Blog-Archiv

Mittwoch, 22. April 2020

Heimkino: Red Oaks

David Meyers (Craig Roberts) steht in dieser Coming-of-Age-Geschichte vor wichtigen Entscheidungen in Bezug auf seine berufliche Zukunft. Sein Vater (Richard Kind) sähe in ihm gerne als seinen Nachfolger als Buchhalter und erwartet von David ein entsprechendes Studium, während sich David mehr für das Filmemachen interessiert. Um sich über seine Zukunft klarer zu werden, filmt und fotografiert er auf Familienfeiern und arbeitet den Sommer über im noblen Country Club „Red Oaks“ als Aushilfstennislehrer, wo auch seine Freundin Karen und sein bester Freund Wheeler (Oliver Cooper) jobben. Als er den gewieften und geschäftlich erfolgreichen Clubpräsidenten Doug Getty (Paul Reiser) und dessen Tochter Skye (Alexandra Socha) kennenlernt, macht er seine ersten entscheidenden Erfahrungen auf dem Weg ins Erwachsenenleben.
 
Die Serie ist in den gerade so angesagten 1980ger Jahren in New Jersey angesiedelt und wirft den bekannt bittersüßen Blick zurück in die Zeit des Lebens, wo nichts entschieden ist und alles noch möglich scheint. Das Umgehen mit den Erwartungen der Eltern, Freundschaften, die man nur in diesem Alter knüpft und erste sexuelle Beziehungen, alles ist gleichzeitig schwierig, aber auch aufregend und schön. Dabei ist nichts reine Freude, manches lässt verzweifeln und man tut sich schwer, weil man ahnt, dass die Weichen, die dort gestellt werden entscheidend für den Rest des Lebens sind. Aber egal, wie dieses dann verläuft, der Blick zurück ist verklärt, und genau das Gefühl fängt die Serie hervorragend ein.

Es passiert nichts wirklich Spektakuläres, aber die einzelnen Charaktere sind liebevoll gezeichnet. Craig Roberts gibt seinem David die grüblerische Unbedarftheit eines unentschlossenen jungen Mannes, während Richard Kind als Vater in vielen tragisch-komischen Momenten brilliert. Schön ist das Wiedersehen mit dem angejahrten Paul Reiser, den viele vielleicht noch aus der Serie „Verrückt nach dir“ („Mad About You“) in Erinnerung haben. Ebenso gut besetzt sind die Nebenrollen mit Jennifer Grey als Davids Mutter und Oliver Cooper als liebenswertem und treuen Freund, abgerundet wird der Cast von dem großartigen Ennis Esmer, der seiner Figur des smarten Tennislehrers Nash Gesicht und Seele gibt.

Alles in allem ein netter Ausflug in die Vergangenheit, der hilft, die aktuellen Probleme ein wenig zu vergessen.




 Regie: Hal Harley u.a.
Drehbuch: Joe Gangemi + Gregory Jacobs u.a.
Kamera: Benjamin Kasulke, Tim Orr
Schnitt: Alex Minnick u.a.
Musik: Chad Benton

Darsteller:
Craig Roberts, Alexandra Turshen, Ennis Esmer, Oliver Cooper, Richard Kind, Jennifer Grey, Paul Reiser, Alexandrea Socha

Anzahl der Staffeln: 3
Anzahl der Folgen:26 (jeweils 10 in Staffel 1&2, 6 in Staffel 3) à 30 Minuten
Sender: Amazon Prime Video
Zeitraum: 2014 - 2017

Heimkino: Mad Dogs


Die vier ehemaligen Collegefreunde Joel (Ben Chaplin), Lex (Michael Imperioli), Gus (Romany Malco) und Cobi (Steve Zahn) reisen auf Einladung ihres alten Freundes Aaron (Coby Bell) nach Belize. Dessen prächtige Villa am Strand scheint zu dokumentieren, dass Aaron es „geschafft" hat, während es bei den anderen nicht so ganz rund läuft. Was wie ein Trip ins Paradies beginnt, entwickelt sich allerdings schnell zu einem irren Albtraum, und je mehr die vier Freunde unternehmen, um sich daraus zu befreien, desto tiefer verfangen sie sich in einem Netz aus Mord, Lügen und Verrat.

Basierend auf einer Britischen Miniserie von Cris Cole aus dem Jahr 2011 ist dies ein auf 10 Folgen angelegtes Remake für das amerikanische Fernsehen. 

Mit viel schwarzem Humor, aber auch einer gehörigen Portion Spannung, entwickelt sich ein verwirrendes, böses Spiel, dem die anfangs naiven Protagonisten nicht gewachsen sind, denn alles, was sich die vier einfallen lassen, um der Situation Herr zu werden, führt zum nächsten Desaster. Was sich dem Zuschauer gleich zu Anfang aufdrängt, wird den Freunden erst nach und nach klar, dass sie nämlich sehr unterschiedliche Charaktere sind und nicht wirklich viel gemeinsam haben. Ihre Freundschaft reduziert sich am Ende auf die einst gemeinsam verbrachte kurze Phase ihres Lebens und in dieser Ausnahmesituation bleibt davon nicht mehr viel übrig. Dass der Zuschauer daran ein fast schon diabolisches Vergnügen empfindet, liegt an der immer wieder mit überraschenden Wendung aufwartenden Story und den gut aufgelegten Darstellern, die sich mit sichtlichem Vergnügen in ihr irrwitziges Abenteuer stürzen.


Regie: Charles McDougall, Uta Briesewitz, Clark Johnson u.a.
Drehbuch: Michael C. Martin u.a., b/a auf der Vorlage von Cris Cole
Kamera: Bernard Couture u.a.
Schnitt: Debbie Berman u.a.
Musik: Robert Duncan

Darsteller:
Ben Chaplin, Michael Imperioli, Romany Malco, Steve Zahn, Coby Bell, Mark Povinelli

Anzahl der Staffeln: 1
Anzahl der Folgen: 10
Sender: Amazon Prime Video
Entstehungsjahr: 2015/16

Mittwoch, 15. April 2020

Heimkino: The Farewell


Großmutter Nai Nai (Zhao Shuzhen) hat Krebs im Endstadium, aber um sie zu schonen, verschweigt man ihr die Diagnose. Damit alle sie noch einmal sehen können, kommt die in alle Winde zerstreute Familie zusammen, als Vorwand dient eine hastig arrangierte Hochzeit zwischen einem jungen Paar, das sich noch gar nicht lange kennt. Auch die in den USA geborene und in New York lebende Billi (Awkwafini) reist mit ihren Eltern nach China, aber sie kann sich lange nicht mit der von allen mitgetragenen Lüge arrangieren, gerade weil sie sich Nai Nai sehr verbunden fühlt.

Was sich wie ein Melodram anhört, ist eine zarte Komödie mit vielen wunderbaren Momenten, die sich ohne Aufdringlichkeit mit der Frage beschäftigt, ob es gute Lügen gibt und wenn ja, ob diese legitim sind. Hierbei spielt der kulturelle Hintergrund nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn gesagt wird, dass es gerade in China üblich ist, einen Todkranken durch Verschweigen der Diagnose zu schützen, denn nicht die Krankheit und der Tod sind das Schreckliche, sondern die Angst vor beidem.

Neben diesem Konflikt werden aber noch, wie nebenbei, andere Fragen aufgeworfen, wenn der eine Sohn Nai Nais, der in den USA lebt, Wert darauf legt, Amerikaner zu sein, er habe schließlich einen amerikanischen Pass, während der andere, der in Japan lebt, genauso überzeugend die Einstellung vertritt, er bleibe immer Chinese, egal mit welchem Pass. In der Figur der Billi wird diese Zerrissenheit am deutlichsten, sie, die fast 30-Jährige, deren Leben bisher eher mäßig erfolgreich verläuft, fühlt sich, obwohl in den USA geboren und der chinesischen Sprache nicht mehr richtig mächtig, der alten Heimat gleichzeitig fremd und verbunden, was sich vor allem in der Beziehung zu ihrer Nai Nai (dem Kosewort für die Goßmutter väterlicherseits) widerspiegelt. 

Und gerade die Nähe beider zueinander macht den Zwiespalt so deutlich, zu entscheiden, ob ein Todkranker das Recht auf die Wahrheit hat, oder ob man ihn unbeschwert sein Leben zu Ende leben lässt. Billi fügt sich schließlich der Familie, und am Ende hat man das Gefühl, sie tut dies nicht mehr widerwillig, sondern aus innerer Überzeugung und hat damit einen wichtigen Schritt hin zu ihrer eigenen Identität getan.

Ein Film, der seinem Thema die Last nimmt, ohne es auf die leichte Schulter zu nehmen, sehr zu empfehlen, gerade in diesen Tagen.




Regie: Lulu Wang
Drehbuch: Lulu Wang
Kamera: Anna Franquesa Solano
Schnitt: Matt Friedman, Michael Taylor
Musik: Alex Weston

Darsteller:
Zhao Shuzhen, Awkwafina, X Mayo, Diana Lin, Tzi Ma,

DCM/ Universum Spielfilm
FSK 12
DVD-/Blu-ray-Veröffentlichung: 17. April 2020

Details DVD:
Laufzeit: ca. 96 min.
Bildformat: 2,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: DD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch/Mandarin
Untertitel: Deutsch, Englisch
EAN: 4061229124102

Details Blu-ray:
Laufzeit: ca. 100 min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p/24)
Ton: DD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch/Mandarin
Untertitel: Deutsch, Englisch
EAN: 4061229124119

Trailer:

Freitag, 3. April 2020

Heimkino: Colony - Staffel 1


Staffel 1 der Science-Fiction-Serie führt ein in die Welt unter der Herrschaft fremder Invasoren. Die Kolonie Los Angeles ist in Blocks unterteilt, die jeweils durch hohe Mauern voneinander getrennt sind. Die Besatzer – „Hosts“ genannt – haben eine aus rekrutierten Menschen bestehende Übergangsregierung eingesetzt, für Recht und Ordnung sorgen die „Rothüte“ („Redhats"), eine brutale Spezialeinheit.
Der ehemalige Special Forces-Soldat Will Bowman (Josh Holloway) und seine Frau Katie (Sarah Wayne Callies) wurden bei der Ankunft der Invasoren – der „Arrival“ – von einem ihrer Kinder getrennt, das nun in einem anderen Block lebt. Will versucht alles, seinen Sohn Charlie zu finden und erhält von dem einflussreichen Politiker Alan „Proxy“ Snyder (Peter Jacobson) ein unmoralisches Angebot: um Charlie zurückzubekommen soll er helfen, den gegen die Besatzer gerichteten Widerstand zu zerschlagen. Will weiß nicht, dass Katie Teil einer Widerstandszelle ist, die in Wills Arbeit für die Besatzer die Chance sieht, an Informationen aus erster Hand zu kommen – eine Zerreißprobe für die gesamte Familie!

Die düstere Dystopie, die nicht einmal in ferner Zukunft angesiedelt ist, über ein Ereignis, das das bisher gewohnte Leben komplett aus der Bahn wirft – hier: die Ankunft der Invasoren – erhält gerade jetzt, in Zeiten von „Corona“, beklemmende Realität – also eigentlich nichts für entspannte Stunden vor dem Bildschirm und keine Eskapismus-Strategie in schweren Zeiten. Wer sich jedoch davon nicht abschrecken lässt erlebt eine zwar konventionell erzählte aber dennoch spannende und letztlich zeitlose Story.

Es geht um Loyalität, Familie, Mut und Zusammenhalt, Macht und politische Intrigen, bei der die Gefahr von außen in Gestalt der Invasoren zunächst nur wenig sichtbar ist. Hin und wieder überfliegen ein paar ihrer Killerdrohnen die Stadt, ansonsten sorgen die für die Besatzer tätigen Menschen untereinander für Angst und Schrecken. Das Regime zeigt faschistische Elemente, die Überstellung von Gefangenen in ein Arbeitslager – die „Factory“ – erinnert stark an KZ-Praktiken. Es gibt Knappheit an Gütern für das gemeine Volk, während es sich die Privilegierten in einer „Green Zone“ gut gehen lassen, wieder andere formieren sich in geheimen Zirkeln zum Widerstand und schrecken dabei nicht vor Mord und Attentaten zurück.

Die Frage, wer auf der richtigen Seite steht – die Marionettenregierung oder die Résistance – durchzieht die Geschichte und für diesen Konflikt steht beispielhaft die Familie Bowman. Josh Holloway gibt den kampferprobten Soldaten mit Holzfällercharme, Sarah Wayne Callies gelingt es, seiner Frau Katie verschiedene Facetten zu geben, mal wirkt sie taff und entschlossen, dann wieder zweifelnd, während sie mit allen Mitteln versucht, ihre Loyalität, die sie beiden Seiten versprochen hat, auszutarieren. Auch die anderen Figuren gehorchen zwar den Regeln des Genres, bieten aber genug Widersprüchlichkeiten, um sie nicht allzu platt und holzschnittartig wirken zu lassen.

Alles in allem eine durchaus sehenswerte Serie, die zum Schluss der letzten Folge der ersten Staffel genug offene Enden für eine Fortsetzung hinterlassen hat, die mit Spannung erwartet werden darf.


USA 2016
Genre: Sci-Fi-Serie
Altersfreigabe: FSK 16
Verleih: Pandastorm
VÖ DVD u. Blu-ray: 03.04.2020

Darsteller:
Josh Holloway, Sarah Wayne Callies, Peter Jacobson, Tory Kittles, Isabella Crovetti, Alex Neustaedter, Amanda Righetti, Carl Weathers, Paul Guilfoyle


Details DVD:
Anzahl Discs: 3
Laufzeit: 411 Min.
Bildformat: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Episodenguide, Deleted Scenes, Featurette "Colony: Behind the Wall“

Details Blu-ray:
Anzahl Discs: 2
Laufzeit: 428 Min.
Bildformat: 1,78:1 (16:9) / 1080p24 / AVC
Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1, Englisch DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Episodenguide, Deleted Scenes, Featurette "Colony: Behind the Wall



Dienstag, 10. März 2020

Film-Rezensionen: New York - Die Welt vor deinen Füßen (The World Before Your Feet)


Der Amerikaner Matt Green ist gut zu Fuß: Nach einem Marsch von Küste zu Küste quer durch die Vereinigten Staaten nimmt er sich vor, jede Straße und jede Gasse in allen Stadtbezirken von New York City zu durchwandern, einschließlich aller Parks und Friedhöfe, insgesamt eine „Reise" von mehr als 8000 km. 
Durch Greens regelmäßigen Onlineblog auf ihn aufmerksam geworden, begleitet der Filmemacher Jeremy Workman Matt eine Zeit lang, und aus dem gesamten Bildmaterial ist dieser Film entstanden. Wer ein Hochglanzporträt von New York erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, denn es geht vielfach in eher unbekannte Gegenden, und der Film bietet auch keine strukturierte Wanderung, sondern nähert sich seinem Thema mit immer neuen Ansatzpunkten und unter immer neuen Vorzeichen. Mal sind es besondere Pflanzen, die Green auffallen, mal originelle Friseurschilder, oder alle Zeichen, die an 9/11 erinnern, er hat seine Augen offen für alles. 

Green, der seine Wanderung nicht begonnen hat, um Filmstar zu werden, der seinen gutbezahlten Job und seine Wohnung aufgegeben hat, bei Freunden wohnt und von Ersparnissen und Verdiensten als Baby-, Katzen- und Hundesitter lebt, kann kein wirkliches Ziel und keine Gründe angeben, wenn er auf seiner Wanderung denjenigen, denen er begegnet und die ihn fragen, unzählige Male erklärt, was er macht. 

Er geht einfach, und überlässt es anderen, dem Ganzen einen Sinn zu geben, er braucht augenscheinlich keinen, sondern macht einfach, was er macht. Dank Filmemacher Workman ist am Ende das spannende Porträt eines scheinbar ziellosen Menschen mit einem starken Willen und einer faszinierenden Stadt entstanden, in jeder Hinsicht außergewöhnlich und sehenswert.


Regie: Jeremy Workman
Kamera: Jeremy Workman
Schnitt: Jeremy Workman
Musik: Max Avery Lichtenstein, Carly Comando, Helen Jane Long, Rhonda Mackert, Tom Rosenthal

Darsteller: Matt Green + Die Straßen von New York

Happy Entertainment
Dokumentarfilm, 95 min.
USA 2018
FSK 0
Deutscher Kinostart: 12. März 2020



Dienstag, 3. März 2020

Film-Rezensionen: Emma (Emma.)


England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Emma Woodhouse (Anya Taylor-Joy) gehört zur High Society im ländlichen Highbury nahe London. Sie ist jung, hübsch und eingebildet, und es macht ihr Spaß andere miteinander zu verkuppeln, während ihr für sich selbst, wählerisch wie sie ist, kein Kandidat gut genug zu sein scheint. 

Ihre Wahl für Freundin Harriet (Mia Goth) macht diese zunächst nur unglücklich und hierfür muss sich Emma von George Knightley (Johnny Flynn), einem Freund der Familie, auch gehörig den Kopf waschen lassen. Aber es dauert ziemlich lange, bis Emma mehr in ihm sieht als einen krittelnden Spötter.

In dieser neuen Verfilmung des Jane-Austen-Romans darf Anya Taylor-Joy ihrer Emma etwas mehr Schärfe geben als zuletzt Gwyneth Paltrow in der 1996-ger Version, und dies hat dem Film nicht geschadet. Es bleibt zwar ein Gesellschafts- und Sittengemälde aus längst vergangenen Tagen, aber das Zeitlose des Beziehungenknüpfens wird in opulenten Bildern, die wahrhaftig an Gemälde alter Meister erinnern, auch für den heutigen Zuschauer sehenswert aufbereitet. Die Figuren bewegen sich im Rhythmus ihrer Zeit, wer sich darauf einlässt, erfährt eine wunderbare Entschleunigung. 

Den leicht ironischen Unterton Jane Austens, die ihre Figuren, dabei vor allem die Frauen, trotz allem ernst nimmt, schwingt ebenso mit, wie die Überzeichnung einiger männlicher Protagonisten, die nicht immer gut wegkommen, wie der schmierige Pfaffe Mr. Elton (Josh O’Connor), ein Ausbund an Bigotterie, oder Emmas Vater, der sanfte Mr. Woodhouse (hervorragend interpretiert von Bill Nighy), bei dem nicht immer klar wird, ob er alles durchschaut, was seine Tochter so treibt. 

Wer sich für zwei Stunden in vergangenen opulenten Bildern mit wunderschönen optischen Arrangements und geschnörkelten Dialogen verlieren und dabei den Geist Jane Austens spüren möchte, der ist bei diesem Film bestens aufgehoben. Wem dies nicht liegt, dem wird der Lauf der Jahreszeiten, über die sich die Handlung erstreckt, lang werden.
 


Regie: Autumn de Wilde
Drehbuch: Eleanor Catton, b/a Roman von Jane Austen
Kamera: Christopher Blauvelt
Schnitt: Nick Emerson
Musik: David Schweitzer, Isobel Waller-Bridge

Darsteller:
Anya Taylor-Joy, Johnny Flynn, Bill Nighy, Mia Goth, Myra McFadyen, Josh O’Connor, Callum Turner, Rupert Graves, Miranda Hart


Working Title Pictures/ Universal International Pictures (UPI)
125 min.
FSK 0
Deutscher Kinostart: 05. März 2020


Film-Rezensionen: Onward - Keine halben Sachen (Onward)


Früher war mehr Magie… Ian Lightfoot und sein älterer Bruder Barley leben in einer Elfenwelt, wo es zwar jede Menge Fabelwesen gibt – der Haushund ist ein vorwitziger Drache und der neue Freund der Mutter ein Zentaur in Polizeiuniform – aber ansonsten hat die Moderne Einzug gehalten. 

An seinem 16. Geburtstag wird dem schüchternen Ian wieder einmal bewusst, wie sehr er den früh verstorbenen Vater vermisst, aber dann erhält er die Gelegenheit, sich selbst in lang vergessen geglaubter Magie zu versuchen und den Vater für einen Tag auf die Erde zurückzuholen. Leider gelingt dies buchstäblich nur halb und plötzlich steht dessen in Hose und Schuhe gekleideter Unterkörper im Zimmer. Ian und Barley haben nur 24 Stunden Zeit, auch den Rest zu materialisieren und begeben sich zusammen auf eine abenteuerliche Suche nach den fehlenden Zutaten für den Zauber, bei der sie unter anderem von einem domestizierten Mantikor unterstützt werden, doch die Zeit rinnt ihnen davon...

Der neue Film aus dem Hause Pixar enttäuscht die Erwartungen nicht, er ist witzig, voller fantasievoller und schräger Ideen und wunderbar umgesetzt. So real die Figuren in Mimik und Gestik auch agieren, es bleiben Animationen und das verleiht ihnen den Charme, der den animierten Realfiguren im „König der Löwen“ leider verloren gegangen ist.

Bestechend ist die gewohnte Liebe zum Detail – hier sei der langsam wachsende zarte Flaum an Barleys Kinn erwähnt – aber auch das Füllhorn an Ideen und Charakteren, die die Leinwand bevölkern, wie zum Beispiel eine Horde winziger, geflügelter, schriller Rocker auf riesigen Maschinen. Alte Mythen, wie der des furchterregende Mantikor, werden heraufbeschworen, um sie augenzwinkernd ein bisschen durch den Kakao zu ziehen, ohne sie jedoch lächerlich zu machen, selbst einem furchterregenden Fluch wird durch einen hübschen Gag der Schrecken genommen, auch wenn es bis zum Schluss eine ernsthafte Aufgabe zu lösen gilt. Und das Ende, das so kitschig und schmalzig hätte werden können, ist ganz zart und anrührend, und damit beschert ausgerechnet ein Animationsfilm einen der bislang bewegendsten Momente des noch jungen Filmjahres.

Alles in allem ein Film für Kinder, aber auch alle Eltern, solange diese ihren Sinn für die magische Welt neben der unseren nicht verloren haben.




Regie: Dan Scanlon
Drehbuch: Dan Scanlon, Jason Headley, Keith Bunin
Kamera: Sharon Callahan, Adam Habib
Schnitt: Catherine Apple
Musik: Jeff und Mychael Danna

Originalsprecher:
Tom Holland, Chris Pratt, Julia Louis-Dreyfus, Octavia Spencer, Tracey Ullman, Mel Rodriguez

 Walt Disney Pictures/ Pixar
FSK 0
102 min.
Deutscher Kinostart: 05. März 2020