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Mittwoch, 22. Oktober 2025

Im Kino: Springsteen - Deliver Me From Nowhere

Im Jahr 1982 hat der Musiker Bruce Springsteen (Jeremy Allen White) bereits einige erfolgreiche Alben veröffentlicht und man erwartet nun von ihm, dass er nachlegt. Aber eine tiefgreifende Depression droht Springsteen aus der Bahn zu werfen und so zieht er sich in einer Art Selbsttherapie zurück, spielt in seinem Schlafzimmer, nur mit seiner Gitarre und einem Aufnahmegerät bewaffnet, ein paar Stücke „unplugged“ ein, die er dann auf einem Album „Nebraska“ veröffentlicht, gegen den Widerstand seines Managers (Jeremy Strong) und der Plattenfirma, handelt es sich doch um ausnehmend düstere Titel…

In dem Film geht es weniger um eine Gesamtschau auf den weltberühmten und unermüdlichen Rocker Springsteen, sondern um eine besondere Episode aus dessen Leben, in der er sich den Dämonen seiner Vergangenheit entgegenstellt. Angetrieben von diesen dunklen Seiten in seinem Leben, mit einem gefühllosen und unterschwellig gewalttätigen Vater, der ihm nie die Liebe und Anerkennung geben konnte, die sich sein Sohn gewünscht hätte, aber auch angezogen von dunklen Geschichten anderer, wie die des Serienkillers Starkweather, auf die er eines Abends in Terence Malicks Film „Badlands“ stößt, wird er, indem er in seinen Texten nach und nach von der dritten in die erste Person wechselt, immer persönlicher, bis seine Seele offen vor ihm liegt.

Das Ergebnis dieser Nabelschau lässt er dann ohne jegliche technische Bearbeitung veröffentlichen, weil es genau das ist, was er schon immer einmal loswerden wollte. Bei seiner Plattenfirma stößt dieses Album mit seinen durchgehend eher monoton vorgetragenen Songs allerdings auf wenig Gegenliebe, das ist nicht der rockende Star, mit dem sich weiter viel Geld verdienen lässt, aber, wie man im Nachspann erfährt, ganz so erfolglos wie befürchtet wird das Album dann doch nicht.

 

Bleibt den Machern des Films zu wünschen, dass sich bei ihrem Werk ein ähnlicher Effekt einstellt, denn ehrlich gesagt lassen sich Parallelen zu den Schmerzensliedern erkennen. Trotz der guten Besetzung reißt der Film nicht wirklich mit, und die depressive Stimmung legt sich bisweilen wie Mehltau über die Handlung, da kann sich Jeremy Allen White noch so sehr die Seele aus dem Leib spielen.

 

 


 Regie: Scott Cooper

Drehbuch: Scott Cooper, b/a dem Buch von Warren Zanes

Kamera: Massanobu Takayanagi

Schnitt: Pamela Martin

Musik: Jeremiah Fraites

 

Besetzung:

Jeremy Allen White, Jermy Strong, Paul Walter Hauser, Stephen Graham, Odessa Young, Gaby Hoffmann, Grace Gummer

 

Bluegrass Films/ 20th Century Studios/ Walt Disney Studios Germany

2025

120 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 23. Oktober 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=egqxtAEr8LY (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=OuRX3n2LTlc (Englisch)

 

Montag, 21. November 2022

Im Kino: Zeiten des Umbruchs (Armageddon Time)

New York zu Beginn der 1980ger Jahre: Der junge Paul Graff (Banks Repeta), jüngster Spross einer jüdischen Familie, legt sich zusammen mit seinem schwarzen Mitschüler und Freund Jonathan (Jaylin Webb) immer wieder mit den Lehrern an, aber während bei Paul meistens ein Auge zugedrückt wird, ist man mit Jonathan nicht so nachsichtig. Paul spürt früh, dass im Jahrzehnt, in dem Ronald Reagan Präsident wird, nicht alle Menschen die gleichen Chancen im Leben haben. Während seine Eltern (Anne Hathaway und Jeremy Strong) von Pauls Wunsch, Künstler zu werden nicht begeistert sind, trifft er auf das liebevolle Verständnis seines Großvaters (Anthony Hopkins), der ihm über so manche pubertäre Schwierigkeit hinweghilft…

Obwohl der Originaltitel eigentlich etwas anderes erwarten lässt, ist dies ein ruhiger Film über die eigentlich gar nicht so ruhigen 1980ger Jahre. Dabei kommen die politischen Ereignisse wie die Wahl Reagans zum Präsidenten eher am Rande vor, ebenso wie die Auftritte eines gewissen Fred Trump und seiner Tochter Maryanne an Pauls Schule, ihres Zeichens Vater und ältere Schwester des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Im Vordergrund des teilweise autobiographischen Werks steht eindeutig der junge Paul und die Verbindung zu seinem Großvater, aber so wirklich mitreißen will das Ganze nicht und am Schluss bleiben zu viele lose Enden übrig. Es gibt Einblicke in eine (jüdische) Familie, in der sich der Vater aus heiterem Himmel als brutaler Schläger geriert, die Mutter allzu beschäftigt in ihren ehrenamtlichen Schulämtern ist, um dann den Großvater als zwangsläufigen Verbündeten einzuführen. Die Freundschaft Pauls zu dem schwarzen Jungen, der einmal Astronaut werden möchte, ist problematisch, aber man erfährt nicht, wie es mit Jonathan später weiter gegangen ist, ganz sicher aber wird er keine Chance auf eine Karriere als erster Schwarzer auf dem Mond gehabt haben, ebenso wenig wissen wir, ob Paul später statt Zeichner oder Schriftsteller oder Regisseur geworden ist, denn so allzu klar werden die autobiographischen Bezüge nicht.

Der Film plätschert ohne große Höhepunkte dahin, am Ende hat man Menschen für eine gewisse Zeit bei ihrem Leben zugesehen und verlässt das Kino so, wie man hineingegangen ist, nicht unbedingt gelangweilt, aber ohne neue Erkenntnisse.

 

 

 Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray

Kamera: Darius Khondji

Schnitt: Scott Morris

Musik: Christopher Spelman

 

Besetzung:

Anne Hathaway, Jeremy Strong, Banks Repeta, Jaylin Webb, Anthony Hopkins, Tovah Feldshuh, John Diel, Jessica Chastain

 

Universal Pictures International

USA 2022

114 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 24. November 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=pISoHBiMWXM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=o0cd7qZJb8E (Englisch)

 

 

Mittwoch, 26. Februar 2020

Film-Rezensionen: The Gentlemen

Der Amerikaner Mickey Pearson (Matthew McConaughey) macht in Großbritannien mit seinem Hanfimperium die allerbesten Umsätze. Als er sich aus diesem Geschäft zurückziehen möchte und einen Käufer für sein eingeführtes Unternehmen sucht, lockt er damit die unterschiedlichsten Interessenten an, von denen die einen Mickey, die anderen sich gegenseitig ausbooten wollen, aber alle wollen das größte Stück vom Kuchen für sich und sind dabei bei der Wahl ihrer Mittel in keiner Weise zimperlich. 

Ein schmieriger Detektiv (Hugh Grant) glaubt dabei, im Hintergrund die Fäden zu ziehen, ist aber auch nur ein Teil des Puppentheaters, bei dem der mit den Fäden in der Hand immer mal wechselt…



Zunächst reichlich wortlastig und etwas schwergängig, entwickelt sich die Geschichte im zweiten Teil des Films zu einem Thriller mit absurdem Witz und reichlich Action, bei dem ein hervorragend aufgelegtes Ensemble für viel Spaß und Spannung sorgt. Allen voran bietet Hugh Grant eine wirklich grandiose Vorstellung, dicht gefolgt von Colin Farrell, letztlich sind aber alle Rollen bestens besetzt, die Handlung nimmt immer wieder neue groteske Windungen, in der alles und jeder sein Fett weg bekommt, bis hin zu einem gewagten Shylock-Zitat. Guy Richie hat das Ganze in dem ihm eigenen Stil pfiffig in Szene gesetzt, ein Vergnügen für Zuschauer mit Sinn für makabren Humor und für jeden, der Spaß daran hat, einer Reihe von skrupellosen Ganoven bei der Arbeit zuzusehen.



Regie: Guy Richie
Drehbuch: Guy Richie, b/a story von Guy Richie, Ivan Atkinson & Marn Davies
Kamera: Alan Stewart
Schnitt: James Herbert
Musik: Christopher Benstead

Darsteller:
Matthew McConaughey, Hugh Grant, Charlie Hunnam, Michelle Dockery, Colin Farrell, Jeremy Strong, Henry Golding, Eddie Marsan, Tom Wu, Lyne Renee

 Miramax
FSK 16
113 min. 
Deutscher Kinostart: 27. Februar 2020