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Donnerstag, 28. August 2025

Im Kino: Die Rosenschlacht (The Roses)

Theo (Benedict Cumberbatch) und Ivy (Olivia Colman) sind für ihr Umfeld das perfekte Paar. Als sich beide entschließen, ihren Lebensmittelpunkt von London nach Kalifornien zu verlegen, entwickelt er ich zu einem angesagten Architekten, während sie sich um die dort geborenen Kinder kümmert. Alles scheint perfekt, bis ein Sturm aufzieht, der buchstäblich zunächst Theos Karriere und anschließend die Harmonie ihrer Ehe zertrümmert, als Ivy als erfolgreiche Köchin durchstartet…

Diese Geschichte, basierend auf dem Roman „Der Rosenkrieg“, wurde bereits 1989 grandios mit Michael Douglas und Kathleen Turner verfilmt, die Älteren werden sich erinnern. Ein liebendes Paar, das sich auseinanderlebt, und im Laufe eines unversöhnlichen Scheidungskriegs seine einstige Liebe auf dem Altar des Hasses zu Grabe trägt, das bietet Stoff für eine genüsslich zelebrierte Orgie der Gemeinheiten. Von zunächst bissigen Kommentaren gegen den jeweils anderen, über verbale, bis zu immer physischer werdende Attacken – die Bühne ist eine weite, und wird auch in dieser Neuauflage genüsslich bespielt.

Während für mich die Chemie zwischen den Hauptdarstellern – jeweils Schwergewichte des britischen Kinos – zunächst nicht so recht zündete, dürfen beide im Folgenden ihrem Affen Zucker geben, und das machen sie so großartig, dass kein Auge trocken bleibt. Die Episoden, die sich den beiden heranwachsenden Kindern widmen, tragen nichts Wesentliches zur Handlung bei und wirken eher wie ein Sandkorn im Getriebe, dafür entwickeln sich die Interaktionen des sich immer erbitterter hassenden Paares umso vehementer.

Es braucht ein wenig, bis die Handlung vom anfänglich süßlichen Liebesgeflüster bis zum furiosen Ende Fahrt aufnimmt, aber dann geht es rund in einer Eskalation des Hasses, bei der natürlich auch den jeweiligen Anwält:innen die gebührende Rolle eingeräumt wird – großartig: Allison Janney –  und dann macht das Ganze,  trotz aller Bitterkeit, die das Scheitern einer Ehe mit sich bringt, unbändigen Spaß, was vor allem natürlich den beiden Vollblutakteuren Colman und Cumberbatch zu verdanken ist.

 

 

 

Regie: Jay Roach

Drehbuch: Tony McNamara, b/a Roman von Warren Adler

Kamera: Florian Hoffmeister

Schnitt: Jon Poll

Musik: Theodore Shapiro

 

Besetzung:

Olivia Colman, Benedict Cumberbatch, Kate McKinnon, Andy Samberg, Ncuti Gatwa, Jamie Demetriou, Allison Janney

 

 

Walt Disney/ 20th Century Studios/ Searchlight Pictures

2025

105 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 28. August 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=KunSqE7sZOM (Deutsch)

  https://www.youtube.com/watch?v=xfygPZvQN8o&pp=0gcJCf8Ao7VqN5tD (Englisch)

 

Montag, 28. April 2025

Im Kino: Volveréis - Ein fast klassischer Liebesfilm (Volveréis)

Als Filmemacherin Ale (Itsaso Arana) und Schauspieler Álex (Jonás Trueba) beschließen, nach 15 Jahren auseinanderzugehen, soll dies ebenso zelebriert werden, wie normalerweise eine Hochzeit und so bereiten sie ein Fest mit Familie und allen Freunden vor, getreu einer Lebensweisheit von Ales Vater, der immer schon fand, dass auch ein solches Ereignis gebührend mit einer großen Party gefeiert werden sollte…

Nicht vielen Paaren, die sich einvernehmlich trennen wollen, gelingt dies am Ende auch, eine gemeinsame Trennungs-Party mit allen Freunden und Verwandten auf die Beine zu stellen, ist daher eine durchaus charmante Idee, die der Film mit leichter Hand und in gelöster Stimmung ausbreitet. Bevor es soweit ist, werden aber auch die Folgen selbst einer freundschaftlichen Trennung an sich beleuchtet, wer behält die Wohnung, die Möbel, was sagen die von diesem Schritt überraschten gemeinsamen Freunde dazu, wie wird man sich zukünftig mit ihnen treffen, es ist eben in jedem Fall ein neuer Lebensabschnitt.

An manchen Stellen gerät das Ganze etwas zu redundant, wenn eine Spur zu oft immer dieselben Phrasen wiederholt werden, überhaupt wird viel geredet, Erinnerungen an den französischen Regisseur Éric Rohmer werden geweckt, für die einen wahrscheinlich mit Freude, für andere eher mit Schaudern.

Aber Reden ist am Ende doch schöner und zivilisierter als Streiten, und zivilisiert geht das Paar in Trennung miteinander um, ein ermutigendes Beispiel, dass es auch so gehen kann, und wer weiß – der spanische Titel deutet es an – vielleicht kommen sie irgendwie und irgendwann doch wieder zusammen…

 

  
Regie: Jonás Trueba

Drehbuch: Jonás Trueba, Itsaso Arana, Vito Sanz, b/a einem Satz von Fernando Trueba

Kamera: Santiago Racaj

Schnitt: Marta Velasco

Musik: Iman Amar, Guillermo Briales, Ana Valladeres

 

Besetzung:

Vito Sanz, Itsaso Arana, Fernando Trueba, Andrés Gertrúdix

 

Los Illusos Films/ Piffl Medien

2024

114 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 01. Mai 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=eBpdwk3-TvA

https://www.youtube.com/watch?v=gJA4AYAPWqU (Spanisch)

Dienstag, 23. April 2024

Im Kino: Sterben

Tom Lunies (Lars Eidinger) ist Dirigent und eigentlich im richtigen Alter für eine Midlife-Krise, kommt aber nicht dazu, weil um ihn herum alles auseinander zu brechen scheint: Seine alten Eltern (Corinna Harfouch, Hans-Uwe Bauer) sind dement bzw. todkrank, seine Schwester (Lilith Stangenberg) schlittert von einer Katastrophe in die nächste, sein bester Freund (Robert Gwisdek) ist depressiv und seine Ex-Freundin (Anna Bederke) ist schwanger und bekommt das Kind eines anderen, das ihm selbst verwehrt geblieben ist…

Trotz der eigentlich unmöglichen Länge schafft es der Film, dass Interesse und Aufmerksamkeit nicht nachlassen, weil die Geschichte, die laut eigener Aussage des Regisseurs Matthias Glasner autobiographische Züge trägt, mehrfach einen Perspektivwechsel vollzieht.

Stehen am Anfang Toms alte Eltern, die sichtlich ihren Alltag nicht mehr bewältigen können, im Fokus, verschiebt sich dieser später auf Tom selbst und schließlich auf Schwester Ellen, und stets ist man, dank der hervorragenden Darsteller, die intensiv agieren und immer präsent sind, dabei aber nie zu dick auftragen, mittendrin im Geschehen.

Der Filmtitel bezieht sich eigentlich auf eine Komposition von Freund Bernard, die Tom zur Aufführung bringen will, ein Kraftakt für beide, denn Bernard steckt voller Selbstzweifel. Im Grunde aber beleuchtet der Film das Leben und alle Dramatik, die es so mit sich bringt. Es geht um Liebe, Beziehungen, Alter, Krankheit, und natürlich am Ende auch um den Tod, den Schlaf, der das Herzweh und die tausend Stöße endet, die unseres Fleisches Erbteil…

Dass man zum Schluss nicht selbst in tiefe Depression versinkt, ist dem bei allem Schmerz immer wieder aufblitzenden Humor des Films zu verdanken, der für manch abstruse und urkomische Situationen sorgt, etwas, das eben auch zum Leben, und möglicherweise auch zum Sterben, dazu gehört. Es gibt also Hoffnung, dass es auf jeden Fall immer weiter gehen wird, und in diesem Sinne hätte man den Akteuren des Films auch immer weiter zusehen können, ohne dass es jemals langweilig werden könnte, denn nichts ist spannender, als das Leben!

 

 

Regie: Matthias Glasner

Drehbuch: Matthias Glasner

Kamera: Jakub Bejnarowicz

Schnitt: Heike Gnida

Musik: Lorenz Dangel

 

Besetzung:

Corinna Harfouch, Lars Eidinger, Hans-Uwe Bauer, Lilith Stangenberg, Robert Gwisdek, Ronald Zehrfeld, Anna Bederke, Saskia Rosendahl

 

Senator Filmproduktion

2024

183 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 25. April 2024

 

Trailer:

https://www.youtube.com/watch?v=cj2uBiqWpl0

 

Sonntag, 4. Februar 2024

Im Kino: All Of Us Strangers

Adam (Andrew Scott) ist Schriftsteller und lebt in einem verlassenen Hochhaus. Als er eines Tages einen Mitbewohner namens Harry (Paul Mescal) trifft, gehen die beiden nach Adams anfänglichem Zögern eine Beziehung ein. Gleichzeitig macht er, der gerade an einer Geschichte über seine Kindheit arbeitet, die mysteriöse Erfahrung, beim Besuch seines ehemaligen Elternhauses dort auf seine Mutter (Claire Foy) und seinen Vater (Jamie Bell) zu treffen. Allerdings sind beide bereits lange tot, bei einem tragischen Autounfall verstorben, als Adam gerade 12 Jahre alt war…

Der Film nimmt uns mit auf die Reise eines einsamen Menschen in seine Vergangenheit. Was auf den ersten Blick obskur und unglaubwürdig klingen mag, entwickelt durch die Macht der Bilder und der grandiosen musikalischen Untermalung, vor allem aber durch die großartigen Darsteller, einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Das scheinbar Irreale ist auf einmal plausibel und eröffnet fantastische Dimensionen, wer hätte nicht einmal den Wunsch gehabt, noch einmal einem lieben Verstorbenen Dinge zu sagen, die man zu Lebzeiten versäumt hat oder Missverständnisse, die durch den Tod auf immer bestehen bleiben, doch noch zu klären?

Besonders reizvoll ist, dass Adam seinen Eltern quasi auf Augenhöhe begegnet, denn sie sind so alt, wie sie damals waren, als sie starben und damit sogar etwas jünger als Adam jetzt. Aus dieser Konstellation entwickeln sich an Herz und Nieren gehende Gespräche, Adam erkennt, wie wenig Verständnis er von den Eltern als Kind erfahren hat, gleichzeitig gab es schöne und harmonische Situationen, an die sich alle drei gleichermaßen gerne erinnern. Es gab durchaus Momente von Geborgenheit, welche ihm durch den Tod der Eltern so früh genommen wurde, was ihn zu dem Menschen hat werden lassen, der er heute ist, offensichtlich immer noch auf der Suche danach.

Dass er diese Geborgenheit bisher noch nicht wieder gefunden hat, zeigt sein absolut zurückgezogenes Leben, das er inmitten einer Großstadt wie London in vollkommener Einsamkeit zu führen scheint. Diese Vereinsamung von Menschen, umgeben von so vielen anderen, zu denen man aber keinen wirklichen Bezug hat, ist ein Thema, das in Zeiten von Social Media und Homeoffice von brennender Aktualität ist und einen weiteren Nerv beim Zusehen trifft.

Hoffnung kommt auf durch die Beziehung zu Harry, die sich nach anfänglichem Zögern vorsichtig zärtlich entwickelt. Auch Harry ist einsam und es scheinen sich zwei verwandte Seelen gefunden zu haben, obwohl beide auf den ersten Blick mehr trennt als verbindet. Adams Versuch, beide Ebenen, die Besuche bei seinen Eltern und seinen neuen Freund, miteinander zu verbinden, scheitert, ob er am Ende trotzdem Erlösung findet, mag jede Zuschauerin und jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.  

Der Film wartet mit all den großen Gefühle wie Trauer, Angst, Verlangen nach Liebe, Geborgenheit, Zärtlichkeit, aber auch Aufarbeitung von Traumata und Vergebung auf, man könnte fast befürchten, zu viel für einen Kinoabend, aber alles ist so meisterlich in Szene gesetzt und in sich stimmig, wie bei einem perfekt orchestrierten Musikstück, das die Saiten aller beteiligten Instrumente harmonisch zum Schwingen bringt, bis am Ende ein emotionales Kunstwerk entsteht, das niemanden unberührt lässt.

Neben der brillanten Regiearbeit sind es die Darsteller, die den Film, der so leicht ins Kitschige hätte abgleiten können, stets glaubwürdig ausbalancieren, und allen voran ist es Andrew Scott, der durch seine bloße Präsenz und ohne effektheischende Mätzchen seiner Figur und damit der ganzen Geschichte eine emotionale Tiefe verleiht, die aus einem ungewöhnlichen einen außergewöhnlichen Film hat werden lassen, der einen noch lange nach Verlassen des Kinos nicht loslassen will!

 

 

Regie: Andrew Haig

Drehbuch: Andrew Haigh, b/a dem Roman von Taichi Yamada

Kamera: Jamie Ramsay

Schnitt: Jonathan Alberts

Musik: Emilie Levienaise-Farrouch

 

Besetzung:

Andrew Scott, Paul Mescal, Claire Foy, Jamie Bell

 

105 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 08. Februar 2024

 

Trailer:

https://www.youtube.com/watch?v=Bk27CxEgMh4 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=ECymRi3mHyc

https://www.youtube.com/watch?v=O97iSjvqBlY (Englisch)

Donnerstag, 21. Dezember 2023

Heimkino: Past Lives – In einem anderen Leben (Past Lives)

Als Kind wandert Nora (Greta Lee) mit ihrer Familie von Korea nach Kanada aus und sie muss ihren Jugendfreund Hae-Sung (Teo Yoo) zurücklassen. Zwölf Jahre später, als sie schon als Theaterautorin in New York lebt, tritt Hae-Sung mit ihr über das Internet in Kontakt, aber es dauert noch einmal weitere zwölf Jahre, bis sich die beiden wiedersehen, und da ist Nora mit dem Autorenkollegen Arthur (John Magaro) verheiratet…

In-Yun – das beschreibt im Koreanischen die Verbindung zweier Menschen, die sich über mehrere Leben aufbaut, bis die beiden irgendwann in einem Leben zusammenfinden, das Problem ist, dass man nicht sicher sein kann, ob man sich bereits in der endgültigen, oder immer noch in einer „Vorbereitungsphase“ befindet. So geht es Nora und Hae-Sung, die zunächst schicksalhaft getrennt werden und sich erst 24 Jahre später wieder treffen. Beide spüren eine innige Verbundenheit, können sich aber nicht sicher sein, ob es für dieses Leben nicht bereits zu spät ist, da sich ihre Wege nicht wirklich vereinen.

Aus diesem Dilemma ist ein berührender, trauriger, aber auch wunderschöner Film entstanden, in dem nicht unbedingt so viel über die tiefen Geheimnisse des Lebens geredet wird, sondern auch über viel Alltägliches. Dennoch wird das Wesentliche gesagt, und in jedem Bild werden die darunter liegenden Emotionen transportiert, die in die Tiefen einer allumfassenden Verbundenheit führen, die vielleicht tatsächlich in diesem Leben nicht mehr vollendet wird, aber dann sicher im nächsten, irgendwie eine bei aller Tragik doch tröstliche Botschaft für Liebende...

Wer den Film dieses Jahr im Kino verpasst hat und wer gefühlvolle Geschichten mit hervorragenden Darstellern mag, sollte das Versäumte unbedingt im Heimkino nachholen.

 

 

Regie: Celine Song

Drehbuch: Celine Song

Kamera: Shabier Kirchner

Schnitt:Keith Fraase

Musik: Christopher Bear, Daniel Rossen

 

Besetzung:

Greta Lee, Teo Yoo, John Magaro

 

A24/Killer Films/ ArtHaus/ StudioCanal

2023

102 min.

FSK 0

Seit 16. November 2023 auf DVD/ Blu-ray

Sprache: Deutsch/ Koreanisch; Englisch/ Koreanisch

Untertitel: Deutsch

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=mLXCXQ9dVwY (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=kA244xewjcI (Englisch)

 

 

Mittwoch, 4. Oktober 2023

Heimkino: The Pursuit of Love

Im England der 1920ger Jahre, der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, träumen Linda Radlett (Lily James) und Fanny Logan (Emily Beecham), gleichzeitig Cousinen und beste Freundinnen, von Liebe und Romantik, aber auch davon, aus ihrem öden Leben auf dem Land auszubrechen, das für junge Mädchen nichts wirklich Aufregendes bereithält. Von dem exzentrischen Nachbarn, Lord Merlin (Andrew Scott), inspiriert, versucht Linda Radlett das Leben zu führen, das sie sich erträumt, aber auch aus dem schönsten Traum gibt es irgendwann einmal ein Erwachen…

Diese Miniserie aus dem Jahr 2021 bietet in drei Episoden von jeweils etwa einer Stunde Laufzeit auf leichte und beschwingte Weise einen vergnüglichen Einblick in das Leben zweier jungen Frauen, die das Korsett, in dem sie eingeschnürt sind, zu sprengen versuchen. Obwohl beste Freundinnen, sind beide letztlich doch so unterschiedlich, dass ihre Lebenswege sich mehr und mehr voneinander entfernen, je erwachsener sie werden, aber die schönste Botschaft dieser Geschichte ist, dass das Band ihrer Liebe und Freundschaft zueinander allen Irrungen und Wirrungen zum Trotz hält.

Die gut geschriebene und liebevoll in Szene gesetzte Geschichte wird von ihren zwei wunderbaren Darstellerinnen getragen und die ebenfalls bestens besetzten Nebenfiguren runden das Vergnügen ab, das allen voran Andrew Scotts exzentrischer Lord Merlin unter anderem bei seinem ikonischen Tanz als „Dandy in the Underworld“ im seidenen Pyjama abliefert, definitiv ein Hingucker auf jeder öden Party!

 


 

Regie: Emily Mortimer

Drehbuch: Emily Mortimer, b/a dem Roman von Nancy Mitford

Kamera: Zac Nicholson

Schnitt: Gareth C. Seales, Rachel Durance, Mark Elliott

Musik: Clint Mansell

 

Besetzung:

Lily James, Emily Beecham, Dominic West, Andrew Scott, Emily Mortimer, Dolly Wells, Don Heffernan,

 

BBC One/ Amazon Studios

2020/ 2021

156 min. (3 Episoden)

FSK 12

Seit 29. September auf DVD (Sprache: Deutsch, Englisch; Untertitel: Deutsch)

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=INGwTmOsLB0 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=PHPPfLSCLs8 (Englisch)

 

Dienstag, 11. Juli 2023

Im Kino: The Art of Love

Die in einer unglücklichen Ehe gefangene, nicht mehr ganz junge Bahnangestellte Eva (Alexandra Gilbreath) hat einen Weg gefunden, aus ihrem tristen Alltag ein wenig auszubrechen: sie bewertet Sexspielzeuge. Ohne diese je selbst ausprobiert zu haben sind ihre Texte so überzeugend, dass sie ausgewählt wird, zusammen mit dem Influencer Adam (Oliver Walker) ein neues, noch geheimes Projekt zu entwickeln, das die Einsamkeit vieler Menschen für immer vertreiben soll. Widerstrebend machen sich die beiden, die so gar nichts gemeinsam zu haben scheinen, ans Werk und entdecken dabei viel Neues über sich selbst und das Leben…

Viele Menschen scheinen mehr und mehr verlernt zu haben, mit anderen, realen Menschen zu interagieren, die Folge ist eine immer weiter um sich greifende Vereinsamung. Hier setzt der Film auf humorige Weise an, ohne dabei den Ernst des Themas zu ignorieren. Der Influencer Adam ist der moderne Single, der ohne Unterlass seinen Körper optimiert und die diesbezüglichen Fortschritte seiner Community im Internet mitteilt. Dafür bekommt er Anerkennung in Form von Klicks und Followern, und auch im realen Leben sind Fans begeistert, wenn sie ihm begegnen – und teilen dann dieses Foto wiederum auf ihren Social-Media-Kanälen. Eine wirkliche Beziehung oder gar Partnerschaft gibt es für Adam nicht, und als eine neue Nachbarin in sein gediegenes Appartementhaus einzieht, muss er erst wieder neu lernen, wie man sich einem echten Menschen annähert.

Die ältliche Eva wiederum lebt zwar in einer langjährigen Partnerschaft, aber Eintönigkeit und Langeweile haben jegliches Spontane und Aufregende aus ihrem Leben verdrängt, so dass auch sie zunächst einmal hilflos auf ihren neuen Job reagiert. Aber im Gegensatz zu Adam platzt ihre Schale schneller, es gelingt ihr, sich selbst von alten Zwängen frei zu machen, sie kann sogar ihrem jüngeren Kollegen auf die Sprünge helfen.

Das Projekt zur Überwindung der Einsamkeit, an dem beide arbeiten, ist zwar – noch – Science Fiction – aber letztlich die konsequente Weiterentwicklung dessen, was das soziale Leben bereits heute zum Teil ausmacht. Hier übt der Film ein wenig Gesellschaftskritik, ohne dabei den angenehm leichten Grundton zu verlieren, der diese Komödie, die sich auch am Ende jeglicher falscher und allzu billiger Erwartungen verweigert, so unterhaltsam und sehenswert macht.

 

 

Regie: Philippe Weibel

Drehbuch: Brian D. Goff, Klara Kallis, Philippe Weibel, Sarah Ashley

Kamera: Brian D. Goff

Schnitt: Alexandra Butuceanu, Luca Zuberbühler

Musik: Dan Baboulene, Dean Valentine

 

Besetzung:

Alexandra Gilbreath, Oliver Walker, Jeremy Swift, Kenneth Collard, Jasmine Blackborow, Joanne Pickard, Jun Ichikawa

 

Film Kino Text/ Netflix

106 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 13. Juli 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=2NhXUV7mpYs (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=O5WnUTv7HzQ (Englisch)

 

Mittwoch, 22. Februar 2023

Im Kino: What's Love got to do with it?

Filmemacherin Zoe (Lily James) ist – sehr zum Leidwesen ihrer Mutter Cath (Emma
Thompson) – nicht unbedingt auf der Suche nach einem Ehemann, aber nach immer wieder enttäuschenden Dates wäre eine nette Beziehung schon nicht schlecht. Als ihr Jugendfreund und Nachbar Kazim (Shazad Latif) beschließt, sich seine Ehe nach alter Tradition von seinen Eltern arrangieren zu lassen, ist Zoe zunächst entsetzt, etwas anderes als eine Verbindung aus Liebe kann sie sich überhaupt nicht vorstellen. Während sie die Hochzeitsvorbereitungen und die Eheschließung des Freundes filmisch begleitet, gibt es für sie aber auch für Kazim jede Menge neue Erkenntnisse…

Bei dem Film handelt es sich nicht um ein Bio-Pic über Tina Turner, sondern um die alte und spannende Frage, welches Konzept mehr Erfolgschancen hat: Ehen, die aus Liebe und romantischen Vorstellungen heraus geschlossen werden, oder solche, bei der ein professioneller Matchmaker seine Hand im Spiel hatte, der nach objektiven Gesichtspunkten zusammenführt, was zusammengehört?

Wenn wir uns hier im Westen naserümpfend abwenden von arrangierten Verbindungen und den vermeintlich rückständigen Kulturen, in denen diese Praxis noch immer betrieben wird, vergessen wir natürlich, dass es auch hier in gewissen Kreisen immer üblich war, nicht die Eheleute sondern deren Familien miteinander zu verbinden, um langfristige Ziele zu verfolgen. In einer unter solchen Umständen geschlossenen Ehe kam die Liebe dann eben erst später und die Scheidungsrate soll niedriger ausfallen, als bei den so romantisierten Verbindungen. In beiden Fällen lernt man den anderen sowieso erst nach der Hochzeit richtig kennen, wenn dann aber das Fundament belastbar ist, weil alle anderen Kriterien stimmen, dann spricht das eben eher gegen eine Verbindung, die auf flüchtigen und unsteten Gefühlen fußt – siehe Titel des Films. Oder vielleicht doch nicht?

Regisseur Kapur und Drehbuchautorin Khan sind in den Kulturen, die der Film beleuchtet, nämlich der britischen und der pakistanischen, zu Hause und man darf daher davon ausgehen, dass sie uns keine bloße Ansammlung von Klischees präsentieren, und so ist der Film eine richtig nette Komödie geworden, was auch an den sympathischen Hauptdarstellern liegt, die frisch an ihr Werk gehen und uns auf ihrem Weg zur Erkenntnis mitnehmen, wobei der Ausgang der Geschichte von Anfang an klar sein dürfte. Dies sollte aber nur miesepetrige ZuschauerInnen wirklich stören, die an allem etwas zu mäkeln haben, denn der Film beleuchtet sein Thema locker und unterhaltsam, und auch, wenn man natürlich am Ende nicht entscheiden kann, was richtig oder falsch ist, ist man vielleicht bereit, von einem allzu starren Dogmatismus abzurücken und Verständnis für die andere Seite zu entwickeln.

Wenn einem Film das gelingt, wäre es natürlich außergewöhnlich, und in dieser Hinsicht sollte man dann doch nicht zu viel erwarten, aber ein netter Kinoabend ist doch auch etwas wert!

 


Regie: Shekhar Kapur

Drehbuch: Jemima Khan

Kamera: Remi Adefarasin

Schnitt: Guy Bensley, Nick Moore

Musik: Nitin Sawhney

 

Besetzung:

Lily James, Shazad Latif, Emma Thompson, Oliver Chris, Nikkita Chadha, Assim Chaudhry, Nosheen Phoenix, Shabana Azmi

 

StudioCanal

2022

 108 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 23. Februar 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_fX8sGrz-nM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=0LqOp2MNwao (Englisch)