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Mittwoch, 23. September 2020

Heimkino: Monsieur Killerstyle (Le Daim)

Ein Mann verfällt seiner Wildlederjacke, in der er sich unwiderstehlich findet, und diese drängt ihn, dafür zu sorgen, dass niemand außer ihm überhaupt noch eine Jacke trägt. Eine mörderische Aufgabe…

Regisseur Quentin Dupieux hat ein solides Werk absurden Theaters geschaffen, in dem sein Protagonist Georges (Jean Dujardin), von seiner Frau verlassen, den Boden unter den Füßen verliert und sich in eine wahnwitzige Idee verrennt, die ihn am Ende zerstört. In einem abgelegenen französischen Bergdorf findet er in der Kellnerin Denise (Adèle Haenel) eine ambitionierte Helferin, indem er ihr, die gerne als Cutterin beim Film arbeiten würde, vorspiegelt, einen Film zu drehen. Beide entfernen sich immer mehr von der Realität und sind fest davon überzeugt, ein ernsthaftes Ziel zu verfolgen, dabei drängt sich eine Parallele zu den aktuellen Verschwörungstheoretikern auf, die bei Entstehung des Films sicher nicht so beabsichtigt war, gleichwohl wird aber sehr eindrucksvoll vor Augen geführt, wie noch so schräge Ideen ihre Anhänger beherrschen, die ihrer inneren Logik folgen, während ihr Tun und Denken auf alle anderen bizarr wirkt und nicht selten in letzter Konsequenz auch eine gefährliche und zerstörerische Komponente beinhaltet.

Dupieux bewegt sich in der Tradition des französischen Post-Nouvelle-Vague-Kinos der 1970ger und 1980ger Jahre, mit Regisseuren wie Bertrand Blier, Claude Miller und Jean-Jacques Beineix, die erkennbar zu seinen Vorbildern zählen. Getragen wird der Film von dem wunderbaren Jean Dujardin, der seine Figur als sehenswertes Kabinettsstück in ihrer ganzen Tragikomik lebendig werden lässt, aber auch Adèle Haenel als verhinderte Cutterin, die den Film „Pulp Fiction“ spaßeshalber schnittmäßig in die richtige Reihenfolge gebracht hat und dabei festgestellt hat, wie blöd er eigentlich ist, ist großartig, ein Spaß für Zuschauer mit Sinn für das Schräge und Groteske abseits vom glatten Mainstreamkino.

 










 

Regie: Quentin Dupieux

Drehbuch: Quentin Dupieux

Kamera: Quentin Dupieux

Schnitt: Quentin Dupieux

Musik: Janko Nilovic

 Darsteller:

Jean Dujardin, Adèle Haenel, Albert Delpy, Coralie Russier,

 

 Frk 2019

FSK 16

77 min.

Ab 10. September 2020 digital und ab 24. September auf Blu-ray und DVD

 Trailer: https://youtu.be/dlCoI_sZPeU

 

Dienstag, 15. September 2020

Im Kino: Hello Again – Ein Tag für immer

Desillusioniert durch die Streitereien ihrer Eltern hat Zazie (Alicia von Rittberg) schon früh sämtliche Illusionen über Ehe und die große Liebe verloren. Sie lebt mit zwei Freunden – Anton, der nicht "Nein" sagen kann (Edin Hasanovic) und dem Frauenflachleger Patrick (Samuel Schneider) – in einer WG, die das Motto pflegt: „Freundschaft ist Gold, Beziehung ist Blech". Als ihr eines Tages die Hochzeitseinladung ihres einstigen Kindergartenkumpels Philipp (Tim Oliver Schultz) und ihrer damaligen Erzrivalin Franziska (Emilia Schüle) ins Haus flattert, setzt sie alles daran, Philipp vor dem Fehler seines Lebens zu bewahren, aber durch eine Laune des Universums – oder durch die philosophische Gedanken einer Toilettenfrau? – erlebt Zazie diesen Hochzeitstag immer und immer wieder, bis sie am Ende endlich erkennt, dass sie sich auf einem Weg in ein glückliches (Beziehungs)Leben bisher in erster Linie selbst im Weg gestanden hat.

Und täglich grüßt das Murmeltier… Natürlich stand der Klassiker der Zeitschleifengeschichten auch bei dieser deutschen Komödie Pate, aber was dort so wunderbar funktioniert hat, hakt und knirscht hier leider ein wenig. Die Entwicklung der Hauptfigur ist zwar nachvollziehbar, aber die an sich charmante Idee, in einer solchen Zeitschleife einen einmal begangenen Fehler oder Fauxpas solange korrigieren zu können, bis es endlich passt, wird leider nicht so leichtfüßig und charmant umgesetzt, wie sie es verdient hätte. Es mag an der Hauptdarstellerin liegen, die eher nervtötend als liebenswert hektisch agiert, oder an den nicht immer zündenden Witzen. Die Figur des Anton –  von Edin Hasanovic ansonsten angenehm zurückhaltend dargestellt – sorgt für einige (überflüssige) Slapstickeinlagen, und das Beziehungsgeflecht zwischen Zazie und ihren WG-Mitbewohnern entwickelt sich erwartbar.

Dass am Ende dennoch eine leichte Sommerkomödie herausgekommen ist, liegt dann doch wieder an der nach wie vor märchenhaften Ausgangsidee: Wer hätte sich nicht schon einmal gewünscht, eine gründlich misslungene Aktion noch einmal und so lange wiederholen zu dürfen, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist?

  

Regie: Maggie Peren

Drehbuch: Maggie Peren

Kamera: Marc Achenbach

Schnitt: Robert Hauser

Musik: Superstrings

 

Darsteller:

Alicia von Rittberg, Edin Hasanovic, Tim Oliver Schultz, Emilia Schule, Samuel Schneider

 

D 2020

Warner Bros. Pictures Germany

92 min.

Deutscher Kinostart: 17. September 2020

 


Mittwoch, 9. September 2020

Im Kino: The Photograph

Der New Yorker Journalist Michael Block (LaKeith Stanfield) stößt bei einer Recherche in New Orleans auf das Foto einer jungen Frau, das ihn irgendwie fasziniert. Er findet heraus, dass es sich um ein Porträt der kürzlich verstorbene Fotografin Christine Eames (Chanté Adams) handelt. Als er Kontakt zu deren Tochter Mae Morton (Issa Rae) aufnimmt, ist diese gerade dabei, durch einen Brief ihrer Mutter aus deren Nachlass ebenfalls mehr über die Vergangenheit ihrer Mutter herauszufinden, die eines Tages aus dem kleinen Ort im Süden der USA aufgebrochen war, um ein neues, interessanteres Leben in New York zu finden. Zwischen Michael und Mae entwickelt sich eine Liebesbeziehung, in der sich vieles aus dem früheren Leben von Maes Mutter wiederholt, bis die Geister der Vergangenheit in der Gegenwart aufeinander zu treffen scheinen...

Der Film erzählt die Geschichte der beiden Frauen in parallelen Montagen, springt zwischen den 1980ger Jahren, wie sie sich für Mae aus der Lektüre des Briefes ihrer Mutter erschließen, und der sich entwickelnden Liebesbeziehung zwischen ihr und Michael in der Gegenwart hin und her. Wenn beabsichtigt ist, die beiden Leben so übereinander zu legen, bis sie aufgrund der angedeuteten Parallelen irgendwann ineinander verschmelzen, so ist dies nicht ganz gelungen, denn dieser inszenatorische Kniff verspricht wesentlich mehr, als er am Ende einlöst. Das liegt auch daran, dass man über Christines Leben, nachdem sie offenbar eine erfolgreiche Karriere als Fotografin gemacht hat, nichts mehr erfährt und die Figur dadurch nicht wirklich fassbar wird. So bleibt ihre Geschichte letztlich nur ein Alibi für das Zusammenkommen von Michael und Mae.

Gelungen ist der Regisseurin damit allerdings eine schöne Liebesgeschichte zweier schöner Menschen, mit wohldosierten melodramatischen Momenten, in warmen Bildern und von einem weichen Jazzsound unterlegt, keine Schnulze, sondern ein gefühlvolle Romanze, wie es sie leider zu selten gibt. 

 

 Regie: Stella Meghie

Drehbuch: Stella Meghie

Kamera: Mark Schwartzbard

Schnitt: Shannon Baker Davis

Musik: Robert Glasper

 Darsteller:

Issa Rae, Chanté Adams, LaKeith Stanfield, Lil Rel Howery, Teyonah Parris, Rob Morgan, Y'Lan Neol, Kelvin Harrison Jr., Jasmine Cephas Jones, Courtney B. Vance, Marsha Stephanie Blake

 

Universal Pictures International Germany GmbH

FSK 0

106 min.

Deutscher Kinostart: 10. September 2020

 
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=hha324_rOSo

Im Kino: Faking Bullshit


Die Polizisten Deniz (Erkan Acar), Rocky (Adrian Topol), Netti (Sanne Schnapp) und Hagen (Alexander Hörbe) schieben in der verschlafenen Kleinstadt Ahlen in Westfalen eine ruhige Kugel in ihrer Wache 23. Zu ruhig, findet die aus Düsseldorf entsandte Tina, die prüfen soll, ob die Wache aus Kostengründen geschlossen werden muss, was zu einem signifikanten Anstieg der (Klein)Kriminalität in der Stadt und erstaunlichen Ermittlungserfolgen der plötzlich sehr aktiven Polizisten führt…

Dem aus verschiedenen Comedy-Formaten bekannten Schauspieler Alexander Schubert ist mit dieser Komödie einfrisches und witziges Regiedebüt gelungen. Unterstützt von einem bestens aufgelegten Schauspielerensemble zündet er zumindest im ersten Teil des Films ein Feuerwerk an kreativen Ideen, das einfach Spaß macht. Dass die Geschichte mit der Aufklärung eines plötzlichen spektakulären richtigen Kriminalfalles etwas abflacht, kann den Gesamteindruck nicht trüben, denn auch dabei gibt es ein und originelles Detail, das es für einige Zeit schwer machen wird, einander noch unbefangen in die Augen zu blicken…

Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, und es ist pfiffig, wie sich aus der Eingangsszene, die wie eine Beziehungskomödie mit Alltagsrassismus und –sexismus beginnt, eine ganz anders gelagerte Geschichte entwickelt, die sich in groben Zügen an der schwedischen Komödie „Kopps" aus dem Jahr 2003 orientiert. Es ist schwer, einen der insgesamt guten Darsteller herauszuheben, aber Bjarnes Mädels Interpretation seiner Pennerrolle ist wieder einmal ein kleines Kabinettstück. Alles in allem ein vergnügliches KINOerlebnis in diesen trüben (Corona)Zeiten!

 


Regie: Alexander Schubert

Drehbuch: Alexander Schubert

Kamera: Julian Landweer

Schnitt: Levent Celebi, Robert Hauser

Musik: Roman Fleischer

Darsteller:

Erkan Acar, Sina Tkotsch, Adrian Topol, Bjarne Mädel, Sanne Schnapp, Alexander Hörbe, Alexander von Glenck, Xenia Assenza, Wesley T.C. Howard, Eva Weissenborn,  Jörg Schüttauf, Dietrich Hollinderbäumer, Mišel Matičević,

 

D 2020

Telepool GmbH

FSK 12

105 min.

Deutscher Kinostart: 10. September 2020

 


 

Bilder: © 2000-2020 MR FilmPressKit-online Gmbh

Montag, 31. August 2020

Heimkino: Soulfood - Familie geht durch den Magen (Abe)

Abe (Noah Schnapp) ist zwölf, lebt in New York und mit seiner Vorliebe fürs
Kochen unterscheidet er sich von seinen gleichaltrigen Schulfreunden. Problematisch ist, dass sein Vater Palästinenser und Muslim ist, während seine Mutter einer jüdischen Familie angehört. Obwohl Religion für Abes Eltern keine große Rolle spielt, versuchen die jeweiligen Familienmitglieder den Jungen in ihrem Sinne zu beeinflussen und dieser bemüht sich, beiden Seiten gerecht zu werden. Als Abe sich heimlich bei dem aus Brasilien stammenden Streetfood-Künstler Chico (Seu Jorge) verdingt, um zu lernen, wie man über Gaumenfreuden die Menschen miteinander in Verbindung bringt, kommt ihm die Idee, mit einem von ihm komponierten Thanksgiving-Essen die ewig miteinander streitenden Verwandten buchstäblich an einen Tisch zu bringen und sie miteinander auszusöhnen. Aber ganz so einfach lassen sich kulturelle Differenzen (leider) nicht aus dem Weg schaffen...

Der Film geht über die Probleme des pubertierenden Jugendlichen, der Abe auch ist, hinaus und beleuchtet im Mikrokosmos einer Familie, wie politische Konflikte das friedliche Miteinander unmöglich machen, wenn keine Seite nachgibt. Die familiären Dispute, unter denen das Kind sichtbar leidet, offenbaren einerseits die religiös und geschichtlich bedingten Unterschiede verschiedener Kulturen, andererseits treten, ohne dass die Beteiligten es wollen, die ebenso vorhandenen Gemeinsamkeiten zutage, wenn zum Beispiel darüber gestritten wird, ob Falafel ursprünglich ein arabisches oder jüdisches Gericht ist. Durch die Augen des Jungen nähert der Regisseur sich dem an sich schweren Thema auf eine leichte, familienfreundliche Art. Die Diskussionen am Familientisch richten sich an ein eher älteres Publikum, während die flott geschnittenen Sequenzen mit Bildchen und #Hashtags aus Abes Food-Blog offensichtlich für die jüngeren Zuschauer gemacht sind. Abes Mentor, der coole Koch Chico, der seine Küche scheinbar locker führt, dabei aber auch auf die notwendige Disziplin achtete, bricht die festgefahrene häusliche Situation auf, unter der Abe so sehr leidet. Chicos Heimatland Brasilien steht außerdem für kulturelle Vielfalt, die sich auch in der Küche auswirkt, für Abe eine Offenbarung.

Der Film biedert sich dankenswerter Weise nicht an, indem er Abes Kochen als simple Lösung für die Probleme dieser Welt offeriert, er ist aber eine Liebeserklärung an die verbindende Kraft, die die verschiedensten Gaumengenüsse aus allen Kulturen haben können und macht denjenigen, die empfänglich dafür sind, Lust, den (Kino)Sessel zu verlassen, um in der Küche etwas Neues auszuprobieren!


 Regie: Fernando Grostein Andrade

Drehbuch: Fernando Grostein Andrade, Lameece Issaq, Jacob Kader, Christopher Vogler

Kamera: Blasco Giurato

Schnitt: Claudia Castello, Bruno Lasevicius, Suzanne Spangler

Musik: Gui Amabis

  Darsteller:

Noah Schnapp, Seu Jorge, Mark Margolis, Dagmara Dominczyk, Arian Moayed

  USA/ BRA 2019

Pandastorm

FSK 6

Ab 28.08.2020 als DVD und bereits am 21.08.2020 Digital erhältlich

 

Details DVD

 Bildformat: 2,35:1/ 16:9

Audio: Deutsch DD 5.1

Englisch DD 5.1

Laufzeit 85 min.

Untertitel: Deutsch, Englisch

Extras: Trailer + Trailershow

 Trailer: https://youtu.be/4pWoCyj9Qx4

Dienstag, 25. August 2020

Im Kino: Tenet

Der Inhalt des Films ist schnell auf den Punkt gebracht: Ein Mann versucht, die Welt zu retten.

Dabei gehorcht die Story auf den ersten Blick den Mustern eines Spionagethrillers mit allen Elementen, die dazu gehören. Der "Protagonist" genannte Agent (John David Washington) muss, angeheuert von einer geheimnisvollen Organisation namens Tenet, eine streng geheime Mission erfüllen, ihm zur Seite gibt es den Helfer, Neil (Robert Pattinson), dessen Rolle – wie es sich gehört – bis zum Schluss undurchsichtig bleibt. Es gibt eine schöne, geheimnisvolle Frau, Kat (Elisabeth Debicki), und dann ist da natürlich der Bösewicht, in diesem Fall der gewissenlose Waffenhändler Andrei Sator (Kenneth Branagh), dessen ruchloser Plan, die Welt zu vernichten, vereitelt werden muss. Die Handlung bewegt sich räumlich auf internationalen Schauplätzen zwischen Estland, Italien, Indien, Dänemark, Norwegen, Großbritannien und den Vereinigte Staaten, wie es sich für einen Thriller dieses Kalibers eben gehört, soweit liefe alles in den geordneten Bahnen des Genres ab.

Aber dann fügt Christopher Nolan, dessen Filme häufig von Sprüngen in Zeit und Raum geprägt sind (Memento, The Prestige, Inception), ein weiteres Element hinzu, das in den Bereich der Science-Fiction gehört, indem er sich ganz intensiv dem Spiel mit der Zeit widmet, dieser bekannten Unbekannten in unserem Leben. Zeit – nicht Geld – regiert die Welt. Mal zieht sie sich zäh wie Kaugummi, mal scheint sie nur so dahin zu fliegen, nichts bestimmt unser Leben so sehr, aber wie beschränkt erleben wir sie, nämlich linear, nach vorne gerichtet.

Filmische Verschiebungen von Zeitebenen sind zwar an sich nichts grundlegend Neues, aber Nolan entwickelt eine interessante Variante, in der Entropie und inverse Materie eine Rolle spielen, d.h. er bewegt sich entlang der Zeitachse hin, aber vor allem wieder zurück und lässt die Zeit – und mit ihr alles, was sich darin bewegt – immer mal wieder rückwärts laufen. So werden wir Zeugen eines militärischen Zangenangriffs in der vierten Dimension, bei dem militärische Truppen gleichzeitig vor und zurück auf einen bestimmten Punkt in Raum und Zeit zusteuern. Wer hierbei die Orientierung verliert, wird mit grandiosen Actionszenen entschädigt, die zum größten Teil nicht computeranimiert, sondern echt sind, so lässt er zum Beispiel eine riesige Frachtmaschine auf dem Flugfeld in einen Hangar rauschen und alles niederwalzen, was sich ihr in den Weg stellt. Auch wenn die Gedankenspielereien der Zeitmanipulationen kaum auf Anhieb nachzuvollziehen sind, ist die Geschichte spannend, voller gigantischer Bilder und unterlegt mit einem grandiosen Soundtrack, und Nolan hält sich an sein Motto: Unterhalte dein Publikum, aber fordere seine Intelligenz und Leidenschaft heraus. Zumindest die Helden auf der Leinwand behalten den Überblick und am Ende ist die Welt tatsächlich gerettet, ganz in der Tradition der "Mission Impossible“-Reihe, oder, noch augenscheinlicher, der Missionen eines James Bond.

Dabei stellt sich tatsächlich die Frage, ob Nolans Bond-Ansatz von ungefähr kommt, oder ob er mit Bedacht hier seine Visitenkarte abgegeben hat, zusammen mit einem Vorschlag für einen kommenden Bond-Darsteller?

Warner Bros. gebührt jedenfalls großer Dank und Anerkennung dafür, dass sie es – anders als zum Beispiel Disney mit der "Mulan"-Verfilmung, die demnächst auf dem hauseigenen Streaming-Dienst starten wird – in diesen Zeiten als einzige gewagt haben, einen großen Film dahin zu bringen, wo er hingehört: ins Kino mit seinen riesigen Bildern auf großer Leinwand, wo allein es möglich ist, dem Publikum eine Larger-than-Life-Erfahrung zu bieten, die kein Sofa-Streaming zu Hause auf dem TV-Bildschirm ersetzen kann, sei dieser auch noch so groß, von den kläglichen PC-/Tablet- oder gar Handybildschirmchen ganz zu schweigen. Dies ist ein wuchtiges Ausrufezeichen, ein Mahnmal, das darauf hinweist, was gerade auf dem Spiel steht, nämlich nichts weniger als die Zukunft des Kinos, dieses einzigartigen, magischen Raums, der nicht verschwinden darf. 

Daher der eindringliche Appell: geht ins Kino, damit diese Botschaft nicht zum Epitaph wird!

 

 Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

Kamera: Hoyte van Hoytema

Schnitt: Jennifer Lame

Musik: Ludwig Göransson

 Darsteller:

John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki, Kenneth Branagh, Dimple Kapadia, Martin Donovan, Fiona Dourif, Himesh Patel, Michael Caine

 

USA 2020

Warner Bros.

150 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 26. August 2020

Donnerstag, 20. August 2020

Heimkino: Lindenberg! Mach Dein Ding

Der Name „Udo Lindenberg“ dürften den Meisten ein Begriff sein, aber wie er wurde, was er ist – Musiker, Phänomen, lebende Legende – wissen vielleicht die Wenigsten. Dieser Film widmet sich mit Verve dem Leben Lindenbergs von der Kindheit in den piefigen 1950ger Jahren im westfälischen Gronau bis zum Startschuss seiner Karriere durch einen entscheidenden ersten Bühnenauftritt 1973.

Vater Lindenberg (Charly Hübner), der seine musikalischen Ambitionen nie ausleben durfte, macht ihm früh klar, dass die Lindenbergs Klempner sind und immer bleiben, aber damit will sich Sohn Udo (Jan Bülow) auf keinen Fall abfinden. Er träumt von einer großen Karriere als Rockstar, doch seine Absicht, deutsche Texte zu singen hält jeder für spinnert, wie auch den ganzen Typen. Allerdings hat er das Wort "aufgeben" nicht in seinem Vokabular, und so erleben wir den jungen Udo als begabten (Jazz)Schlagzeuger, als Studiomusiker, als unermüdlichen Trommler auf dem Hamburger Kiez und folgen ihm bei einem bizarren Engagement mit den US-Truppen auf eine Militärbasis in der libyschen Wüste. Es gibt diverse amouröse Abenteuer, bei denen ihm immer mal geniale Textzeilen für seine späteren Songs einfallen („…und Paula aus Sankt Pauli, die sich immer auszieht") und dass er es schließlich trotz aller Widrigkeiten schafft, ist ein schönes Beispiel für die vielzitierte Phrase „Lebe deinen Traum“ oder „Du kannst alles schaffen, wenn du es nur willst“ oder alle weiteren Variationen dieser schönen, aber auch banalen Lebensweisheit. Es entsteht allerdings auch der Eindruck, dass es jemandem, der partout und ausschließlich „sein Ding“ machen will, nur um sich selbst geht, weniger um ein Team, eine Band oder Freunde.

Der Film ergründet dabei das Phänomen Lindenberg nicht wirklich und liefert keine schlüssige Erklärung für Lindenbergs jahrzehntelangen Erfolg. Trotz der vielleicht noch nicht bekannten biographischen Details aus Kindheit und Jugend wird der Mensch hinter der Kunstfigur nicht fassbarer, ein schärferer Blick hinter die Fassade dieses skurrilen Nuschelkünstlers hätte vielleicht gut getan. Auch sonst werden einige Klischees in erwartbarer Weise bedient, Detlev Buck darf als Plattenlabelboss hemmungslos chargieren und die Damen sind willig, sogar ein „Cougar“ macht sich an den naiven Jüngling Udo heran.

Dass der Film dennoch funktioniert und Spaß macht, liegt an der Gesamtinszenierung, an der Reise in die verschiedenen Zeiten, die nicht chronologisch erzählt wird, sondern die einzelnen Ebenen sich immer wieder überlappen lässt, hier das triste Gronau der 1950ger, dort das bunte und chaotische Kiezleben auf der Hamburger Reeperbahn Anfang der 1970ger Jahre, und dabei jeweils den aus heutiger Sicht exotisch anmutenden Zeitgeist wunderbar einfängt. Vor allem aber sind es die Darsteller, die mit sichtbarem Vergnügen bei der Sache sind, die mitreißen und über viele der genannten Kritikpunkte einfach hinweg spielen, allen voran Jan Bülow, der die Figur des jungen Rebellen in all seinen Widersprüchen lebt und mitreißend rüberbringt. Für Udo-Fans, die den Film noch nicht im Kino gesehen haben, ein Muss, ihn sich jetzt nach Hause zu holen, aber auch für alle anderen ein spaßiges Sommervergnügen fürs Heimkino.

 


Regie: Hermine Huntgeburth 

Drehbuch: Alexander M. Rümelin, Christian Lyra, Sebastian Wehlings

Kamera: Sebastian Edschmid

Schnitt: Ueli Christen, Eva Schnare

Musik: Oli Biehler

 

Darsteller:

Jan Bülow, Detlev Buck, Max von der Groeben, Charly Hübner, Julia Jentsch, Martin Brambach, Ruby O. Fee, Christoph Letkowski, Ella Rumpf, Jeanette Hain, Saskia Rosendahl

 

D 2019

dcm

FSK 12

Ab 21. August 2020 auf DVD, Blu-ray und als Digibook

 

 Details DVD:

Laufzeit: ca. 129 Min.

Bildformat: 2,40:1

Sprachen: Deutsch

Ton: DD 5.1

Untertitel: Deutsch

EAN: 4061229131902

 Details Blu-ray:

Laufzeit: ca. 134 Min.

Bildformat: 2,40:1

Sprachen: Deutsch

Ton: DTS HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

EAN: 4061229131919

 Details Digibook:

Laufzeit DVD: ca. 129 Min.

Laufzeit Blu-ray: ca. 134 Min.

Bildformat: 2,40:1

Sprachen: Deutsch

Ton (DVD/BD): DD 5.1/DTS HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

EAN: 4061229131964

 Extras in allen Versionen:

- Audiokommentar mit Regisseurin Hermine Huntgeburth & Produzent Michael Lehmann

- Premierenclip

- Musik

- Interview mit Cast und Crew

- Featurette

- Deutsche barrierefreie Fassung

 

Trailer: youtu.be/CDpFfseEG1E