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Dienstag, 26. Juni 2018

Film-Rezensionen: Love, Simon

Mit 17 ist man voller Erwartung auf das Leben und die große Liebe, der man hoffentlich eines Tages begegnen wird. Bei Simon Spier (Nick Robinson) ist die Lage etwas schwieriger, denn er ist schwul und weder seine Familie noch seine Schulfreunde wissen davon. Eines Tages erfährt er auf einer anonymen Schulseite, dass es noch jemanden in seinem Umfeld gibt und ohne zu wissen, wer der andere ist, beginnt er mit Blue, wie der sich ihm gegenüber nennt, einen E-Mail-Flirt. Simon hat eine liebevolle Familie und gute Freunde, aber nun erfährt er das erste Mal wie es ist, von jemandem verstanden zu werden, der so fühlt wie er. Nach und nach wird der Wunsch stärker, herauszufinden, wer Blue ist und in seinen Gedanken spielt er alle in Frage kommenden Kandidaten durch. Leider liest eines Tages der bei niemandem sonderlich beliebte Martin (Logan Miller) eine seiner E-Mails und erpresst Simon damit, ihn zu outen, wenn er ihm nicht zu einem Date mit der schönen Abby Suso (Alexandra Shipp) verhilft, während die Schulfreundin Leah (Katherine Langford) wiederum heimlich in Simon verliebt ist, wodurch die Irrungen und Wirrungen für alle Beteiligten ihren Lauf nehmen...


Der Film ist ein weiterer gut gemachter Teenager-Film, der das Thema erste Liebe und Coming of Age um die Variante Homosexualität erweitert, nur um zu zeigen, dass es letztlich keinen Unterschied gibt, die Gefühle und die Schwierigkeiten, sich dazu zu bekennen, sind dieselben. Erleichtert wird die Identifikation des Zuschauers mit Simon und seinen Problemen dadurch, dass er ein absoluter Sympathieträger ist, charmant, liebenswert und hübsch. Er selbst hält bei seiner Suche nach dem anonymen Blue auch nur nach gutaussehenden, sympathischen Jungs Ausschau, wodurch sich die Frage stellt, wie die Geschichte ausgesehen hätte, wäre Simon klein, dick, pickligen oder unscheinbar, wären die Toleranz und das Mitgefühl des Zuschauers genauso ausgefallen?

Davon abgesehen hinterlässt der Film ein gutes Gefühl und gibt den offensichtlich immer noch notwendigen positiven Anstoß, einmal mehr darüber nachzudenken, ob Homosexualität für einen jungen Menschen nach wie vor ein solch großes Problem darstellen sollte und ob es immer noch so schwer sein muss, sich seinen Eltern und Freunden zu offenbaren, und vor allem, ob es auf der anderen Seite immer noch eines „Outings“ bedarf, einer Offenbarung intimster Dinge, die niemanden sonst etwas angehen. Noch scheint es notwendig zu sein, in die Offensive zu gehen, um sich nicht erpressbar zu machen und den Zeitpunkt für diese Offenbarung selbst bestimmen zu können. Erst wenn dies nicht mehr notwendig sein wird, wird der Druck, der leider immer noch gerade für junge Menschen besteht, verschwinden und der Film ist so liebenswert gemacht, dass er hierzu einen guten Beitrag leisten kann




 Regie: Greg Berlanti
Drehbuch: Elizabeth Berger, Isaac Aptaker, b/a dem 
Jugendroman von Becky Albertalli „Simon vs. The Homo Sapien’s Agenda“ 
Kamera: John Guleserian 
Musik: Rob Simonsen
Darsteller:
Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Logan Miller, Keiynan Lonsdale, Jorge Lendeborg Jr., Jennifer Garner, Josh Duhamel

USA 110 min.
Kinostart: 28. Juni 2018







Dienstag, 19. Juni 2018

Film-Rezensionen: Ocean's 8

Debbie Ocean (Sandra Bullock) kommt aus einer Familie, die kreative Jobs liebt. Ihr verstorbener Bruder Danny Ocean hatte wiederholt eine Gruppe von Spezialisten um sich geschart, um spannende und originelle Raubzüge zu organisieren, wie man in den Filmen Ocean’s Eleven, 12 und 13 sehen konnte.

Kaum aus dem Gefängnis entlassen, wohin sie ihr ehemaliger Freund Claude Becker (Richard Armitage) gebracht hat, macht sich nun Debbie daran, die Familientradition fortzusetzen. Das Besondere diesmal: die von ihr zusammengestellte Crew besteht ausschließlich aus Frauen, und die machen ihre Sache richtig gut. Der Film knüpft an die lange Tradition von minutiös geplanten Raubzügen – Heists, wie sie im Englischen genannt werden – an. Debbie und ihre Gang haben es auf das millionenschwere Diamantenkollier Toussaint abgesehen, das normalerweise fest verschlossen hinter schweren Tresortüren aufbewahrt wird. Ort des Beutezuges ist die jährliche exklusive und exquisite Met-Gala, die jedes Mal unter einem bestimmten Motto steht und eine illustre Schar an Gästen aus Gesellschaft, Film- und Showbusiness anzieht. Der Plan sieht vor, die Schauspielerin Daphne Kluger (Anne Hathaway) dazu zu bringen, das Toussaint-Kollier zu tragen, um es ihr dann in einer raffinierten Aktion vom Hals zu lösen und gegen ein Imitat auszutauschen. Die einzelnen Schritte sind genauestens ausgearbeitet, jede der Frauen ist eine Spezialistin auf ihrem Gebiet, die weiß, was zu tun ist, da kann eigentlich nichts schief gehen...

Ob es am Ende gelingt, das Kollier zu erbeuten, soll hier nicht verraten werden, die Geschichte ist spannend und witzig erzählt, es gibt nette Anspielungen und unerwartete Wendungen, bei denen auch Debbies Ex-Freund Claude eine Rolle spielt, mit dem sie schließlich noch eine Rechnung offen hat. Insgesamt ist mit Ocean’s 8 kein neuer Aufguss einer bekannten Geschichte entstanden, sondern eine unterhaltsame und durchaus originelle Krimikomödie, und die Tatsache, dass hier allesamt Frauen in einem Business tätig sind, dass sonst nur Männern vorbehalten ist, sollte eigentlich keiner Erwähnung bedürfen, im umgekehrten Fall wäre es das ja auch nicht.

Sandra Bullock trägt den Film souverän, ihre kurzen gekonnten Dialoge auf Deutsch werden aber wohl leider der synchronisierten Fassung zum Opfer fallen. Anne Hathaway darf eine herrlich naive bauernschlaue Zicke geben und es ist ein Vergnügen, auch den übrigen Damen bei der Arbeit zuzuschauen. Den Bechdel-Test hat der Film bei gleich acht Frauen, die nicht nur miteinander sprechen, sondern auch perfekt zusammen agieren, mit Bravour bestanden, vor allem, weil sie sich tatsächlich durchgehend über etwas anderes als Männer unterhalten – quod erat demonstrandum!


Regie: Gary Ross
Drehbuch: Gary Ross, Olivia Milch, b/a story von Gary Ross, b/a Charakteren von George Clayton Johnson & Jack Golden Russell
Kamera: Eigil Bryld
Musik: Daniel Pemberton

Darsteller:
Debbie Ocean – Sandra Bullock
Lou – Cate Blanchett
Daphne Kluger – Anne Hathaway
Amita – Mindy Kaling
Nine Ball – Rihanna
Tammy – Sarah Paulson
Constance – Awkwafina
Rose Weil – Helena Bonham Carter
Midori Francis, Elliott Gould, Richard Armitage, Charlotte Kirk, Dakota Fanning

USA 2018, 110 min.
Kinostart: 21. Juni 2018



Dienstag, 12. Juni 2018

Film-Rezensionen: Hereditary - Das Vermächtnis


Die Grahams – Mutter Annie, Vater Steve, Sohn Peter und Tochter Charlie – leben in einem großen Haus am Waldrand, eine scheinbar normale amerikanische Familie wie viele. Annie (Toni Collette) ist Künstlerin und gestaltet Puppenhaus-Miniaturen, während Steve (Gabriel Byrne) als Psychotherapeut praktiziert. Peter (Alex Wolff) lebt sein Teenagerleben zwischen Highschool und Abhängen mit Freunden, einzig seine jüngere Schwester Charlie (Milly Shapiro) scheint ein Sonderling zu sein, die mit einige Phobien zu kämpfen hat.
Eines Tages stirbt Annies Mutter Ellen Leigh. Zwischen Annie und ihrer dominanten Mutter gab es zeitlebens Spannungen, während Enkelin Charlie ein enges Verhältnis zu ihrer Großmutter hatte, so dass sie der Verlust hart trifft und ihr manchmal sonderbares Verhalten sich noch verstärkt.
Als Peter eines Tages mit seiner Schwester von einer Party bei Freunden zurückkehrt, nimmt das Schicksal eine verhängnisvolle und grausame Wendung, dabei spielt die hilfsbereite freundliche Joan (Ann Dowd), eine Bekannte aus Annies Selbsthilfegruppe für trauernde Angehörige, eine immer größer werdende Rolle.

Das unterschwellig ungute Gefühl, das der Film durch kleine Begebenheiten von Anfang an erzeugt, entwickelt sich bald zu einem Alptraum, in dem die Familie Graham in ihrem einsamen Haus immer tiefer versinkt, allein mit einer schicksalhaften Familiengeschichte und daraus resultierenden Vorbestimmungen. Alle Personen geraten in einen immer schneller rotierenden Strudel, bis zum furiosen Ende, das nichts für schwache Nerven ist und aus einem Mystery-Thriller einen veritablen Horrorfilm macht, der Anlehnungen an Klassiker wie „Rosemary's Baby" zeigt, aber am Ende weit darüber hinausgeht.
Regisseur und Drehbuchautor Ari Aster hat sich bereits in einigen beachteten Kurzfilmen mit Familienritualen und Familientraumata beschäftigt, bevor er nun mit seinem ersten Spielfilm noch tiefer und vehementer in diese Thematik eintaucht. Nach seinen Angaben haben ihn dramatische Ereignisse in seiner eigenen Familie inspiriert, die innerhalb kurzer Zeit einige schwere Schicksalsschläge verarbeiten musste. Den nun von ihm präzise und kunstvoll inszenierten Alptraum, den sein Film genüsslich ausbreitet, treibt er auf die Spitze, bis zum bitteren und noch verstörenderen Ende, als man es sich zu Beginn vorstellen mag. Bereits in der ersten Einstellung lässt er eine von seiner Hauptfigur entworfene Puppenhausszene mit einer realen Szene verschmelzen und schafft so die Grundlage für die Mitglieder seiner Filmfamilie, die, getrieben von einem fatalen Fluch und von starken äußeren Kräften, wie Puppen bewegt, am Ende ihrem Schicksal nicht entkommen können.

Es ist – wie gesagt – ein Horrorfilm und wenn man dieses Genre mag, kann man sich der Intensität der Handlung nicht entziehen. Es bleibt allerdings fraglich, ob jeder Zuschauer den letzten Schritt bei dem verstörenden und furiosen Ende mitgeht, und die Grundidee des am Ende doch sehr konstruierten Horrors von Abstammung und Blutlinie und des daraus resultierenden vorherbestimmten Schicksals der Familie Graham lässt sich auf keinen Fall auf den generellen Ballast, den wahrscheinlich jede Familie mit sich herumträgt, übertragen, was den aufgewühlten Zuschauer dann doch wieder beruhigen mag.
 

Regie und Drehbuch: Ari Aster 
Kamera: Pawel Pogorzelski 
Schnitt: Jennifer Lame 
Musik: Colin Stetson

Darsteller:

Annie Graham – Toni Collette
Steve Graham – Gabriel Byrne
Peter Graham – Alex Wolff
Charlie Graham – Milly Shapiro
Joan – Anne Dowd

Splendid Film
USA 123 min.
Kinostart: 14. Juni 2018



Dienstag, 29. Mai 2018

Film-Rezensionen: Hostiles (Feinde)


„Die amerikanische Seele ist in ihrer Essenz hart, isoliert, stoisch und mörderisch. Sie ist bisher noch niemals aufgetaut.“

Wenn einem Film dieses Zitat von D.H. Lawrence vorangestellt wird, ahnt man: es wird hart. Wir werden zurückgeführt in das Jahr 1892, der Wilde Westen ist beinahe gezähmt, die Büffel sind ausgerottet und die Indianer in Reservate oder andere Gefängnisse gesperrt. Aber es sind auf allen Seiten Wunden geschlagen worden, die noch lange nicht verheilt sind.



In Ford Berringer, einem Gefängnis-Vorposten in New Mexico, erhält der verdiente Kriegsheld Captain Joseph Blocker (Christian Bale) kurz vor dem Ende seiner Militärkarriere einen letzten Auftrag: Er soll den aus dem Gefängnis entlassenen, unheilbar an Krebs erkrankten Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) und dessen Familie in ihre Heimat nach Montana geleiten. Für den stoischen Soldaten Blocker eine Provokation, schließlich haben er und Yellow Hawk sich lange, zähe und blutige Kämpfe geliefert. Der den Indianern nachgesagten Grausamkeit hat sich auch Blocker bedient, wie man mehrfach aus Andeutungen erfährt, bis sie sich gegen Ende des Films in einer archaisch anmutenden Szene tatsächlich offenbart.

Blocker stellt einen Trupp zusammen und bricht widerwillig auf, seine Pflicht wird er aber auch in diesem Kommando erfüllen, denn bei Verweigerung steht seine Pension auf dem Spiel. Unterwegs nimmt die Gruppe die schwer traumatisierte Siedlerin Rosalie Quaid (Rosamund Pike) auf, die einzige Überlebende eines blutigen Komantschenüberfalls, bei der sie ihren Mann und ihre Kinder verloren hat. Nach dem Besuch einer Garnisonstadt werden noch der gefangene Soldat Charles Wills (Ben Foster) und dessen Bewacher übernommen. Der Treck ist lang und beschwerlich, es gibt Überfälle von außen, aber auch Spannungen innerhalb der Gruppe, nicht nur zwischen Blocker und Yellow Hawk, sondern auch zwischen Blocker und Wills, die sich aus früheren Zeiten kennen. Am Ende werden nicht alle, die aufgebrochen sind, ihr Ziel erreichen.

Western sind eine aussterbende Film-Gattung, dabei scheinen sich gerade zur Zeit überall auf der Welt die Cowboys zu tummeln. Hier wird in gewaltigen und gewaltsamen Bildern eine Zeit heraufbeschworen, in der Männer noch Männer und Frauen ihrem Schicksal mehr oder weniger hilflos ausgeliefert waren. Kriegführen war trotz vorhandener Feuerwaffen noch echtes Handwerk und kein Computerspiel, wobei die Einen um die Vorherrschaft und die Anderen um ihre Existenz kämpften. Der Film macht das Selbstverständnis noch einmal deutlich, mit dem die weißen Besatzer sich das weite, wilde Land untertan machten, während ganz leise jetzt, wo alles schon zu spät ist, der Zweifel anklingt, ob das alles so richtig war. Der Wildheit der Natur haben nur die Stärksten etwas entgegenzusetzen, aber langsam und unaufhaltsam frisst sich die sogenannte Zivilisation hinein in die scheinbar endlosen Weiten der Prärie, bis nichts mehr so ist, wie es einmal war.

Erst wenn es nichts mehr zu erobern gibt, werden die Krieger vielleicht eines Tages ihr grausames und blutiges Geschäft einstellen, im Moment sieht es allerdings noch nicht danach aus. Die Szenarien mögen sich verändert haben, die Menschen haben es nicht und der Satz von D.H. Lawrence lässt sich mühelos von der amerikanische Seele auf alle artverwandten in der ganzen Welt übertragen.

Die kraftvolle Bebilderung und die ebensolche Darstellung einiger Akteure macht den Film trotz seiner Länge von 134 Minuten auf jeden Fall sehenswert, auch wenn manche Szenen ob ihrer rohen, mitleidlosen Gewalt schwer zu ertragen sind. Wes Studi ist der gebrochene aber stolze Yellow Hawk, letzter Kämpfer einer gequälten, untergegangenen Nation, Rosamund Pike liefert in ihrem Porträt der geschundenen Rosalie einmal mehr eine herausragende Leistung.

Christian Bale, mit schwerem Schnäuzer bewehrt, spielt den schweigsamen, stoischen Captain, sein Blick verrät selten eine Gemütsregung, und hätte es nicht die allerletzte Szene des Films gegeben, müsste man ihn als hoffnungslosen seelischen Krüppel abschreiben. Aber in dieser einen Szene offenbart er, dass in ihm doch noch etwas lebt. Leider haben er und all die anderen Krieger bis zu solch einem Moment schon so viel Schmerz und Leid verursacht, dass es schwerfällt, ihnen die Absolution zu erteilen, und es sieht auch gut 120 Jahre später immer noch nicht danach aus, als würden diese Männer in absehbarer Zukunft aussterben, es wird weiter gekämpft und gelitten, von Männern, die glauben, sie wüssten, was sie tun. 


Regie: Scott Cooper 
Drehbuch: Scott Cooper
Kamera: Masanobu Takayanagi
Kostümdesign: Jenny Eagan
 
Darsteller:
Captain Joseph Blocker – Christian Bale
Rosalie Quaid – Rosamund Pike
Häuptling Yellow Hawk – Wes Studi
Black Hawk – Adam Beach
Sgt. Charles Wills – Ben Foster
Corp. Henry Woodsen – Jonathan Majors
Rory Cochrane, Jesse Piemons, Timothée Chalamet

Universum Film/ Central Film
USA 134 min.
Kinostart: 31. Mai 2018

Montag, 28. Mai 2018

Film-Rezensionen: Letztendlich sind wir dem Universum egal (Every Day)


Der Film ist ein weiterer in der Reihe von Geschichten um das Erwachsenwerden und beruht auf dem Jugendroman von David Levithan, der hierfür 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis (Kategorie Jugendjury) gewonnen hat.

Die sechzehnjährige Rihannon schlägt sich mit den gewohnten Problemen um Liebe, Gefühle, Unsicherheit und Freundschaften herum. Ungewöhnlich diesmal ist, dass sie eines Tages einer wandernden Seele mit Namen „A“ begegnet. „A“ wacht jeden Morgen in dem Körper eines anderen gleichaltrigen Jungen oder Mädchens auf und lebt für diesen einen Tag jeweils ein fremdes Leben. Als „A" im Körper von Rihannons Freund Justin erwacht, erlebt Rihannon einen der schönsten Tage ihres jungen Lebens, denn Justin ist plötzlich nicht mehr der übliche gedankenlose Klotz, sondern einfühlsam und liebevoll. Auch für „A“ ist diese Begegnung etwas ganz Besonderes, denn zum ersten Mal hat sie/ er das Bedürfnis, eine Verbindung, die so zufällig wie alle zuvor entstanden ist, aufrecht zu erhalten. Dies erweist sich als schwierig, denn Rihannon muss zunächst einmal die Existenz von „A“ verstehen und akzeptieren, und außerdem herausfinden, in welcher Gestalt sich „A“ ihr wieder zeigen wird. Hieraus entsteht manch überraschende und komische Situation, aber vor allem entwickelt sich eine schöne und zarte Liebesgeschichte, bei der Rihannon erkennt, warum Justin, den sie so angehimmelt hat, nie der Richtige war und wie man eine wirklich verwandte Seele erkennt.






Der Film widmet sich der Geschichte einer Teenager-Liebe behutsam und mit einer Leichtigkeit, die den Zuschauer berührt, dabei wird im Gegensatz zu der Buchvorlage aus Rihannons Perspektive und nicht der wandernden Seele „A“ erzählt, eine nachvollziehbare Änderung, schließlich bleibt „A“ die ganze Zeit unsichtbar. Durch die außergewöhnliche Figur der wandernden Seele bietet der Film einen erfrischenden neuen Ansatz für ein altes Thema und auch die jugendlichen Schauspieler liefern eine frische Darstellung ab, von ihnen ist sicher noch einiges zu erwarten.

In der Rolle der Rhiannon überzeugt die junge Australierin Angourie Rice („Spider-Man: Homecoming“, „The Nice Guys“), sie stand unter anderem bereits neben Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Colin Farrell in „Die Verführten“ („The Beguiled“) für Sophia Coppola vor der Kamera. Die Rolle von „A“ wird von verschiedenen Jungstars verkörpert, so von Justice Smith (Margos Spuren), der in diesem Sommer in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ zu sehen sein wird, Owen Teague, der in der Netflix-Serie „Bloodline“ und in der Stephen-King-Neuverfilmung „Es“ zu sehen war, sowie Colin Ford („Wir kaufen einen Zoo“), der zur Zeit für „Captain Marvel“ vor der Kamera steht.  



Regie: Michael Sucsy
Drehbuch: Jesse Andrews b/a Romanvorlage von David Levithan
Kamera: Marina Brackenbury

Darsteller:
Rihannon – Angourie Rice
Justin – Justice Smith
Alexander – Owen Teague
Xavier – Colin Ford
Lindsey – Maria Bello
Jolene – Debby Ryan
Nathan – Lucas Jade Zumann

Splendid Film
USA 98 min.
Kinostart: 31. Mai 2018

Dienstag, 22. Mai 2018

Film-Rezensionen: Solo - A Star Wars Story


Die Saga geht weiter…
Irgendwann in einer nicht so weit entfernten Galaxis sollte jedes Jahr zu Weihnachten ein neuer Star Wars Film in die Kinos kommen, bis alle Kinder glauben, dass dies dazu gehört, wie der Weihnachtsmann von Coca Cola. Nun erscheint schon Mitte des Jahres der nächste Ableger, um den es im Vorfeld einigen Wirbel gab, nachdem während der bereits laufenden Dreharbeiten die beiden ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Chris Miller von Disney und Lucasfilm durch den Routinier Ron Howard ersetzt wurden. Dieser Film setzt nicht die dritte Trilogie fort, sondern liefert die Vorgeschichte des beliebten Helden Han Solo, ist also zeitlich zwischen den Teilen III und IV angesiedelt.
Der Film bietet wie immer beeindruckende Bilder aus einer galaktischen Zukunft, taucht aber auch einige Male in erstaunlich fern zurückliegende Sphären der Vergangenheit ab. Han (Alden Ehrenreich) stammt vom Planeten Corellia, einem düsteren Ort, wie ihn Charles Dickens nicht besser hätte entwerfen können. Er schuftet dort, noch ohne Nachnamen, mit Freundin Qi’ra (Emilia Clarke) und hat den einen Plan: entkommen und der beste Pilot der Galaxis werden. Die Flucht – eine astreine konventionelle Autoverfolgungsjagd mit unkonventionellen Fahrzeugen – gelingt nur ihm allein, und das mit der Pilotenschule wird nichts, weil er zu aufmüpfig ist. Stattdessen landet er in den Schützengräben eines Krieges, verschlammt und verdammt, mit Bildern, wie man sie aus dem ersten Weltkrieg kennt, wo er auf ein Verbrecherpärchen trifft: Beckett (Woody Harrelson) und Val (Thandie Newton). Mit ihnen tut er sich zusammen und es folgen eine Reihe von Abenteuern, bei denen ein James-Bond-artiger Bösewicht (Paul Bettany), Hans ehemalige Freundin Qi’ra, undurchsichtig und unnahbar, sowie der äußerst wertvolle Treibstoff Coaxium eine die Handlung vorantreibende Rolle spielen. Zwischendurch wird man gefühlt in einen Western zurückversetzt, als ein – allerdings futuristischer - Zug in einer durchaus atemberaubenden Sequenz überfallen wird, es gibt Pokerrunden wie einst im Saloon und Han bringt sich in Pistolero-Manier in Stellung – die Mythen der Vergangenheit funktionieren in der Zukunft halt immer noch.

Letztlich ist in diesem Film alles darauf angelegt, die fehlenden Puzzleteile aus Han Solos Vergangenheit einzufügen. Wir erfahren, wie er zu seinem Nachnamen kommt, wie er sein Schiff, den Millenium Falcon, dem Glücksritter Lando Calrissian (Donald Glover) abluchst, er macht den Kessel Run, kurzum, er zeigt, wie er wurde, was ihn ab dem vierten Teil der Saga zu einem der beliebtesten Charaktere gemacht hat. Vor allem aber werden wir Zeuge, wie die Freundschaft zwischen Han und seinem treuen Kumpel, dem Wookiee Chewbacca (Joonas Suotamo) begann, für Chewbacca-Fans ein echtes Highlight, denn der haarige Wookiee ist einer der Sympathieträger des Films.

Alden Ehrenreich tritt ein zugegebenermaßen schweres Erbe an, an ihm werden sich die Geister sicher scheiden. Für meinen Geschmack nimmt er sich und seine Rolle eine Spur zu ernst, ihm fehlt die Leichtigkeit, das Augenzwinkern, das Harrison Ford der Figur des Solo gegeben hat, aber auch er teilt wahrscheinlich nur das Schicksal der kommenden Schauspielergenerationen, die lediglich als Statthalter für eine bestimmte Zeit dienen, während die Charaktere, die sie darstellen auf ewig weiter leben. Die neu eingeführten Charaktere, vor allem Landos Droide L3-37 (Phoebe Waller-Bridge) geben einen frischen und originellen Einstand, sterben aber leider allzu schnell einen (heroischen) Tod.

Am Ende ist der Film kein wegweisendes Meisterwerk der Filmgeschichte geworden, aber er ist durchweg unterhaltsam, mit gewohnter technischer Präzision und mitreißenden Bildern, das Star Wars-Gefühl kommt auf jeden Fall auf. Vorsicht ist allerdings geboten, sollte aus diesem Spin-Off eine weitere Reihe kreiert werden, vielleicht ist sogar die Bereitschaft der Star Wars Gemeinde dabei mitzugehen irgendwann erschöpft, wenn eine Geschichte auch einmal auserzählt ist. 

Copyright Fotos: 2017 Lucasfilm Ltd. & ™, All Rights Reserved.




Regie: Ron Howard 
Drehbuch: Jonathan & Lawrence Kasdan b/a George Lucas  
Kamera: Bradford Young
Schnitt: Pietro Scalia 
Musik: John Powell  
Darsteller:
Han Solo – Alden Ehrenreich 
Chewbacca – Joonas Suotamo 
Beckett – Woody Harrelson
Qi'ra - Emilia Clarke 
Lando Calrissian – Donald Glover 
Dryden Vos – Paul Bettany
Thandie Newton, Phoebe Waller-Bridge, Linda Hunt (voice), Jon Favreau (voice)

Lucasfilm/ Walt Disney Pictures 
USA 135 min. 
Deutscher Kinostart: 24. Mai 2018
FSK 12