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Montag, 25. März 2024

Im Kino: One Life

Nicky Winton (Johnny Flynn/ Anthony Hopkins), ein junger Londoner Makler erfährt am Vorabend des Zweiten Weltkriegs von Familien, die vor den Nazis nach Prag geflohen sind und nun erneut in Gefahr sind. Bevor die Nazis am 1. September 1939 in Polen einmarschieren und der Krieg beginnt, gelingt es ihm, unter großem Aufwand zusammen mit einer Gruppe gleichgesinnter Idealisten, wenigstens die Kinder in einzelnen Transporten aus Prag heraus und nach England zu holen. Gedanken an diese Vergangenheit holen ihn auch im hohen Alter immer wieder ein, und trotz allem plagen ihn Schuldgefühle, dass er nicht noch mehr Kinder retten konnte. Erst eine Einladung in eine bekannte Fernsehshow und die Begegnung mit etlichen der Geretteten, nun selber schon Eltern und Großeltern, führt ihm vor Augen, was er damals erreicht hat.

Es ist ein Film über den Mut und Einsatz eines Mannes, der gegen alle Widerstände macht, was er für das Richtige hält und damit für viele Menschen zum Lebensretter wird, nicht nur für die unmittelbar Geretteten, sondern auch deren Nachkommen, die ohne ihn gar nicht das Licht dieser Welt erblickt hätten.

Natürlich ist bei diesem Thema ein gerüttelt Maß an Pathos im Spiel, aber das ist legitim und liegt in der Natur der Sache. Diesen Nicky Winton hat es wirklich gegeben, ebenso die Kindertransporte, und es ist gut und wichtig, solche Geschichten nicht zu vergessen. Ein Spielfilm lässt zudem die Identifikation mit einzelnen Personen und Schicksalen zu, über das bloße Faktenvermitteln einer Dokumentation hinaus, dies gilt gleichermaßen für die Identifikation mit den Opfern, aber auch mit der Person, die durch ihr Handeln zum Helden wird.

Gerade in heutigen Zeiten, als man schon glaubte, Krieg und Vertreibung lägen weit hinter uns, ist es gut, daran zu erinnern, wie wertvoll Mut und Zivilcourage sind, wenn es darum geht, sich einem Unrecht entgegen zu stemmen – keine Leichte Kost, aber ein wichtiger Beitrag zu einem Thema, das leider immer aktuell zu bleiben scheint.

 

 

Regie: James Hawes

Drehbuch: Lucinda Coxon, Nick Drake, b/a dem Buch „If it’s not impossible: The Life of Sir Nicholas Winton“ von Barbara Winton

Kamera: Zac Nicholson

Schnitt: Lucia Zucchetti

Musik: Volker Bertelmann

 

Besetzung:

Anthony Hopkins, Lena Olin, Johnny Flynn, Helena Bonham Carter, Tim Steed, Alex Sharp, Matilda Thorpe, Daniel Brown

 

BBC Film/ / SquareOne Entertainment

2023

110 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 28. März 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ova0I2MijJg (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=6ethollg-PI (Englisch)

 

 

 

 



Mittwoch, 27. September 2023

Heimkino: The Son

Nach der Scheidung von seiner Frau Kate (Laura Dern) lebt der erfolgreiche Anwalt Peter (Hugh Jackman) in einer neuen Partnerschaft mit der jüngeren Beth (Vanessa Kirby), wo es auch bereits Nachwuchs gibt. In dieses Glück tritt eines Tages Peters Sohn Nicholas (Zen McGrath) aus seiner Ehe mit Kate, ein Teenager, der seiner Mutter in letzter Zeit nur noch Schwierigkeiten macht. Peter ist sofort bereit, sich um den Jungen zu kümmern, nicht ahnend, welcher Art die Schwierigkeiten tatsächlich sind, und ist völlig überfordert damit, seinem Sohn zu helfen…

Florian Zellers Adaption eines weiteren seiner eigenen Theaterstücke nach „The Father“ knüpft in keiner Weise an den Vorgängerfilm an, auch wenn Anthony Hopkins in einer Szene als Peters Vater besetzt ist, dieser Vater hat ebenfalls mit der Figur aus dem vorherigen Film nichts zu tun, dies nur zur Klarstellung vorweg.

Hier widmet sich Zeller dem schwierigen Thema „Depression“ und bewegt sich damit auf äußerst prekärem Terrain. Manchem wird dies vielleicht – weil selbst familiär betroffen – als zu schmerzhaft erscheinen, zumal es sich auch noch um Depressionen von Teenagern handelt, aber die eigentliche Tragik des Films liegt nicht in der Tatsache der Krankheit des Sohnes an sich – die natürlich für sich gesehen schlimm genug ist – sondern darin, was die Situation für dessen Vater bedeutet.

Peter nämlich ist mit einem Arschloch-Vater (Anthony Hopkins) gestraft, der sich nie um seine Familie gekümmert hat, in einem Treffen zwischen beiden verkehren sich die Rollen und man erkennt, dass eigentlich Peter der – titelgebende – Sohn ist, der seinem Vater nichts entgegenzusetzen hat. So war das Wichtigste für ihn, dessen Fehler zu vermeiden und alles besser zu machen, was ihm seiner Meinung nach auch erfolgreich gelungen war, wie Rückblicke auf unbeschwerte Tage zeigen, Ausflüge und Urlaube mit dem kleinen Nicholas, der das glücklichste Kind gewesen zu sein schien. 

Aus diesem Grund erkennt Peter Nicholas‘ Krankheit nicht als solche, sondern sieht darin sein eigenes Versagen als Vater, womöglich ausgelöst durch die Scheidung, gepaart mit den üblichen Teenagerproblemen wie Drogen oder Liebeskummer. Damit gäbe es eine Erklärung für das Unerklärbare, was jedoch ein fataler Irrtum ist, was alle Betroffenen irgendwann feststellen müssen, und dies macht der Film auch schmerhaft bewusst. Erst wenn man bereit ist, die Depression voll und ganz als Krankheit zu begreifen, ist der Weg frei für eine professionelle Therapie, aber manchmal kommen dieser Ansatz und diese Erkenntnis eben zu spät.

Der Film bietet keine leichte Kost, ist aber eindringlich und dicht, er setzt dabei nicht auf ein theaterhaftes Kammerspiel, sondern führt immer wieder auch hinaus in die Außenwelt, verengt sich dann aber immer weiter auf sein bitteres Ende hin, das zwar nicht unerwartet aber dennoch aus dem Nichts zu kommen scheint.

Zu verdanken hat der Film seine Intensität den durchweg guten Darstellern, vor allem Hugh Jackman beweist einmal mehr seine Vielseitigkeit. Sein Porträt eines durch alle Höhen und Tiefen gehenden Menschen ist eindrucksvoll und bewegend, ungeschminkt und pur. Leider scheint ihm auch dieses Mal, wie schon so oft – man denke nur an seine Leistungen in dem Villeneuve-Film „Prisoners“ oder noch früher in Darren Aronofskys „The Fountain“ – die verdiente Anerkennung dafür versagt zu bleiben. Obwohl es nach der Uraufführung des Films bei den Festspielen in Venedig 2022 viel Lob für ihn gab, geht er auch in der diesjährigen Awards Season leer aus. Es scheint, dass sich bei den „wichtigen“ Preisverleihungen sich die JurorInnen offensichtlich mehr von viel Schminke, Fatsuits und sonstiger Verkleidung beeindrucken lassen, wie die Auszeichnungen der letzten Jahre jedenfalls nahe legen. Ungeachtet dessen ist „The Son“ großartiges Schauspielerkino im besten Sinne, ein Kammerspiel mit Tiefgang.

 

 Regie: Florian Zeller

Drehbuch: Christopher Hampton, Florian Zeller b/a Theaterstück von Florian Zeller

Kamera: Ben Smithard

Schnitt: Yorgos Lamprinos

Musik: Hans Zimmer

 

Besetzung:

Hugh Jackman, Laura Dern, Zen McGrath, Vanessa Kirby, Anthony Hopkins

 

Leonine  

USA 2022

123 min.

FSK 12

 

Seit 12.05.2023 als DVD, Blu-ray und digital erhältlich

Bonusmaterial: Interviews mit Cast & Crew sowie Kino-Trailer

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=cYDqE38sMMM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=SJWRY4DzoAQ (Englisch)

 

Mittwoch, 25. Januar 2023

Im Kino: The Son

Nach der Scheidung von seiner Frau Kate (Laura Dern) lebt der erfolgreiche Anwalt
Peter (Hugh Jackman) in einer neuen Partnerschaft mit der jüngeren Beth (Vanessa Kirby), wo es auch bereits Nachwuchs gibt. In dieses Glück tritt eines Tages Peters Sohn Nicholas (Zen McGrath) aus seiner Ehe mit Kate, ein Teenager, der seiner Mutter in letzter Zeit nur noch Schwierigkeiten macht. Peter ist sofort bereit, sich um den Jungen zu kümmern, nicht ahnend, welcher Art die Schwierigkeiten tatsächlich sind, und ist völlig überfordert damit, seinem Sohn zu helfen…

Florian Zellers Adaption eines weiteren seiner eigenen Theaterstücke nach „The Father“ knüpft in keiner Weise an den Vorgängerfilm an, auch wenn Anthony Hopkins in einer Szene als Peters Vater besetzt ist, dieser Vater hat ebenfalls mit der Figur aus dem vorherigen Film nichts zu tun, dies nur zur Klarstellung vorweg.

Hier widmet sich Zeller dem schwierigen Thema „Depression“ und bewegt sich damit auf äußerst prekärem Terrain. Manchem wird dies vielleicht – weil selbst familiär betroffen – als zu schmerzhaft erscheinen, zumal es sich auch noch um Depressionen von Teenagern handelt, aber die eigentliche Tragik des Films liegt nicht in der Tatsache der Krankheit des Sohnes an sich – die natürlich für sich gesehen schlimm genug ist – sondern darin, was die Situation für dessen Vater bedeutet.

Peter nämlich ist mit einem Arschloch-Vater (Anthony Hopkins) gestraft, der sich nie um seine Familie gekümmert hat, in einem Treffen zwischen beiden verkehren sich die Rollen und man erkennt, dass eigentlich Peter der – titelgebende – Sohn ist, der seinem Vater nichts entgegenzusetzen hat. So war das Wichtigste für ihn, dessen Fehler zu vermeiden und alles besser zu machen, was ihm seiner Meinung nach auch erfolgreich gelungen war, wie Rückblicke auf unbeschwerte Tage zeigen, Ausflüge und Urlaube mit dem kleinen Nicholas, der das glücklichste Kind gewesen zu sein schien. 

Aus diesem Grund erkennt Peter Nicholas‘ Krankheit nicht als solche, sondern sieht darin sein eigenes Versagen als Vater, womöglich ausgelöst durch die Scheidung, gepaart mit den üblichen Teenagerproblemen wie Drogen oder Liebeskummer. Damit gäbe es eine Erklärung für das Unerklärbare, was jedoch ein fataler Irrtum ist, was alle Betroffenen irgendwann feststellen müssen, und dies macht der Film auch schmerhaft bewusst. Erst wenn man bereit ist, die Depression voll und ganz als Krankheit zu begreifen, ist der Weg frei für eine professionelle Therapie, aber manchmal kommen dieser Ansatz und diese Erkenntnis eben zu spät.

Der Film bietet keine leichte Kost, ist aber eindringlich und dicht, er setzt dabei nicht auf ein theaterhaftes Kammerspiel, sondern führt immer wieder auch hinaus in die Außenwelt, verengt sich dann aber immer weiter auf sein bitteres Ende hin, das zwar nicht unerwartet aber dennoch aus dem Nichts zu kommen scheint.

Zu verdanken hat der Film seine Intensität den durchweg guten Darstellern, vor allem
Hugh Jackman beweist einmal mehr seine Vielseitigkeit. Sein Porträt eines durch alle Höhen und Tiefen gehenden Menschen ist eindrucksvoll und bewegend, ungeschminkt und pur. Leider scheint ihm auch dieses Mal, wie schon so oft – man denke nur an seine Leistungen in dem Villeneuve-Film „Prisoners“ oder noch früher in Darren Aronofskys „The Fountain“ – die verdiente Anerkennung dafür versagt zu bleiben. Obwohl es nach der Uraufführung des Films bei den Festspielen in Venedig 2022 viel Lob für ihn gab, geht er auch in der diesjährigen Awards Season leer aus. Es scheint, dass sich bei den „wichtigen“ Preisverleihungen sich die JurorInnen offensichtlich mehr von viel Schminke, Fatsuits und sonstiger Verkleidung beeindrucken lassen, wie die Auszeichnungen der letzten Jahre jedenfalls nahe legen. Ungeachtet dessen ist „The Son“ großartiges Schauspielerkino im besten Sinne, ein Kammerspiel mit Tiefgang.

 


 Regie: Florian Zeller

Drehbuch: Christopher Hampton, Florian Zeller b/a Theaterstück von Florian Zeller

Kamera: Ben Smithard

Schnitt: Yorgos Lamprinos

Musik: Hans Zimmer

 

Besetzung:

Hugh Jackman, Laura Dern, Zen McGrath, Vanessa Kirby, Anthony Hopkins

 

Leonine

USA 2022

 123 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 26. Januar 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=cYDqE38sMMM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=SJWRY4DzoAQ (Englisch)

 

 

Montag, 21. November 2022

Im Kino: Zeiten des Umbruchs (Armageddon Time)

New York zu Beginn der 1980ger Jahre: Der junge Paul Graff (Banks Repeta), jüngster Spross einer jüdischen Familie, legt sich zusammen mit seinem schwarzen Mitschüler und Freund Jonathan (Jaylin Webb) immer wieder mit den Lehrern an, aber während bei Paul meistens ein Auge zugedrückt wird, ist man mit Jonathan nicht so nachsichtig. Paul spürt früh, dass im Jahrzehnt, in dem Ronald Reagan Präsident wird, nicht alle Menschen die gleichen Chancen im Leben haben. Während seine Eltern (Anne Hathaway und Jeremy Strong) von Pauls Wunsch, Künstler zu werden nicht begeistert sind, trifft er auf das liebevolle Verständnis seines Großvaters (Anthony Hopkins), der ihm über so manche pubertäre Schwierigkeit hinweghilft…

Obwohl der Originaltitel eigentlich etwas anderes erwarten lässt, ist dies ein ruhiger Film über die eigentlich gar nicht so ruhigen 1980ger Jahre. Dabei kommen die politischen Ereignisse wie die Wahl Reagans zum Präsidenten eher am Rande vor, ebenso wie die Auftritte eines gewissen Fred Trump und seiner Tochter Maryanne an Pauls Schule, ihres Zeichens Vater und ältere Schwester des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Im Vordergrund des teilweise autobiographischen Werks steht eindeutig der junge Paul und die Verbindung zu seinem Großvater, aber so wirklich mitreißen will das Ganze nicht und am Schluss bleiben zu viele lose Enden übrig. Es gibt Einblicke in eine (jüdische) Familie, in der sich der Vater aus heiterem Himmel als brutaler Schläger geriert, die Mutter allzu beschäftigt in ihren ehrenamtlichen Schulämtern ist, um dann den Großvater als zwangsläufigen Verbündeten einzuführen. Die Freundschaft Pauls zu dem schwarzen Jungen, der einmal Astronaut werden möchte, ist problematisch, aber man erfährt nicht, wie es mit Jonathan später weiter gegangen ist, ganz sicher aber wird er keine Chance auf eine Karriere als erster Schwarzer auf dem Mond gehabt haben, ebenso wenig wissen wir, ob Paul später statt Zeichner oder Schriftsteller oder Regisseur geworden ist, denn so allzu klar werden die autobiographischen Bezüge nicht.

Der Film plätschert ohne große Höhepunkte dahin, am Ende hat man Menschen für eine gewisse Zeit bei ihrem Leben zugesehen und verlässt das Kino so, wie man hineingegangen ist, nicht unbedingt gelangweilt, aber ohne neue Erkenntnisse.

 

 

 Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray

Kamera: Darius Khondji

Schnitt: Scott Morris

Musik: Christopher Spelman

 

Besetzung:

Anne Hathaway, Jeremy Strong, Banks Repeta, Jaylin Webb, Anthony Hopkins, Tovah Feldshuh, John Diel, Jessica Chastain

 

Universal Pictures International

USA 2022

114 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 24. November 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=pISoHBiMWXM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=o0cd7qZJb8E (Englisch)