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Mittwoch, 7. Mai 2025

Im Kino: Islands

Tom (Sam Riley) arbeitet dort, wo andere Urlaub machen, er ist Tennistrainer in einer Hotelanlage auf Fuerteventura. Aber mit mehr oder minder begabten Touristen täglich Bälle übers Netz zu spielen erfüllt ihn nicht wirklich, und so trinkt er sich den Frust schön und flüchtet sich in kurze bedeutungslose Affären. Das ändert sich, als eines Tages die schöne Anne (Stacey Martin) vor ihm steht, deren Sohn Anton (Dylan Torrell) er Tennisstunden geben soll. Man freundet sich an, mit Annes Mann Dave (Jack Farthing) geht Tom auf abendliche Sauftour, aber danach ist Dave plötzlich verschwunden und es kommt ein schlimmer Verdacht auf…

Der Film pendelt zwischen Romanze und Krimi und liefert schöne Bilder einer Ferienidylle, allerdings kann er sich dabei nicht entscheiden, was er tatsächlich sein will und so dümpelt die Geschichte, genauso wie seine Hauptfigur, etwas orientierungslos daher. Sam Rileys Tennislehrer, mit schlampigem Haarschnitt und schludriger Ausstrahlung, wirkt wenig anziehend, er hat nichts von dem Charisma, das man sich gemeinhin bei dieser Berufsgruppe, dem Pendant zum winterlichen Skilehrer, vorstellt. Das mag ihn als Opfer einer möglichen Intrige glaubhaft machen, aber den behaupteten Frauenhelden nimmt man ihm nicht ganz ab.

Weitere Aspekte, die angedeutet werden, bleiben Andeutungen, die Geschichte läuft nicht rund und lose Enden bleiben unverbunden, was am Ende ein unbefriedigendes Gefühl hinterlässt, trotz der vielverprechenden Ansätze.

 


Regie: Jan-Ole Gerster

Drehbuch: Jan-Ole Gerster, Blaz Kutin, Lawrie Doran

Kamera: Juan Sarmiento G.

Schnitt: Antje Zynga

Musik: Dascha Dauenhauer

Besetzung:

Sam Riley, Stacy Martin, Jack Farthing, Dylan Torrell

 

Leonine Studios

2025

123 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 08. Mai 2025


Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=1qxDGVToNAI (Deutsch)


 

 

Dienstag, 5. November 2024

Im Kino: Die Witwe Clicquot (Widow Clicquot)

Nach dem Tod ihres Mannes François führt dessen Witwe Barbe-Nicole (Haley Bennett) ihr gemeinsames Weingut gegen allen (männlichen) Widerstand weiter und schafft es, ihre Traubenprodukte zu dem heute noch unter dem Namen Veuve Clicquot bekannten Luxusgetränk zu veredeln sowie dieses trotz eines durch Napoleon I verhängtem Exportverbots europaweit zu vermarkten und damit den Grundstein für ihr Champagnerimperium zu legen…  

In stimmungsvollen Bildern wechselt der Film zwischen romantischen Szenen der jungen Ehe des Ehepaares Clicquot und dem Sittenbild einer französischen Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts hin und her. Die Selbstermächtigung einer starken Frau, die durch die Umstände noch stärker wird, ist durchaus sehenswert, allerdings hätte es dem Film gutgetan, den Schwerpunkt mehr auf die an sich spannende Tätigkeit der Wein- bzw. Champagnerherstellung und weniger auf die Herz-Schmerz-Romanze zu legen.

Ebenso hätte es das Porträt einer jungen Frau auf dem Weg zu ihrem beeindruckenden Erfolg in dieser Zeit verdient gehabt, noch stärker hervorgehoben zu werden, ihr Kampf gegen die Borniertheit und Ablehnung einer männlich geprägten Gesellschaft wäre genug Stoff für den Film gewesen, die daneben gestellte Geschichte ihrer Ehe fällt dagegen etwa ab, ebenso fehlt dem Ganzen leider, trotz des urfranzösischen Themas, der französische Esprit.

Dass es am Ende dennoch ein sehenswerter Film geworden ist, liegt zum einen an der von Haley Bennet ebenso feinfühlig wie durchsetzungsstark dargestellten Hauptfigur und letztlich auch an dem durchaus interessanten historischen Thema, über das man bisher eher wenige Kenntnisse hatte.

 


 Regie: Thomas Napper

Drehbuch: Erin Dignam, Christopher Monger. b/a dem Buch von Tilar J. Mazzeo

Kamera: Caroline Champetier

Schnitt: Richard Marizy

Musik: Bryce Dessner

 

Besetzung:

Haley Bennett, Tom Sturridge, Natasha O’Keeffe, Sam Riley

 

Capelight Pictures

2023

90 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 07. November2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=DZS7KcarjE8 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=yWbbr9bzcC8 (Englisch)

 

Donnerstag, 10. Juni 2021

Heimkino: Crime Game (The Vault/ Way Down)

Der 22-jährigeThom (Freddie Highmore) hat sein Ingenieursstudium mit Bestnoten absolviert und seine berufliche Zukunft ist glänzend. Aber statt einen höchstbezahlten Job in der Wirtschaft anzunehmen, weckt eine Gruppe von interessanten Leuten rund um den Bergungstaucher Walter (Liam Cunningham) sein Interesse. Es geht um drei Münzen aus dem Besitz des legendären Feibeuters Sir Francis Drake mit der Aussicht auf einen gigantischen Schatz. Einziges Problem: Die Münzen lagern in einem der bestgesichertsten Tresorraum der Bank von Spanien in Madrid, den ein Sicherungssystem schützt, das bisher noch niemand entschlüsseln konnte – also genau der richtige Job für Thom...

Bei dem Film handelt es sich um ein klassisches Heist-Movie – eine Bezeichnung, für die es leider irgendwie kein griffiges deutsches Wort gibt – und es folgt den Regeln dieses Genres in ganz klassischer Weise: Eine sorgfältig ausgewählte Gruppe von Spezialisten versucht den minutiös ausgearbeiteten Plan eines Masterminds umzusetzen und als Belohnung winkt ein riesiger Schatz. Nichts Neues also, möchte man denken- die älteren werden sich an Vorgänger wie „Rififi“ oder natürlich die Reihe um den gewieften Danny Ocean erinnern –  aber wenn eine bekannte Idee neu aufgelegt wird, kommt es entscheidend auf die Umsetzung an, und die ist hier genauso spannend wie unterhaltsam gelungen. Es macht Spaß, wie gehabt an der Ausarbeitung des Plans teilzuhaben und mitzuzittern, ob auch alles wie gedacht funktioniert – was natürlich nicht der Fall ist, weil immer etwas schief geht. Da es sich in der Regel um einen ungesetzlichen Beutezug geht, bleibt außerdem stets die Frage, ob die Protagonisten, eigentlich Kriminelle, aber sympathisch, am Ende mit Ihrer Beute davonkommen dürfen, aber auch hierfür hat der Film eine originelle Lösung gefunden.

Alles in allem eine gelungene Wiederauflage eines alten Themas mit einer gut aufgelegten Riege von Darstellern, elegant und stylish in Szene gesetzt, beste Unterhaltung im klassischen Sinne.



 

 Regie: Jaume Balagueró

Drehbuch: Rafa Martínez, Andrés M. Koppel, Borja Gelz. Santaolalla, Michel Gaztambide, Rowan Athale

Kamera: Daniel Aranyó

Schnitt: David Gallart

Musik: Arnau Bataller

 

Darsteller: Freddie Highmore, Liam Cunningham, Sam Riley, Astrid Bergèz-Frisbey, Axel Stein, Jose Coronado, Luis Tosar, Famke Janssen, Daniel Holguín

 

SquareOne Entertainment

118 min.

FSK 12

 VÖ: Ab 11.06.2021 auf DVD und Blu-ray

 

TRAILER: https://youtu.be/Xp6nYaz9SIk

 

Dienstag, 14. Juli 2020

Im Kino: Marie Curie – Elemente des Lebens (Radioactive)


Als Frau ist der 1867 in Warschau geborenen Marie Sklodowska (Rosamund Pike) in ihrem Heimatland der Weg an die Universität verwehrt, daher geht sie nach Paris, um dort Physik und Mathematik zu studieren. Beides schließt sie mit Bestnoten ab, dennoch  bleibt ihre weitere Karriere ein ständiger Kampf gegen männliche Vorherrschaft und Vorurteile. Als sie Pierre Curie kennen lernt, will sie sich auf keinen Fall von ihm fördern lassen, aber dann verlieben sich beide ineinander und wirken fortan gemeinsam. Über ihren Doktorvater, Henri Becquerel, bekommt sie Zugang zur Strahlenforschung, ihre Erkenntnisse im Bereich Radioaktivität sind noch heute wegweisend. Im Jahr 1903 wird sie zusammen mit ihrem Mann und Bequerel mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet und erhält als erste Frau Europas einen Doktortitel in eben jenem Fach. Zwei Jahre später stirbt Pierre Curie, bereits von den Strahlenforschungen gesundheitlich angeschlagen, bei einem tragischen Unfall und Marie übernimmt seinen Lehrstuhl an der Sorbonne. 1911 erhält sie als erster Mensch einen zweiten Nobelpreis, diesmal für Chemie. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich ihr immer wieder in den Weg stellen, gibt sie nie auf, sich für ihre Wissenschaft einzusetzen. 1934 verstirbt sie, ebenfalls gezeichnet von den Auswirkungen der Radioaktivität, der sie jahrelang ausgesetzt war. 

Der Film porträtiert diese in jeder Hinsicht außergewöhnliche Frau als klug, ambitioniert und zielstrebig, Eigenschaften, die man zu ihrer Zeit einer weiblichen Person nicht zutraute und mit denen man sich auch heute bisweilen noch schwer tut. Die bahnbrechenden Erkenntnisse, die auf Marie Curies Forschungen fußen, die Entdeckung der Wirkungen von Radioaktivität mit ihren Möglichkeiten, von der Entwicklung der Strahlentherapie bei Krebserkrankungen bis hin zur Verwendung von Kernkraft zur Energiegewinnung, werden eingebettet in einen düster bebilderten Rahmen, in dem Rosamund Pike einmal mehr glänzen darf. 

Ihre Darstellung macht den Film auf jeden Fall sehenswert, ansonsten will der Funke, den eine solche Frau und Wissenschaftlerin entzündet hat, nicht immer auf den Zuschauer überspringen. Der Mensch Marie tritt größtenteils hinter der übergroßen Ikone Marie Curie zurück, auch wenn es nicht an privaten Momenten aus ihrem Leben mangelt, bleiben diese leider etwas blutleer und die Stationen ihrer Karriere werden allzu konventionell erzählt. Dennoch ist es das Verdienst dieses Filmes, ein realistisches Sittenbild jener Zeit zu zeichnen, das es um so erstaunlicher macht, wie es eine Frau unter diesen Umständen überhaupt schaffen konnte, hinter dem heimischen Herd hervorzutreten und Weltgeschichte zu schreiben. Ein Appell an alle Frauen und Mädchen, und eine Ermutigung, sich auch heute nicht von falschen Vorstellungen und Vorurteilen abschrecken zu lassen, sondern sich entschieden vorzuwagen, wenn man etwas gefunden hat, wofür man brennt...


Regie: Marjane Satrapi
Drehbuch: Lauren Redniss, Jack Thorne
Kamera: Anthony Dod Mantle
Schnitt: Stéphane Roche
Musik: Evgueni Galperine, Sacha Galperine

Darsteller:
Rosamund Pike, Sam Riley, Cara Bossom, Aneurin Barnard, Anya Taylor-Joy, Simon Russell Beale, Tim Woodward, Jonathan Aris

 StudioCanal / Amazon Studios
109 min.
FSK 6
Deutscher Kinostart: 16. Juli 2020 (nach dem ursprünglich geplanten 09. April)