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Mittwoch, 29. August 2018

Film-Rezensionen: I, Tonya (zum DVD- und Blu-ray-Start)


Der Film erzählt die Geschichte der Tonya Harding (Margot Robbie), einem Mädchen aus einfachsten Verhältnissen, das von der Mutter LaVona (Allyson Janney) in eine Eiskunstlaufkarriere geprügelt wird. Keine von beiden entspricht dem gängigen Image dieser Sportart, aber beide brennen vor Ehrgeiz, es in eine Welt zu schaffen, die nicht die ihre ist.
Tonya wird eine gute Läuferin, hat aber nicht die Ausstrahlung der kleinen Eisprinzessin, wie sie neben sportlichen Höchstleistungen von diesen Sportlerinnen erwartet wird, und man lässt sie immer wieder spüren, dass sie eigentlich nicht dazugehört. Erst als sie als erste Amerikanerin in einem Wettbewerb den Dreifach-Axel springt scheint sie plötzlich ganz oben angekommen zu sein. Aber bevor sie den Höhepunkt einer Sportlerkarriere erreicht, die Teilnahme bei Olympia, wirft sie einer der bizarrsten Skandale der Sportgeschichte wieder dorthin zurück, wo sie herkam: Vor der Qualifikation für die Olympischen Spiele 1994 wird ihrer Hauptkonkurrentin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange die Kniescheibe angeschlagen und es besteht der Verdacht, dass Tonya daran beteiligt war, zusammen mit ihrem Ex-Mann Jeff (Sebastain Stan) und dessen schrägem Freund Shawn (Paul Walter Hauser).

„I, Tonya" ist eine böse schwarze Komödie, in der die auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte des unglaublichen Attentats auf die Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird. Die unterschiedlichen Darstellungen der einzelnen Beteiligten, teils in nachträglichen Interviews mit Ihnen, teils durch direkte Ansprache an den Zuschauer, machen den Witz der Geschichte aus. Die Figuren und das Unterschichtenmilieu, in dem sich die Hardings bewegen, sind drastisch gezeichnet, ein Haufen von Verlierern, die stümperhaft versuchen, sich ein Stück des Kuchens abzuschneiden, der nicht für sie bestimmt ist und daran grandios scheitern. Tonya und ihr Clan werden dennoch nicht der Lächerlichkeit preisgegeben, sie vermitteln dem Zuschauer tatsächlich ein Gefühl für die Tragik einer Geschichte, in der das Aschenputtel aufbegehrt, sich dann selbst ausmanövriert und am Ende nicht den Prinzen bekommt, sondern wieder in der Küche landet.

Der Film war für für 3 Oscars® und 3 Golden Globes® nominiert, Allison Janney erhielt beide Preise für ihre Darstellung der LaVona Harding als beste Nebendarstellerin.

Ab dem 24. August 2018 ist der Film auf DVD, Blu-ray und digital erhältlich. Enthalten ist ein Making-of, in dem die Darsteller und der Regisseur vorgestellt werden, sowie einige Einblicke in die Technik, die es ermöglichte, Margot Robbie zu einer perfekten Eiskunstläuferin zu machen.

Regie: Craig Gillespie
Darsteller: Margot Robbie, Allison Janney, Sebastian Stan, Paul Walter Hauser
USA 2017
FSK 12

Details der DVD:

Laufzeit: ca.115 min.
Bildformat: 2,40:1 (16:9 anamorph)
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dolby Digital 5.1
Bonus: Making-Of, Trailer
Trailershow: Tully, High-Rise, Small Town Killers, Magical Mystery, Moonlight

Details der Blu-ray:

Laufzeit: ca. 119 min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p/24)
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1
Bonus: Making-Of, Trailer

Mittwoch, 15. August 2018

Film-Rezensionen: Christopher Robin


Im Jahre 1966 veröffentlichte Disney mit „Winnie Puuh und der Honigbaum“ den ersten animierten Kurzfilm, der auf den beliebten Geschichten von Autor A. A. Milne basiert. Zahlreiche weitere animierte Kurz- und Langfilme folgten.

Mit „Christopher Robin“ erleben die niedlichen Stofftiere nun ihr erstes Live Action-Abenteuer, allerdings in einer Fortführung der Kindergeschichten, denn irgendwann im Leben kommt der Tag, an dem man die Kindheit hinter sich lassen und in die Welt der Erwachsenen eintreten muss. Auch Christopher Robin (Ewan McGregor) hat den Hundertmorgenwald, seinen Honig liebenden Freund Puuh und die anderen längst verlassen. Er ist erwachsen, lebt mit seiner Frau Evelyn (Hayley Atwell) und der kleinen Tochter Madeline (Bronte Carmichael) in London und geht einem öden Job nach, der immer mehr Zeit in seinem Leben einnimmt, auf Kosten seiner Familie rackert er sich sogar an den Wochenenden ab.
Als ihm alles über den Kopf zu wachsen scheint, taucht plötzlich der auch etwas in die Jahre gekommene Bär Puuh in London auf und ChristopherRobin wird von seinen Erinnerungen an die schöne Zeit als kleiner Junge eingeholt. Er versucht zwar, den Bären und alles, wofür dieser steht, wieder loszuwerden, aber am Ende sind es die alten Freunde Ferkel, I-Aah und Tigger, und vor allem Puuh mit seinen schlichten Weisheiten, die ihm den Weg zeigen, wie man auch als Erwachsener die einfache Freude am Leben zurückbekommt.














Der Film ist ein liebenswertes, herzerwärmendes, wenn auch nicht durchgehend fröhliches Werk. Gerade am Anfang erleben wir die Tristesse, die ein freudloses Erwachsenenleben in der Tretmühle eines ungeliebten Jobs bei einem ausbeuterischen Chef bedeutet. Kleine aber humorvolle Szenen zwischen Christopher Robin und seinem alten Bären sind der Schlüssel zu einer verloren geglaubten Welt, kein reiner Kinderfilm, ein Familienfilm und ein Film für alle, die sich nach Verlust der kindlichen Unbeschwertheit in ihrem Herzen einen Raum für Träume und Phantasie bewahrt haben. Wer tief in seinem Innern die Idee mit sich trägt, wie schön es einmal wieder wäre, mit seinem Lieblingsteddy unter dem Arm mit diesem in ein Gespräch vertieft durch die Straßen zu streifen, der wird sich in diesem Film wiederfinden. Die anderen sind wahrscheinlich zu eingespannt in ihrem Job oder zu actionhungrig, um sich im Kino einen beschaulichen, nostalgischen Film anzuschauen.



"Ein Tag ohne einen Freund ist wie ein Topf
ohne einen einzigen Tropfen Honig darin."
Winnie Puuh




Regie: Mark Forster
Drehbuch: Alex Ross Perry, Tom McCarthy, Allison Schroeder b/a story von Ross Perry, Greg Brooker, Mark Steven Johnson und den Charakteren von A. Al Milne und Ernest Shepard
Kamera: Matthias Koenigswieser
Musik: Jon Brion, Geoff Zanelli

Im Gedenken an Jóhann Jóhannsson und Mike Povey

Darsteller:
Ewan McGregor, Hayley Atwell, Bronte Carmichael, Mark Gatiss


              104 min.

        Deutscher Kinostart: 16. August 2018











Mittwoch, 8. August 2018

Film-Rezensionen: Deine Juliet ( The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society)


Während des zweiten Weltkrieges leidet die kleine Kanalinsel Guernsey unter der deutschen Besatzung, die unter anderem zur Ernährung der Truppen auf dem Festland sämtliche Viehbestände beschlagnahmt hat. Ein „illegaler" Schweinebraten bei Amelia Maugery (Penelope Wilton) bringt eine Gruppe von Inselbewohnern – Elizabeth (Jessica Brown Findlay), Eben (Tom Courtenay), Isola (Katherine Parkinson) und Farmer Dawsey Adams (Michiel Huisman) – in Schwierigkeiten, als die ganze Gesellschaft nachts, während der Ausgangssperre, angetrunken und gutgelaunt nach Hause wankt. Von einer deutschen Patrouille gestellt, gibt man vor, als Mitglieder der „Guernseyer Gesellschaft für Literatur und Kartoffelschalenauflauf" auf dem Heimweg von einem Treffen zu sein. Den Buchclub haben sie spontan erfunden und sind am nächsten Tag gezwungen, den Verein offiziell anzumelden. Aus dieser Laune heraus entsteht tatsächlich ein interessierter Kreis, der sich von nun an regelmäßig trifft und leidenschaftlich über Literatur diskutiert.

Nach dem Krieg ist die Versorgungslage auf Guernsey immer noch schlecht und neue Bücher nicht zu bekommen. Als Dawsey in einem alten Buch des Autors Charles Lamb auf die Londoner Adresse einer Frau stößt, schreibt er ihr und fragt an, ob sie ihm ein neues Werk des Autors schicken könne. Die Adressatin ist eine junge Londoner Journalistin und Schriftstellerin namens Juliet Ashton (Lily James), die Dawseys Bitte gern nachkommt und ihm das gewünschte Buch schickt. Es entwickelt sich ein Briefwechsel zwischen beiden und eines Tages beschließt Juliet, nach Guernsey zu reisen, um Dawsey und die Mitglieder des Buchclubs kennen zu lernen. Dabei verliebt sie sich sowohl in die Insel, als auch in Farmer Dawsey, was zu Problemen führt, da sie bereits in London mit dem amerikanischen Soldaten Mark (Glen Powell) verlobt ist, außerdem gibt es ein Geheimnis innerhalb des Buchclubs, dem die Journalistin in ihr unbedingt auf den Grund gehen muss…

Erneut widmet sich ein britischer Film in Zeiten des Brexits einer Epoche, in der Umstände wie Krieg und Entbehrungen zwar keine schöne Zeit bedeuteten, aber den Zusammenhalt der Menschen untereinander förderten und sie im Kampf gegen die feindliche Außenwelt einander näher brachten. „Deine Juliet“ bietet neben diesen nostalgischen Elementen eine schöne Romanze, nicht ganz frei von Kitschelementen, aber dank der erfrischenden Darstellung der Juliet durch den neuen Star des britischen Kinos, Lily James, durchaus sehenswert. Die sich entwickelnde Liebesgeschichte des zurückhaltenden Farmers Dawsey, der das Herz der lebenslustigen und emanzipierten jungen Frau aus London erobert und sich gegen seinen Nebenbuhler aus Amerika durchsetzt, ist vorhersehbar, während die Auflösung des düsteren Geheimnisses aus Kriegstagen, das über allen Mitgliedern des Clubs schwebt, ein wenig lange hinausgezögert wird. Dennoch ist der Film, auch dank der liebevollen Darstellung seiner leicht verschrobenen übrigen Charaktere, allen voran der kleinen, idyllischen Kanalinsel Guernsey selbst, ein nettes Sommererlebnis für alle Zuschauer, bei denen es im Kino einmal nicht krachen muss.




Regie: Mike Newell
Drehbuch: Kevin Hood, Thomas Bezucha, Don Roos,
b/a Romanvorlage von Mary Ann Shaffer und Annie Barrows
Kamera: Zac Nicholson
Musik: Alexandra Harwood

Darsteller:
Juliet Ashton – Lily James
Dawsey Adams – Michiel Huisman
Sidney Stark – Matthew Goode
Elizabeth McKenna – Jessica Brown Findlay
Eben Ramsey – Tom Courtenay
Amelia Maugery – Penelope Wilton
Isola Pribby – Katherine Parkinson
Mark Reynolds – Glen Powell

studiocanal
124 min.
Kinostart: 09. August 2018

Dienstag, 31. Juli 2018

Film-Rezensionen: Mission: Impossible 6 - Fallout


Neben den anderen Wiederaufnahmen von bewährten Filmstoffen in diesem Sommer ist auch Ethan Hunt (Tom Cruise) zurück, um sich erneut auf eine unmögliche Mission zu begeben. Wie im Untertitel angedeutet, geht es diesmal um nichts weniger als eine atomare Bedrohung in Gestalt von gestohlenen Plutonium-Kapseln, aus denen sich atomare Sprengsätze herstellen lassen, deren Bau und Einsatz um jeden Preis verhindert werden muss, und wer anders als Ethan und sein Team Benji Dunn (Simon Pegg) und Luther Stickell (Ving Rhames) könnte sich dieser Aufgabe annehmen.

Würde alles glatt laufen, wäre der Film nach zehn Minuten zu Ende, aber das nukleare Material, fast schon in Händen, verschwindet wieder und es entwickelt sich eine nervenaufreibende Jagd rund um den Globus, bei der auch Alan Hunley (Aec Baldwin), einst CIA-Chef, jetzt Chef des IMF (Impossible Missions Force) und Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) wieder eine Rolle spielen, ebenso wie der bereits bekannte Widersacher Solomon Lane (Sean Harris), dessen furchtbares Credo lautet: "There cannot be peace without first, a great suffering. The greater the suffering, the greater the peace..“ (Es kann keinen Frieden geben ohne zunächst großes Leiden. Je größer das Leiden, desto größer der Frieden…") Nicht nur die skrupellosen Gegner machen Hunt zu schaffen, sondern auch wieder einmal die Irrungen und Wirrungen der Geheimdienste mit ihren Intrigen, die Ethan einmal mehr ein falsches Spiel unterstellen und ihm den zwielichtigen CIA-Mann August Walker (Henry Cavill) an die Seite stellen.

Auch der sechste Film der Reihe macht seinem Namen alle Ehre, Tom Cruise ist erneut auf einer Mission, in deren Verlauf die absurdesten und unmöglichsten Stunts zu absolvieren sind, und er macht dies nach wie vor ohne Fehl und Tadel. In unserer heutigen Welt, in der sich alles zu verändern scheint, in der unberechenbare Präsidenten und skrupellose Potentaten sich ihre Staaten und ihre Macht zurecht legen, wie es ihnen gefällt, braucht es verlässliche Helden wie Ethan Hunt, die auch in den ausweglosesten Situation eine Idee und die nötige Power haben, um uns zu beschützen und Schurken in ihre Schranken zu weisen.

Cruise nimmt den Zuschauer mit auf eine atemberaubende Reise mit irrwitzigen Verfolgungsjagden, zu Land, zu Wasser und vor allem: in der Luft! Immer atemloser hetzt er seinem Ziel hinterher und dabei bleibt zum Glück nie genügend Zeit, um sich große Gedanken über die Plausibilität der Stunts Gedanken zu machen, aber warum auch: die Handlung ist schlüssig, die mehrfachen überraschenden Wendungen halten die Aufmerksamkeit hoch bis zum brachialen Finale in den verschneiten Bergen des Himalayas, und so ist der Film für Freunde der M:I-Reihe ein Muss, für alle anderen rasante 147 Minuten Sommer-Action-Unterhaltung, die Spaß macht: Mission erfüllt!





Regie: Christopher McQuarrie 
Drehbuch: Christopher McQuarrie b/a auf der TV-Serie von Bruce Geller 
Kamera: Rob Hardy 
Musik: Lorne Balfe 
Produktion: Tom Cruise, Christopher McQuarrie, Jake Myers, J.J. Abrams
Darsteller:
Tom Cruise, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Michelle Monaghan, Henry Cavill, Alec Baldwin, Sean Harris, Angela Bassett
Paramount Pictures
USA 2018
147 min.
Kinostart: 02. August 2018




Dienstag, 24. Juli 2018

Film-Rezensionen: Hotel Artemis


Im Jahr 2028 toben in den Straßen von Los Angeles Aufstände und die Stadt versinkt im Chaos. Ein Brüderpaar, Sherman (Sterling K. Brown) und Lev Atkins (Brian Tyree), nutzt die Lage und versucht sich an einem Banküberfall. Die Sache geht schief und Lev wird schwer verletzt. Für Fälle dieser Art gibt es eine Adresse: Das Hotel Artemis, ein 13-stöckiges Gebäude im Art-Deco-Stil, das schon bessere Tage gesehen hat, dessen Penthaus nun als geheimes Krankenhaus für Schwerverbrecher dient, finanziert vom Mafiaboss The Wolfking (Jeff Goldblum). Behandelt werden allerdings nur zahlende Mitlieder des „Clubs“ und die Regeln sind streng.

Geleitet wird die Klinik seit 22 Jahren von einer Ärztin (Jodie Foster), einer altmodisch und zerbrechlich wirkenden kleinen Frau, die nur die "Schwester“ genannt wird, ihr zur Hand geht der Hüne Everest (Dave Bautista). Hinter der Fassade ist die Klinik mit hochmoderner Computertechnik ausgerüstet und die Schwester versteht überraschenderweise ihr Handwerk perfekt. Die Patienten erhalten, um ihre Anonymität zu wahren, die Namen der nach Ferienzielen benannten High-Tech-Zimmer, in denen sie untergebracht sind, und so werden Sherman und Lev zu „Waikiki“ und „Honolulu".

An diesem Abend gerät allerdings die von der Schwester sonst so effizient verwaltete Ordnung komplett verloren, eine Welle der Gewalt aus den Straßen schwappt plötzlich herein, als neben der französischen Auftragskillerin "Nice" (Sofia Boutella) und dem durchgeknallten Waffenhändler „Acapulco“ (Charlie Day) auch noch der Wolfking persönlich an die Tore klopft, begleitet von seinem unter Minderwertigkeitsgefühlen leidenden Sohn Crosby (Zachary Quinto). Und dann ist da noch die verletzte Polizistin Morgan Daniels (Jenny Slate), die eindeutig nicht zum Patientenkreis gehört, es aber schafft, die Schwester zum Bruch ihrer strengen Regeln veranlasst, wegen einer Vergangenheit, die sie seit 22 Jahren versucht, zu verdrängen…

Der Film, auf  den Weg gebracht von einem Produzententeam, das für Filme wie La La Land, The Night Manager und Drive verantwortlich zeichnete, ist eine futuristische Mischung aus Gangsterfilm und Science Fiction, der in intensiven Bildern die düster-dunkle Außenwelt der Stadt mit dem plüschigen Interieur des aus der Zeit gefallenen Gebäudes kontrastiert, das den hilfebedürftigen Patienten ein nostalgisches Ambiente mit gleichzeitiger High-End Medizin offeriert.

Jodie Foster spiegelt diesen Kontrast in ihrer Figur eindrücklich wider, sie spielt Musik auf einem alten Plattenspieler ab, während sie andererseits Operationen, die eigentlich ein ganzes Team erfordern, mithilfe von Computern und Robotern durchführt und neue Organe von 3D-Druckern fertigen lässt. Ihr Gesicht, ungeschminkt und zerknittert, beginnt zu leuchten, wenn sie sich an die Arbeit macht, das Hotel und sein morbider Charme sind ihre Heimat geworden, während draußen alles aus den Fugen gerät.

Sterling K. Brown verfügt über eine bemerkenswerte Präsenz und Jeff Goldblum gibt seinem Wolfking die nötige Gefährlichkeit. Insgesamt bleibt der Hintergrund der Aufstände im Unklaren, erklären will der Film seine dystopische Zukunftsvision nicht, er liefert jedoch einen soliden Thriller mit einigen spektakulären Kampfszenen, unterhaltsam und mit einer originellen Grundidee, vergesst John Wick und checkt ein im Hotel Artemis!


Members only –
Beschimpfen des Personals verboten!
Mitbringen von Waffen verboten!
Töten anderer Patienten verboten!



Regie: Drew Pearce
Drehbuch: Drew Pearce
Kamera: Chung-hoon Chung
Musik: Cliff Martinez
Produzenten: Marc Platt, Stephen Cornwell, Adam Siegel, Simon Cornwell

Darsteller:
Jodie Foster, Sterling K. Brown, Jeff Goldblum, Sofia Boutella, Dave Bautista, Charlie Day,
Zachary Quinto

Concorde Filmverleih
FSK 16
Deutscher Kinostart: 26. Juli 2018

Film-Rezensionen: Papillon


Henri Charrière (Charlie Hunnam), genannt Papillon (Schmetterling), wegen einer entsprechenden Tätowierung auf der Brust, ist ein erfolgreicher Safeknacker im Paris der 20ger Jahre. Eines Tages verscherzt er es sich mit einem Unterweltboss und dieser sorgt dafür, dass Papillon wegen eines Mordes, den er nicht begangen hat, vor Gericht kommt.

Er wird 1931 zu lebenslanger Haft verurteilt und, wie zur damaligen Zeit üblich, nach Französisch Guyana deportiert, einer Gefängniskolonie Frankreichs in Südamerika. Bereits auf der Überfahrt dorthin lernt er einen schwächlichen und zarten Mithäftling, den Urkunden- und Geldfälscher Louis Dega (Rami Malek) kennen. Die beiden schließen sich zusammen: Papillon wird Dega beschützen, dafür wird dieser ihm mit seinem eingeschmuggelten Geld zur Flucht verhelfen.

In der Gefängniskolonie herrschen unmenschliche Zustände, Hitze, Krankheiten, physische Gewalt fordern ihren Tribut und jeder Fluchtversuch wird drakonisch bestraft. Dennoch ist Papillon fest entschlossen, sein Leben irgendwann in Freiheit zu beenden, und weder jahrelange Isolationshaft noch die Deportation auf die berüchtigte Teufelsinsel können ihn davon abhalten, immer wieder zu versuchen zu entkommen. Aber es dauert lange Jahre, die ihn gezeichnet haben, bis ihm die Flucht tatsächlich gelingt und er nach Frankreich zurückkehren kann.

Der Film ist das Remake des gleichnamigen Vorgängers aus dem Jahr 1973 mit Steve McQueen und Dustin Hoffman, der wiederum auf der autobiographischen Vorlage der Bestseller „Papillon“ und „Banco“ von Henri Charrière beruht und eine Abrechnung mit dem unmenschlichen Strafsystem Frankreichs in Französisch Guyana darstellt, ein weiteres Werk in der Reihe von auf wahren Ereignissen beruhenden Filmdramen, die sich mit dem Thema Zuchthaus/ Strafkolonie und Flucht auseinandersetzen.

Der epische Charakter, der dieser Geschichte innewohnt, wird noch einmal für ein modernes Publikum aufbereitet, um die Schrecken dieser Strafkolonie im südamerikanischen Urwald vor Augen zu führen und dabei zu zeigen, was Willens- und Widerstandskraft eines Einzelnen bewirken können, der nicht bereit ist, sich unterzuordnen oder gar unterzugehen. Bereits der Name der dem Festland vorgelagerten Teufelsinsel (Île du Diable), auf die bereits Ende des 19. Jahrhunderts der zu Unrecht verurteilte General Dreyfus verbannt wurde, lässt erahnen, unter welchen Umständen hier fast 100 Jahre lang Gefangene bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gehalten wurden.

Es gibt wenig Spielraum für diesen Film, von den Vorlagen – Buch und Film – abzuweichen, das Drehbuch orientiert sich auch in weiten Teilen an dem damaligen von Dalton Trumbo, und so wird die bekannte Geschichte ausgebreitet, erweitert um Papillons Vorgeschichte in Paris, die jedoch nicht wirklich Neues hinzufügen kann, allerdings werden dafür einige Details der Fluchtversuche verkürzt, und gerade beim finalen Versuch fehlt ein entscheidender Aspekt, der diese Flucht schließlich erst möglich macht.

Bei aller sonstigen Werktreue hätten allein die aktuellen Hauptdarsteller die Möglichkeit, neue Akzente zu setzten. Charlie Hunnam gelingt dies nur bedingt, sein Papillon ist auch nach jahrelanger Isolationshaft zu gut beieinander, als dass es glaubhaft wäre, die psychischen und physischen Qualen merkt man ihm kaum an, während Rami Malek auf leise Art fast zur Hauptfigur wird. Sein Dega ist auch am Ende noch körperlich schwach, aber Malik verleiht ihm eine eindrucksvolle innere Stärke. 

Für Zuschauer, die den alten Film nicht kennen, bietet die Neuverfilmung eine Gelegenheit, die spannende und dramatische Geschichte auf der großen Leinwand zu erleben. Für die anderen bleibt es der Versuch einer Hommage, der keine neuen Aspekte zu bieten hat, denn für eine Auseinandersetzung mit unmenschlichen Haftbedingung, wie sie auch heute noch anzutreffen sind, ist die Geschichte zu speziell, zu sehr auf diese nicht mehr existierende Strafkolonie ausgerichtet, als dass sie über das Bekannte hinaus beeindrucken könnte.




Regie: Michael Noer
Drehbuch: Aaron Guzikowski b/a dem Drehbuch von Dalton Trumbo,
b/a den autobiographischen Romanen „Papillon“ und „Banco“ von Henri Charrière
Kamera: Hagen Bogdanski
Musik: David Buckley

Darsteller:
Charlie Hunnam, Rami Malek, Yorick Van Wageningen, Roland Møller, Tommy Flanagan, Eve
Hewson

Im Verleih der Constantin Film
133 min.
Kinostart: 26. Juli 2018





Donnerstag, 19. Juli 2018

Film-Rezensionen: Sicario 2 (Sicario: Day of the Soldado)

Die Grenze zwischen den USA und Mexiko ist das Schlachtfeld in einem Krieg, der nicht zu gewinnen zu sein scheint. Zu mächtig sind die Kartelle, zu lukrativ ist das Geschäft mit Drogen- und Menschenschmuggel und zu anziehend die USA als Markt und Sehnsuchtsort für Immigranten aus Lateinamerika.

Bereits im ersten Film „Sicario“ aus dem Jahr 2015 hatte das Rechtssystem quasi kapituliert. Die im Inland überhaupt nicht zuständigen Instanzen CIA und Armee bedienten sich, wenn auch nur zum Schein, einer letzten moralischen Instanz in Gestalt der Polizistin Kate Macer, sie ist in diesem Film nicht mehr dabei. Dabei sind aber wieder CIA-Agent Matt Graver (Josh Brolin) und Alejandro (Benicio Del Toro), der EX-Anwalt, der auf seinem privaten Rachefeldzug die Seiten wechselt, wie es ihm gerade nützt, solange er, dessen Familie von einem Kartellboss brutal getötet wurde, immer noch nicht alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen hat.

Die Situation an der Grenze hat sich in „Sicario 2“ insofern weiter verschärft, denn es werden neben Drogen und Immigranten offenbar auch Terroristen in die USA geschmuggelt. Gleich zu Anfang wird bei einem Selbstmordanschlag in einem amerikanischen Supermarkt eine Mutter mit ihrem Kind in Stücke gerissen, damit ist die Ausrichtung des Films klar: in diesem Krieg gegen skrupellose und gnadenlose Gegner müssen alle Mittel erlaubt sein und die Büchse der Pandora wird geöffnet.

CIA-Mann Matt, wird aus dem Mittleren Osten an die Heimatfront zurückbeordert und bekommt alle Freiheiten. Dass er die grundsätzlich gerne nutzt, zeigt er zuvor, als er einem verdächtigen Terrorunterstützer versichert, dass dieser keine Angst vor dem berüchtigten Waterboarding zu haben brauche, dies würde nur dort eingesetzt, wo man nicht foltern dürfe, hier jedoch könne er machen, was er wolle. Dass dies keine leere Worte sind, demonstriert er sogleich, indem er den renitenten Mann auf einem Bildschirm zusehen lässt, wie eine Drohne das Haus seines Bruders in die Luft sprengt.

Der Plan diesmal: Isabel (Isabela Moner), die Tochter des Kartellbosses Carlos Reyes zu entführen und es wie die Tat eines verfeindeten Kartells aussehen zu lassen, um einen Krieg zwischen den Kartellen anzuzetteln. Die Entführung ist eine militärische Aktion, durchgeführt auf mexikanischem Boden, ohne Rücksicht auf nationale oder internationale Gesetze. Nach wie vor ist Matts unwidersprochenes Credo, dass der Zweck alle, wirklich alle, Mittel heiligt.

Als bei der Operation etwas schief geht, bricht plötzlich auch die Allianz zwischen Matt und Alejandro auseinander und zwischen beiden steht Isabel, die zunächst keine Ahnung hat, was mit ihr geschieht, dann aber instinktiv begreift, in welches Spiel sie hier geraten ist und sich dieser Situation tapfer stellt.

„Sicario: Day of the Soldado“ lehnt sich in vielen Punkten an den ersten Film an, es gibt fast identische Luftaufnahmen des Grenzverlaufs in Wüstenfarben mit dem Niemandsland auf beiden Seiten, untermalt von ähnlich betörend dumpfen Celloklängen, die nach dem Tod von Jóhann Jóhannsson von Hildur Guðnadóttir kongenial adaptiert wurden. Das Drehbuch stammt wieder aus der Feder von Taylor Sheridan, aber der neue Regisseur Sollima hat sich offensichtlich auf die Fahnen geschrieben, den Kampf seiner Protagonisten um Recht und Ordnung mit noch entfesselteren Gewaltszenen zu untermalen. Nur wer bereit ist, die Grenzen zu überschreiten und selber über Leichen zu gehen, kann Kriege wie diese gewinnen, so die zynische Botschaft, die den waffenverliebten Amerikanern gefallen dürfte. Nur wer maximal aufrüstet und bereit ist, die Waffen auch ohne Skrupel einzusetzen, ist im Kampf gegen das Verbrechen noch handlungsfähig.

Dass dabei die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwinden, wie die Konturen in der flirrenden Hitze der amerikanisch-mexikanischen Wüste, nimmt der Film gerne in Kauf, mehr noch: er macht den Zuschauer genüsslich zu seinem Komplizen, indem er diesen über rasante und kompromisslose Actionszenen in seine Symphonie aus Rache, Vergeltung und scheinbar moralischer Überlegenheit hineinzieht.

Nichts für schwache Nerven, für Moralisten oder Verfechter einer rechtsstaatlichen Ordnung, aber ein harter und spannender Actionthriller an der Grenze des Erträglichen, der alte Westerntraditionen in das heutige Amerika zu transportieren versucht, dabei aber manchmal einen Schritt zu weit geht.



Regie: Stefano Sollima
Drehbuch: Taylor Sheridan
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Hildur Guðnadóttir

Darsteller:
Alejandro: Benicio Del Toro
Matt Graver: Josh Brolin
Isabel Reyes: Isabela Moner
Jeffrey Donovan, Catherine Keener, Manuel Garcia-Rulfo, Matthew Modine

studiocanal
122 min.
Kinostart: 19. Juli 2018