Blog-Archiv

Posts mit dem Label Finnland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Finnland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 19. November 2025

Im Kino: Sisu: Road to Revenge

Nach Ende des zweiten Weltkriegs haben sich die Russen den vormals finnischen Landesteil Karelien einverleibt, wo noch das Haus von Aatami Korpi (Jorma Tommila), steht. dessen Familie von dem sadistischen russischen Kommandeur Draganov (Stephen Lang) dahingemetzelt wurde. Aatai fährt über die Grenze und lädt sein Haus Balken für Balken auf einen LKW, um es in Finnland wieder aufzubauen, aber Draganov versucht alles, um ihn daran zu hindern und es beginnt eine tödliche Verfolgungsjagd, bei der der Mythos des „Mannes, der nicht sterben will“ ins Unermessliche steigt…

Nach dem ersten „Sisu“-Film aus dem Jahr 2022 weiß man, was einen erwartet und diese Erwartung enttäuscht der zweite Film nicht, im Hinblick auf originelle Ideen und einige Slapstick-Momente setzt er sogar noch einen drauf. Das Ganze ist absolut nichts für schwache Nerven, aber durch die völlige Übersteigerung der Handlung und eben die brachialhumorigen Momente erweist es sich als äußerst unterhaltsam, auch wenn diese Umschreibung für Zartbesaitete auf den ersten Blick unpassend erscheinen mag.

 

Hier wird keine Realität vorgegaukelt, die bei vielen Filmen oft einem zweiten Blick gar nicht standhält, sondern aufgeteilt in kurze Kapitelchen in einem überdrehten Roadmovie die Geschichte eines Mannes erzählt, der sich durch nichts und niemanden aufhalten lässt, und wer das nicht glaubt, kennt Aatami Korpi nicht!

 

Man muss Spaß an überdrehter Action, wilden Stunts und einem äußerst eigenwilligen Humor mitbringen, dann wird man sich prächtig amüsieren, sonst bleibt man besser zu Hause.

 

Und hier geht's zum ersten Teil:  

https://wandasnewworld.blogspot.com/2023/05/im-kino-sisu.html 

 

 

  

Regie: Jalmari Helander

Drehbuch: Jamari Helander

Kamera: Mika Orasmaa

Schnitt: Juho Virolainen

Musik: Juri Seppä, Tuomas Wäinölä

 

Besetzung:

Jorma Tommila, Stephen Lang, Tommi Korpela

 

Sony Pictures

2025

88 min.

FSK 18

Deutscher Kinostart: 20. November 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Un0gmLsSUdQ&list=PLV8SYu5H_eOKeEykl3wSZIqTAcOh96w0E&index=1   (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=VmStqCXIgio    (Englisch)

Mittwoch, 2. April 2025

Im Kino: Stormskärs Maja – Von Liebe getragen, von Stürmen geprägt (Myrskyluodon Maija)

Maja (Amanda Jansson), eine junge Frau im finnischen Åland des 19. Jahrhunderts, träumt wie viele Mädchen von der großen Liebe. Sie hat auch schon ihren Traumprinzen ausgeguckt, aber von ihren Eltern wird sie mit dem schüchternen Janne (Linus Troedsson) verheiratet. Mit ihm zieht sie auf die kleine abgelegene Insel Stormskär, wo Janne als Fischer ein Leben für sich und seine Familie aufbauen möchte und Maja hat keine andere Möglichkeit, als sich in ihr Schicksal zu fügen, was sich als herausfordernd, aber letztlich auch erfüllend erweist…

Der Film basiert auf der erfolgreichen Romanreihe der åländischen Autorin Anni Blomqvist, weswegen es trotz der Länge von etwas mehr als 160 Minuten zu zeitraffenden Sequenzen kommt, was aber dem Ganzen nichts von seiner Wucht nimmt.

In beeindruckenden Bildern von Naturgewalten, harter Arbeit und einem Leben immer am Existenzminimum, schafft es die Regisseurin, ihre Zuschauer in das Leben ihrer Protagonistin hineinzuziehen, die sich von ihrer anfänglichen Misere, mit einem ungeliebten Mann auf einer unwirtlichen gefangen zu sein, dort Kinder zu gebären, was unter den damaligen Umständen eines der gefährlichsten Unterfangen überhaupt für eine Frau bedeutete, mehr und mehr emanzipiert. Man wird Zeuge, wie sich ihre Ablehnung des ungeliebten Mannes schon bald in Gefühle wie Respekt, Vertrauen und am Ende in eine von beiden tief empfundene Liebe wandelt, schöner kann Kino eigentlich kaum sein!

Der Film ist ein wunderbares Beispiel dafür, was Kino eben kann, nämlich auf intensivste Weise in eine völlig fremde Welt einzutauchen, und diesmal einmal nicht in die Welt von Superhelden und sonstigen Fantasiewesen, sondern in das Leben einer mit einer harten Realität konfrontierten Frau, von dem man kaum eine Vorstellung hat, ein visuelles und emotionales Erlebnis, nachdem man das Filmtheater mit einem Gefühl verlässt, etwas durch und durch Erfüllendes und Befriedigendes erfahren zu haben.  

In diesem Fall also nicht von der Länge des Films abschrecken lassen, es entsteht zu keinem Zeitpunkt Langeweile, wenn man sich, wie die Protagonistin Maja, auf das einlässt, was einem geboten wird.

 


 Regie: Tiina Lymi

Drehbuch: Tiina Lymi, b/a Romanreihe von Anni Blomqvist

Kamera: Rauno Ronkainen

Schnitt: Joona Louhivuori

Musik: Lauri Porra

 

Besetzung:

Amanda Jansson, Linus Troedsson, Joanna Järnefelt,

 

Mindjaszz Pictures

2024

164 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 03. April 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=umMIUFOcdaQ

Dienstag, 9. Mai 2023

Im Kino: Sisu

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs begegnen sich ganz im Norden Finnlands in der lappländischen Wildnis der ehemalige Soldat Aatami (Jorma Tommila ), der sich allein als Goldsucher durchschlägt, und ein versprengter Trupp Nazis auf dem Rückzug, unter Führung des brutalen SS-Mannes Bruno (Aksel Hennie). Als man Aatami dessen gerade gefundenen Goldschatz abnimmt und ihn hilflos zurücklässt, nimmt dieser die Verfolgung auf und entwickelt dabei ungeahnte Kräfte, denen niemand gewachsen ist, und seine Rache ist fürchterlich…

Der finnische Begriff „Sisu“ bedeutet Zähigkeit, Ausdauer, Beharrlichkeit, und soll eine finnische (Geistes)Haltung beschreiben, die jemanden auch in aussichtslosen Situationen nicht aufgeben lässt, sondern antreibt, ein gesetztes Ziel, koste es, was es wolle, zu erreichen. Das ist es auch, einfach ausgedrückt, um was es in dem Film geht: Ein Mann sieht rot. Zwar rächt er vordergründig niemanden aus seiner Familie, sondern in erster Linie sich selbst, dabei könnte er aus der finnischen Familienlinie von John Rambo stammen, wenn er sämtliche seiner Verletzungen ignoriert und sich immer mal wieder selbst zusammenflickt, vielleicht ist er aber auch ein Verwandter Djangos, ebenso wortkarg und unerbittlich. Er macht im buchstäblichen Sinne keine Gefangenen, sondern metzelt die, die selbst keine Gnade kennen, nieder und ist dabei ihr schlimmster Albtraum und das Jüngste Gericht in einer Person.

Da stellt sich dann auch gar nicht mehr die Frage, ob dieser Feldzug so ultrabrutal sein muss, die Nazis hier haben, wie Nazis allgemein, ohnehin nichts Besseres verdient, also zieht der Film seine Agenda konsequent durch und hinterlässt eine blutige Spur im Abgang, die man lange nicht so auf der Leinwand gesehen hat, halbherzig wäre hier aber auch eher ärgerlich gewesen. Alles ist so over the top, dass manche Aktionen das Publikum zu einem fast schon erlösenden Lachen treiben werden, dazu passt, dass der Kämpfer Aatami mythisch überhöht wird, ein menschlicher Furor, der Pazifismus für ein Land irgendwo weit weg hält, von dem manche sagen, er sei unsterblich, aber die Antwort ist simpler: Nein, er weigert sich einfach nur, zu sterben…

 „Many believe that he is immortal.“ -

„No. He just refuses to die.“

Wenn man von der Merkwürdigkeit absieht, dass alle Figuren (zumindest in der Originalfassung) fast durchgehend Englisch sprechen – in der deutschen Fassung wird es dann ebenso durchgehend Deutsch sein – haben wir es hier mit einem knallharten Film in brillanter Optik zu tun, der in Bildern von Weite und brauner Ödnis schwelgt und dabei – es ist möglich! – mit 91 Minuten auskommt, um seinen Spannungsbogen aufzubauen und durchgehend zu halten.

Kein Film für einen beschaulichen Kinoabend zu zweit oder ein erstes Date (eher vielleicht für ein letztes…), aber ein überraschend gut gemachtes Brachial-Werk, das originär und originell daherkommt und neben all den Franchise-Reihen mit ihren endlosen Sequel-, Prequel- oder Re-Boot-Orgien auf jeden Fall auch seine Berechtigung in der Kinolandschaft hat.

 

 

Regie: Jalmari Helander

Drehbuch: Jalmari Helander

Kamera: Kjell Lagerroos

Schnitt: Juho Virolainen

Musik: Juri Seppä, Tuomas Wäinölä

 

Besetzung:

Jorma Tommila, Aksel Hennie, Jack Doolan, Mimosa Willamo

 

Stage 6 Films/ Sony Pictures Releasing

2022

91 min.

FSK 18

Deutscher Kinostart: 11. Mai 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=jNvORoTTaJ0 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=OGbr-aAnKTo (Englisch)

 

 

Montag, 21. November 2022

Im Kino: Grump (Mielensäpahoittaja Eskorttia etsimässä)

Der Grump genannte mürrische alte Milensäpahoittaja (Heikki Kinnunen) aus einem kleinen Dorf in Finnland hat seinen roten Ford Escort, Baujahr 1972, geschrottet, und da für ihn kein anderes Modell in Frage kommt, versucht er, einen entsprechenden Ersatz zu finden. Seine Suche führt ihn nach Deutschland, allerdings landet er aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse geradewegs in den Niederungen eines Escort-Services. Als er überraschenderweise seinen Bruder Tarmo (Kari Väänänen) wiedertrifft, den er vierzig Jahre nicht gesehen hat, setzen die beiden die Suche nach dem Auto zusammen fort und kommen sich auf dieser Odyssee wieder näher…

Bei einem Roadmovie kommt es auf Atmosphäre, Situationen und/ oder Schauplätze an, die Reise muss in sich stimmig sein, sie braucht nicht zwingend an ein realistisches, greifbares Ziel führen, nur die Protagonisten müssen, zumindest für die Zeit des Trips, in irgendeiner Form zueinander finden, dies erfüllt der Film bestens. In gewohnt lakonischer Weise schickt Mika Kaurismäki seine Figuren in ein Universum, das sie nicht immer und in jeder Hinsicht verstehen, wobei insbesondere Grump durch eine ihm fremde Welt irrt, sobald er sein vertrautes Dorf verlassen hat. Das ist zwar nicht immer unbedingt originell, aber dennoch meistens komisch, denn Komik entsteht oft dadurch, dass sich Zuschauer den Protagonisten in den jeweiligen Situationen überlegen fühlen.

Berührend ist auf jeden Fall, wie die beiden Brüder, der Grump und Tarmo, die sich wegen einer Liebesgeschichte in der Vergangenheit völlig entfremdet haben, Schrittchen für Schrittchen aufeinander zugehen, bis sie wieder da anknüpfen können, wo das Band zwischen ihnen einst gerissen ist. Dabei lernen die beiden jeweils einige unbekannte Seiten an sich selbst kennen, vor Überraschungen ist man also auch im fortgeschrittenen Alter nicht gefeit und manchmal erkennt man erst nach einigen Umwegen, was wirklich wichtig ist im Leben…

Auf dieser emotionalen Ebene ist der Film durchaus herzerwärmend, wenn auch die haarsträubenden Situationen, in die die beiden Protagonisten ständig geraten, manchmal etwas zu viel des Guten sind. Aber am Ende hat der Grump dann wenigstens endlich seinen heißersehnten Ford Escort - oder etwa doch nicht?

 


Regie: Mika Kaurismäki

Drehbuch: Daniela Hakulinen, b/a Roman von Thomas Kyrö

Kamera: Jari Mutikainen

Schnitt: Markus Leppälä

Musik: Anssi Tikanmäki

 

Besetzung:

Heikki Kinnunen, Kari Väänänen, Ville Tiihonen, Iikka Forss, Silu Seppälä, Tiina Lymi, Rosalie Thomass, Samu Haber

 

Arsenal Filmverleih

Fin 2022

109 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 24. November 2022

 

Trailer: https://grump.arsenalfilm.de/trailer.html