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Mittwoch, 15. Januar 2025

Im Kino: A Real Pain

David (Jesse Eisenberg) und Benji (Kieran Culkin), zwei Cousins aus einer in den USA lebenden jüdischen Familie, reisen mit einer Kleingruppe durch Polen zu den Wurzeln ihrer von dort stammenden Familie. Auf dem Reiseplan stehen obligatorische Orte wie Friedhöfe, Kriegsgedenkstätten und ein KZ-Besuch, am Ende besuchen die beiden noch das einstige Wohnhaus ihrer Großmutter. Aufgrund der völlig unterschiedlichen Temperamente und Lebensweise der beiden Cousins kommt es immer wieder zu kritischen oder kuriosen Situationen, und die gemeinsame Reise wird stellenweise zu einer emotionalen Tour de Force mit gleichermaßen komischen wie tragischen Momenten…

Jesse Eisenberg hat sich in seinem Film, in dem er sowohl für die Regie als auch das Drehbuch sowie eine der beiden Hauptrollen verantwortlich ist, an seiner eigenen Familiengeschichte orientiert. Das Ergebnis ist eine emotionale Nabelschau mit komödiantischen Einschüben, beides festgemacht an der Zeichnung der beiden Charaktere David und Benji. Der eine rational mit nervös-neurotischem Einschlag, der andere überdreht mit kindlich-kindischen Ausschlägen, offensichtlich passend besetzt mit Eisenberg selbst und Kieran Culkin, die beide bereits in ähnlichen Rollen glänzen konnten, insofern bietet der Film hier keine Überraschungen.

Da sich beide Figuren manchmal sehr nahe an der Überzeichnung bewegen, gibt es einen recht hohen Nervensägenfaktor, trotzdem bewegt ihre Geschichte aufgrund der menschlichen Dimension, vor allem in den Szenen , in denen man mit den Schrecken der Naziherrschaft in Polen konfrontiert wird, die bis heute nachwirken, wie das Beispiel dieser Familie, aber auch der anderen Mitglieder der Reisegruppe zeigt.

 

Manche Wunden brauchen offensichtlich mehrere Generationen, um zu heilen…

 

 

Regie: Jesse Eisenberg

Drehbuch: Jesse Eisenberg

Kamera: Michal Dymek

Schnitt: Robert Nassau

Musik: Erick Eiser

 

Besetzung:

Kieran Culkin, Jesse Eisenberg, Will Sharpe, Jennifer Grey, Kurt Egyiawan, Liza Sadovy, Ellora Torchia

 

Searchlight/ 20th Century

2024

90 min.

FSK

Deutscher Kinostart: 16. Januar 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=8IXmhx5DC0g (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=v_wURyzKi14 (Englisch)

 

Montag, 6. Januar 2025

Im Kino: We live in time

Nachdem Almut (Florence Pugh), eine erfolgreiche Köchin, den in Scheidung lebenden Tobias (Andrew Garfield) aus Versehen angefahren hat, kommen die beiden zusammen. Eine kleine Tochter scheint ihr Glück perfekt zu machen, aber dann stellt ein Schicksalsschlag plötzlich alles in Frage…

Der Film erzählt seine Geschichte in vielen kleinen Momentaufnahmen, indem er Gegenwärtiges und Vergangenes scheinbar lose aneinanderreiht, so wie man sich vielleicht an gute und schlechte Augenblicke in seinem Leben erinnert. Trotzdem fügt sich alles am Ende zu einem Ganzen und es entsteht das Bild eines Lebens, das zwei Menschen scheinbar willkürlich zusammengeführt hat, nur um sie dann irgendwann wieder zu trennen. Was grausam klingt, ist jedoch nichts anderes als jeder von uns erlebt, alles ist nur eine Episode, relevant für eine bestimmte Zeit, bis es irgendwann durch etwas anderes abgelöst wird, und spätestens mit dem Tod ist dann sowieso alles vorbei.

Was auf den ersten Blick ziemlich deprimierend klingen mag, fängt der Film jedoch mit seiner Leichtigkeit auf, ohne dabei an irgendeiner Stelle in Kitsch abzugleiten, und hierfür gebührt sowohl den Darstellern Florence Pugh und Andrew Garfield großer Dank, wie auch der Inszenierung durch Regisseur Crowley. Nicht alle Melodramen schaffen diese Balance zwischen Freude und Leid so gekonnt, dass am Ende trotz aller Trauer das gute Gefühl überwiegt, dass glückliche Momente alles andere aufwiegen.

Ein wunderbarer Film über das Leben, mit der Botschaft, das Schöne zu genießen, so lange es währt und sich allem anderen zu stellen, wenn es das Schicksal erforderlich macht. 

 

 

 Regie: John Crowley

Drehbuch: Nick Payne

Kamera: Stuart Bentley

Schnitt: Justine Wright

Musik: Bryce Dessner

 Besetzung:

Florence Pugh, Andrew Garfield, Lee Braithwaite, Aoife Hinds, Grace Delaney, Adam James, Douglas Hodge, Amy Morgan

 

  StudioCanal/ A24

2024

108 min.

FSK

Deutscher Kinostart: 09. Januar 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=5qDq10LBo28 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=MH02yagHaNw (Englisch)

 

 

Donnerstag, 2. Januar 2025

Im Kino: Nosferatu - Der Untote

Thomas Hutter (Nicholas Hoult) soll im fernen Transsylvanien für einen gewissen Grafen Orlok (Bill Skarsgård) dessen Übersiedlung nach Deutschland juristisch begleiten. Er ahnt nicht, dass er damit eine tödliche Gefahr für seine Frau Ellen Hutter (Lily Rose Depp) heraufbeschwört, denn diese ist schon lange auf geheimnisvolle Weise mit einem schrecklichen Wesen verbunden, das sich als niemand anderes als Graf Orlock herausstellt, und nun ist Ellen in allerhöchster Gefahr…

Die Geschichte dürfte bekannt vorkommen, es handelt sich natürlich um das klassische Horror-Gespinst, das der irische Autor Bram Stoker im Jahr 1897 unter dem Titel „Dracula“ veröffentlichte und das seither immer wieder gerne in zahlreichen Adaptionen in Literatur und Film verarbeitet wurde, ein wahrer Untoter eben.

Dabei gab es früh einen deutschen Ableger, der sich ganz eng an die Originalfiguren und -schauplätze anlehnte, aus urheberrechtlichen Gründen jedoch den Namen „Dracula“ vermied und dafür den Grafen Orlock aka Nosferatu aus der Taufe hob. Über diesen Grafen schuf der deutsche Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau 1922 seine "Symphonie des Grauens“, ein aufgrund seiner visuellen Gestaltung wegweisendes Frühwerk des Horrorfilms, das trotz seiner schwierigen Entstehungsumstände glücklicherweise bis heute erhalten geblieben ist. Einen großen Anteil an dem Schreckensszenario hatte auf jeden Fall der damalige Hauptdarsteller Max Schreck, dessen Physiognomie bis heute Gruselschauer hervorruft. Eine spätere Nosferatu-Adaption von Werner Herzog mit dem, allerdings meistens im privaten Bereich gruseligen Klaus Kinski, nahm sich des Nosferatu-Themas noch einmal an.

Warum also, könnte man sich fragen, braucht es nun ein weiteres Wiederaufleben des Grafen Orlock, aber letztlich liegt es in der Natur von Untoten, dass sie immer wiederkehren…

Und schlecht ist die Neuauflage nicht, sie orientiert sich zwar eng am Original, sowohl bei den Dracula- als auch bei den Nosferatuelementen, setzt aber in einigen Punkten durchaus eigene Akzente. So baut sie den sexuell-sinnlichen Kontext der Beziehung zwischen dem Unhold und der in wilden erotischen Fantasien verfangenen jungen Frau auf ihre Weise aus und lässt den Vampir noch körperlicher seinem Blutdurst frönen, als es bisher vielfach bei den eher moderaten Halsknabbereien der Fall war, und Bill Skarsgård verleiht seinem Orlock eine schröckliche Präsenz, nicht so sehr durch seine Erscheinung, da bleibt Max Schreck wahrscheinlich unerreicht, aber vor allem (zumindest in der VO) durch den Einsatz von Stimme und Sprache.

Wer also von Vampir-Geschichten nicht genug bekommen kann und sich noch einmal zurück zu den Anfängen führen lassen möchte, kommt auf seine Kosten, wenngleich, wie so oft, eine kürzere Laufzeit der Sache wieder einmal nicht geschadet hätte…

 


 Regie: Robert Eggers

Drehbuch: Robert Eggers, b/a der Vorlage „Nosferatu“ von Henrik Galeen, b/a dem Roman „Dracula“ von Bram Stoker

Kamera: Jarin Blaschke

Schnitt: Louise Ford

Musik: Robin Carolan

 Besetzung:

Lily-Rose Depp, Nicholas Hoult, Bill Skarsgård, Aaron Taylor-Johnson, Willem Dafoe, Emma Corrin, Ralph Ineson, Simon McBurney

 

Universal Pictures International/ Focus Features

2024

132 min.

Im Kino: Queer

Wegen Drogenproblemen setzt sich der US-Schriftsteller William Lee (Daniel Craig) in den 1940ger Jahren nach Mexiko ab, wo er sich im Kreis weiterer Exilanten treiben lässt, ein Leben zwischen Alkohol, Drogen und meistens unverbindlichem Sex. Als er den deutlich jüngeren Allerton (Drew Starkey) kennenlernt, ist er einer Beziehung nicht abgeneigt, aber so richtig sicher, ob dieser tatsächlich Interesse an Männern hat, ist er sich nicht. Da hört er von einer Urwald-Droge, die angeblich telepathische Kräfte verleihen soll und begibt sich sofort auf die Suche danach, ein psychedelischer Trip ins grüne Herz der Dschungel-Finsternis beginnt…

Wer Regisseur Luca Guadagnino kennt, erwartet Sex und bekommt ihn in der Regel auch, im Fall dieser Verfilmung eines Romans von William S. Burroughs gehen die männlichen Protagonisten dabei durchaus explizit zu Werk. Das Ganze verbrämt sich lange Zeit in einem alkohol- und drogengeschwängerten Ambiente, ohne dass irgendetwas Nennenswertes passiert. Erst im zweiten Teil, als der Schriftsteller seine Komfortzone verlässt und sich in ein Urwaldabenteuer stürzt, kommt etwas Schwung in die Sache, mystische-psychedelische Dinge passieren und nicht immer ist klar, was Traum ist und was Wirklichkeit, aber so ist das halt bei einem Drogentrip, deswegen mögen ihn die einen und die anderen nicht.

Dabei sehen die Szenen in Mexiko zunächst eher wie in eine theaterhafte Kulisse eingebettet aus, die Straßen, Bars und Hotelzimmer wirken künstlich und übersichtlich, haben aber durchaus einen gewissen Charme, während man in den Urwaldszenen in eine völlig andere, ungeordnete Welt hineingeworfen wird.

Allerdings braucht es wieder einmal viel Sitzfleisch, denn Guadagnino nimmt sich viel Zeit für seine Geschichte, ohne dabei auf weite Strecken tatsächlich eine Geschichte zu erzählen, und das Ganze mäandert nach 136 langen Minuten einem eher unbestimmten Ende entgegen, aber wer sich darauf einlässt, bekommt einen homoerotische Drogen- und Alkoholtrip geboten mit einem beeindruckenden Daniel Craig, der seine Sache durchaus bravourös meistert.  

 


 Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: Justin Kuritzkes, b/a Roman von William S. Burroughs

Kamera: Sayombhu Mukdeeprom

Schnitt: Marco Costa

Musik: Trent Reznor, Atticus Ross

 Besetzung:

Daniel Craig, Daan de Wit, Jason Schwarztman, Henrique Zaga, Colin Bates, Drew Starkey,

 

A24/ MUBI

136 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 02. Januar 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=RW_ESAqFCQc (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=eknj5_0tF2s (Englisch)

Dienstag, 31. Dezember 2024

Das Filmjahr 2024

Auch dieses Jahr wieder eine Rückschau auf meine Favoriten, ein paar sehr gute Filme, insgesamt jedoch nicht so viele Höhepunkte, aber entscheidet selbst:

 

- All of Us Strangers  Im Februar in Deutschland in den Kinos gestartet und meine Wahl zum besten Film des Jahres 2024, denn er hat einfach alles, was es für einen Gewinner braucht: Drama, Emotionen, eine besondere Geschichte, hervorragende Darsteller, schöne Bilder und wunderbaren Soundtrack!

Regie: Andrew Haigh   Besetzung: Andrew Scott, Paul Mescal, Claire Foy, Jamie Bell

https://wandasnewworld.blogspot.com/2023/12/sneak-preview-all-of-us-strangers.html

 

 - Die Ermittlung   Der vielleicht wichtigste Film des Jahres: Die Geschichte des Auschwitzprozesses von 1963, dem es trotz seiner Länge und der Schwere des Themas überzeugend gelingt, die Theatervorlage beeindruckend und berührend auf die Leinwand zu bringen - absolut sehenswert!

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/07/im-kino-die-ermittlung.html

- Was ist schon normal? (Un p’tit truc en plus) Die beste Komödie des Jahres: Eine Gruppe Behinderter fährt in die Sommerfrische – Schwieriges Thema mit leichter Hand und umwerfend komisch inszeniert, es geht, wie uns die Franzosen immer wieder beweisen!

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/09/im-kino-was-ist-schon-normal-un-ptit.html

- Deadpool & Wolverine  Das Traumpaar des Jahres, seit langem wieder ein gelungenes Superheldenabenteuer mit wunderbar spielfreudigen Akteuren!

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/07/im-kino-deadpool-wolverine.html

 

Dann gefielen mir noch die folgenden Filme:

- Poor Things    Originell-schräger Film über die Emanzipation einer jungen Frau

https://wandasnewworld.blogspot.com/2023/12/sneak-preview-poor-things_21.html

- The Holdovers … Kammerspiel in einem Internat mit hervorragenden Darstellern

https://wandasnewworld.blogspot.com/2023/12/sneak-preview-holdovers_21.html

- The Persian Version   Geschichte einer iranisch-amerikanischen Familie, mal heiter, mal tragisch, wie das Leben eben

https://wandasnewworld.blogspot.com/2023/12/sneak-preview-persian-version_21.html

- Kleine schmutzige Briefe (Wicked Little Letters) Kleine britische Nostalgie-Komödie über kleine hässliche menschliche Abgründe…

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/03/im-kino-kleine-schmutzige-briefe-wicked.html

- Sterben  Großartiger Film mit großartigen Darstellern über ein großes Thema, das Sterben, aber eigentlich viel mehr über das Leben

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/04/im-kino-sterben.html

- Civil War   Bürgerkrieg in den USA - Bleibt hoffentlich nur eine Fiktion, aber die Weichen sind inzwischen gestellt…

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/04/im-kino-civil-war.html

- Alles steht Kopf 2  (Inside Out 2)  Bester Familien-Animations-Film des Jahres, die Teenager-Jahre sind dies schwierigsten…

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/06/im-kino-alles-steht-kopf-2-inside-out-2.html

- To the Moon (Fly me tot he Moon)   Nostalgischer und augenzwinkernder Rückblick auf ein großes Menschheitsabenteuer - oder war etwa alles nur ein Schwindel?

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/07/im-kino-to-moon-fly-me-to-moon.html

- A Killer Romance (Hit Man)   Aushilfs-Agent geriert sich als Auftragskiller, in der Kategorie Komödie bei mir Platz 2

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/07/im-kino-killer-romance-hit-man_2.html

- Beetlejuice Beetlejuice  Herrlich schräge Fortsetzung des ersten Beetlejice-Films, nochmal sollte man den Namen aber besser nicht wiederholen…

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/09/im-kino-beetlejuice-beetlejuice.html

 

Besondere Erwähnung:

 Beste Serie des Jahres:

- Ripley In bestechender schwarz-weißer Optik gelingt eine meisterliche Neuinterpretation des Klassikers von Patricia Highsmith mit einem überragenden Andrew Scott, der wieder einmal seine ganze Klasse beweist

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/04/heimkino-ripley.html

Theater im Kino vom Feinsten:

- Vanya  Immer wieder in ausgewählten Filmtheatern zu sehen: Anton Tschechows Bühnenstück, von Andrew Scott im Alleingang interpretiert, ohne technische oder sonstige Hilfsmittel erweckt er sämtliche Figuren mühelos zum Leben, einfach großartig!

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/07/im-kino-vanya.html

 

Gar nicht mein Fall:

- Joker: Folie à Deux   Der Phoenix-Joker konnte mich bereits im ersten Film nicht überzeugen, der zweite kommt mit Gesang daher, trotz Lady Gaga ein Graus - musste das wirklich sein?

https://wandasnewworld.blogspot.com/2024/10/im-kino-joker-folie-deux.html

 

Kommt gut ins Neue Jahr und freut Euch auf hoffentlich viele schöne Filme!

 

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Im Kino: Mufasa: Der König der Löwen (Mufasa: The Lion King)

Kiara, die kleine Tochter von Simba und Nala bekommt von Rafiki die Kindheitsgeschichte ihres Großvaters Mufasa erzählt, wie dieser es einst vom verwaisten Löwenjungen zum König der Löwen brachte und dabei die Freundschaft zu Freund/ Bruder Taka verlor, der später zu seinem erbitterten Feind Scar wurde.

Das Prequel zum „König der Löwen“ erzählt in Rückblenden vom frühen Schicksal Mufasas, hierbei lernen wir zwar den jungen Rafiki kennen, der bereits damals zu Mufasas Freund wurde, für Timon und Pumbaa bleiben dabei allerdings nur kleine Nebenrollen als weitere Zuhörer neben Kiara.  

Ansonsten glänzt der Film wieder mit den bereits bekannten Live-Action-Filmtechniken und den fotorealistischen computergenerierten Bildern, bei denen jedes Schnurrbarthaar der Tiere und jeder Regentropfen so echt wirken, wie man es noch immer kaum für möglich hält. Dennoch regt sich unterschwellig ein leichtes Friedhof-der-Kuscheltiere-Unwohlsein, da kann die kleine Kiara noch so süß in Großaufnahme in die Kamera schauen, das Ganze wirkt am Ende nach wie vor ein wenig seelenlos.

Die Geschichte zeigt die Entwicklung von Mufasas und Scars Feindschaft und lässt eine Gruppe unheimlicher Löwen auftreten, insgesamt fehlt es der Geschichte durch das Hin- und Herspringen zwischen Vergangenheit und Gegenwart auch im Hinblick auf ein ganz junges Publikum ein wenig am homogenen Erzählfluss. Und natürlich wird auch immer mal wieder gesungen, was den ansonsten so bemühten Realismus doch einigermaßen beeinträchtigt, wobei die Lieder nicht schlecht sind, wenn auch vielleicht nicht ganz so schmissig, wie gewohnt.

Trotz dieser Einschränkungen ist der Film für Mufasa-Freundinnen und -freunde sicher ein Muss und für Liebhaber fotorealistischer Tieranimationen wieder sehenswert, für alle anderen eher überflüssig.

 


 Regie: Barry Jenkins

Drehbuch: Jeff Nathanson, b/a den Charakteren von Linda Woolverton, Irene Mecchi und Jonathan Roberts

Kamera: James Laxton

Schnitt: Joi McMillon

Musik: Dave Metzger

 

Besetzung:

Aaron Pierre, Kelvin Harrison Jr., Tiffany Boone, Kagiso Lediga, Proston Nyman, Blue Ivy Carter, John Kani, Mads Mikkelsen, Seth Rogen, Billy Eichner, Thandiwe Newton, Beyoncé Knowles-Carter

Deutsch: Wincent Weiss, Paul Fischer

 

Walt Disney Company Germany

2024

118 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 19. Dezember 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=MMiO4deRB9A (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=o17MF9vnabg (Englisch)

Mittwoch, 11. Dezember 2024

Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim (The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim)

Helm Hammerhand, König von Rohan, tötet bei einem Faustkampf den Vater von Wulf, Fürst der Dunländer. Dieser schwört daraufhin Rache, außerdem will er durch die Heirat mit Helms Tochter Héra selbst König werden. Es gibt Krieg mit vielen sinnlosen Opfern, aber kann Wulf durch die Belagerung der Festung Hornburg, später als Helms Klamm in die Geschichte Mittelerdes eingegangen, in die sich Helms Armee zurückgezogen hat, die Wendung bringen, oder schafft es Héra selbst durch Mut und Entschlossenheit, Wulf zu besiegen?

Die Handlung dieser neuerlichen Geschichte aus Mittelerde setzt 183 Jahre vor den Ereignissen der bekannten Film-Trilogie ein und führt eine später eher unbekannte Heldin ein, über die trotz ihrer Tapferkeit keine Gesänge existieren, und man fragt sich am Ende: wieso eigentlich nicht? Denn sie bringt alles mit, was es braucht, um in die Geschichte einzugehen, aber dennoch wurde sie offensichtlich vergessen und andere konnten nach der Schlacht der Rohirrim von ihrem Ruhm zehren.

Immerhin gibt es nun diesen Film, der sich im Gewand eines Anime präsentiert, was Vor- aber auch viele Nachteile mit sich bringt. So mangelt es den Schlachtszenen eindeutig an Wucht und den Charakteren fehlt es oft an Ausdrucksstärke. Nur vereinzelt gibt es ein paar schöne Bilder, die im Gedächtnis bleiben, so ein immer dichter werdendes Schneetreiben, während die gegnerische Übermacht unaufhaltsam und mächtig heranrückt und auch mit einem gelungenen Soundtrack, der die Flachheit mancher Szenen aufwertet, kann der Film punkten.

Ansonsten überwiegen stereotype Dialoge und Handlungsmechanismen, ohne originelle Wendungen und auch ohne wenigstens ansatzweise eingestreuten Humor bleibt das Ganze arg staubtrocken, aber vielleicht bietet es den eingefleischten Tolkien-Aficionados eine nostalgische Rückkehr in ein Universum, dessen Geschichte eigentlich auserzählt ist…

 


 Regie: Kenji Kamiyama

Drehbuch: Jeffrey Addiss, Will Matthews,  Gittins, Arty Papageorgiou, b/a den Figuren und Charakteren von J.R.R. Tolkien

Schnitt: Tsuyoshi Sadamatsu

Musik: Stephen Gallagher

 

Besetzung:

Original-Stimmen: Brian Cox, Gaia Wise, Miranda Otto, Luca Pasqualino, Lorraine Ashbourne

 

Warner Bros. Germany

2024

134 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 12. Dezember 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=wzKQe2SB2hc (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=gCUg6Td5fgQ (Englisch)