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Donnerstag, 4. Oktober 2018

Film-Rezensionen: Letztendlich sind wir dem Universum egal (Every Day) (Homerelease)


Der Film ist ein weiterer in der Reihe von Geschichten um das Erwachsenwerden und beruht auf dem Jugendroman von David Levithan, der hierfür 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis (Kategorie Jugendjury) gewonnen hat.
Die sechzehnjährige Rihannon schlägt sich mit den gewohnten Problemen um Liebe, Gefühle, Unsicherheit und Freundschaften herum. Ungewöhnlich diesmal ist, dass sie eines Tages einer wandernden Seele mit Namen „A“ begegnet. „A“ wacht jeden Morgen in dem Körper eines anderen gleichaltrigen Jungen oder Mädchens auf und lebt für diesen einen Tag jeweils ein fremdes Leben. Als „A" im Körper von Rihannons Freund Justin erwacht, erlebt Rihannon einen der schönsten Tage ihres jungen Lebens, denn Justin ist plötzlich nicht mehr der übliche gedankenlose Klotz, sondern einfühlsam und liebevoll. Auch für „A“ ist diese Begegnung etwas ganz Besonderes, denn zum ersten Mal hat sie/ er das Bedürfnis, eine Verbindung, die so zufällig wie alle zuvor entstanden ist, aufrecht zu erhalten. Dies erweist sich als schwierig, denn Rihannon muss zunächst einmal die Existenz von „A“ verstehen und akzeptieren, und außerdem herausfinden, in welcher Gestalt sich „A“ ihr wieder zeigen wird. Hieraus entsteht manch überraschende und komische Situation, aber vor allem entwickelt sich eine schöne und zarte Liebesgeschichte, bei der Rihannon erkennt, warum Justin, den sie so angehimmelt hat, nie der Richtige war und wie man eine wirklich verwandte Seele erkennt.
Der Film widmet sich der Geschichte einer Teenager-Liebe behutsam und mit einer Leichtigkeit, die den Zuschauer berührt, dabei wird im Gegensatz zu der Buchvorlage aus Rihannons Perspektive und nicht der wandernden Seele „A“ erzählt, eine nachvollziehbare Änderung, schließlich bleibt „A“ die ganze Zeit unsichtbar. Durch die außergewöhnliche Figur der wandernden Seele bietet der Film einen erfrischenden neuen Ansatz für ein altes Thema und auch die jugendlichen Schauspieler liefern eine frische Darstellung ab, von ihnen ist sicher noch einiges zu erwarten.

In der Rolle der Rhiannon überzeugt die junge Australierin Angourie Rice („Spider-Man: Homecoming“, „The Nice Guys“), sie stand unter anderem bereits neben Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Colin Farrell in „Die Verführten“ („The Beguiled“) für Sophia Coppola vor der Kamera. Die Rolle von „A“ wird von verschiedenen Jungstars verkörpert, so von Justice Smith (Margos Spuren), der in diesem Sommer in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ zu sehen sein wird, Owen Teague, der in der Netflix-Serie „Bloodline“ und in der Stephen-King-Neuverfilmung „Es“ zu sehen war, sowie Colin Ford („Wir kaufen einen Zoo“), der zur Zeit für „Captain Marvel“ vor der Kamera steht. 


Regie: Michael Sucsy
Drehbuch: Jesse Andrews b/a Romanvorlage von David Levithan
Kamera: Marina Brackenbury

Darsteller:
Rihannon – Angourie Rice
Justin – Justice Smith
Alexander – Owen Teague
Xavier – Colin Ford
Lindsey – Maria Bello
Jolene – Debby Ryan
Nathan – Lucas Jade Zumann

Splendid Film

Homerealease 
DVD und Blu-ray
Sprachen: Deutsch/ Englisch
Bildformat DVD: 16:9/ 2,39:1
Tonformat DVD: Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 94 min. (+ Bonusmaterial)

Bonusmaterial:
- Deleted Scenes
- Featurettes: Vom Buch zum Film - Liebe - Die Charaktere im Film - Die Figur "A
Trailer

Bei den nichtverwendeten Szenen handelt es sich um einzelne Sequenzen, die einige Situationen etwas ausführlicher als im Film zeigen, zum Teil wurden explizite Anspielungen auf Sex gekürzt, außerdem wurde die Rolle des Priesters in der Nathan-Episode zurückgeschnitten.

Bei den Featurettes, die nicht allzu lang sind, gibt es ein paar Hintergrundinformationen, die sich aus der Buchvorlage ableiten, außerdem werden einzelne Charaktere etwas genauer dargestellt.


Mittwoch, 3. Oktober 2018

Film-Rezensionen: A Star is Born

Die Geschichte ist schnell erzählt: Alternder Rockstar mit Alkoholproblem entdeckt und protegiert junge Sängerin, verliebt sich in sie, ihr Stern geht auf, während seiner ungebremst abstürzt, bis am Ende auch ihre Liebesbeziehung scheitert.

Drei Mal zuvor wurde der Stoff bereits auf die Leinwand gebracht, in den dreißiger, fünfziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, die aktuelle Version, bei der der Schauspieler Bradley Cooper sein Regiedebüt gibt, fügt der Geschichte nichts wirklich Neues hinzu. Cooper hat den Film mitproduziert und am Drehbuch, das auf der ursprünglichen Vorlage beruht, mitgeschrieben, um dann - lasst mich den Löwen auch spielen! - auch noch die Rolle des Rockstars Jackson Maine selbst zu übernehmen.

Mit Lady Gaga als Schützling Ally ist ihm sicher ein spektakulärer Coup für die Rolle der titelgebenden jungen Sängerin gelungen. Sie macht ihre Sache bei ihrem Leinwanddebüt gut, allerdings ist ihr das, was sie spielt, nicht so ganz fremd, wenn sie als Sängerin den Start einer Sängerinnenkarriere darstellt.

Cooper gönnt ihr durchaus ein paar schöne Szenen, sorgt aber stets dafür, dass er gleich wieder selbst mit einer Großaufnahme im Bild ist, hier hätte der Regisseur Cooper den Darsteller Cooper etwas zurückhaltender inszenieren sollen. So zerstört er am Ende die schönste Szene seiner Hauptdarstellerin, die nur ihr gehört hätte, als Ally ein Lied vorträgt, das Jackson für sie geschrieben hat, und plötzlich in einer Rückblende Jackson selbst übernimmt und das Lied beendet.

Insgesamt ist der mit so vielen Vorschusslorbeeren bedachte Film enttäuschend, vor allem die bisherigen euphorischen Reaktionen, die er in den USA bei Kritikern und ausgewähltem Publikum ausgelöst hat, bleiben unverständlich. Für ein Meisterwerk ist er zu konventionell, die Liebesgeschichte reißt nicht unbedingt mit, es gibt unnötige Längen, und damit der vierte Aufguss desselben Themas noch einmal fesselt, hätte es ein wenig mehr Originalität bedurft. Stattdessen scheint man sich auf die Zugkraft der beiden Hauptdarsteller zu verlassen, die im Hinblick auf die kommende Awards Season bereits überall in Stellung gebracht und ins rechte Licht gerückt werden.




Regie: Bradley Cooper
Drehbuch: Eric Roth, Bradley Cooper, Will Fetters b/a story by William A. Wellman und Robert Carson
Kamera: Matthew Libatique 

Darsteller:
Lady Gaga, Bradley Cooper, Sam Elliott, Dave Chapelle, Anthony Ramos 

USA 2018
Warner Brothers
135 min.
Deutscher Kinostart: 4. Oktober 2018

Freitag, 28. September 2018

Film-Rezensionen: Werk ohne Autor

Im Jahr 1937 wird der kleine Kurt Barnert (Cai Cohrs) Zeuge verstörender Veränderungen in seinem und dem Leben seiner Familie.
Der Besuch einer Ausstellung über entartete Kunst mit seiner Tante Elisabeth (Saskia Rosendahl) beeindruckt den Jungen sehr und als die Tante später selbst als „entartet“ Opfer eines menschenverachtenden Euthanasieprogramms wird und ihm, bevor sie für immer verschwindet, noch einschärfen kann, niemals wegzusehen, sind die Weichen für sein weiteres Leben gestellt.
Der junge Erwachsene Kurt (Tom Schilling) weiß eines Tages ganz sicher, dass für ihn nur ein Leben als Künstler in Frage kommen kann und, einmal erkannt, widmet er sich diesem Ziel über alle weiteren Zeitläufe hinweg. Kunst wird zu seinem Teil der Geschichte.

Der andere Teil der Geschichte beschäftigt sich mit einem Monster. Das Monster heißt Carl Seeband (Sebastian Koch) und ist eine Koryphäe auf dem Fachgebiet der Gynäkologie. Auch er widmet sich diesem seinem Lebenszweck mit Akribie. Dabei kennt er keine Skrupel, seine hervorragende fachliche Kompetenz stets in den Dienst der jeweiligen Herrschenden zu stellen. Wenn er sich an Verbrechen wie der Euthanasie und den damit verbundenen Entscheidungen über Leben und Tod beteiligt, macht er dies mit derselben Selbstverständlichkeit, wie er bei Kriegsende der Frau eines russischen Kommandanten bei der komplizierten Geburt ihres Babys das Leben rettet, was ihm bei seiner Entnazifizierung hilft. Er praktiziert in der DDR ebenso wie später in der BRD, als es opportun ist, und nie scheint er Zweifel zu haben, das Richtige zu tun.

Kompliziert wird die Geschichte, als seine Tochter Elisabeth, genannt Ellie (Paula Beer) sich in den angehenden Künstler Kurt verliebt, der inzwischen an der Ademie in Düsseldorf mit Professor Antonius van Verten (Oliver Masucci) als Mentor studiert. Kurt steht für alles, was Carl Seeband nicht versteht und letztlich auch verachtet, und so scheut Seeband nicht davor zurück, auch in das Leben seiner Tochter einzugreifen, weil es für ihn das Richtige zu sein scheint. Als Kurt erkennt, wer Carl Seeband ist und was er im dritten Reich getan hat, steht er vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens, aber auch hier weist ihm schließlich die Kunst den für ihn richtigen Weg, mit der Schuld Seebands umzugehen.

Mehr als zehn Jahre sind seit seinem mit vielen Preisen bedachten Film „Das Leben der Anderen“ vergangen, der misslungenen Hollywood-Ausflug „The Tourist“ liegt auch schon wieder acht Jahre zurück. Nun kehrt Florian Henckel von Donnersmarck auf die große Leinwand und zu dem zurück, was er so gut beherrscht: anderen beim Leben zuzuschauen. Diesmal richtet sich sein Blick auf mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte und er lässt uns teilhaben an Schicksalen und Ereignissen, die über die Zeitläufe untrennbar miteinander verwoben sind.

Inspiriert wurde der Film vom Leben des Malers Gerhard Richter, und das zentrale Thema
ist die Kunst, Kunst, die für sich selbst spricht, aber auch die Kunst, die, als Lebenszweck und als Gegengewicht zu allem Schrecklichen, was Menschen einander anzutun imstande sind. Kunst macht den Menschen zum Menschen und kann helfen, auch das schlimmste Trauma in etwas Positives zu verwandeln, solange es Künstler gibt, gibt es Hoffnung scheint die Botschaft zu sein, und diese Hoffnung darf man nie aufgeben.

Von Donnersmarck ist ein außergewöhnliches Werk gelungen, dramatisch und poetisch zugleich, das sich wohltuend vom kalkulierten, glattgebügelten Mainstream abhebt. Machtvolle Bilder werden von der betörenden Musik Max Richters untermalt, die noch lange nach Ende des dreistündigen Films nachhallt. Das hervorragende Ensemble der bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend besetzten Schauspieler, allen voran Tom Schilling und Sebastian Koch, die ihren Figuren eine beeindruckende Tiefe geben, machen diesen Film zu einem ganz besonderen Werk, das zu Recht mit dem Prädikat „Besonders Wertvoll“ bedacht wurde und als deutscher Beitrag für den besten nichtenglischsprachigen Film ins Rennen für den Oscar® 2019 geschickt wird.





Regie und Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck 
Kamera: Caleb Deschanel 
Musik: Max Richter 
Produktion: Pergamon/ Wiedemann & Berg Film Produktion 
Präsentiert von 
Buena Vista International 
In Koproduktion mit 
Beta Cinema
ARD Degeto
Bayrischer Rundfunk
in Zusammenarbeit mit 
Sky Deutschland
Rai Cinema
Arte

Darsteller:
Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Cai Cohrs, Hanno Koffler, Jörg Schüttauf, Hinnerk Schönemann, Ina Weisse, Ulrike C. Tscharre
sowie als Gäste: Ben Becker und Lars Eidinger
im Verleih von Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Bilder und Video: © Walt Disney Motion Pictures 
Prädikat: Besonders Wertvoll
188 min.
Kinostart: 3. Oktober 2018


Dienstag, 25. September 2018

Film-Rezensionen: The Man Who Killed Don Quixote


Don Quixote: Wer hätte noch nicht von ihm gehört oder gelesen, kaum eine literarische Figur ist so berühmt und wird so oft zitiert, man möchte beinahe glauben, er habe tatsächlich gelebt. Gleiches gilt für seinen treuen Adlatus Sancho Pansa, sein Pferd Rosinante sowie die unerreichbare Schönheit Dulcinea, um die der Ritter von der traurigen Gestalt wirbt, und kaum ein Kampf ist so bekannt, wie der gegen die Windmühlen, für ihn bedrohliche Riesen, für alle anderen die Metapher für Wahnsinn und aussichtlose Unterfangen jeder Art. Der Roman des spanischen Autors Miguel de Cervantes aus dem 17. Jahrhundert ist ohne Übertreibung eines der bekanntesten Werke der Weltliteratur, ein literarisches Meisterwerk.


 Nachvollziehbar, dass den Regisseur Terry Gilliam, einziger Amerikaner der legendären Monthy-Python-Truppe, dieser Stoff reizte, obwohl er insgeheim glaubt, dass auf der Figur des Don Quixote so etwas wie ein Fluch liegt, dass jeder, der sich zu sehr auf ihn einlässt, selbst zum Don Quixote wird und in den Wahnsinn marschiert, um die Welt so zu machen, wie er sie sich vorstellt.
Wahnsinn war dann tatsächlich die 30-jährige Entstehungszeit, die dieser Film von den ersten Anfängen bis zur Fertigstellung benötigt hat. Nach mehr als 10 Jahren Entwicklungsarbeit wurden im Jahr 2000 die Dreharbeiten nach sechs Tagen wegen diverser Probleme eingestellt. Der ursprüngliche Darsteller des Quixote, Jean Rochefort, ist mittlerweile verstorben, dennoch blieb Gilliam hartnäckig und nun endlich kommt das Ergebnis dieses langen Kampfes in die Kinos.

Allerdings verknüpft der Film die alte Geschichte mit einer modernen Rahmenhandlung. Protagonist ist der zynische Werbefilmer Toby (Adam Driver), der sich auf seine eigene Reise in den Wahnsinn begibt. Während er in Spanien versucht, einen Werbefilm zu drehen, wird er an seinen Film über Don Quixote erinnert, den er einst als Student in einem kleinen Dorf in genau dieser Gegend gedreht hat.
Bei der Suche nach Spuren seiner Vergangenheit, entdeckt er, dass sein vermeintlich unschuldiger Film verheerende Auswirkungen auf alle Beteiligten in dem Dorf hatte, vor allem auf seine beiden Hauptdarsteller: Die damals junge Angelica (Joana Ribeiro), Inkarnation der unschuldigen Dulcinea, ist an ihren Träumen gescheitert und der einfache Handwerker, der seinen Ritter verkörperte (Jonathan Pryce), glaubt seither, er sei tatsächlich Don Quixote.

Toby, der sich mit dem täglichen Irrsinn seines Jobs und den darin liegenden Versuchungen bezüglich Frauen, Macht und Geld herumschlägt, gerät durch die Konfrontation mit seiner Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die Gegenwart mehr und mehr in einen Strudel, der ihn immer tiefer in eine Welt hinabzieht, in der Realität und Fantasie wild durcheinander wirbeln. Eine gute Gelegenheit für Gilliam, seinen Zuschauern bunte Bilder von ausschweifenden Festen in farbenfroher Kulisse zu präsentieren, bis Toby, der als Werbemann gewohnt ist, Träume zu verkaufen, beginnt, wie Quixote daran zu glauben.

Geht es in der literarischen Vorlage darum, dass die Macht der Fantasie gegen die Macht der Vernunft kämpft und Träume die Kraft haben, die Welt zu verändern, ein Thema, das über alle Zeiten hinweg immer wieder aufgegriffen und weitergeführt wurde, bleibt der Film seiner Hauptfigur in ihrer persönlichen Verirrung verhaftet. Toby ist kein moderner Quixote, die Rolle ist schon besetzt, und so bleibt für ihn nur die des unterstützenden Helfers Sancho Pansa, der Filmemacher ist nicht der Träumer, sondern ein Erfüllungsgehilfe seiner Auftraggeber und letztlich auch der Zuschauer.
Was Gilliam dabei auf die Leinwand bringt, ist typisch für dessen eigene wahnhaften,
überdrehten Fantasien, die er in seiner über 40 Jahre währenden Karriere mit offensichtlicher Lust an visuellen Experimenten inszeniert. Wenn dieser Film trotz aller Bemühungen dann doch nicht der Höhepunkt seines Schaffens geworden ist, werden alle, die sich auf seine überbordende Fantasie einlassen mögen, dennoch ihren Spaß haben. Der Geschichte des Ritters von der traurigen Gestalt wird kein neues Denkmal gesetzt, wohl aber der Figur in Gestalt von Jonathan Pryce, dem eine bewegende und eindrucksvolle Darstellung des Don Quixote gelungen ist, ein Mann, zerbrechlich und alt, und gleichzeitig voller Mut, Kraft und Überzeugung, dem es gelingt, die Riesen für jeden sichtbar zu machen, der bereit ist, sich ihnen zu stellen.
 

 Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Terry Gilliam, Tony Grisoni
Kamera: Nicola Pecorini
Ausstattung: Edou Hydallgo
Musik: Roque Banos 
Bild- und Videomaterial:
 © 2018 Concorde Filmverleih GmbH
 @DiegoLopezCalvin

Darsteller:
Adam Driver, Jonathan Pryce, Stellan Skarsgard, Olga Kurylenko, Joana Ribeiro, Óscar Jaenada, Jason Watkins, Rossy De Palma Hovik Keuchkerian, Jordi Mollá, Sergi López

Concorde Filmverleih
Prädikat: Besonders Wertvoll
Official Selestion Festival de Cannes
133 min.
Kinostart: 27. September 2018

Mittwoch, 19. September 2018

Film-Rezensionen: Das Haus der geheimnisvollen Uhren (The House with a Clock in its Wall)


Der zehnjährige Lewis Barnavelt (Owen Vaccaro) kommt im Jahr 1955 nach dem Tod der Eltern zu seinem verschrobenen Onkel Jonathan (Jack Black) in die Kleinstadt New Zebeedee, Michigan.
Der Onkel lebt in einem äußerst merkwürdigen Haus, das voller Geheimnisse, seltsamer Apparate und Möbelstücke steckt. Das unheimlichste ist eine Uhr, die irgendwo im Inneren tickt, die Jonathan und seine ebenfalls geheimnisvolle Nachbarin, Mrs. Zimmermann (Cate Blanchett), unter allen Umständen zu finden und zum Schweigen zu bringen versuchen, bevor sie ein Unheil apokalyptischen Ausmaßes über die Menschheit bringt. Lewis ist ein braver Junge mit einer Vorliebe für Wörter und einer alten Fliegerbrille auf dem Kopf, was ihn bei seinen Mitschülern zu einem Außenseiter macht.


Um einem vermeintlichen Freund zu imponieren, setzt er sich über das einzige Verbot seines Onkels hinweg, öffnet einen verbotenen Schrank und beschwört durch diesen Sündenfall das Unheil in Gestalt des bösen Magiers Isaac Izard (Kyle MacLachlan) herauf. Damit beschert er Jonathan und Mrs. Zimmermann ein beinahe unlösbares Problem, das diese nur mit vereinten Kräften und der Unterstützung durch Lewis selbst meistern können.

Der Regisseur Eli Roth war bisher im Genre des hartgesottenen Horrorfilms unterwegs, so inszenierte er die ersten beiden Filme aus der "Hostel"-Reihe. Hier versucht er sich an einer jugendtauglichen Gruselgeschichte, die auf den Büchern des amerikanischen Jugendbuchautors John Bellairs beruht. Es gibt keine wirklich heftigen Schockeffekte, für zartbesaitete Kinder wird die ein oder andere Szene aber vielleicht doch zu unheimlich sein. Der Humor des Films richtet sich mit Pups- und Kackwitzen sowie kotzenden Kürbissen dagegen wieder eher an das ganz junge Publikum, so dass es nicht ganz klar ist, für wen der Film letztlich gemacht wurde. Auch wenn es einige hübsche Ideen, skurrile Situationen, fantasievolle Bilder und eine liebevollen Gruselausstattung gibt und der junge Hauptdarsteller Owen Vaccaro seine Sache wirklich gut macht, fehlt vielleicht eine knuddelige Figur, die von Jung und Alt gleichermaßen ins Herz geschlossen werden kann. Auch die Zeitreise in die 50ger Jahre bietet keinen speziellen Reiz und ob die magischen Zaubereimoment die gleiche Faszination ausüben können, wie sie im Harry-Potter-Universum geliebt wurden, ist fraglich. Allein die Gruselmomente könnten diese Mankos aufwiegen, insofern wäre ein Filmstart zu Halloween vielleicht der bessere Zeitpunkt gewesen.


Regie: Eli Roth 
Drehbuch: Eric Kripke b/a der Romanvorlage von John Bellairs
Kamera: Rogier Stoffers
Musik: Nathan Barr
Darsteller: Jack Black, Cate Blanchett, Owen Vaccaro, Renée Elise Goldsberry, Sunny Suljic, Colleen Camp, Lorenza Izzo und Kyle MacLachlan

Universal Pictures International Germany
106 min
FSK: 6, feiertagsfrei
Kinostart: 20. September 2018 


Mittwoch, 12. September 2018

Film-Rezensionen: Kin


Der junge Eli Solinski (Myles Truitt) treibt sich, statt regelmäßig die Schule zu besuchen, in einem zur Ruine verkommenen verlassenen Werksgelände herum, Sinnbild des Niedergangs einer Stadt wie Detroit. Eines Tages findet er einen seltsamen Kasten und nimmt ihn mit nach Hause. Dort versucht sein Adoptivvater Hal (Dennis Quaid), ihn zu einem anständigen Menschen zu erziehen, wenn er schon bei Elis Bruder Jimmy (Jack Reynor) versagt hat, der bereits einen Großteil seines Lebens im Gefängnis verbracht hat.
Als Jimmy bald darauf entlassen wird und zu Hause auftaucht, gerät er sofort wieder in Schwierigkeiten mit einer brutalen Gang unter Führung des gewalttätigen Taylor Balik (James Franco) und dessen Bruder Dutch, die nach einem missglückten gemeinsamen Überfall hinter dem Geld her sind, das Jimmy für sich behalten hat.
Gemeinsam mit Eli flüchtet Jimmy, unterwegs schließt sich ihnen die Tänzerin Milly (Zoë Kravitz) an, und zu dritt versuchen sie, Baliks Bande und der Polizei zu entkommen. Der seltsame Kasten, den Eli gefunden hat, entpuppt sich als Hightechwaffe, die nur Elis Händen gehorcht, und ihr Gebrauch zieht die Aufmerksamkeit weiterer Verfolger auf sich, denen die Waffe gehört, eine mysteriöse Einsatztruppe, die nicht von dieser Welt zu sein scheint und dem überraschten Eli am Ende ein phantastisches Geheimnis anvertraut, das sein Leben für immer verändern wird…


Der Film startet ambitioniert und bietet in einigen Szenen ein gelungenes visuelles Design und stylische Bilder. Er schafft es auch zu Beginn durchaus, Spannung aufzubauen, verliert sich dann aber schnell in den unterschiedlichen Genres, die er streift, vermischt Familien- mit Sozialdrama, Gangstergeschichte mit Science-Fiction-Elementen, bis zu seinem überraschenden Ende. Nach einer langen Ouvertüre wird in den letzten fünf Minuten der eigentliche Kern der Geschichte berührt, im Eiltempo wird aus dem Genremix tatsächlich ein Science-Fiction-Film, allerdings reicht es dann nur noch dafür, kurz die losen Enden der Story zu erklären, was Eli, aber auch den Zuschauer einigermaßen überrascht zurücklässt.

Der Titel „Kin“, der Bedeutungen wie „Verwandtschaft" oder "Abstammung“ hat, wird zwar am Ende verständlich und spielt auch eine Rolle im Verhältnis der beiden Brüderpaare untereinander, aber es kommt nie zu einer Verbindung zwischen Zuschauer und Filmfiguren, und daran können auch die Darsteller nichts ändern: Machen Dennis Quaid, Myles Truitt und auch Zoë Kravitz ihre Sache noch gut, schafft es Jack Reynor zu keinem Zeitpunkt, der Figur des Jimmy auch nur den Ansatz einer positiven Seite zu geben, was es dem Zuschauer leichter machen würde, sich für sein Schicksal zu interessieren. Er ist ein nervender Verlierer und bleibt es den ganzen Film über, während James Franco den psychopathischen Gangster Taylor ohne jegliches Charisma bis zur Karikatur überzeichnet.

Produziert wurde der Film von Shawn Levy mit seiner Firma 21 Laps Entertainment, die zu ihren Erfolgen Science-Fiction Hits wie „Arrival“ und „Stranger Things“ zählt, an diese hier jedoch nicht anknüpfen kann.


Regie: Jonathan Baker & Josh Baker
Drehbuch: Jonathan Baker & Josh Baker, b/a dem Kurzfilm "Bag Man", Daniel Casey,
Kamera: Larkin Seiple
Musik: Mogwai

Darsteller:
James Franco, Zoë Kravitz, Jack Reynor, Myles Truitt, Dennis Quaid, Carrie Coon

Concorde Filmverleih
102 min.
Deutscher Kinostart: 13. September 2018


Film-Rezensionen: Book-Club - Das Beste kommt noch


Seit Jahren treffen sich vier Freundinnen einmal im Monat, um sich in ihrem Lesezirkel über Bücher auszutauschen. Alle vier sind weit in ihren 60gern und blicken auf ein mehr oder weniger erfülltes Leben zurück.




Diane (Diane Keaton) hat vor kurzem ihren Mann verloren und muss sich seitdem gegen ihre zwei erwachsenen Töchter zur Wehr setzen, die ihr nicht mehr zutrauen, alleine für sich sorgen zu können. 

Vivian (Jane Fonda), die Älteste des Quartetts, hat sich trotz immer noch vorhandenem Interesse an Männern nie für einen entscheiden wollen, ihre Unabhängigkeit und geschäftliche Erfolge waren ihr immer wichtiger.
Sharon (CandiceBergen) ist eine erfolgreiche Richterin am Bundesgericht, sie ist intelligent und diszipliniert, teilt ihr Leben nach ihrer lange zurück liegenden Scheidung mit einer Katze und hat dennoch damit zu kämpfen, dass ihr Ex-Mann kurz davor ist, eine lächerlich junge Frau zu heiraten. Einzig Carol (Mary Steenburgen) ist noch verheiratet, allerdings ist die Flamme der Leidenschaft bei ihr und ihrem Mann Bruce (Craig T. Nelson) ein wenig im Meer der Alltagsroutine untergegangen.


Die Treffen des „Book Clubs" bieten diesen Frauen mit den unterschiedlichen Lebensläufen neben literarischen Gesprächen einen willkommenen Anlass, Wein zu trinken, miteinander zu quatschen und ihre lange Freundschaft zu pflegen. Eines Tages wirft Vivian die Trilogie „50 Shades of Grey“ zur Diskussion in den Ring, ein Buch, das zunächst nur belächelt wird, dann aber bei den Freundinnen eine Saite zum klingen bringt, von der sie alle dachten, dass sie längst verstummt wäre. Alle vier stürzen sich, zunächst verhalten und schüchtern, dann aber immer offensiver in das alte Spiel von Flirten und Daten mit einem Schwung, den ihnen niemand mehr zugetraut hätte…

Egal, was man von den „50 Shades"-Büchern literarisch hält, sie haben offensichtlich einen Zeitgeist getroffen, und wenn sie geholfen haben, trotz aller Unzulänglichkeiten, Sehnsüchte nicht nur zu wecken, sondern vielleicht gerade auch ältere Frauen zu neuen Abenteuern inspiriert zu haben, dann rechtfertigt zumindest dies ihren weltweiten Erfolg.

Dem Film „Book Club“ ist es jedenfalls gelungen, eine Riege von bestens aufgelegten älteren Schauspielerinnen und Schauspielern auf der Leinwand zu vereinen, wie sie lange nicht mehr zu sehen waren. So gibt es neben den weiblichen Ikonen Keaton, Fonda, Bergen und Steenburgen auch ein Wiedersehen mit Darstellern wie Don Johnson, Craig T. Nelson und Richard Dreyfuss, und Andy Garcia als in die Jahre gekommener Latin Lover ist immer noch ein Hingucker.

Der Film hat trotz ein paar Längen Witz, und auch ein paar Klischees stören nicht den
insgesamt guten Unterhaltungswert. Die Latte des Bechdel-Tests wird knapp gerissen, es gibt zwar sogar vier Frauenrollen, die Unterhaltungen der Protagonistinnen drehen sich aber in der Hauptsache um Männer, wenn auch nicht ausschließlich. Ganz wichtig ist aber, mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass „Book Club" zwar sicherlich ein Film für ein älteres – oder sollte man sagen: erwachsenes? - Publikum ist, er spricht jedoch auch jüngeren Zuschauern an, indem er Mut macht und mit der Vorstellung aufräumt, wenn man das Alter der Eltern erreicht hat, seien Leben und Liebe vorbei und Sexualität spiele keine Rolle mehr. Au contraire! Solange man offen im Geist bleibt, bedarf es nur eines leichten Anstoßes, um aus einer oft selbstgewählten Lethargie aufzuwachen und – den deutschen Untertitel aufnehmend: Das Beste kommt noch – wieder mit dem Leben zu beginnen und es auszukosten, so lange, bis es wirklich zu Ende ist und keinen Tag früher!


Ein Besondere Erwähnung verdient Jane Fonda, die in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feierte und zu diesem Anlass 1,3 Millionen Dollar für ihre Wohltätigkeitsorganisation Georgia Campaign für Adolescent Power & Potential einsammelte, welche sich für die Problem junger Menschen einsetzt.




Regie: Bill Holderman 
Drehbuch: Bill Holderman, Erin Simms
Kamera: Andrew Dunn
Musik: Peter Nashel

Darsteller:

Diane - Diane Keaton
Vivian – Jane Fonda
Sharon – Candice Bergen
Carol – Mary Steenburgen
Bruce – Craig T. Nelson
Mitchell – Andy Garcia
Arthur – Don Johnson
Tom – Ed Begley Jr.
Dr. Derek – Wallace Shawn
Jill – Alicia Silverstone

Im Verleih vonSquare Entertainment

und Telepool
Im Vertrieb der 20th Century Fox Germany
Fotos/Video: © SquareOne Entertainment
97 min.

Deutscher Kinostart: 13. September 2018