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Mittwoch, 24. Juli 2024

Im Kino: Deadpool & Wolverine

Wade Wilson (Ryan Reynolds) lebt im Kreis alter Freunde als Autoverkäufer ein unspektakuläres Leben, bis eines Tages die TVA (Time Variance Authority) vor seiner Tür steht und ihm eröffnet, dass nach dem Tod von Logan (Hugh Jackman) die gesamte Timeline, in der er sich befindet – und möglicherweise auch alle anderen – in höchster Gefahr ist, ausgelöscht zu werden. Was tun? Man kann Logan ja schlecht wieder ausgraben. Oder vielleicht doch? Oder doch besser in den Tiefen des Multiversums nach einem noch brauchbaren Wolverine suchen? Klingt genauso bescheuert, aber einen Versuch ist es immerhin wert…

Zugegeben, dieser Plot klingt auf den ersten Blick nicht so wahnsinnig intelligent – und auf den zweiten auch nicht – aber wenn es sonst immer um die Rettung der Welt, der Menschen oder des Universums geht, warum sollten die (Comic)Figuren sich nicht mal um ihre eigene Welt und die immer sehr kompliziert gestalteten Zeitschienen kümmern, wenn diese in Gefahr sind.

Damit fällt der Startschuss für eine irrwitzige und – zumindest für Fans der Metaebene, die die vielen offenen und versteckten Hinweise erkennen und einordnen können – auch irrsinnig komische Tour-de-Force durch alle Höhen und Tiefen des MCU, wobei letzteres zwar leider den aktuellen Stand beschreibt, was sich aber hoffentlich mit diesem Film wieder ändern wird.

Hier bekommt jeder sein Fett weg, gleichzeitig ist es aber auch eine liebevolle Aufarbeitung von mehr als zwanzig Jahren Marvel-Geschichte, der seinerzeit die erste X-Men-Verfilmung als Initialzündung diente, damals noch unter der Ägide der 20th-Century-Fox, die mittlerweile ja auch vom Disney-Konzern kannibalisiert wurden, was ebenfalls viel Raum für böse Witze und Anspielungen bietet. Viele Charaktere bekommen einen Gastauftritt, mehr oder weniger lang und manchmal mit einem abrupten Ende, allein für die Durchdringung dieses irrwitzigen Wimmelbildes lohnt mit Sicherheit ein zweiter Kinobesuch, wir tauchen sogar in fremde Welten ein, wie zum Beispiel solche mit ganz starken madmaxischen Bezügen, schaut einfach selbst und staunt!

Da wir uns aber eben auch im Deadpool Universum bewegen, gibt es etliche krasse Kampfszenen, da wo Wolverine früher mit seinen Krallen zwar auch schnitzeln durfte, aber aus Gründen der FSK-12-Freigabe nie auch nur ein Tropfen Blut zu sehen war, wird dieses nun zusammen mit jeder Menge Körperteilen großzügig über die Leinwand verteilt, das ist sich der Held mit der großen Klappe einfach schuldig.

Das Highlight dieses Films ist aber das großartige Team der beiden so unterschiedlichen Superhelden Deadpool und Wolverine, vor allem weil sie von Ryan Reynolds und Hugh Jackman, deren Chemie anscheinend auch im privaten Bereich stimmt, so unwiderstehlich verkörpert werden, dass man von diesem Traum-Duo nicht genug bekommen kann, da bleiben die beiden den Erwartungen, die durch die etwas dünne Handlung vielleicht etwas enttäuscht wird, am Ende nichts schuldig!

Und natürlich, nicht gleich beim Abspann aufspringen, der dabei gleichzeigt ablaufende nostalgische Blick zurück auf alte X-Men-Szenen ist wie ein Blättern im Familienalbum, das mehr als nostalgische Gefühle weckt – und vielleicht gibt es ja ganz am Ende auch noch eine nette Überraschung…

 


 Regie: Shawn Levy

Drehbuch: Shawn Levy, Rhett Reese, Ryan Reynolds, Zeb Wells, Paul Wernick, b/a auf den Charakteren von Rob Liefeld und Fabian Nicieza

Kamera: George Richmond

Schnitt: Shane Reid, Dean Zimmerman

Musik: Rob Simonsen

 

Besetzung:

Ryan Reynolds, Hugh Jackman, Emma Corrin, Morena Baccarin, Rob Delaney, Karan Soni, Leslie Uggams, Matthew Macfadyen, Blake Lively, Shioli Kutsuna, Dafne Keen, Tyler Mane, Jennifer Garner, Henry Cavill, Chris Evans, Kelly Hu, Channing Tatum, Wesley Snipes

 

Marvel Studios/ 20th Century Studios/ Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

127 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 24. Juli 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=7FaB2ePAwcc (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=73_1biulkYk (Englisch)

Mittwoch, 25. August 2021

Im Kino: Killer's Bodyguard 2 (Hitman's Wife's Bodyguard)

Während Michael Bryce (Ryan Reynolds) seine Bodyguard-Lizenz verloren hat, eine Therapie macht und davon träumt, als Bodyguard des Jahres ausgezeichnet zu werden, steckt Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) in ziemlichen Schwierigkeiten. Seine Frau Sonia (Salma Hayek) wäre als Ein-Frau-Einsatzkommando zwar durchaus in der Lage, Darius alleine herauszuhauen, holt dann aber aus alter Verbundenheit Bryce zur Hilfe, und damit sind alsbald alle drei – der Killer, der Bodyguard und die Frau des Killers – wieder vereint bei einem weiteren Abenteuer voller wilder Verfolgungsjagden, Schießereien und Prügeleien, dabei geht es so ganz nebenbei noch darum, die Welt vor einer fatalen Cyberattacke zu retten, und, ach ja, die Kincaids wollen unbedingt ein Baby...

Der Film, in bewährter Weise mit Sprüchen und Flüchen (Trinkspiel: Wie oft sagt Sam Jackson „Motherfucker"?) garniert, bietet gegenüber Teil 1 nicht allzu viel Neues, außer, dass es Ryan Reynolds gelungen ist, seine Gin-Marke werbewirksam unterzubringen, außerdem stellt sich die Frage, ob ein ausgewiesener Buddy-Film auch mit einer Frau als Dritter im Bunde möglich ist. Und, Überraschung, es funktioniert, denn trotz ihrer immer wieder gern herausgestellten weiblichen Attribute bringt Salma Hayek alles mit, um sich ohne Probleme einzufügen: sie ist laut, sie ist durchgeknallt und hantiert routiniert mit sämtlichen Waffen, einen Bodyguard braucht die Frau eigentlich nicht...

Bestens aufgelegte Akteure, zu denen außer den Genannten noch Antonio Banderas, Gary Oldman sowie als Überraschungsgast Morgan Freeeman zählen, sorgen für Unterhaltung ohne störenden Tiefgang. Nicht jeder Gag zündet, aber wer gut getimte und stellenweise durchaus brutale Action mag – der Film hat die Altersfreigabe 16 – der ist hier richtig. Auf ein Neues, Motherfucker!

 


 Regie: Patrick Hughes

Drehbuch: Tom O’Connor, Philip Murphy, Brandon Murphy

Kamera: Terry Stacey

Schnitt: Michael J. Duthie, Jack Hutchings

Musik: Atli Örvarsson

 

Cast:

Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Morgan Freeman, Salma Hayek, Antonio Banderas, Frank Grillo, Gary Oldman, Barry Atsma,

 

USA 2021

Paramount Pictures

100 min.

FSK 16

 

Deutscher Kinostart: 26. August 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ggMw7fXB86I

 

Dienstag, 15. Mai 2018

Filmrezensionen: Deadpool 2

Er ist wieder da! Für alle, die Deadpool von 2016 mochten eine Supernachricht, für alle, die ihn nicht mochten, die Gelegenheit, sich einen anderen Film anzuschauen.

Deadpool-Freunde kommen auf ihre Kosten, dieser Film setzt die eingeschlagene Richtung fort und liefert reihenweise infantile, geschmacklose und oft brüllend komische Gags (gilt, wie gesagt, für Freunde des rotgewandeten, plappernden Berserkers, die anderen sitzen ja im Kino nebenan). Action und Sprache sind wieder alles andere als weichgespült, viele bekannte Elemente werden aufgegriffen, wirken dennoch immer noch erstaunlich frisch, weil der Film nichts und niemanden ernst zu nehmen scheint, am allerwenigsten sich selbst. Man könnte sich die Frage stellen, ob das subversive Durch-den-Kakao-Ziehen von allem, was dem geneigten Zuschauer heilig ist, seien es Superhelden- oder Actionfilme, das Filmemachen an sich und was dort so zum Geschäft gehört, und vor allem natürlich die lieben Mutantenkollegen aus dem X-Men-Franchise, noch subversiv ist, wenn man selbst Teil des Business ist – man kann es aber auch lassen und sich einfach auf den Film konzentrieren, um keinen der Gags und Seitenhiebe in alle Richtungen zu verpassen. Wir begegnen vertrauten Figuren wieder – Taxichauffeur Dopinder, Blind Al, Weasel, Colossus und Vanessa (Morena Baccarin) – und lernen ein paar neue Charaktere kennen, während Deadpool davon fantasiert, nach einem Liebesfilm nun einen Familienfilm zu präsentieren. Auch in diesem Film durchbricht er immer wieder die vierte Wand, um sich direkt an das Publikum zu wenden – er kann einfach nie die Klappe halten.

Die Handlung ist schnell erzählt: Deadpool (Ryan Reynolds) versucht sich als X-Men-Azubi, und vermasselt es.

Etwas ausführlicher: Deadpool, der gerade einen weiteren harten Schicksalsschlag erlitten hat, soll den jungen, von Aggressionsschüben heimgesuchten feuerschleudernden Mutanten Russell (Julian Dennison) ruhigstellen, während Cable (Josh Brolin), ein Kämpfer aus der Zukunft (Terminator lässt grüßen…) den Jungen zu eliminieren versucht, bevor dieser als Erwachsener Cables Familie töten kann. Deadpool, der krebskranke infantile Zyniker, hat, wie man bereits weiß, seine weiche Seite, nimmt sich des Jungen an und stellt ein Team im Kampf gegen Cable zusammen. Das Team scheitert kläglich, dann bekommt Russell plötzlich Hilfe von unerwarteter Seite, die Kampflinien verschieben sich, Deadpool und Cable müssen sich zusammenraufen und tragen einen epischen Kampf um die Seele des Jungen aus. Nee, keine Angst, so schwülstig wird es natürlich nicht, die Deadpool-Linie wird gehalten, schrill, laut, heftig und mit so viel Augenzwinkern, dass es schmerzt.
Es gibt aber auch durchaus ernste Untertöne, Werte wie Liebe, Freundschaft und vor allem Familie werden hochgehalten, und das ist dann ausnahmsweise mal kein Witz. Am Ende bekommt Deadpool dann die Möglichkeit, einmal das Raum-Zeit-Kontinuum durcheinander zu bringen, und er nutzt diese Gelegenheit zu einem schrägen Rundumschlag gegen einige – vor allem auch eigene – Fehltritte der Vergangenheit.

Der ständige Bruch mit allen erwartbaren Konventionen, die für ein Werk dieses Genres gelten, die Selbstreferenzialität und die Seitenhiebe gegen politische Korrektheit, Sexismus oder Rassismus, machen den Film zu einem Spaß – nicht gerade für Groß und Klein, aber für alle, die im ganzen Superheldenüberfluss einen frischen Ansatz suchen. Und noch einmal: wer mit diesem Genre absolut nix am Hut hat, geht nicht in diesen Film, nur um sich hinterher darüber zu entrüsten! Ob die Reihe einen dritten Film verträgt, sei dahingestellt, für dieses Mal funktioniert das Konzept jedenfalls noch.


 
















Regie: David Leitch 
Drehbuch: Rhett Resse, 
Paul Wernick, Ryan Reynolds, 
b/a den Marvel Comics 
Kamera: Jonathan Sela
Musik: Tyler Bates 
Produktion: u.a. Simon Kinberg, Lauren Schuler Donner, Stan Lee, Jonathon Komack Martin, Ryan Reynolds


Darsteller:
Wade/ Deadpool: Ryan Reynolds 
Nathan Summers/ Cable: Josh Brolin 
Vanessa: Morena Baccarin
Russell: Julian Dennison 
Domino: Zazie Beetz 
Negasonic Teemage Warhead: Brianna Hildebrand
Weasel: T.J. Miller 
Dopinder: Karan Soni 
Bill Sarsgard, Eddie Marsan, Leslie Uggams, Stefan Capicic, Terry Crews,

USA 159 min. 
FSK 16 
Kinostart: 17. Mai 2018






Montag, 28. August 2017

Film-Rezensionen: Killer's Bodyguard



Michael Bryce (Ryan Reynolds) ist Bodyguard und einer der besten seines Fachs, bis ihm ein Klient vor seinen Augen von einem Scharfschützen erschossen wird. Danach ist er nur noch ein Schatten seiner selbst und hält sich mit kleinen Aufträgen über Wasser. Die Chance, wieder in die A-Liga seiner Zunft aufzusteigen, kommt mit dem Anruf seiner Ex-Freundin, Interpolagentin Amelia Roussel (Elodie Yung). Ausgerechnet sein langjähriger Gegenspieler, der weltweit beste Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) braucht Schutz, um binnen 24 Stunden aus dem Norden Englands nach Den Haag gebracht zu werden, wo er vor einem Kriegsverbrechertribunal als Kronzeuge gegen den skrupellosen osteuropäischen Diktator Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) aussagen soll. Darius, den die Liebe zu seiner Frau Sonia (Salma Hayek) hinter Gitter gebracht hat, geht auf diesen Deal von Interpol ein, seine Aussage gegen die Freilassung Sonias, die ihrerseits in Amsterdam im Gefängnis sitzt. Um Darius’ Auftritt vor Gericht zu verhindern setzt Diktator Dukhovich allerdings eine Armee von blutrünstigen Söldnern in Marsch, außerdem gibt es offensichtlich einen Maulwurf bei Interpol, der ihm mit Rat und Tat zuarbeitet.


Damit sind die Weichen gestellt für eine furiose Verfolgungsjagd, per Auto quer durch England und – klar –  per Boot durch Amsterdam, ein Trip wie ein Computerspiel, wo an jeder Ecke heimtückische Schützen lauern, die eliminiert werden müssen. Dabei bleibt den beiden höchst unterschiedlichen Protagonisten, dem akkuraten, planvollen Michael und dem unkonventionellen, unberechenbaren Darius nichts anderes übrig, als sich zusammenzuraufen und sie kommen sich immer näher, während die Uhr unerbittlich die Stunden – und letztlich auch Minuten – herunterzählt, ehe sich das Zeitfenster für Darius’ Auftritt vor Gericht zu schließen droht.
 
Regisseur Patrick Hughes verknüpft das altbekannte Thema – Kronzeuge muss vor Killern beschützt werden – mit Motiven aus Road- und Buddymovies und serviert mit Gespür für gut getimte Action und einer reichlichen Dosis Humor eine launige Actionkomödie. Die Dritte Ebene, an der er sich versucht, die Bodyguard-Romanze, ist dann allerdings ein bisschen zu viel des Guten. Funktioniert die Amour fou zwischen Darius und seiner Sonia noch, einer heißblütigen, kampferprobten Powerfrau, so bleibt die Liebesgeschichte zwischen Michael und der Interpolagentin Amelia eher blass und sorgt für einige überflüssige und kitschige Momente.


Samuel L. Jackson liefert eine grandiose Vorstellung ab, er und Salma Hayek geben dem Affen Zucker, auch wenn ihre Rolle eher klein ist. Ryan Reynolds scheint die Figur des pedantischen Planers zu liegen, wobei es für jeden Akteur nicht leicht sein dürfte, Jacksons Präsenz etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Der Film bietet keine wirklichen Überraschungen, aber er ist unterhaltsam
genug, um über manch eine Abwegigkeit
bei der wilden Hatz durch zwei Länder
hinwegzusehen, Liebhaber dieses Genres werden insgesamt ihren Spaß haben.

Regie: Patrick Hughes 
Drehbuch: Tom O’Connor 
Kamera: Jules O’Laughlin
Production Design: Russell De Rozario 
Darsteller: Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Gary Oldman, Salma Hayek, Elodie Yung, Joaquim De Almeida, Kirsty Mitchell, Richard E. Grant

 USA 111 min.   
Deutscher Start: 31.08.2017