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Mittwoch, 29. Januar 2025

Im Kino: Babygirl

So erfolgreich die Geschäftsfrau Romy (Nicole Kidman) in ihrem Unternehmen agiert, so wenig läuft es im heimischen Schlafzimmer mit ihrem Ehemann Jacob (Antonio Banderas). Als der junge Praktikant Samuel (Harris Dickinson) auftaucht, weckt er in Romy sowohl sexuelle Gefühle, als auch die Lust daran, Macht und Dominanz abzugeben und sich dem jungen, immer unverschämter auftretenden Mann zu unterwerfen, wobei die Gefahr, bei Entdeckung dieser Affäre alles zu verlieren einen besonderen Reiz zu haben scheint. Oder ist es am Ende ganz anders und Romy behält auch hier die Zügel in der Hand, um sich zu nehmen, was sie braucht?

Unterwerfung und Dominanz bieten immer wieder die Grundlage für interessante Geschichten, von prickelnd über anrüchig bis zu härterem Kaliber, je nach Geschmack. Die „50 Shades of Grey“-Reihe gefiel sich im behaupteten Sado-Maso-Genre und lieferte letztlich nur eine eher harmlose Aschenputtel-Geschichte, war damit für eine gewisse Zeit allerdings überaus erfolgreich, bis das Ganze zu Recht in Vergessenheit geriet. Wie sich dieser Film diesbezüglich schlägt, bleibt abzuwarten, er bietet aber zumindest ein paar intelligentere Ansätze. 

Dafür sorgt in erster Linie Nicole Kidman, die eine großartige Vorstellung abliefert und sich dabei auch nicht scheut, ihr Alter und die damit verbundenen kosmetischen Probleme zu thematisieren. Vielleicht gelingt es ihr so, ihre Neider und Kritiker zum Schweigen zu bringen, die sich immer wieder reflexartig über ihre angebliche Überbotoxierung echauffieren. 

Allerdings muss man sich schon darauf einlassen um der Figur des Samuel dessen Auftreten wirklich abzukaufen, denn so ganz schafft es Harris Dickinson nicht, zu überzeugen, seine behauptete Chuzpe bleibt vielfach nur das, eine bloße Behauptung. Damit eine so gestandene Frau, die immer weiß, was sie will – und das wiederum nimmt man im Gegenzug Nicole Kidman jederzeit ab – sich auf eine so heikle Affäre einlässt, dazu hätte es vielleicht ein bisschen mehr Charisma seitens ihres Spielpartners bedurft.

Aber vielleicht ist dies auch gerade der Punkt, an dem die Geschichte dann doch wieder funktioniert, indem die Figur der Romy letztlich die Kontrolle und damit die Fäden in der Hand behält, so sehr sie sich von ihrem jungen Liebhaber auch scheinbar demütigen lässt, sie ist diejenige, die bestimmt, wo es langgeht, und dafür bietet ein eher blasser Counterpart das bessere Spielmaterial. Denn nicht umsonst heißt es, dass es bei allem im Leben um Sex gehe, nur nicht beim Sex, da geht es um Macht...

Ein Erotikthriller mit Unterwerfungsfantasien, bei dem es nicht allzu derb zur Sache geht, der sich immer wieder auf seine spielerischen Elemente besinnt und am Ende die Machtverhältnisse wieder geraderückt – wer so etwas mag, wird sich hier gut aufgehoben fühlen.

 

 

Regie: Halina Reijn

Drehbuch: Halina Reijn

Kamera: Jasper Wolf

Schnitt: Matthew Hannam

Musik: Cristobal Tapia de Veer

 

Besetzung:

Nicole Kidman, Harris Dickinson, Antonio Banderas, Sophie Wilde, Esther McGregor,

 

Constantin Film/ A24

2024

114 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 30. Januar 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=xaCh0WopEMI (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=-8Sx6U6Ou0Q (Englisch)

 

Mittwoch, 13. März 2019

Film-Rezensionen: Destroyer


Siebzehn Jahre ist es her, dass LAPD-Detective Erin Bell (Nicole Kidman) bei einer verdeckten Ermittlung eine berufliche und persönliche Katastrophe einstecken musste, die sie nie verwunden hat. Eine Leiche, die zu Beginn des Films gefunden wird, scheint diese alte Geschichte wieder heraufzubeschwören.

Erin taucht in absolut desolater Verfassung
am Tatort auf, sie wirkt ausgebrannt und müde, aber Ihre Ermittlungen führt sie trotzdem zielstrebig, die Aussicht, endlich eine alte Rechnung begleichen zu können, weckt offensichtlich unerwartete Energien in ihr. Allerdings lässt die Leere in ihrem Gesicht und ihren Augen erschauern, hier ist eine gebrochene Frau auf einem finalen Feldzug und wer ihr auf den Straßen von Los Angeles in die Quere gerät, bekommt ihre Härte und Entschlossenheit zu spüren. Dass Erin sich in ihrem Privatleben noch um ihre aufmüpfige pubertierende Tochter zu kümmern hat, macht ihr Leben nicht leichter, aber auch hier verfolgt sie ihren Weg entschlossen und nicht immer zur Freude des Mädchens.

So hat man Nicole Kidman sicherlich noch nie gesehen: ungeschminkt, hart und rau, spielt sie einen Cop, mit dem nicht zu spaßen ist, nichts ist zu sehen von der oft vornehm-blassen Person, die sie sonst verkörpert. Der Film kommt ebenso kompromisslos daher wie seine Heldin und baut ein geschicktes Handlungsgeflecht aus Rückblenden und aktuellen Szenen auf, die die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers fordern. Manchmal etwas zu schwer und düster, erweist sich der Film am Ende doch als gelungener Thriller, der unter die Haut geht, mit einer mutigen und grandiosen Hauptdarstellerin.


Regie: Karyn Kusama
Drehbuch: Phil Hay und Matt Manfredi
Kamera: Julie Kirkwood
Schnitt: Plummy Tucker
Musik: Theodore Shapiro

Darsteller:
Nicole Kidman, Sebastian Stan, Tatiana Maslany, Toby Huss, Scoot McNairy, Bradley Whitford, Jade Pettyjohn, Beau Knapp, Toby Kebbell

 Concorde Film
123 min.
Deutscher Kinostart: 14. März 2019


Mittwoch, 20. Februar 2019

Film-Rezensionen: Der Verlorene Sohn (Boy Erased)


Der neunzehnjährige Jared (Lucas Hedges) wächst bei seinen streng gläubigen Eltern im Süden der USA auf. Sein Vater (Russell Crowe) ist Prediger in der Baptistengemeinde und seine Mutter (Nicole Kidman) unterstützt ihren Ehemann. Als der Verdacht aufkommt, Jared könnte homosexuell sein, erschüttert dies besonders den Vater und er schickt seinen Sohn in eine sogenannte Reparativtherapie, wo der selbsternannte Therapeut Viktor Sykes (Joel Edgerton) solche vom Weg abgekommenen Jugendlichen zu heilen und wieder auf den rechten Weg zurückzubringen verspricht, eine Behandlung, die für viele der „Patienten" eine traumatische Erfahrung bedeutet. Als Jareds Mutter schließlich erkennt, wie ihr Junge unter den repressiven Methoden des Viktor Sykes leidet, widersetzt sie sich dem Willen des Vaters und holt Jared nach Hause.

Hollywood sucht sich seine Themen mehr und mehr in tatsächlichen Begebenheiten, inwieweit der fertige Film dann jeweils tatsächlich die Realität widerspiegelt, können nur die echten Personen beurteilen, die als Vorlage für die fiktiven gedient haben. Die äußerst umstrittene Reparativtherapie, auch Konversions- oder Reorientierungstherapie genannt, gibt es tatsächlich und wird auch in Deutschland praktiziert, ausgehend von der Vorstellung, dass es sich bei Homosexualität um eine psychische Störung handelt, die therapierbar ist. Da diese Auffassung inzwischen allgemein abgelehnt wird, gibt es Bestrebungen, solche Therapien gesetzlich zu verbieten, wie dies in einer Reihe von amerikanischen Bundesstaaten mittlerweile der Fall ist. Das Europäische Parlament hat 2018 mit überwältigender Mehrheit eine parteiübergreifende Initiative ergriffen, nach der Therapien zur Heilung von Homosexualität gesetzlich verboten werden sollen.

Der Schauspieler Joel Edgerton hat sich des Themas auf Grundlage der autobiographischen Schilderung eines Betroffenen angenommen, aber der Film schafft es nicht, das tatsächlich Unerhörte der Reparativtherapie so darzustellen, dass es den Zuschauer aufrüttelt. Zu behäbig inszeniert, in blassen Bilder tröpfelt die Handlung dahin. Es fehlen pointiert gesetzte Höhepunkte, obwohl es diese durchaus gegeben hätte, als sich zum einer der Jugendlichen das Leben nimmt. Aber auch dieses tragische Ereignis verschwimmt, so wie auch die Atmosphäre im elterlichen Haus des jungen Jared nie die notwendige Schärfe erreicht, obwohl die hochkarätigen Schauspieler, allen voran Nicole Kidman, durchaus gute Arbeit abliefern. Dieses wichtige Thema hätte einen insgesamt packenderen Film verdient, schade.


 Regie: Joel Edgerton
Drehbuch: Joel Edgerton, b/a der Biographie „Boy Erased – Autobiografische Erzählung" von Garrard Conley
Kamera: Eduard Grau
Schnitt: Jay Rabinowitz
Musik: Danny Bensi, Saunder Jurriaans

Darsteller:
 Lucas Hedges, Nicole Kidman, Joel Edgerton, Russell Crowe, Flea,


Universal Pictures Germany
115 min
FSK 12
Prädikat: Besonders Wertvoll
Deutscher Kinostart: 21. Februar 2019