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Dienstag, 12. Juli 2016

Film-Rezensionen: X-Men-Days of Future Past (2014) (Deutsch)


X-Men: Days of Future Past


Mit Beginn des Films erleben wir die Gemeinschaft der Mutanten in ihrer dunkelsten Stunde. Der Spezies des Homo sapiens ist es endlich gelungen, eine finale Waffe gegen die in ihren Augen gefährliche Konkurrenz zu entwickeln und dieses Mal gibt es kein Entkommen. Die letzte verbliebene Gruppe, unter ihnen Professor Xavier, Magneto, Storm, Kitty Pryde und Logan, kämpft verzweifelt gegen ihren endgültigen Untergang, während die meisten ihrer Gefährten bereits tot sind. Aber ihr Kampf ist aussichtlos, gegen die Waffe der Menschen gibt es keine Mittel mehr. Sogenannte Sentinels, riesige Roboter, mit einem Sensor ausgestattet, der sie jeden Mutanten aufspüren lässt, eliminieren alles mutantische Leben mit tödlicher Präzision. Entwickelt wurden die Sentinels in den 70er Jahren des 20.Jahrhunderts in den Laboren der Trask Company unter der Leitung von Dr. Bolivar Trask, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Menschheit ein für alle Mal von der Gefahr in Gestalt der Mutanten zu befreien. Sein Programm war nicht unumstritten, aber ausgerechnet ein Mutant, brachte die Wende, wenn auch unbeabsichtigt: Mystique, auf einem Rachfeldzug gegen alle Feinde der Mutanten, hatte in Trask den Schlimmsten gesehen und ihn ermordet, woraufhin das Sentinel-Programm etabliert und der Untergang der Mutanten endgültig besiegelt wurde.



Es waren stets deren unheimliche Fähigkeiten, durch die sich die Menschen bedroht fühlten, und genau diese Fähigkeiten eröffnen dann doch eine allerletzte Chance, die vom Untergang bedrohte Spezies noch zu retten. Kitty Pryde ist in der Lage, jemanden durch die Zeit zu schicken und so sendet man Logan in die Vergangenheit, in das Jahr 1973, um Mystique an der Ausführung ihrer Tat zu hindern. Er ist der einzige, der für diese Mission in Frage kommt, da nur er aufgrund seiner Selbstheilungskräfte die physischen Strapazen der Zeitreise überleben kann. Seine Aufgabe besteht darin, Mystique aufzuspüren (was bei einem Gestaltwandler nicht ganz einfach ist) und die Ermordung Trasks zu verhindern. Zu diesem Zweck muss er ein Team zusammenstellen, bestehend aus den jüngeren Ausgaben von Charles Xavier, Hank McCoy und Magneto. Ausgerechnet Logan, der Einzelkämpfer, der sich nie wirklich als Teil eines Teams gefühlt hat, muss mit Geduld und Fingerspitzengefühl – beides nicht gerade seine hervorstechendsten Charakterzüge – Charles und Magneto aus ihrer jeweiligen Gefangenschaft befreien und auf seine Seite ziehen.



Charles, immer ein offener Geist, hat kaum Probleme damit, zu glauben, dass er selbst Logan aus der Zukunft geschickt hat, aber er steckt in seiner schwersten Krise, selbstzerstörerisch, voller Zweifel und Pessimismus. Logan hat einen seiner härtesten Kämpfe um den von ihm immer bewunderten und verehrten Professor auszufechten, und dies ausnahmsweise einmal nicht mit Fäusten und Krallen. Aber es ist wunderbar zu sehen, wie er mit seiner Aufgabe wächst, bis es ihm gelingt, den wertvollen und um das Wohl von Mutanten und Menschen gleichermaßen bemühten Mann hervorzuholen, der Charles später einmal wird.



Die nächste Herausforderung ist nicht minder fordernd: Magneto ist aus einem der sichersten Gefängnisse der Welt herauszuholen – einem Raum tief unter dem Gebäude des Pentagons – in dem er seit mehr als zehn Jahren gefangengehalten wird, weil er Präsident Kennedy ermordet haben soll. Die Episode seiner Befreiung hätte Potenzial für einen ganzen Film, aber so viel Zeit gibt es nicht. Wie die Aktion dann durchgeführt wird ist eines der vielen kleinen Meisterstücke des Films, die sich am Ende zu einem so großartigen Ergebnis – und Erlebnis – addieren! Einerseits schafft der Regisseur Bryan Singer es, die Erwartungen an einen Blockbuster-Film mit opulenten, rasanten und atemberaubenden 3D-Action-Sequenzen zu erfüllen. Andererseits baut er immer wieder liebevoll witzige kleine – und ohne Zweifel dennoch technisch anspruchsvolle – Szenen ein, die Spaß machen. Und wie Quicksilver zu den Klängen von Jim Croce’s wunderbarem Song „Time in a Bottle“ zu Werke geht ist einfach ein Ohren- und Augenschmaus!



Nachdem das Team um Logan und Charles dann steht, bewegt sich die Handlung in dramatischen Schritten – man erlebt auf der ursprünglichen Zeitebene, wie sehr es drängt, weil die Sentinel sich ihrem Ziel immer weiter annähern – ihrem Höhepunkt entgegen.



Wer bei einer Geschichte über Zeitreise und verschiedene Zeitebenen skeptisch ist, braucht nicht zu fürchten, über Ungereimtheiten zu stolpern oder sich im Raum-Zeit-Kontinuum zu verlieren, die Handlung ist plausibel und jederzeit nachvollziehbar, auch ein Kunststück, dass Singer mit seinem Drehbuchautor Simon Kinberg vollbracht hat. Singer schafft es, die „alten“ X-Men um Patrick Stewart und Sir Ian McKellan mit den jungen Generation um James McAvoy und Michael Fassbender zu einer Einheit zu verschmelzen. Das Bindeglied ist der nur sehr langsam alternde Logan, was es Hugh Jackman ermöglicht, beide Rollen zu spielen. Überhaupt besticht Singers Werk durch eine vielschichtige Charakterzeichnung, die in Action-Filmen dieser Art nicht unbedingt selbstverständlich ist, was natürlich auch seiner hervorragenden Schauspieler-Crew geschuldet ist. Bolivar Trask – mit Peter Dinklage als Gegenspieler ebenfalls bestens besetzt – ist nicht einfach ein von Hass getriebener Dr. Evil, sondern jemand, der auch das durchaus hehre Ziel verfolgt, die Menschheit nach Jahrtausenden voller Selbstzerfleischung endlich hinter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen. Dass er dies um den Preis der Auslöschung einer anderen Spezies erreichen will, ist sein Irrtum, ein Irrtum, der der menschlichen Rasse jedoch offenbar immanent ist: Töte, was Du fürchtest, oder weil es anders ist. Mystique unterliegt ihrerseits einem Irrtum, indem sie die in ihren Augen größte Gefahr für sich und ihresgleichen eliminiert. In der Gegenwart erscheint ihr ihr Handeln notwendig, bei Kenntnis der Folgen, die ihre Absicht genau ins Gegenteil verkehren, hätte sie von dem Mord Abstand genommen, wenn auch nicht aus moralischen sondern aus vernünftigen Erwägungen. Beide Figuren handeln im Moment ihrer Tat in ihren Augen richtig, wie so viele Protagonisten in der Geschichte, die für unendliches Leid und Unheil verantwortlich sind, ein Korrektiv durch die Rückschau auf bereits Geschehenes kommt immer zu spät. Aber hier eröffnet der Blick vor und zurück nun die Möglichkeit, Fehler ungeschehen zu machen, deshalb sind Zeitreisen grundsätzlich ein beliebtes Thema der Science Fiction.


Aber auch ohne sich allzusehr in solche Gedanken zu vertiefen, bietet der Film beste Unterhaltung, Kino, wie Kino eben auch sein muss, bombastisch, manchmal theatralisch, spannend und witzig, deshalb meine Empfehlung: unbedingt reingehen und für zwei Stunden in eine völlig andere Welt eintauchen!


Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Simon Kinberg, Jane Goldman (story), Mathew Vaughn
Darsteller: Hugh Jackman, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Nicholas Hoult, Ellen Page, Peter Dinklage, Evan Peters, Omar Sy, Patrick Stewart, Ian McKellen, Halle Berry, Bingbing Fan, 
Musik: John Ottman
 
 

Film-Rezensionen: X-Men-Days of Future Past (2104) (Englisch)

X-Men: Days of Future Past

At the beginning of the movie we find the community of the mutants in their darkest hour. The species of homo sapiens has finally created the ultimate weapon to beat their enemies, and this time there is no way out. The last few mutants, among them professor Xavier, Magneto, Storm, Kitty Pryde and Logan, are desperately fighting against their final defeat, while most of their companions are already dead. But this time they have no remedy against the humans and their weapon: the sentinels, giant robots with detectors to identify mutants and the formula to destroy them with deadly vigour. Those sentinels have been developed by the Trask Company in the early 70s of the 20th century, led by Dr. Bolivar Trask, who has committed himself to deliver mankind for once and for all from the evil represented by the mutants. His program has been controversial, but a mutant himself helped to install it, unintentionally though: Mystique (the young version, played by Jennifer Lawrence), raging against all enemies of the mutants, had killed Trask, who she thought the worst of all. That killing made way for the sentinel program to be fully established and the mutants were doomed.

Their mysterious gifts have always worried the humans, and now these gifts leave one last chance to survive. Kitty Pryde is able to send people through time and Logan is chosen to go back to the year 1973, to prevent Mystique from killing Trask. Logan is the only one who is able to go on this mission, because of his self healing ability only he can survive the physical stress of time travelling. He has to find Mystique (not an easy task with a shape shifter…) and stop her by all means. To succeed Logan has to form a team with the younger selves of Charles Xavier, Hank McCoy and Magneto, he, Logan, the single combatant who never felt part of a team has to free Charles and Magneto from each of their prisons by using patience and sensibility, traits that are not his strongest suit.

Charles, always open minded, doesn’t have many problems with believing that Logan was sent from the future by Charles’ older self, but he is going through a major depression, self destroying and full of doubt and pessimism. Logan has to fight one of his hardest battles against the professor who he always looked up to in awe, only this time his weapons are neither fists nor claws, and it is great to watch him grow with his task, until he finally brings out the man Charles has yet to become.

The other task is a demanding one too: to get Magneto out of the safest prisons on earth – a room deep down underneath the Pentagon, where he has been held more than ten years after allegedly killing president Kennedy. This quest has enough potential for a movie itself, yet time is limited here… But how it is done is one of the little masterpieces, that add to the superb masterpiece that is the whole movie. Bryan Singer succeeds to fulfil the expectations for a blockbuster movie, delivering opulent, fast and breathtaking 3D action scenes. But he also manages to fill in adorably funny scenes, that are full of surprises and technically challenging as well. The way Quicksilver handles the action under the soundtrack of Jim Croce’s wonderful song “Time in a bottle” is simply fabulous!

After building the team around Logan and Charles, the plot follows it’s dramatic path, forced by the Sentinels getting closer to their aim on the future timeline.

There’s no need to worry about time travelling and the different time lines, no one will stumble over plot holes or is in danger to get lost in the space time continuum. The story always follows a strict logic, that too a piece of art that Singer and his script writer Simon Kenberg create. Singer merges successfully the “old” X-Men around Patrick Stewart and Sir Ian McKellan with the young generation around James McAvoy and Michael Fassbender. The combining link is slow aging Logan, which makes it possible for Hugh Jackman to play both roles. Singer brings on excellently shaped characters with depth and emotions, a fact not easily adopted by action movies of this kind, this merit of course also goes to the brilliant cast! Bolivar Trask – superbly delivered by Peter Dinklage – is not the hate driven Dr. Evil on his way to fame and fortune. He also follows the idea of finally uniting mankind against a common enemy after thousands of years of butchering themselves. He doesn’t mind eliminating another species for it, which is his mistake, a mistake that seems to be common for the human race: kill what you fear or what is different!

Mystique’s mistake is to believe that she is eliminating the biggest menace for her species. In her eyes she does the right thing to help the community of the mutants, instead she makes way for their final elimination. From her point of view at the moment of the action she is doing the right thing, if she knew the results, she would have stopped, not for moral but logic reasons. Both, Trask and Mystique, believe to do the right thing as many before them have done in history who have been responsible for so much grief and pain, a correction by viewing it from a point afterwards comes always too late. But here by going back with the knowledge of what is to happen there is a chance to correct mistakes. For sure that’s why the time travelling theme is so common in science fiction.

But even by not going deeper into these thoughts, the movie offers the best of entertainment, the way it should be: bombastic, sometimes pathetic, with suspense and funny scenes, and therefore: definitely go see it and submerge for two hours in a complete different world!
Director: Bryan Singer
Writers: Simon Kinberg, Jane Goldman (story), Mathew Vaughn
Cast: Hugh Jackman, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Nicholas Hoult, Ellen Page, Peter Dinklage, Evan Peters, Omar Sy, Patrick Stewart, Ian McKellen, Halle Berry, Bingbing Fan, 
Music: John Ottman

Theater-Rezensionen: The River (Englisch)

"The River" - Play by Jez Butterworth

This is no review of the play "The River" with Hugh Jackman - currently on Broadway - because one can hardly write a review without giving it all away. That is already the first point why I highly recommend seeing it. Here are 4 other strong reasons:

- It is a new play. It has only been staged for a limited run in London, thus if you’re up to something that hasn’t been discussed and analysed to death, this is it!

- It is poetic and full of surprises. There are so many layers you have to dive through to get to the bottom; it is likely that everyone will come up with a different point of view. It is like looking into a flowing river, what you see in it, will be a reflection of you, your feelings and emotions. (If you don’t look close enough or without focussing, you might see nothing, but then you’d have to put the blame on you…).

- It will have you in its grip for a long time afterwards. It’s not like you leave the theatre saying: “Ok, that was wonderful. Now, where will we have dinner?” You will want to discuss it with your companions or even strangers you might meet afterwards at the stage door!

- The cast is fantastic. Hugh Jackman, Cush Jumbo and Laura Donnelly are excellent and the very intimate and very special atmosphere of the Circle in the Square Theatre lets you immerge totally into their acting.

My conclusion: Go see it! Like they say: you don’t regret the things you’ve done but those you haven’t done and you will surely regret not having taken the chance to see this play!

PS Oh, and this is NOT about Wolverine! Please resist making any allusion of that kind (as I read in some “professional” reviews), because it is lame and cheap. Hugh Jackman has a lot more to offer and after seeing him live on stage you will agree, that he’s one of the most versatile actors of our times!

Circle In The Square Theatre
235 West 50th Street New York, NY 
1:20 minutes
Closing: Feb 08, 2015

Cast:  

The Man: Hugh Jackman 
The Woman: Cush Jumbo 
The Other Woman: Laura Donnelly

Crew:

 Director: Ian Rickson 
 Set Designer: Ultz 
 Lighting Designer: Charles Balfour 
 Sound Designer: Ian Dickinson 
 Original Music: Stephen Warbeck

Theater-Rezensionen: The River

Hier meine Gedanken zu dem Theaterstück “The River”, das bis zum 08. Februar 2015 am Broadway in New York zu sehen war.
 
Das Stück spielt ausschließlich im Ambiente einer kleinen Fischerhütte an einem Fluss, es gibt nur drei(einhalb) Akteure, als da sind: "der Mann", "die Frau" und "die andere Frau"…

Der Mann bringt zu Beginn eine Frau in diese Fischerhütte, um mit ihr in einer mondlosen Augustnacht fischen zu gehen. Der Fluss und das Fischen nehmen vordergründig einen großen Raum ein, aber eigentlich geht es um Beziehungen und die Suche nach der großen Liebe.

Es sieht wie ein Test aus, den sich der Mann ausgedacht hat, um herauszufinden, ob er die „Richtige“ gefunden hat, ob sie zu ihm passt, was sich daran zeigen soll, ob sie seine Leidenschaft für das Fischen teilt. Es gibt zu Beginn ein paar durchaus witzige Wortgeplänkel, bis zu dem Moment, als die Frau beim gemeinsamen Fischen scheinbar verschwindet. Als der Mann daraufhin aufgeregt die Polizei anruft, betritt die andere Frau die Bühne, aber nur für den Zuschauer hat offensichtlich ein Wechsel stattgefunden, für die Akteure geht es einfach weiter.

Der bzw. die Frauen haben eine unterschiedlich Einstellung zum Fischen, hier hat man den Eindruck, es ist immer wieder die gleiche Geschichte, die sich für den Mann wiederholt, während er von seiner Leidenschaft manchmal regelrecht mitgerissen wird, sind die Frauen mal mäßig interessiert, mal gar nicht. Es scheint, dass sie sich nur ihm zuliebe auf den Ausflug eingelassen haben, richtig verstehen können sie ihn nicht. Für die Frauen ist allerdings wichtig, ob sie jeweils die Einzige sind, wen er noch mit dorthin gebracht hat und was aus den anderen Frauen geworden ist. Hierauf erhalten sie jedoch keine Antwort, so hartnäckig die eine oder andere auch fragt.

Eine Schlüsselszene ist der Moment, als der Mann von seinem ersten Fisch erzählt, den er mit sieben Jahren gefangen hat, von den überwältigenden Gefühlen, die er dabei empfunden hat, vor allem, als ihm der Fisch quasi im Augenblick seines höchsten Glücks entgleitet. Sein Versuch, den Fisch wiederzufinden ist natürlich aussichtslos, wer in einen Fluss schaut, erblickt in erster Linie eine Reflektion seiner selbst, ein entschwundener Fisch bleibt entschwunden.

Und so ist auch das Stück, wer immer es sich anschaut, wird wahrscheinlich etwas anderes darin sehen, abhängig von der eigenen Persönlichkeit, gespiegelt von dem seit Ewigkeit gleich fließenden Wasser, man könnte auch sagen, Leben.

Ich denke, dass der Mann einstmals seine große Liebe an den Fluss gebracht hat, die in ihm dieselben großen Gefühle ausgelöst hat, wie sein erstes Erlebnis mit dem Fisch, und diese Frau hat er verloren. Wodurch bleibt offen, sei es, dass sie ihn verlassen hat, sei es, dass sie nicht mehr lebt. Seitdem jedenfalls ist er auf der Suche nach dieser einen Frau in jeder anderen Frau, die er mit in die Hütte bringt, aber es sieht so aus, als würde es ihm nie gelingen, das Verlorene wiederzufinden, und die Erkenntnis hierüber lässt den Mann traurig und düster zurück.

Dennoch sieht es am Ende des Stücks so aus, als würde er zumindest seine Versuche nicht aufgeben, diese Liebe, die er sucht doch noch zu finden, sondern nach einem Moment der Verzweiflung, wenn es wieder nicht geklappt hat, fängt er – etwas desillusionierter aber unverdrossen – von vorne an. So sieht man ihn zum Schluss wieder seine Angelausrüstung vorbereiten, während eine dritte Frau den Platz der beiden anderen einnimmt und es entspinnt sich ein ähnliches Gespräch wie zu Anfang mit der ersten Frau.

Das Stück ist poetisch, melancholisch, düster, hat aber auch seine heiteren Momente, ganz wie das Leben, und ist erfüllt von der Sehnsucht nach der großen Liebe, die der eine vielleicht findet und der andere – leider – nicht.

Wie schon gesagt, es mag sein, dass jeder Zuschauer etwas anderes sieht. Wer allerdings gar nichts sieht, hat vielleicht die falsche Erwartung, dass hier eine fertige Geschichte erzählt wird, so wie man es bei einem herkömmlichen Theaterabend gewohnt ist. Darin, dass man quasi gezwungen wird, sich einen eigenen Reim auf das Stück zu machen, liegt der große Reiz – und natürlich in Hugh Jackmans Präsenz, der ohne Verkleidung oder sonstige Verfremdung diesen Mann so überzeugend darstellt und damit einmal mehr seine Klasse und Wandlungsfähigkeit beweist.



Circle In The Square Theatre
235 West 50th Street New York, NY 
1:20 Minuten
Letzte Vorstellung: 08. Februar 2015

Darsteller:
Der Mann: Hugh Jackman 
Die Frau: Cush Jumbo 
Die andere Frau: Laura Donnelly

Crew:
Autor: Jez Butterworth
Regie: Ian Rickson
Set Designer: Ultz
Lighting Designer: Charles Balfour
Sound Designer: Ian Dickinson
Original Music: Stephen Warbeck

Film-Rezensionen: Prisoners (2013)

Prisoners

Der Film „Prisoners“ von Denis Villeneuve nimmt den Zuschauer mit auf eine düstere, beklemmende Reise ins Herz der Finsternis.

Die Welt scheint in Ordnung für Keller Dover. Er lebt mit Frau und zwei Kindern in einem kleinen Ort in Pennsylvania, niemand sagt ihm, was er zu tun hat, das weiß er selbst am besten. Sein Motto ist: Pray for the best, but prepare for the worst, und er ist auf alles Denkbare vorbereitet, in seinem Keller lagern Vorräte und Hilfsmittel, um mindestens den dritten Weltkrieg zu überstehen.

Doch dann geschieht das Undenkbare und aus heiterem Himmel – wobei der Himmel im ganzen Film keinen noch so winzigen Sonnenstrahl bereit hält – wird für ihn und seine Frau der Albtraum aller Eltern schlechthin Wirklichkeit: Das eigene Kind verschwindet, zusammen mit der gleichaltrigen Tochter eines befreundeten Ehepaares.

Die Polizei in Gestalt des Detective Loki ermittelt und hat auch bald einen Verdächtigen, den sie jedoch nach kurzer Zeit aus Mangel an Anhaltspunkten, dass es sich bei ihm tatsächlich um den Täter handelt, wieder freilassen muss. Der junge Mann namens Alex mit dem IQ eines 10-Jährigen war zwar in der Nähe, als die Mädchen verschwanden, aber in seinem Camper finden sich keinerlei Spuren und auch nach stundenlangen Verhören ergibt sich kein konkretes Bild für die Polizei.

Keller Dover jedoch glaubt fest an die Schuld des Jungen oder zumindest an seine Beteiligung an der Entführung, und als er Detective Loki nicht überzeugen kann, sieht er sich in der Verpflichtung zu handeln – einer Verpflichtung seiner Tochter, aber auch seiner Frau und letztlich allen Eltern gegenüber. Er hatte immer die Aufgabe, seine Familie zu beschützen, und findet sich nun hilf- und machtlos in dieser Situation, in der er mit all seinen Vorbereitungen nicht weiterkommt. Der einzige Weg für ihn ist, sich des mutmaßlichen Täters zu bemächtigen und zum Reden zu bringen – mit allen Mitteln! Der Vater des anderen Mädchens unterstützt ihn nur zögerlich und schreckt irgendwann vor Kellers brutalem Vorgehen zurück, zumal die Schuld des jungen Mannes nicht einmal feststeht.

Der Film bewegt sich – hervorragend durch die düsteren Bildern des Kameramannes Roger Deakins in Szene gesetzt – fast klaustrophobisch immer wieder in engen Räumen. Gedanken und Handlung kreisen wie in einem Labyrinth ohne Ausgang – gefangen eben – bis zum furiosen und zumindest für denjenigen, der es geschafft hat, von keinem Spoiler vorab auf die richtige Spur gebracht worden zu sein, überraschenden Ende.

Von der insgesamt sehenswerten Besetzung sei Paul Dano erwähnt, der den debilen Alex zurückhaltend aber dennoch eindringlich spielt. Jake und Hughs Darstellungen sind intensiv bis fast zur Schmerzgrenze, vor allem aber Hughs Weg von anfänglicher Verzweiflung hin zur kompromisslosen Ein-Mann-muss-tun-was-ein-Mann-tun-muss-Haltung, sein Furor, der ihn jedes Maß aus den Augen verlieren lässt, ist ein packender Prozess, bei dem sich der Zuschauer die Frage stellen wird, wie weit er selbst Keller Dover folgen würde. Hierauf wird jeder – gleich ob selbst Vater, Mutter, oder auch kinderlos – seine eigene Antwort finden, und das macht „Prisoners“ so sehenswert, denn die Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit einem Thema auch nach Ende des Films gibt es im Zeitalter der mit Special-Effects überfrachteten bombastischen Action-Filme nicht mehr allzu häufig!
 
Regie: Denis Villeneuve
Darsteller: Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal, Viola Davis, Maria Bello, Terrence Howard,  Melissa Leo, Paul Dano
Drehbuch: Aaron Guzikowski   
Kamera: Roger Deakins

TV-Rezensionen (Älter): Breaking Bad

Breaking Bad

Eine Serie mit Kultstatus:  "Breaking Bad", die Geschichte von dem Chemielehrer Walter White (Bryan Cranston), der mit 50 nicht nur in eine normale Midlife Crisis rutscht, sondern auch noch erfährt, dass er Krebs hat.



Um seine (schwangere) Frau Skyler (Anna Gunn) und seinen behinderten Sohn Walter (RJ Mitte) finanziell abzusichern, setzt er seine Chemie-Kenntnisse endlich einmal für etwas Nützliches ein - der Job an der Schule ist notorisch unterbezahlt - und fängt mit einem ehemaligen Schüler Jesse Pinkman (Aaron Paul) an, Crystal Meth zu kochen, und zwar in so hervorragender Qualität, dass sich die User sämtliche Finger danach lecken. Walter White wird "Heisenberg", der Meth-König von New Mexico, und entwickelt sich vom harmlosen Lehrer zum schwerkriminellen Verbrecher, und man muss sich als Zuschauer fragen, an welcher Stelle das anfängliche Mitleid, die Sympathie, die man für die Figur hat, kippt... Die eigenen Ansprüche an Moral und Gewissen werden auf den Prüfstand gestellt, während Walter White sich langsam aber unaufhaltsam in einer tödlichen Spirale abwärts bewegt, in Regionen, aus denen es keinen Weg zurück geben kann!

TV-Rezensionen (Älter): Girls

Girls



Auch empfehlenswert: Die US-Serie "Girls" - von, mit, durch und über Lena Dunham, was der ganzen Besetzung seit 2012 diverse Auszeichnungen (Emmy, Golden Globe) eingebracht hat.



Erzählt wird die - teils autobiographische - Geschichte von Hanna Horvath (Lena Dunham) und ihren Freundinnen, dabei handelt es sich ein wenig um den Gegenentwurf von "Sex and the City". Die Geschichten spielen zwar auch in "the city" - sprich: New York - aber weder Hannah noch eine der anderen Figuren umgibt der Glamour von Carrie & Co, wohl aber die Lust auf Leben und... Sex! Der Zuschauer nimmt Anteil an diesem Leben mit Anfang 20 in der Großstadt, den verschiedenen (sexuellen) Beziehungen, der Freundschaft der Protagonistinnen untereinander, deren Hoffnungen und Träumen und den wiederholten Enttäuschungen, die Jobs und Partner bereithalten, es ist erfrischend und (im Moment noch) unkonventionell, macht Lust auf mehr!