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Mittwoch, 27. September 2023

Heimkino: The Son

Nach der Scheidung von seiner Frau Kate (Laura Dern) lebt der erfolgreiche Anwalt Peter (Hugh Jackman) in einer neuen Partnerschaft mit der jüngeren Beth (Vanessa Kirby), wo es auch bereits Nachwuchs gibt. In dieses Glück tritt eines Tages Peters Sohn Nicholas (Zen McGrath) aus seiner Ehe mit Kate, ein Teenager, der seiner Mutter in letzter Zeit nur noch Schwierigkeiten macht. Peter ist sofort bereit, sich um den Jungen zu kümmern, nicht ahnend, welcher Art die Schwierigkeiten tatsächlich sind, und ist völlig überfordert damit, seinem Sohn zu helfen…

Florian Zellers Adaption eines weiteren seiner eigenen Theaterstücke nach „The Father“ knüpft in keiner Weise an den Vorgängerfilm an, auch wenn Anthony Hopkins in einer Szene als Peters Vater besetzt ist, dieser Vater hat ebenfalls mit der Figur aus dem vorherigen Film nichts zu tun, dies nur zur Klarstellung vorweg.

Hier widmet sich Zeller dem schwierigen Thema „Depression“ und bewegt sich damit auf äußerst prekärem Terrain. Manchem wird dies vielleicht – weil selbst familiär betroffen – als zu schmerzhaft erscheinen, zumal es sich auch noch um Depressionen von Teenagern handelt, aber die eigentliche Tragik des Films liegt nicht in der Tatsache der Krankheit des Sohnes an sich – die natürlich für sich gesehen schlimm genug ist – sondern darin, was die Situation für dessen Vater bedeutet.

Peter nämlich ist mit einem Arschloch-Vater (Anthony Hopkins) gestraft, der sich nie um seine Familie gekümmert hat, in einem Treffen zwischen beiden verkehren sich die Rollen und man erkennt, dass eigentlich Peter der – titelgebende – Sohn ist, der seinem Vater nichts entgegenzusetzen hat. So war das Wichtigste für ihn, dessen Fehler zu vermeiden und alles besser zu machen, was ihm seiner Meinung nach auch erfolgreich gelungen war, wie Rückblicke auf unbeschwerte Tage zeigen, Ausflüge und Urlaube mit dem kleinen Nicholas, der das glücklichste Kind gewesen zu sein schien. 

Aus diesem Grund erkennt Peter Nicholas‘ Krankheit nicht als solche, sondern sieht darin sein eigenes Versagen als Vater, womöglich ausgelöst durch die Scheidung, gepaart mit den üblichen Teenagerproblemen wie Drogen oder Liebeskummer. Damit gäbe es eine Erklärung für das Unerklärbare, was jedoch ein fataler Irrtum ist, was alle Betroffenen irgendwann feststellen müssen, und dies macht der Film auch schmerhaft bewusst. Erst wenn man bereit ist, die Depression voll und ganz als Krankheit zu begreifen, ist der Weg frei für eine professionelle Therapie, aber manchmal kommen dieser Ansatz und diese Erkenntnis eben zu spät.

Der Film bietet keine leichte Kost, ist aber eindringlich und dicht, er setzt dabei nicht auf ein theaterhaftes Kammerspiel, sondern führt immer wieder auch hinaus in die Außenwelt, verengt sich dann aber immer weiter auf sein bitteres Ende hin, das zwar nicht unerwartet aber dennoch aus dem Nichts zu kommen scheint.

Zu verdanken hat der Film seine Intensität den durchweg guten Darstellern, vor allem Hugh Jackman beweist einmal mehr seine Vielseitigkeit. Sein Porträt eines durch alle Höhen und Tiefen gehenden Menschen ist eindrucksvoll und bewegend, ungeschminkt und pur. Leider scheint ihm auch dieses Mal, wie schon so oft – man denke nur an seine Leistungen in dem Villeneuve-Film „Prisoners“ oder noch früher in Darren Aronofskys „The Fountain“ – die verdiente Anerkennung dafür versagt zu bleiben. Obwohl es nach der Uraufführung des Films bei den Festspielen in Venedig 2022 viel Lob für ihn gab, geht er auch in der diesjährigen Awards Season leer aus. Es scheint, dass sich bei den „wichtigen“ Preisverleihungen sich die JurorInnen offensichtlich mehr von viel Schminke, Fatsuits und sonstiger Verkleidung beeindrucken lassen, wie die Auszeichnungen der letzten Jahre jedenfalls nahe legen. Ungeachtet dessen ist „The Son“ großartiges Schauspielerkino im besten Sinne, ein Kammerspiel mit Tiefgang.

 

 Regie: Florian Zeller

Drehbuch: Christopher Hampton, Florian Zeller b/a Theaterstück von Florian Zeller

Kamera: Ben Smithard

Schnitt: Yorgos Lamprinos

Musik: Hans Zimmer

 

Besetzung:

Hugh Jackman, Laura Dern, Zen McGrath, Vanessa Kirby, Anthony Hopkins

 

Leonine  

USA 2022

123 min.

FSK 12

 

Seit 12.05.2023 als DVD, Blu-ray und digital erhältlich

Bonusmaterial: Interviews mit Cast & Crew sowie Kino-Trailer

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=cYDqE38sMMM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=SJWRY4DzoAQ (Englisch)

 

Mittwoch, 25. Januar 2023

Im Kino: The Son

Nach der Scheidung von seiner Frau Kate (Laura Dern) lebt der erfolgreiche Anwalt
Peter (Hugh Jackman) in einer neuen Partnerschaft mit der jüngeren Beth (Vanessa Kirby), wo es auch bereits Nachwuchs gibt. In dieses Glück tritt eines Tages Peters Sohn Nicholas (Zen McGrath) aus seiner Ehe mit Kate, ein Teenager, der seiner Mutter in letzter Zeit nur noch Schwierigkeiten macht. Peter ist sofort bereit, sich um den Jungen zu kümmern, nicht ahnend, welcher Art die Schwierigkeiten tatsächlich sind, und ist völlig überfordert damit, seinem Sohn zu helfen…

Florian Zellers Adaption eines weiteren seiner eigenen Theaterstücke nach „The Father“ knüpft in keiner Weise an den Vorgängerfilm an, auch wenn Anthony Hopkins in einer Szene als Peters Vater besetzt ist, dieser Vater hat ebenfalls mit der Figur aus dem vorherigen Film nichts zu tun, dies nur zur Klarstellung vorweg.

Hier widmet sich Zeller dem schwierigen Thema „Depression“ und bewegt sich damit auf äußerst prekärem Terrain. Manchem wird dies vielleicht – weil selbst familiär betroffen – als zu schmerzhaft erscheinen, zumal es sich auch noch um Depressionen von Teenagern handelt, aber die eigentliche Tragik des Films liegt nicht in der Tatsache der Krankheit des Sohnes an sich – die natürlich für sich gesehen schlimm genug ist – sondern darin, was die Situation für dessen Vater bedeutet.

Peter nämlich ist mit einem Arschloch-Vater (Anthony Hopkins) gestraft, der sich nie um seine Familie gekümmert hat, in einem Treffen zwischen beiden verkehren sich die Rollen und man erkennt, dass eigentlich Peter der – titelgebende – Sohn ist, der seinem Vater nichts entgegenzusetzen hat. So war das Wichtigste für ihn, dessen Fehler zu vermeiden und alles besser zu machen, was ihm seiner Meinung nach auch erfolgreich gelungen war, wie Rückblicke auf unbeschwerte Tage zeigen, Ausflüge und Urlaube mit dem kleinen Nicholas, der das glücklichste Kind gewesen zu sein schien. 

Aus diesem Grund erkennt Peter Nicholas‘ Krankheit nicht als solche, sondern sieht darin sein eigenes Versagen als Vater, womöglich ausgelöst durch die Scheidung, gepaart mit den üblichen Teenagerproblemen wie Drogen oder Liebeskummer. Damit gäbe es eine Erklärung für das Unerklärbare, was jedoch ein fataler Irrtum ist, was alle Betroffenen irgendwann feststellen müssen, und dies macht der Film auch schmerhaft bewusst. Erst wenn man bereit ist, die Depression voll und ganz als Krankheit zu begreifen, ist der Weg frei für eine professionelle Therapie, aber manchmal kommen dieser Ansatz und diese Erkenntnis eben zu spät.

Der Film bietet keine leichte Kost, ist aber eindringlich und dicht, er setzt dabei nicht auf ein theaterhaftes Kammerspiel, sondern führt immer wieder auch hinaus in die Außenwelt, verengt sich dann aber immer weiter auf sein bitteres Ende hin, das zwar nicht unerwartet aber dennoch aus dem Nichts zu kommen scheint.

Zu verdanken hat der Film seine Intensität den durchweg guten Darstellern, vor allem
Hugh Jackman beweist einmal mehr seine Vielseitigkeit. Sein Porträt eines durch alle Höhen und Tiefen gehenden Menschen ist eindrucksvoll und bewegend, ungeschminkt und pur. Leider scheint ihm auch dieses Mal, wie schon so oft – man denke nur an seine Leistungen in dem Villeneuve-Film „Prisoners“ oder noch früher in Darren Aronofskys „The Fountain“ – die verdiente Anerkennung dafür versagt zu bleiben. Obwohl es nach der Uraufführung des Films bei den Festspielen in Venedig 2022 viel Lob für ihn gab, geht er auch in der diesjährigen Awards Season leer aus. Es scheint, dass sich bei den „wichtigen“ Preisverleihungen sich die JurorInnen offensichtlich mehr von viel Schminke, Fatsuits und sonstiger Verkleidung beeindrucken lassen, wie die Auszeichnungen der letzten Jahre jedenfalls nahe legen. Ungeachtet dessen ist „The Son“ großartiges Schauspielerkino im besten Sinne, ein Kammerspiel mit Tiefgang.

 


 Regie: Florian Zeller

Drehbuch: Christopher Hampton, Florian Zeller b/a Theaterstück von Florian Zeller

Kamera: Ben Smithard

Schnitt: Yorgos Lamprinos

Musik: Hans Zimmer

 

Besetzung:

Hugh Jackman, Laura Dern, Zen McGrath, Vanessa Kirby, Anthony Hopkins

 

Leonine

USA 2022

 123 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 26. Januar 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=cYDqE38sMMM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=SJWRY4DzoAQ (Englisch)

 

 

Mittwoch, 29. Januar 2020

Film-Rezensionen: Little Women


Die vier Schwestern Meg (Emma Watson), Jo (Saoirse Ronan), Beth (Eliza Scanlen) und Amy (Florence Pugh) March wachsen in Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs in Neuengland auf. Während der Vater (Bob Odenkirk) kriegsbedingt abwesend ist, obliegt es der Mutter Marmee (Laura Dern), ihre vier Mädels durch die schweren Zeiten zu bringen, schwer im allgemeinen, aber schwer auch für Frauen, die ein einigermaßen selbstbestimmtes Leben führen möchten.

Alle vier Mädchen haben Träume, aus ihrem Leben etwas Besonderes zu machen, jede bringt eigene Talente hierfür mit, aber es ist Jo March, die es schafft, die Erzählungen, die sie schreibt, auch zu verkaufen, also eine echte Schriftstellerin zu werden. Früh lernt sie, dass zu einem „richtigen“ Ende gehört, dass die Protagonistinnen ihrer Geschichten entweder tot zu sein haben – oder verheiratet. Für Jo bedeutet dies lange Zeit ein und dasselbe, weshalb sie sich standhaft weigert, dem Werben des attraktiven und verträumten Nachbarsjungen Laurie (Timothée Chalamet) nachzugeben, während ihre Schwestern nach einer turbulenten Jungmädchenzeit im Hause March nach und nach den Vorgaben gehorchen.


In den USA ein Klassiker der feministischen Literatur, dürfte die Romanvorlage von Louisa May Alcott hierzulande weit weniger bekannt sein. Bekannt ist jedoch wahrscheinlich die ein oder andere der zahlreichen Verfilmungen des Stoffs, zuletzt 1994 unter dem deutschen Titel „Betty und ihre Schwestern“, aber vor allem die von George Cukor in Szene gesetzte Version von 1933 mit der unvergleichlichen Katharine Hepburn.

Die Schauspielerin Greta Gerwig, die mit dem mit etlichen Preisen bedachten Streifen „Lady Bird“ reüssierte, hat sich nun einmal mehr dieses Stoffes angenommen und daraus einen – man kann es durchaus so bezeichnen – bezaubernden Film gemacht, für den sie auch das Drehbuch adaptiert hat. Dies liegt zum einen an der hervorragenden Besetzung jeder einzelnen Rolle, hierbei verdienen Laura Dern für ihre Darstellung der Mutter, die mit ihrer besondere Wärme, aber auch mit kritischer Einstellung zum Leben von Frauen im 19. Jahrhundert überzeugt, eine besondere Erwähnung, vor allem aber glänzt Florence Pugh einmal mehr mit ihrer lebendigen Interpretation der Rolle von Amy March. Meryl Streep und der unvermeidliche Timothée Chalamet runden das Ensemble ab, an letzterem kommt man offensichtlich zur Zeit nicht herum, wenn es darum geht, einen immer etwas entrückten jugendlichen Helden zu besetzen.

Zum anderen gelingt es Gerwig, die immer noch zeitgemäßen Bezüge der alten Geschichte herauszuarbeiten und hierfür die passende Atmosphäre zu schaffen. Die nicht lineare Erzählweise mag manchen Zuschauer anfangs etwas verwirren, der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart der Figuren schafft jedoch eine interessante Perspektive, hat man doch auf einen Blick ein ganzes Leben vor Augen. Warme Farbtöne und nostalgische Bilder lassen uns eintauchen in eine ferne Zeit, aber so plüschig und antiquiert die Kulisse wirken mag, der Drang der jungen Frauen nach Emanzipation bleibt zeitlos und aktuell. Und die Emanzipation der Jo March und aller ihrer Schwestern im Geiste wird dann erreicht, wenn es einer Frau erlaubt ist, ihren eigenen Weg zu gehen, der Preis hierfür aber nicht ein Leben in Einsamkeit ist, sondern trotzdem eine erfüllte Partnerschaft erlaubt, sprich: am Ende darf – nicht muss! – auch geheiratet werden…


Regie: Greta Gerwig
Drehbuch: Greta Gerwig, b/a Roman von Louisa May Alcott
Kamera: Yorick Le Saux
Schnitt: Nick Houy
Musik: Alexandre Desplat

Darsteller:
Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Eliza Scanlen, Laura Dern, Meryl Streep, Timothée Chalamet, Tracy Letts, Bob Odenkirk, James Norton, Louis Garrel, Chris Cooper
 
Sony Pictures
135 min.
Deutscher Kinostart: 30. Januar 2020