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Mittwoch, 25. Oktober 2023

Im Kino: Die Theorie von Allem

Der junge Johannes Leinert (Jan Bülow) reist im Jahr 1962 mit seinem Doktorvater (Hanns Zischle) in die Schweizer Alpen, wo ein iranischer Physiker auf einem Kongress etwas Bahnbrechendes im Bereich der Quantenmechanik vorstellen soll. Als der Iraner nicht erscheint, genießen die anderen angereisten Teilnehmer die Vorzüge der Bergwelt, während sich Johannes seiner Doktorarbeit widmet, die sich mit einem von der Fachwelt und auch seinem Doktorvater eher belächelten Grenzbereich, der möglichen Existenz von sogenannten Vielwelten, beschäftigt. Eines Tages begegnet Johannes einer jungen Pianistin, die viel über ihn zu wissen scheint, dann gibt es einen Toten und rund um das Hotel geschehen immer mysteriösere Dinge…

Erzählt wird hier etwas, das zunächst wie eine eher trockene Wissenschaftsgeschichte beginnt, die sich dann mehr und mehr in faszinierende Grenzbereiche vorwagt, dies gilt sowohl für die Theorie des jungen Physikers zwischen etablierter Physik und neuen Visionen, als auch für die ansonsten ineinander verwobenen Themen, die sich keinem Genre eindeutig zuordnen lassen. Elemente des (Polit)Krimis wechseln mit solchen der Science-Fiction, dabei wird die Idee eines möglichen Multiversums auf so ungewöhnliche Weise präsentiert, wie man es noch nicht gesehen hat. Es gibt eine Liebesgeschichte und dazwischen mystische Momente und Augenblicke von poetischer Schönheit, die es schwer machen, alles auf Anhieb passend einzuordnen, das Ganze untermalt von betörender Musik und wunderschönen, kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bildern.

Der Film "Die Theorie von Allem" macht seinem Titel tatsächlich alle Ehre und erweist sich in jeder Hinsicht als ungewöhnlich, sperrig, poetisch und faszinierend, weitab vom gängigen Mainstream, ein Film, den man mehrfach sehen und immer wieder neue Dimensionen darin entdeckt kann.

 


 Regie: Timm Kröger

Drehbuch: Roderick Warich, Timm Kröger

Kamera: Roland Stuprich

Schnitt: Jann Anderegg

Musik: Diego Ramos Rodriguez, David Schweihard

 

Besetzung:

Jan Bülow, Olivia Ross, Hanns Zischler, Gottfried Breitfuss, David Bennent, Philippe Graber, Imogen Kogge, Dominik Graf (Erzähler)

 

Neue Visionen

2023

118 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 26. Oktober 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=X033YCVIH9M

 

Dienstag, 14. Juli 2020

Im Kino: Marie Curie – Elemente des Lebens (Radioactive)


Als Frau ist der 1867 in Warschau geborenen Marie Sklodowska (Rosamund Pike) in ihrem Heimatland der Weg an die Universität verwehrt, daher geht sie nach Paris, um dort Physik und Mathematik zu studieren. Beides schließt sie mit Bestnoten ab, dennoch  bleibt ihre weitere Karriere ein ständiger Kampf gegen männliche Vorherrschaft und Vorurteile. Als sie Pierre Curie kennen lernt, will sie sich auf keinen Fall von ihm fördern lassen, aber dann verlieben sich beide ineinander und wirken fortan gemeinsam. Über ihren Doktorvater, Henri Becquerel, bekommt sie Zugang zur Strahlenforschung, ihre Erkenntnisse im Bereich Radioaktivität sind noch heute wegweisend. Im Jahr 1903 wird sie zusammen mit ihrem Mann und Bequerel mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet und erhält als erste Frau Europas einen Doktortitel in eben jenem Fach. Zwei Jahre später stirbt Pierre Curie, bereits von den Strahlenforschungen gesundheitlich angeschlagen, bei einem tragischen Unfall und Marie übernimmt seinen Lehrstuhl an der Sorbonne. 1911 erhält sie als erster Mensch einen zweiten Nobelpreis, diesmal für Chemie. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich ihr immer wieder in den Weg stellen, gibt sie nie auf, sich für ihre Wissenschaft einzusetzen. 1934 verstirbt sie, ebenfalls gezeichnet von den Auswirkungen der Radioaktivität, der sie jahrelang ausgesetzt war. 

Der Film porträtiert diese in jeder Hinsicht außergewöhnliche Frau als klug, ambitioniert und zielstrebig, Eigenschaften, die man zu ihrer Zeit einer weiblichen Person nicht zutraute und mit denen man sich auch heute bisweilen noch schwer tut. Die bahnbrechenden Erkenntnisse, die auf Marie Curies Forschungen fußen, die Entdeckung der Wirkungen von Radioaktivität mit ihren Möglichkeiten, von der Entwicklung der Strahlentherapie bei Krebserkrankungen bis hin zur Verwendung von Kernkraft zur Energiegewinnung, werden eingebettet in einen düster bebilderten Rahmen, in dem Rosamund Pike einmal mehr glänzen darf. 

Ihre Darstellung macht den Film auf jeden Fall sehenswert, ansonsten will der Funke, den eine solche Frau und Wissenschaftlerin entzündet hat, nicht immer auf den Zuschauer überspringen. Der Mensch Marie tritt größtenteils hinter der übergroßen Ikone Marie Curie zurück, auch wenn es nicht an privaten Momenten aus ihrem Leben mangelt, bleiben diese leider etwas blutleer und die Stationen ihrer Karriere werden allzu konventionell erzählt. Dennoch ist es das Verdienst dieses Filmes, ein realistisches Sittenbild jener Zeit zu zeichnen, das es um so erstaunlicher macht, wie es eine Frau unter diesen Umständen überhaupt schaffen konnte, hinter dem heimischen Herd hervorzutreten und Weltgeschichte zu schreiben. Ein Appell an alle Frauen und Mädchen, und eine Ermutigung, sich auch heute nicht von falschen Vorstellungen und Vorurteilen abschrecken zu lassen, sondern sich entschieden vorzuwagen, wenn man etwas gefunden hat, wofür man brennt...


Regie: Marjane Satrapi
Drehbuch: Lauren Redniss, Jack Thorne
Kamera: Anthony Dod Mantle
Schnitt: Stéphane Roche
Musik: Evgueni Galperine, Sacha Galperine

Darsteller:
Rosamund Pike, Sam Riley, Cara Bossom, Aneurin Barnard, Anya Taylor-Joy, Simon Russell Beale, Tim Woodward, Jonathan Aris

 StudioCanal / Amazon Studios
109 min.
FSK 6
Deutscher Kinostart: 16. Juli 2020 (nach dem ursprünglich geplanten 09. April)