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Montag, 28. August 2017

Film-Rezensionen: Killer's Bodyguard



Michael Bryce (Ryan Reynolds) ist Bodyguard und einer der besten seines Fachs, bis ihm ein Klient vor seinen Augen von einem Scharfschützen erschossen wird. Danach ist er nur noch ein Schatten seiner selbst und hält sich mit kleinen Aufträgen über Wasser. Die Chance, wieder in die A-Liga seiner Zunft aufzusteigen, kommt mit dem Anruf seiner Ex-Freundin, Interpolagentin Amelia Roussel (Elodie Yung). Ausgerechnet sein langjähriger Gegenspieler, der weltweit beste Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) braucht Schutz, um binnen 24 Stunden aus dem Norden Englands nach Den Haag gebracht zu werden, wo er vor einem Kriegsverbrechertribunal als Kronzeuge gegen den skrupellosen osteuropäischen Diktator Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) aussagen soll. Darius, den die Liebe zu seiner Frau Sonia (Salma Hayek) hinter Gitter gebracht hat, geht auf diesen Deal von Interpol ein, seine Aussage gegen die Freilassung Sonias, die ihrerseits in Amsterdam im Gefängnis sitzt. Um Darius’ Auftritt vor Gericht zu verhindern setzt Diktator Dukhovich allerdings eine Armee von blutrünstigen Söldnern in Marsch, außerdem gibt es offensichtlich einen Maulwurf bei Interpol, der ihm mit Rat und Tat zuarbeitet.


Damit sind die Weichen gestellt für eine furiose Verfolgungsjagd, per Auto quer durch England und – klar –  per Boot durch Amsterdam, ein Trip wie ein Computerspiel, wo an jeder Ecke heimtückische Schützen lauern, die eliminiert werden müssen. Dabei bleibt den beiden höchst unterschiedlichen Protagonisten, dem akkuraten, planvollen Michael und dem unkonventionellen, unberechenbaren Darius nichts anderes übrig, als sich zusammenzuraufen und sie kommen sich immer näher, während die Uhr unerbittlich die Stunden – und letztlich auch Minuten – herunterzählt, ehe sich das Zeitfenster für Darius’ Auftritt vor Gericht zu schließen droht.
 
Regisseur Patrick Hughes verknüpft das altbekannte Thema – Kronzeuge muss vor Killern beschützt werden – mit Motiven aus Road- und Buddymovies und serviert mit Gespür für gut getimte Action und einer reichlichen Dosis Humor eine launige Actionkomödie. Die Dritte Ebene, an der er sich versucht, die Bodyguard-Romanze, ist dann allerdings ein bisschen zu viel des Guten. Funktioniert die Amour fou zwischen Darius und seiner Sonia noch, einer heißblütigen, kampferprobten Powerfrau, so bleibt die Liebesgeschichte zwischen Michael und der Interpolagentin Amelia eher blass und sorgt für einige überflüssige und kitschige Momente.


Samuel L. Jackson liefert eine grandiose Vorstellung ab, er und Salma Hayek geben dem Affen Zucker, auch wenn ihre Rolle eher klein ist. Ryan Reynolds scheint die Figur des pedantischen Planers zu liegen, wobei es für jeden Akteur nicht leicht sein dürfte, Jacksons Präsenz etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Der Film bietet keine wirklichen Überraschungen, aber er ist unterhaltsam
genug, um über manch eine Abwegigkeit
bei der wilden Hatz durch zwei Länder
hinwegzusehen, Liebhaber dieses Genres werden insgesamt ihren Spaß haben.

Regie: Patrick Hughes 
Drehbuch: Tom O’Connor 
Kamera: Jules O’Laughlin
Production Design: Russell De Rozario 
Darsteller: Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Gary Oldman, Salma Hayek, Elodie Yung, Joaquim De Almeida, Kirsty Mitchell, Richard E. Grant

 USA 111 min.   
Deutscher Start: 31.08.2017

Freitag, 28. Juli 2017

Film-Rezensionen: Alibi.com


Der smarte Jungunternehmer Greg (Philippe Lacheau) betreibt mit zwei Partnern ein Unternehmen, das treulosen Ehepartnern, aber auch jedem anderen, der es braucht, ein wasserdichtes Alibi verschafft. Gregs Team arbeitet professionell und die Geschäfte laufen gut, denn ihre Dienstleistungen sind sehr gefragt.

Es hätte alles perfekt sein können, wenn sich Greg nicht eines Tages in die attraktive Flo (Elodie Fontan) verliebt hätte, die ihm gleich zu Beginn erklärt, wie verabscheuungswürdig sie Männer findet, die lügen. Damit ist der Weg für Greg verstellt, ihr zu offenbaren, was er beruflich tatsächlich macht und er gibt sich als Flugbegleiter aus, ein Umstand, für den er später seine eigenen Alibi-Dienste in Anspruch nehmen muss. Zu allem Überfluss stellt sich bei der ersten Begegnung mit Flos Eltern (Nathalie Baye und Didier Bourdon) heraus, dass deren Vater Gérard ein guter Kunde von Alibi.com ist…

Aus dieser Ausgangssituation über die bewährten Themen Liebe, Ehebruch und Lügen macht der Regisseur Philippe Lacheau, der auch gleichzeitig am Drehbuch mitgewirkt und die Hauptrolle übernommen hat, eine überraschend witzige und gelungene Komödie. Es gibt ein Feuerwerk an Gags und irrwitzigen Situationen im Stil der Farrelly-Brüder („Verrückt nach Mary“), oft haarscharf am Rande des guten Geschmacks, aber gerade deshalb erfrischend, weil nicht bei jedem Witz die inzwischen so unsäglich strapazierte Political Correctness ihr griesgrämiges Haupt erhebt. So werden fröhlich Tiere und kleine Kinder zu Opfern, frei nach der alten W. C. Fields-Wer-Hunde-und-kleine-Kinder-hasst-kann-kein-ganz-schlechter-Mensch-sein-Philosophie, erwartbare Gags nehmen eine unerwartete Wendung und Eltern haben zum Entsetzen der Kinder noch ein Sexleben. Dabei bleiben die Filmfiguren trotz der prekären Situationen, in die sie geraten, immer sympathisch und liebenswert. 

Nebenher bauen die Filmemacher schamlos ihre eigenen Vorlieben wie die Musik der 80er und Action-Helden wie Jean-Claude Van Damme ein, sie streuen munter Film-Zitate, und es ist ihnen gelungen, eine Reihe von in Frankreich bekannten Stars wie Kad Merad, die Rapper Joeystarr und La Fouine für Cameo-Auftritte zu gewinnen.

Trotz all der Situationskomik und Versatzstücke ist es am Ende eine Komödie wie aus einem Guss geworden und damit ein gelungener Kinospaß für den Sommer.


Regie: Philippe Lacheau
Drehbuch: Philippe Lacheau, Julien Arruti, Pierre Dudan 
Kamera: Dominique Colin 
Produzentin: Alexandra Fechner
Darsteller: Philippe Lacheau, Elodie Fontan, Julien Arruti, Tarek Boudali, Nathalie Baye, Didier Bourdon, Nawell Madani, Medi Sadoun

Frankreich, 90 Minuten 
Deutscher Kinostart: 03. August 2017

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=9vBf6DPNKbo
STUDIOCANAL Germany

Dienstag, 4. Juli 2017

Film-Rezensionen: Die Erfindung der Wahrheit (Miss Sloane)


In Deutschland setzen sich Berufsverbände für ihre Mitglieder ein, um Einfluss auf Politiker und Gesetzgebung zu nehmen. Diese Lobbyisten arbeiten im Verborgenen, aber ihre Macht ist riesengroß. In den USA gibt es Kanzleien, die gegen entsprechendes Honorar bei dieser Arbeit helfen.


Elisabeth Sloane (Jessica Chastain) ist Lobbyistin, und sie ist eine der besten. Hat sie einen Auftrag angenommen, verbeißt sie sich erbarmungslos in die Aufgabe, bis sie erreicht hat, was man von ihr erwartet. Lobbyarbeit bedeutet für sie, die Pläne des Gegners vorherzusehen und immer einen Schritt schneller zu sein. Sie ist hart gegen andere und hart gegen sich selbst, ihr Privatleben reduziert sich auf regelmäßige Treffen mit einem Callboy (Jake Lacy).

Als eines Tages Vertreter der Waffenhersteller vorstellig werden, denen sehr daran gelegen ist, ein anstehendes Gesetz zu verhindern, in dem geregelt werden soll, dass Waffenkäufer registriert und persönlich überprüft werden müssen, scheint Elisabeth genau die Richtige, um diesen Job zu übernehmen.

Aber zur Überraschung aller und zum Entsetzen ihres Seniorpartners George Dupont (Sam Waterston) lehnt Elisabeth diesen Auftrag nicht nur ab, sondern wechselt die Seiten, indem sie bei der sehr viel kleineren Agentur Peterson Wyatt anheuert, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, das Gesetz auf den Weg zu bringen. Ihr neuer Chef Rodolfo Schmidt (Mark Strong), kann sein Glück nicht fassen, als er nicht nur Elisabeth selbst auf seine Seite bekommt, sondern einen Teil ihres alten Teams, das sie in einer bemerkenswerten Aktion überredet, ihr zu folgen. Lediglich ihre engste Mitarbeiterin Jane (Alison Pill) sieht die Chance gekommen, sich von Elisabeth zu emanzipieren und entscheidet sich gegen sie.
 
Sechzig Senatoren müssen für das Gesetz stimmen. Ein Teil hat sich bereits festgelegt, um jeden Unentschlossene wird mit allen Mitteln und in mühevoller Kleinarbeit gekämpft. Elisabeth kennt alle Tricks und hat keine Scheu, sie anzuwenden. Aber ihre alten Kollegen sind nun ihre Gegner und da diese ebenfalls nicht zimperlich sind, gelingt es, Elisabeth mit Interna aus ihrem vorherigen Job zu kompromittieren. Plötzlich sieht sie sich auf der Anklagebank in einem Korruptionsverfahren unter der Leitung des ehrenwerten Senators Sperling (John Lithgow), eine mindestens fünfjährige Haftstrafe droht. Allerdings ist der Senator nicht ganz so ehrenwert, und ob am Ende ein Sieg oder eine Niederlage steht, ist ein spannendes Spiel, bei dem die Karten immer wieder neu gemischt werden…
 
Der Film ist hart und kalt wie seine Protagonistin, ein politisches Katz- und Mausspiel mit überraschenden Wendungen, in dem die Akteure Ideen und Worte in einem zeitweise atemberaubenden Tempo abfeuern. Das Geflecht von Politik und Wirtschaft wird als der Sumpf präsentiert, den man sich genau so vorstellt. Dennoch ist der Film hochspannend, als Zuschauer ist man hin- und hergerissen zwischen Bewunderung für das hochprofessionelle Engagement aller und Abscheu über die eingesetzten Mittel.

Jessica Chastain verleiht Elisabeth Sloane eine intensive Präsenz, aber es ist schwer, sich für sie zu erwärmen. Wir erfahren nicht wirklich, warum sie sich zu einer vehementen Gegnerin der Waffenlobby macht, ob es ihre persönliche Einstellung ist, oder doch nur die Herausforderung in einer aussichtlos scheinenden Sache als Siegerin vom Platz zu gehen.

Obwohl Chastain den Film gnadenlos dominiert, ist dies natürlich kein Frauenfilm. Die Figur Elisabeth Sloane zeichnet das Porträt eines Machtmenschen, der es beruflich ganz nach oben bringen will und auf dem Weg dahin müssen Männer wie Frauen offensichtlich dieselben Mechanismen bedienen. Wer ein hochgestecktes Ziel erreichen will, so die Botschaft, muss hart und skrupellos sein, möglichst ohne private Bindungen, reicht die erforderliche Energie nicht aus, gibt es entsprechende Pillen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der angestrebte Erfolg verwerflich, gerechtfertigt oder ethisch neutral ist, entscheidend ist, alles dafür zu geben.


Regie: John Madden 
Drehbuch: Jonathan Perera 
Kamera: Sebastian Blenkov
Produktion: Ariel Zeitoun 
Darsteller: Jessica Chastain, Mark Strong, Sam Waterston, Gugu Mbatha-Raw, Alison Pill, John Lithgow, Jake Lacy, Michael Stuhlbarg
 
USA 132 Minuten 
Deutscher Start: 06. Juli 2017
http://www.die-erfindung-der-wahrheit-film.de/

Freitag, 30. Juni 2017

Film-Rezensionen: Their Finest (Ihre beste Stunde)

Der Film führt uns zurück in das Jahr 1940, London leidet unter dem Krieg und den Bombenangriffen der deutschen Luftwaffe. Das Kino hat in diesen Zeiten die wichtige Rolle, etwas zur positiven Stimmung der Bevölkerung beizutragen, aber die zu diesem Zweck unter der Aufsicht des Informationsministeriums produzierten Propagandafilme, in denen tapfere Männer und aufopferungsvolle Frauen den Durchhaltewillen der Zuschauer wecken und stärken sollen, wirken verlogen und kommen nicht recht an. Das Gebot der Stunde lautet „Authentizität“ und „Optimismus“.

Um diese Botschaft besser zu transportieren soll dem rein männlichen Autorenteam um den zynischen Tom Buckley (Sam Claflin) eine Frau zur Seite gestellt werden. Damit möchte man vor allem die vielen weiblichen Kriegsarbeiterinnen an der Heimatfront ansprechen, und so bekommt die Werbetexterin Catrin Cole (Gemma Arterton) die Chance, beim Film anzuheuern. Sie braucht den Job, um sich und ihren Ehemann Ellis (Jack Huston), einen vielversprechenden, aber erfolglosen Künstler über Wasser zu halten. Seine Bilder vom Schrecken des Krieges stoßen in der aktuellen Situation auf wenig Resonanz.
Catrin lässt sich von der arroganten Haltung Tom Buckleys, der von dem geforderten „Schmalz“ nicht viel hält, nicht abschrecken und macht sich unverdrossen ans Werk. Auf der Suche nach einer Story für den nächsten Film stößt man auf eine auf wahren Ereignissen basierende Geschichte, bei der zwei junge englische Zwillingsmädchen sich mit dem altersschwachen Boot ihres ebensolchen Vaters auf den Weg über den Ärmelkanal gemacht haben sollen, um bei der Evakuierung tausender englischer Soldaten aus dem eingekesselten französischen Dünkirchen zu helfen.
Catrin wird zur Recherche an die englische Küste geschickt, wo sie feststellen muss, dass die heroische Tat leider nicht ganz so abgelaufen ist, wie sie in den Zeitungen zu lesen war. So erlitt das Boot der Mädchen bereits auf halbem Weg einen Motorschaden und musste von heimkehrenden Evakuierungstruppen nach Hause geschleppt werden.

Aber die Geschichte ist zu schön, als dass man sie einfach aufgeben könnte, und im Folgenden wird daraus mit Inbrunst eine Story gestrickt, die alles beinhaltet, was die gebeutelten Menschen sehen und hören wollen, gespickt mit großen Gefühlen und heroischem Patriotismus. Catrin wirft ihre anfänglichen Bedenken bezüglich der historischen Ungenauigkeiten bald über Bord und macht sich enthusiastisch ans Werk, dient ihr Projekt letztlich doch dem höheren Ziel, Menschen im Elend der Kriegswirren wieder Mut und Hoffnung zu geben. Mit ihren Schreiberqualitäten überzeugt sie auch bald Tom Buckley, und so entwickelt sie sich mehr und mehr zu einer gleichberechtigten Kollegin, ein früher Schritt auf dem Weg zu einer beruflichen Emanzipation der Frauen. 
 
Eine brauchbare Darstellerriege zusammenzustellen ist in Kriegszeiten keine leichte Aufgabe, wenn die meisten jungen Männer an der Front sind. Es gelingt, den alternden, charismatischen und etwas selbstverliebten Ambrose Hilliard (Bill Nighy) zu gewinnen, der schon bessere Tage gesehen hat und zunächst wenig begeistert ist, aber man schreibt ihm eine schöne Rolle, mit der er schließlich zufrieden ist. Als Helden erfindet man die Figur des Soldaten Johnnie (Hubert Burton), der, selbst aus Dünkirchen herausgeholt, die Zwillinge auf ihrer dramatischen Schicksalsfahrt vor dem drohenden Schiffbruch bewahren soll, begleitet von einem kleinen Hund, den er in Frankreich in einer besonders anrührenden Szene vor dem sicheren Tod gerettet hat. Damit sind die Kriterien „Authentizität“ und „Optimismus“ erfüllt, als Zugabe ein kleiner Hund, was kann da noch schief gehen!
 
Catrin reist mit dem Filmteam zum Set an die Küste, wo die große Evakuierungsszenen gedreht werden, denn das Drehbuch muss ständig angepasst werden, je nachdem, welche Schwierigkeiten sich ergeben oder welche neuen Anforderungen seitens des Ministeriums eingebracht werden. So besteht der Kriegsminister (Jeremy Irons in einem Kurzauftritt) darauf, dass ein Amerikaner in die Handlung eingebaut werden müsse, um auch das amerikanische Publikum anzusprechen, schließlich bietet der dortige Markt ein immenses Potential. Ungeachtet der Tatsache, dass in Dünkirchen keine Amerikaner beteiligt waren, engagiert man kurzerhand einen hochdekorierten Kampfflieger namens Carl Lundbeck (Jake Lacy). Lundbeck, ein blonder, blauäugiger Amerikaner mit norwegischen Wurzeln, der auch in jeden Propagandafilm der Nazis passen würde, ist zwar im Luftkampf ein Ass, am Set jedoch ein hoffnungsloser Dilettant, was es notwendig macht, seinen ursprünglichen Text auf das absolut Notwendige zu reduzieren. Außerdem wird Ambrose Hilliard von Catlin überredet, Lundbeck Nachhilfe zu geben, was dieser zunächst nur widerwillig, dann aber mit immer mehr Vergnügen übernimmt. 

Während ihrer Abwesenheit bekommt Catrins Mann endlich die Gelegenheit, seine Bilder auszustellen und sie hat ein schlechtes Gewissen, nicht dabei sein zu können, aber ihre Arbeit geht vor. Je enger allerdings Catrin mit Buckley zusammenarbeitet, desto mehr scheint sich dieser für sie zu interessieren, und nach und nach entdeckt auch Catrin hinter seiner rauen Schale dessen charmantere Seiten. Als sich schließlich herausstellt, dass Catrin und Ellis gar nicht verheiratet sind, scheint der Weg für Buckley frei zu sein, aber aus Loyalität zu Ellis wehrt Catrin Buckleys Avancen ab. Selbst in einer wunderbar kitschig-romantischen Mondscheinszene am Meer widersteht sie und reist zurück nach London. Dort ertappt sie allerdings ihren Mann mit einer anderen Frau im Bett, damit ist dieses Kapitel für sie beendet. Der Weg für Catrin und Buckley wäre damit frei, aber dann muss Catrin schmerzhaft erfahren, dass das Drehbuch des Lebens seiner eigenen Dramaturgie folgt und sich leider nicht nach den eigenen Wünschen umschreiben lässt…

Der Film „Ihre beste Stunde“, basierend auf dem Roman „Their Finest Hour and a Half“ von Lissa Evans, hat alles, was ein guter Film haben muss. Er bietet Drama, Komödie und Romanze, und schafft es spielerisch leicht, all diese Elemente in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen.

Er macht sich liebevoll und mit ironischem Witz über das Filmemachen lustig, ohne dabei die Beteiligten lächerlich zu machen und ist eine Liebeserklärung an das Kino und seine magische Wirkung. Er wirft einen nostalgischen Blick zurück in Britanniens schwerste, aber auch tapferste Stunden, verkneift sich dabei jedoch jegliche Sentimentalität, dies sicher ein Verdienst der dänischen Regisseurin Lone Scherfig, die genügend Nähe zu ihrem Thema hat, aber als Nicht-Britin auch die nötige Distanz.
Es gibt romantische Szenen im Wechsel mit durchaus realistischen, wenn die Zerstörung und der Schrecken der Bombenangriffe ganz nah an die Protagonisten heranrücken.

Die hervorragenden Darsteller runden das Bild ab. Gemma Arterton und Sam Claflin überzeugen in ihren Duellen um Worte und der Entwicklung ihrer persönlichen Beziehung und Bill Nighy schafft es einmal mehr, eine nuancierte Darstellung abzuliefern, die seine Figur eines eitlen und selbstverliebten Schauspielers nicht zur Karikatur werden lässt, sondern zu einem zwar exzentrischen aber am Ende sympathischen Charakter.

Der feine Humor kommt nie mit dem Holzhammer daher, die dramatischen Episoden rühren genauso wie die sentimentalen und so ist „Ihre beste Stunde“ ein kleines Meisterwerk geworden, einer der schönsten und unterhaltsamsten Filme dieses Jahres.

Regie: Lone Scherfig 
Drehbuch: Gaby Chiappe  
Kamera: Sebastian Blenkov
Musik: Rachel Portman 
Kostüme: Charlotte Walter 
Hair & Make Up: Elizabeth Yianni Georgiou
Darsteller: Gemma Arterton, Sam Claflin, Bill Nighy, Jake Lacy, Jack Huston, Helen, Jeremy Irons

GB 117 Minuten
Deutscher Kinostart: 06. Juli 2017













Film-Rezensionen: Despicable Me 3 (Ich - Einfach unverbesserlich 3)


Im dritten Teil der beliebten Reihe haben sich Gru und seine Kollegin Lucy, mit der er auch privat verbandelt ist, zusammen mit den drei Adoptivtöchtern Margo, Edith und Agnes in ihrem neuen Familienleben eingerichtet. Gru und Lucy arbeiten nach wie vor bei der Anti-Schurken-Liga. Als es Gru nicht gelingt, den aktuellen Bösewicht Balthazar Bratt dingfest zu machen, wird er von der neuen Leiterin der Liga gefeuert. Aus Solidarität stellt sich Lucy auf seine Seite – und dann sind plötzlich beide arbeitslos.


Die Minions, die natürlich wieder mit von der Partie sind, hoffen darauf, dass Gru sich nun erneut dem Schurkentum zuwendet, aber Gru hat damit, wie er versichert, endgültig abgeschlossen. Er versinkt ob seiner Arbeitslosigkeit in einer Depression, diese Gunst der Stunde nutzen die kleinen Helfer zu einer Meuterei, aufgestachelt und angeführt von Minion Mel. Sie verlassen Gru, um sich selbständig zu machen, lediglich Jerry und Dave, die den Aufstand vertrödelt haben, bleiben an seiner Seite.
  
Unerwartet bekommt Gru die Nachricht vom Tod seines Vaters, zu dem er keinen Kontakt hatte. Zu seiner großen Überraschung erfährt er von einem Zwillingsbruder namens Dru, den er nie kannte, weil die Eltern nach ihrer Trennung jeweils eines der Kinder bei sich behielten.

Gru, Lucy und die Mädchen nehmen Drus Einladung an, ihn in seiner Heimat Freedonia zu besuchen, und dort erleben alle fünf eine Überraschung nach der anderen, denn Freedonia ist ein buntes Land mit äußerst bunten und eigenartigen Bewohnern.

Dru entpuppt sich als Schönling mit vollem, blonden Haar, umwerfendem Charme und unermesslichem Reichtum, also in jeder Hinsicht das Gegenteil von Gru, was nicht geeignet ist, diesen aus seiner miesen Stimmung zu reißen. Aber Dru gesteht, dass er von ihrem Vater nie anerkannt worden sei, er möchte nun nach dessen Tod von Gru lernen, wie man ein richtiger Schurke wird. Gru zögert zunächst, lässt sich aber darauf ein, um endlich den Bösewicht Balthazar Bratt zur Strecke zu bringen.
 
Es folgen haarsträubende Abenteuer der beiden im schrägen Freedonia, aber auch der abtrünnigen Minions, die alleine nicht unbedingt besser zurecht kommen. So mischen sie eine Casting-Show und anschließend den Knast auf, in dem sie alle zusammen landen.

Der Film ist gewohnt bunt und laut, bietet aber auch nette Moment, in denen es um Familienbande und Familiengefühle geht. Lucy versucht ihrer neuen Mutterrolle gerecht zu werden, während Gru und Dru immer wieder mit brüderlicher Konkurrenz und Eifersüchteleien zu kämpfen haben, bis sie sich schließlich zusammenraufen. Beide akzeptieren sich am Ende wie sie sind, versuchen nicht mehr, so zu sein, wie der andere und machen auch nicht mehr ihre Eltern für ihr Schicksal verantwortlich, eine schönes Beispiel von gelungener Familientherapie.

Balthazar Bratt, der gewohnt gerissene Schurke in dieser Geschichte, ist ein ehemaliger Kinderstar der 80ger Jahre, dessen hoffnungsvolle Karriere im Fernsehen abrupt beendet war, als sich Pickel und Stimmbruch einstellten. Seither versucht er verzweifelt ein Comeback und als ihm dieses nicht gelingt, beginnt er einen fürchterlichen Rachefeldzug gegen Hollywood, den am Ende nur Gru stoppen kann.
 
Wer die beiden ersten Filme liebte, wird auch diesen dritten Teil mögen, er sprudelt, wie gewohnt, über vor Ideen und von den Minions bekommt man ohnehin nie genug.

 











Regie: Pierre Coffin, Kyle Balda 
Drehbuch: Cinco Paul & Ken Daurio; Eric Guillon 
Musik: Heitor Pereira
Originalsongs und Themen: Pharrell Williams 
Sprecher (Original): Steve Carell, Kristen Wiig, Trey Parker, Miranda Cosgrove, Dana Gaier, Nev Scharrel, Steve Coogan, Julie Andrews, Jenny Slate, Andy Nyman 
Sprecher (Deutsch): Oliver Rohrbeck, Martina Hill, Joko Winterscheidt, Friedel Morgenstern, Zalina Sanchez Decke, Hannah Kunze, Marco Rima, Kerstin, Sanders-Dronseif, Lilian Klebow, Julien Bam



USA 96 Minuten
Ohne Altersbeschränkung
Deutscher Kinostart: 06. Juli 2017

Dienstag, 6. Juni 2017

Film-Rezensionen: Ein Kuss von Béatrice (Sage-Femme)

Claire (Catherine Frot) arbeitet mit Leib und Seele als Hebamme, hat einen Sohn (Quentin Dolmaire), der Medizin studiert und scheint mit sich und der Welt zufrieden, die ihr ein Auskommen und Seelenfrieden bietet, nicht mehr und nicht weniger. Sie raucht und trinkt nicht, isst kein Fleisch und fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Sie lebt in einer kleinen, bescheidenen Wohnung in einem Hochhauskomplex und liebt ihren Kleingarten vor der Stadt. Die Avancen des dortigen Nachbarn Paul (Olivier Gourmet) weist sie zurück, sie will eigentlich nur ihre Ruhe. 

Doch nichts bleibt, wie es ist, alles verändert sich, und so erfährt sie eines Tages, dass ihre Station im Krankenhaus geschlossen werden soll, dafür erhält sie das Angebot, in eine neue, moderne Geburtsklinik zu wechseln. Ihr Sohn eröffnet ihr, dass seine Freundin von ihm schwanger ist, weswegen er sein Studium abbrechen möchte, und mit der Ruhe ist es für Claire endgültig vorbei, als aus heiterem Himmel eine Frau namens Béatrice (Catherine Deneuve) über ihr Leben hereinbricht.

Die beiden Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein, Claire ist zurückhaltend, leise und bescheiden, während es für Béatrice nicht laut genug sein kann. Sie strotzt trotz ihres fortgeschrittenen Alters vor Energie, ist exaltiert, lebenslustig und sprunghaft, gewinnt und verliert Geld beim Kartenspiel in finsteren Spelunken. Aber Claire und Béatrice haben einen gemeinsamen Berührungspunkt in der Vergangenheit, denn Béatrice war die Geliebte von Claires Vater und alle drei haben eine Zeit lang zusammengelebt, als Claire noch ein Teenager war. Eines Tages war Béatrice dann plötzlich verschwunden, worauf sich der Vater das Leben nahm. Zu ihrer Mutter hat Claire kein gutes Verhältnis, daher waren Béatrice und ihr Vater, ein ehemaliger Olympia-Schwimmer, die wichtigsten Bezugspunkte in ihrem Leben. Als Béatrice nun aus heiterem Himmel wieder auftaucht, kommt diese Vergangenheit wieder hoch , mit der Claire eigentlich abgeschlossen hatte. Allerdings, wie es mit der Vergangenheit so ist, man wird sie nie ganz los, und wenn sie in Gestalt einer Powerfrau wie Béatrice daherkommt, lässt sie sich erst recht nicht abschütteln. 

Während Claire vernunftbetont ist und die meisten Vergnügungen ihr suspekt sind, hat Béatrice das Leben in vollen Zügen genossen. Der Preis, den sie dafür zu zahlen hat – denn man weiß ja, dass es keinen Genuss ohne Reue gibt – ist, dass sie nun im Alter allein ist, ohne Familie, aber auch ohne Freunde, denn die hat sie auf ihrem furiosen Lebensweg stets hinter sich zurück gelassen. Claire, die Tochter, die sie nie hatte, scheint die Einzige, die Béatrice, die an einem Hirntumor erkrankt ist, nun noch zur Seite stehen könnte. Die Frage ist, ist diese dazu bereit?

Béatrice und Claire stehen gleichnishaft für die Grille und die Ameise aus der Fabel von Jean de La Fontaine. Jeder Zuschauer mag für sich selbst entscheiden, ob ihm die Moral dieser Geschichte gefällt, das Urteil wird wohl im Einklang mit der eigenen Lebensphilosophie ausfallen.

Regisseur Provost stellt zwei Frauen einander gegenüber, die zwar über einen gemeinsamen Mann verbunden waren, ihren Weg aber alleine gesucht und gefunden haben. Gab es in Béatrices Leben wahrscheinlich genug Männer, so kamen und gingen sie, wie es ihr gefiel. Claire ist alleinerziehend und zeigt kein Interesse an einer weiteren Beziehung. Erst durch den Schwung, den Béatrice in ihr Leben bringt, lässt sie sich
zögernd auf ihren Nachbarn Paul ein. Überhaupt bricht erwartungsgemäß nach und nach eine Schale auf und ganz vorsichtig kommt eine andere Claire zum Vorschein, vielleicht ist das die letzte späte Aufgabe, die Béatrice in ihrem Leben in Angriff nimmt, ausnahmsweise einmal nicht ihren eigenen egoistischen Interessen folgend. Es regt sich am Ende sogar etwas wie eine rebellische Ader in Claire, als sie das Angebot der neuen Geburtsklinik, von ihr als „Fabrik“ verabscheut, ausschlägt und tatsächlich mit ihrem Freund Paul darüber nachdenkt, etwas ganz Neues zu wagen.

Der Film fließt trotz aller Exaltiertheit von Béatrice ruhig dahin, wie die Seine, die hier, außerhalb von Paris, nichts mit der lauten Großstadt zu tun hat, vielleicht für manchen Zuschauer zu ruhig und zu lang. Aber wenn man sich darauf einlässt, gibt es schöne Szenen und anrührende Momente, wie zum Beispiel jener, als Claires Sohn Simon, der seinem Großvater als Schwimmer nacheifert, seinen Kopf durch die Tür steckt, als Claire und Béatrice alte Dias betrachten, und für einen Moment sein Gesicht mit dem an die Wand geworfenen Abbild seines Vaters zu verschmelzen scheint, diese bitter-süße Reminiszenz trifft Béatrice mit voller Wucht.

Die Entwicklung von Claire ist es, die der Film in langen Sequenzen ausbreitet, aber das Leben ist nun einmal ein langsamer Prozess. Bis zur Geburt eines neuen Menschen vergeht Zeit, und bis er seine endgültige Gestalt gefunden hat, dauert es noch viel länger. Es wird erkennbar, dass die beiden Frauen keine Gegensätze bilden, sondern vom Schicksal – oder vom Leben, das sie geführt haben – dazu bestimmt sind, einander zu ergänzen und am Ende das eigene Leben abzurunden.

Regisseur Martin Provost hat daher nicht zufällig den Beruf der Hebamme für Claire gewählt. Der französische Titel ermöglicht ein Wortspiel, so bedeutet „sage-femme“ einerseits „Hebamme“, andererseits umschreibt der Ausdruck „sage femme“ eine kluge, vernünftige oder besonnene Frau, all das ist Claire. Es gibt aber auch noch einen persönlichen Bezug des Regisseurs zu dem Berufsstand, denn nach eigener Aussage hat ihm bei seiner Geburt eine Hebame durch ihre Blutspende das Leben gerettet. Da er sie trotz aller Bemühungen später nicht auffinden konnte, wollte er ihr in diesem Film ein Denkmal setzen, indem er diese Geschichte in seine Handlung einfließen lässt.

Die Geburtsszenen, die Claires Arbeitsalltag ausmachen, verklären nicht das Wunder der Geburt, sondern zeigen ein realistisches Bild: geboren wird man unter Schmerzen und braucht bei diesem Prozess kundige, helfende Hände. Auch danach bedarf es noch lange Zeit der Fürsorge, bis man sein Lebenskonzept gefunden hat. Ob es das richtige war, muss jeder am Ende für sich selbst herausfinden. 


Der Film feierte bei der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb (außer Konkurrenz) seine Weltpremiere.

Regie: Martin Provost 
Drehbuch: Martin Provost 
Musik: Grégoire Hetzel
Darsteller: Catherine Frot, Catherine Deneuve, Olivier Gourmet, Quentin Dolmaire, Mylène Demongeot 

117 Minuten
Deutscher Start: 08. Juni 2017

Mittwoch, 31. Mai 2017

Film-Rezensionen: Gregs Tagebuch - Böse Falle! (Diary of a Wimpy Kid - The Long Haul)




Nach „Diary of a Wimpy Kid“ (2010), „Rodrick Rules“ (2011) und „Dog Days“ (2012) ist „The Long Haul“ der vierte Film, der auf der erfolgreichen Kinderbuchreihe des amerikanischen Autors Jeff Kinney basiert, in welcher der kleine Greg Heffley sein Leben in einer amerikanischen Durchschnittsfamile beschreibt.


Der bisherige Greg-Darsteller ist mittlerweile der Rolle entwachsen, Fans der Reihe müssen sich daher auf eine komplett andere Besetzung einstellen, da bei dieser Gelegenheit auch die übrigen Akteure neu besetzt wurden.


Nach eigener Aussage hatte Jeff Kinney bereits beim Schreiben des aktuellen Bandes die Bilder für eine Verfilmung im Kopf, was ihn veranlasste, die Familie diesmal aus ihrem gewohnten Umfeld herauszuführen und auf einen abenteuerlichen dreitägigen Road-Trip im familieneigenen Minivan zum 90. Geburtstag der Ur-Oma zu schicken. Da der Wagen mit fünf Familienmitgliedern – Mutter Susan, Vater Frank, Greg, seinem älteren Bruder Rodrick und Baby-Bruder Manny – nur noch wenig Platz für Gepäck bietet, wird kurzerhand ein Bootsanhänger samt Boot angehängt, genug Stauraum für alles, was man auf dieser Reise glaubt mitnehmen zu müssen.



Wer jemals in der klaustrophobischen Enge eines Fahrzeug mit Leuten gefangen war, die man zwar einerseits gern hat, die einem aber gleichzeitig absolut auf die Nerven gehen, kann sich vorstellen, dass diese Fahrt kein reines Vergnügen für alle wird. Erschwerend kommt hinzu, dass Mutter Susan beschließt, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Familie einander wieder näher zu bringen und als erste Maßnahme alle Handys einsammelt. Ihre anschließenden Bemühungen, mit lustigen Spielen und gemeinsamen Gesängen die auf den Nullpunkt gesunkene Stimmung aufzuhellen, sind selbstverständlich zum Scheitern verurteilt. Da aber auch Vater Frank zwischendurch wichtige geschäftliche Kontakte pflegen muss, entwickelt sich zumindest zwischen den Männern der Familie gelegentlich eine verschwörerische Allianz.



Greg träumt davon, im Internet berühmt zu werden, zunächst geht allerdings ein äußerst peinliches Video von ihm viral, in dem er mit einer Windel kämpft. Diese Schmach kann nur durch ein cooleres Video getilgt werden. Hierzu benötigt er die Hilfe von Mega-Youtuber Mac Digby, Star der diesjährigen Player’s Expo. Als Greg herausfindet, dass diese Spielemesse quasi am Rande ihrer Reiseroute liegt, braucht es nur eine kleine Manipulation des Navis, und eine Tagesetappe führt die Familie direkt dorthin…



Die gesamte Reise ist im übrigen gespickt mit kleinen und größeren Katastrophen. Eine andere Familie, mit der Greg bei ihrer ersten Übernachtung in einem Motel aneinander gerät, kreuzt danach ständig ihren Weg, Greg leidet unter seinem Bruder Rodrick, bis sich für den Besuch auf der Player’s Expo zwischen beiden ebenfalls eine temporäre Allianz bildet. 


Die Familie erleidet Schiffbruch, man verliert Gepäck und Nerven, gewinnt ein Ferkel auf einer Kirmes, verliert gegen eine Schar Möwen und Mutter Susan sieht ihre Bemühungen, die Familie in Harmonie zu vereinen, krachend scheitern.


Trotzdem erreichen sie am Ende mit einer spektakulären Aktion Ur-Omas Geburtstag und haben begriffen, was sie über alle Klippen und Hindernisse hinweg ans Ziel geführt hat: der Zusammenhalt als Familie. Die Rückfahrt zeigt eine zusammengeschweißte Gemeinschaft beim anfangs verpönten gemeinsamen Gesang – Mission erfüllt!



Der Film bietet solide Unterhaltung auf leicht pubertärem Niveau. Es gibt eine Vielzahl von Versatzstücken: Handypause als erzieherische Maßnahme, berühmt werden als Youtube-Star, nervende Eltern, nervende Kinder, nervende Teenager und jede Menge Situationen, die jeder auf dem Weg in den Familienurlaub sicher selbst schon erlebt hat, und damit sind nicht die abenteuerlichen Katastrophen gemeint, sondern die kleinen und größeren Reibereien zwischen Eltern und Kindern und die zwischen Geschwistern untereinander.

Die Dramaturgie des Films bietet im übrigen nicht wirklich Überraschendes, trotz aller Dramen, die geschehen, weil alle Ansätze dafür früh erkennbar sind. Die Botschaft am Ende gibt dennoch vielleicht der ein oder anderen gestressten Familie Mut, es weiter miteinander zu versuchen, denn auch wenn man glaubt, nicht viel gemeinsam zu haben, man gehört halt doch zusammen.




Regie: David Bowers
Drehbuch: Jeff Kinney, David Bowers 
Kamera: Anthony B. Richmond 
Darsteller: Jason Drucker, Alicia Silverstone, Tom Everett Scott, Charlie Wright, Owen Asztalos


20th Century Fox, 91 Minuten 
Deutschlandstart: 01. Juni 2017