen Bilder aus der Vergangenheit übermalt wird, und das Leben, das beide stattdessen geführt haben, hatte sicher auch seine schönen Seiten, aber das ist nicht Thema dieses Films.

 



 Regie: Baltasar Kormákur

Drehbuch: Baltasar Kormákur, Olaf Olafson b/a seinem Roman

Kamera: Bergsteinn Björgúlfsson

Schnitt: Sigurður Eyþórsson

Musik: Högni Egilsson

 

Besetzung:

Egill Ólafsson, Kóki, Palmi Kormákur, Yóko, Narahashi, Masahiro Motoki

 

Universal Pictures

2024

121 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 08. August 2024

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=UIBL_I4MX-E (Deutsch/ Japanisch/ Isländisch)

https://www.youtube.com/watch?v=tSnfOMsyJfs (Englisch/ Japanisch/ Isländisch)