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Montag, 19. August 2019

Film-Rezensionen: Crawl


Wenn an der Küste Floridas ein Hurricane der Kategorie 5 naht, sollte man sich eher aus seinem Wirkungsbereich entfernen, Haley (Kaya Scodelario) aber macht genau das Gegenteil, als sie sich auf die Suche nach ihrem Vater Dave (Barry Pepper) begibt, der auf keinen Handyanruf reagiert. Durch heftige Regenschauer und Windstöße kämpft sie sich mit ihrem Auto bis zu dem Haus vor, das einmal ihr Elternhaus gewesen ist und findet ihren Vater tatsächlich verletzt im bereits von Wasser gefluteten Kriechkeller. Als sie merkt, was seine Verletzung verursacht hat, befindet sie sich auch schon selbst mitten in der tödlichen Falle: in das bereits halb unter Wasser stehende Labyrinth unter dem Haus mit all seinen Rohren, Leitungen und Verschlägen sind zwei riesige Alligatoren von einer nahen Alligatorfarm eingedrungen, die sich in dem flüssigen Element wie zu Hause fühlen und Jagd auf alles machen, was sich bewegt, und wenn überhaupt sind es die Menschen, die sich dort teilweise mühsam kriechend fortbewegen. Aber Hayley ist auch eine ausgebildete Schwimmerin und ihre sportlichen Fähigkeiten kommen ihr nun zugute, ebenso wie ihr Mut und ihre Zähigkeit, um sich und ihren Vater vor den gefräßigen Biestern zu retten, während das Wasser im Keller stetig steigt, aber auch außerhalb des Hauses tummeln sich weitere Jäger, werden es Vater und Tochter schaffen, zu entkommen?

Auch wenn die meisten Situationen vorhersehbar sind, bietet der Film extremen Nervenkitzel, weil die Effekte wohldosiert eingesetzt und hervorragend choreographiert sind. In Werken dieser Art wird auf Dialoge meistens nicht viel Wert gelegt, aber auch hier hebt sich der Film von vergleichbaren ab, denn in der klaustrophobischen Enge und unter dem Eindruck der existentiellen Gefahr gibt es fast schon kammerspielartige Szenen, in denen sich Vater und Tochter einander wieder annähern, nachdem sie sich über die Scheidung der Eltern entfremdet hatten. Als Hayleys ehemaliger Schwimmtrainer kennt Dave Hayleys Stärken und weiß noch, wie er sie abrufen kann, diese psychologischen Intermezzi wirken zwar manchmal ein wenig aufgesetzt, bilden aber auch ein Gegengewicht zu dem teilweise recht drastischen Gemetzel, das die (sehr gut animierten) Alligatoren innerhalb, aber vor allem außerhalb des Hauses anrichten.

Für Freunde des realen Horrors – also ohne übersinnliche oder sonstige Mächte – ein gelungener, spannungsreicher Film, für zartbesaitete Gemüter nicht ganz das Richtige im Hinblick auf einen entspannten Kinoabend. 
 
Und hier noch ein paar Survival-Tipps für den Umgang mit Alligatoren:
 
1. Alligatoren schwimmen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 32 km/h und können eine Stunde lang unter Wasser bleiben. Dadurch werden sie für ihre Beute zur unberechenbaren, unsichtbaren Gefahr. Mit ihrem muskulösen Schwanz können sie blitzartig aus dem Wasser schnellen und mithilfe ihrer spitzen Zähne die Beute in die Tiefe reißen.
Survival-Tipp: Wasser meiden oder sehr gut sehr lange sehr schnell (mindestens 33 km/h) schwimmen können.

2. Alligatoren reagieren gereizt, wenn man sich ihrem Territorium und besonders dem Nest nähert. Sie sind auch an Land sehr schnell – zumindest über eine kurze Distanz.
Survival-Tipp: Wenn euch ein Alligator an Land verfolgt, rennt, so schnell ihr könnt. Mit etwas Glück geht dem Alligator die Puste aus, bevor er euch erwischt.

3. Der Kiefer eines Alligators übt gewaltige 1.300 kg Druck aus – dadurch hat er den kraftvollsten Biss, der je bei einem lebenden Tier gemessen wurde. Alligatoren kauen dann aber nicht, sie schlucken ihre Beute in einem Stück herunter. Dabei vergießen sie dann auch gerne die sogenannte Krokodilsträne – aber nicht etwa aus Mitleid, sondern weil beim Fressen Druck auf ihre Tränendrüse ausgeübt wird.
Survival-Tipp: Sollte sich ein Alligator in einen eurer Körperteile verbeißen, stellt euch auf keinen Fall tot, sondern wirkt mit Schlägen auf den Kopf, insbesondere auf Nase und Augen, auf das Tier ein.

4. Es leben ungefähr 5 Millionen Alligatoren und Krokodile auf der Welt, allein in Florida etwa 1,5 Millionen. Aber: Es ist gesetzlich verboten, Alligatoren in Florida zu füttern – sie würden sich so zu sehr an menschliche Nähe gewöhnen …
Survival-Tipp: Nicht füttern! Auch nicht versuchen, die Alligatoren mit „Snacks“ anzulocken, nur um vielleicht ein schönes Selfie machen zu können.

5. Alligatoren können in totaler Finsternis sehen, dadurch können sie ihre Beute auch nachts jagen. Mittels der Drucksensoren an ihren Kiefern nehmen sie selbst die feinsten Bewegungen des Wasserspiegels wahr und spüren so ihre Opfer auf.
Survival-Tipp: Das Baden bei Nacht in fremden Gewässern zwingend vermeiden! Die Alligatoren könnten sich dadurch gestört fühlen und euch gegebenenfalls für tierische Beute halten und zuschnappen. Denn egal, wie viele Karotten ihr schon gegessen haben: Die Augen und alle anderen Sinne der Alligatoren sind definitiv besser als eure!

6. Mit der berüchtigten Todesrolle – festbeißen und mit dem Opfer um die eigene Achse drehen – bändigen und erlegen Alligatoren ihre Beute.
Survival-Tipp: Leider keinen. Einmal in dieser Falle, gibt es auch für Menschen kein Entkommen mehr!

Nach CRAWL werdet ihr euch genau überlegen, ob ihr den Alligatoren in Florida überhaupt noch nahekommen wollt! Denn im Wasser seid ihr ihre leichteste Beute.

Ob die oben genannten Tipps Haley und ihrem Vater Dave helfen, erfahrt ihr am Donnerstag in den Kinos in CRAWL!


Regie: Alexandre Aja
Drehbuch: Michael Rasmussen, Shawn Rasmussen
Kamera: Maxime Alexandre
Schnitt: Elliot Greenberg
Musik: Max Aruj, Steffen Thum

Darsteller:
Kaya Scodelario, Barry Pepper, Morfydd Clark, Ross Anderson, Jose Palma, Ami Metcalf, Anson Boon,
  
87 min.
FSK 16
Deutscher Kinostart: 22. August 2019



Freitag, 16. August 2019

Film-Rezensionen: Once upon a time in Hollywood (Once upon a time ... in Hollywood)


Quentin Tarantino macht einen Film über Leben (und Sterben) in Hollywood, seit Monaten wird darüber spekuliert, die Erwartung immer weiter hinauf geschraubt, immense Vorschusslorbeeren ausgeschüttet, allein wegen des spektakulären Casts – und nun das... Wo beginnen? 

Hollywood stand und steht für Glanz und Glamour, aber auch für Verkommenheit und Dekadenz, sexuelle Ausschweifungen, Laster und Leidenschaft, das große Geschäft, die Studios, die mit ihren künstlichen Träumen und mit Hilfe ihrer Protagonisten Millionen scheffeln, dem schnellen Ruhm folgen oft Absturz und Vergessen. Hier unterscheiden sich die 1960ger Jahre nicht von den Dekaden davor oder danach.
Dafür war es ein Jahrzehnt der gesellschaftlichen Umbrüche, die aus Jubiläumsgründen zur Zeit ohnehin in aller Munde sind. Ermordung eines amerikanischen Präsidenten, Bürgerrechtsbewegung, Vietnamkrieg, sexuelle Revolution, Mondlandung, Hippies, Love & Peace, Flowerpower, der Summer of Love, Ermordung weiterer Ikonen aus Politik und Showbiz, alles Stichworte, alles Ereignisse, die bis heute nachwirken. 

Was für ein Stoff für einen Regisseur wie Tarantino, das alles zusammenzufügen, als Höhepunkt die grausame Ermordung der wunderschönen Sharon Tate durch eine durchgeknallte Hippie-Clique, angestiftet von einem charismatischen Sektenführer, der eigentlich nichts anderes wollte, als Musiker zu werden.

Aber so einen Film wollte Tarantino gar nicht machen.

In seinem Werk zeigt er einen TV-Star (ja, es geht in erste Linie gar nicht um die Film- sondern um die Fernsehindustrie) namens Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), der sich im freien Fall nach unten befindet und kurz davor ist, sich in europäischen Spaghetti-Western zu verdingen, und sein ehemaliges Stunt-Double Cliff Booth (Brad Pitt), der auch schon bessere Tage gesehen hat und zur Zeit als Chauffeur und Mädchen für alles tätig ist. Zufällig befindet sich Daltons Villa im Cielo Drive in Los Angeles, nebenan sind vor kurzem neue Mieter eingezogen, der gerade sehr erfolgreiche Regisseur Roman Polanski mit seiner wunderschönen Frau Sharon Tate.

Diese Konstellation ist die Ausgangslage für eine endlos lange Aneinanderreihung von Szenen und den Aufmarsch von immer neuen Figuren, ganze Sequenzen aus Daltons Western- und Kriegsfilmen werden ausgebreitet, ohne die Handlung nach vorne zu treiben, dabei ist das spezielle Flair und Feeling der Zeit zwar in jeder Einstellung sichtbar – Hollywoodkulisse eben –  aber fühlbar ist es in keinem einzigen Moment. Die Verkommenheit und Scheinheiligkeit Hollywoods wird zwar angedeutet, vor allem das Hauen und Stechen der Stars um die besten Rollen, die sexuellen Ausschweifungen, die daraus resultierende Gewalt und Ausbeutung, die seit den ersten Tagen der Filmindustrie praktiziert wurden und ihren vorläufigen Höhepunkt in der Weinstein-Affaire gefunden hat, existiert in Tarantinos Film dagegen nicht. Stattdessen fragt Cliff Booth ein ihn lasziv anschmachtendes Hippiemädchen tatsächlich nach deren Ausweis, hier hätte man von Tarantino mehr erwartet, aber wahrscheinlich war das zuviel verlangt von jemandem, der ein enger Freund Weinsteins war, der seine – Tarantinos Filme – seit „Pulp Fiction“ mit all seiner Macht (und davon hatte er immens viel) gefördert hat.
Wenn die Hippies diejenigen sind, die sich an der Gesellschaft und vor allem an Hollywood dafür rächen wollten, dass sie ihnen die Gewalt gebracht hat, so ist Tarantino einer derjenigen, der die Gewalt in seinen Filmen ausgiebig zelebriert hat, möchte er sich mit diesem Film selbst anklagen? Auch dafür, dass er sich, wie alle anderen, der angesagtesten Hollywoodgrößen in Gestalt von DiCaprio und Pitt bedient, beides Namen, die für sich gesehen schon die Kassen zum Klingeln bringen und die von allen namhaften Regisseuren mit Rollen nur so überschüttet werden?

DiCaprio darf sich ausgiebig im Overacting suhlen, als Rick Dalton innerhalb seiner Rollen eine ironische Brechung, außerhalb dieser Rollen wird die Schmerzgrenze einige Male deutliche überschritten, während Brad Pitt den Obercoolen geben darf, was bei ihm allerdings tatsächlich cool und selbstironisch ist. Ein hübscher, aufstrebender Star wie Margot Robbie bekommt die Chance, auch einmal in einem Tarantino-Film dabei sein zu dürfen, auch wenn sie nicht wirklich mehr zu tun hat, als in die Kamera zu lächeln, während im Kopf des Zuschauers das Wissen um ihr schreckliches Ende immer mitschwingt.

Während sich die 160 Minuten Laufzeit über weite Strecken beinahe quälend und dröge dahinziehen, sehnt man dieses Ende förmlich wie eine Erlösung herbei, und erst auf der Zielgeraden, wenn der – zugegebenermaßen – fulminante Höhepunkt eingeleitet wird, über dessen Einzelheiten hier natürlich nichts verraten wird, bekommt der Film endlich den Drive, der ihm leider die meiste Zeit über gefehlt hat.

Tarantino hat es auf jeden Fall einmal mehr geschafft, für sich und sein Werk maximale Aufmerksamkeit zu generieren. Ob der Gang ins Kino lohnt, mag jeder für sich entscheiden, für seine Fans sicher keine Frage, für alle anderen – Vorsicht, kein Spoiler: Das Ende überrascht!



Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Kamera: Robert Richardson
Schnitt: Fred Raskin
Musik: Holly Adams (Soundtrack Producer)

Darsteller:
Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Timothy Olyphant, Julia Butters, Austin Butler, Dakota Fanning, Bruce Dern, Mike Moh, Luke Perry, Damian Lewis, Al Pacino, Lena Dunham, Scoot McNairy, Rumer Willis, Clu Gulager, Kurt Russell, Michael Madsen, Brenda Vaccaro, Damon Herriman

Sony Pictures
161 min.
Deutscher Kinostart: 15. August 2019





Mittwoch, 7. August 2019

Film-Rezensionen: So wie du mich willst (Celle Que Vous Croyez)


Die 50-jährige Claire (Juliette Binoche), Literaturdozentin, geschieden und alleinerziehend, steckt in einer Lebenskrise. Ihr Mann hat sie – die übliche Geschichte – für eine Jüngere verlassen, dann fühlt sie sich auch noch von ihrem ebenfalls jüngeren Geliebten Ludo (Guillaume Gouix) hintergangen. Frauen scheinen nach wie vor die Verlierer in diesem Spiel zu sein, Jugend und Makellosigkeit lassen sich nun einmal nicht zurückholen. Oder vielleicht doch? Aus einer Laune heraus erschafft sie sich auf Facebook neu, wo sie sich mit einem fiktiven Foto als 24-jährige Clara ausgibt. Schon bald entwickelt sich eine Chat-Bekanntschaft mit dem Jungen Fotografen Alex (Francois Civil), einem von Ludos Freunden, der sich sofort von ihr angezogen fühlt, von ihrer Klugheit, aber auch von ihrer Sinnlichkeit, der sie sich in ihren Internetgesprächen immer mehr hingibt. Realität und Schein beginnen sich zu verwischen und Claire verschwindet mehr und mehr hinter der fiktiven Clara, seit langem fühlt sie sich wieder begehrt und umworben, verfällt im Umgang mit Smartphone und Tablet zeitweise in Verhaltensmuster eines Teenagers. Alex hingegen ist fasziniert, wie reif und tiefgründig Claire daherkommt, er ahnt schließlich nicht, dass er es mit einer gestandenen Frau zu tun hat, mit der er wohl nie zusammen gekommen wäre, wären sie sich im echten Leben begegnet. Problematisch wird die Situation, als Alex darauf drängt, Claire/ Clara einmal persönlich zu treffen…

Der Film zeigt das Dilemma reifer Frauen, die mit viel Lebenserfahrung aufwarten können, deren Selbstwertgefühl jedoch durch das Interesse der Gesellschaft, vor allem des männlichen Teils, an Jugend und Frische immer tiefer hinabgezogen wird. Natürlich werden sie noch als Menschen mit Erfahrung wahrgenommen und geschätzt, als Frauen scheinen sie jedoch immer unsichtbarer zu werden. Eine Ungerechtigkeit der Natur, oder eine gesellschaftliche Unwucht? Juliette Binoche ist eigentlich der lebende Beweis dafür, dass hier etwas grundlegend falsch läuft, sie verkörpert alles, was eine Frau ihres Alters zu bieten hat. In ihrem Gesicht spiegeln sich ganze Geschichten von Erotik, Begehren und prallem Leben, an ihr allein liegt es, dass dieser Film funktioniert, der sich am Ende etwas zu sehr in Gedankenspielen bezüglich eines „Was wäre gewesen, wenn…" verliert, indem er aus Sicht der Protagonisten einen anderen Verlauf mit unterschiedlichen Enden in den Raum stellt. Dennoch ein sehenswerter Film, auch im Hinblick auf die Doppelbödigkeit des Internets mit seinen Möglichkeiten, Illusionen zu schaffen und Fantasien zu bedienen, die im realen Raum unter Umständen kaum die Standfestigkeit von Kartenhäusern hätten, das aber auch einen ersten Gedankenaustausch gestattet, ohne den unter Umständen ablenkenden Einfluss einer Begegnung von Angesicht zu Angesicht.


 Regie: Safy Nebbou
Drehbuch: Safy Nebbou, Julie Peyr, b/a Roman von Cmille Laurens
Kamera: Gilles Porte
Schnitt: Stéphane Pereira
Musik: Ibrahim Maalouf

Darsteller:
Juliette Binoche, Francos Civil, Nicole Garcia, Marie-Ange Casta, Guillaume Gouix, Jules Houplain, Jules Gauzelin, Charles Berling, Claude Berron

Alamode Film
Frk. 2019
101 min.
Deutscher Kinostart: 08. August 2019


Mittwoch, 31. Juli 2019

Film-Rezensionen: Der unverhoffte Charme des Geldes (La Chute de l'Empire Américain)

Pierre-Paul (Alexandre Landry) ist intelligent, worauf er sich einiges einbildet, wie man aus seinem bemerkenswerten Monolog gleich zu Beginn des Films erfährt. Dabei führt er ein bescheidenes Leben als Fahrer eines Lieferdienstes. Er verdient nicht viel Geld, aber er kann an keinem Bettler vorbei gehen, ohne diesem etwas zuzustecken und engagiert sich in der Obdachlosenhilfe.

Eines Tages beschert ihm das Schicksal etliche bis zum Rand mit Geld gefüllte Säcke aus einem Überfall, und anstatt die Finger davon zu lassen, versteckt er sie an einem sicheren Ort. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem Gangster-Syndikat, dem das Geld abhanden gekommen ist und der Polizei, die ein Verbrechen aufklären möchte, das im Folgenden einige Opfer fordern wird. Pierre-Paul erkennt, dass er allein keine Chance hat und rekrutiert eine sehr gemischte Hilfstruppe, um seinen Plan zur Sicherung der Millionen in die Tat umzusetzen. Hierzu gehören ein gerade aus dem Knast entlassenes Finanzgenie, ein Off-Shore Banker, Pierre-Pauls Ex-Freundin, die bei einer Bank arbeitet und seine aktuelle Freundin, ein Callgirl, das sich von seinem Reichtum angezogen fühlt. Ob letztere es ehrlich mit ihm meint und ob es gelingt, aus Schwarzgeld sauberes Geld zu machen, über das man legal verfügen kann – was schwieriger ist, als man glaubt – ist vergnüglich anzuschauen, äußerst spannend und mit hervorragendem Timing inszeniert.

Dabei bettet Denys Arcand seine eigentliche Botschaft, die Kritik an unserer vom Geld geprägten Gesellschaft, geschickt in diese im Gewand einer unterhaltsamen Heist-Komödie daherkommende Geschichte ein. Er lässt seine Protagonisten die gesamte Klaviatur des Systems bespielen, um eben dieses System zu schlagen, dabei schreckt er auch nicht vor ein paar überraschend harten Szenen zurück, die letztlich nur verdeutlichen, mit wem man es zu tun bekommt, wenn man sich mit denen anlegt, die die Welt beherrschen. Der Regisseur, von dem in den 1980ger Jahren bereits ein Film mit ähnlichem Titel in die Kinos kam (Le Déclin de l’Empire Américain), erklärt dazu selbst: "Wir sind alle Untertanen des amerikanischen Imperiums. Der moralische Verfall des Imperiums hat begonnen uns anzustecken. Die Omnipotenz des Geldes ist nur ein Symptom dieser Krankheit. Werden wir Antibiotika finden, die stark genug sind, die Seuche zu bekämpfen?" Werden wir? Eine Antwort auf diese Frage gibt auch dieser Film nicht, aber wenn Gesellschaftskritik so unterhaltsam daherkommt, setzt man sich gerne damit auseinander.



Regie: Denys Arcand 
Drehbuch: Denise Robert
Kamera: Van Royko
Schnitt: Arthur Tarnowski
Musik: Mathieu Lussier, Louis Dufort

Darsteller:
Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, Louis Morissette, Maxim Roy, Pierre Curzi, Vincent Leclerc, Patrick Èmmanuel Abellard, Florence Longpré
 

MFA+FilmDistribution
Kanada 2018
129 min.
Deutscher Kinostart: 01. August 2019


Donnerstag, 25. Juli 2019

Film-Rezensionen: Cleo


Wer hätte sich nicht schon einmal gewünscht, die Zeit zurück drehen zu können, sei es um einen schönen Moment noch einmal zu erleben, oder aber, noch wichtiger, um ein schreckliches Ereignis ungeschehen zu machen. Cleo (Marleen Lohse) möchte nichts dringender als letzteres, denn in ihrem jungen Leben hat sie bereits viel Kummer erfahren, als sie früh ihre Eltern verlor, schlimmer noch, sie gibt sich selbst die Schuld daran. Grund genug, um sich auf die Suche nach einer magischen Uhr zu machen, die seit den 1920ger Jahren verschwunden ist, seit den Tagen der Brüder Sass, einem bekannten Berliner Ganovenpaar, um deren Beute sich viele Mythen ranken. Mit Hilfe des Abenteurers Paul (Jeremy Mockridge), einer alten Karte und dem skurrilen Duo Günni und Zille geht Cleo auf eine Schatzsuche im heutigen Berlin zwischen Oberbaumbrücke und Teufelsberg, bei der sie tief in die Vergangenheit der Stadt und deren Geschichte eintaucht und überraschende Begegnungen mit längst Verstorbenen auf sie warten, um dabei auf die wichtige philosophische Frage zu stoßen, ob man die Vergangenheit nicht loslassen muss, um in der Gegenwart anzukommen.

Der Film von Erik Schmitt ist ein fantasievolles Sommermärchen, angesiedelt in einem magisch anmutenden Berlin, fern von allen hässlichen Auswüchsen, aber das ist in Märchen eben so. Schmitt schafft mit immer wieder überraschenden und originellen Tricksequenzen ein sehr visuelles Filmerlebnis, bei dem die erzählte Geschichte manchmal etwas zu kurz kommt, einige Nebenrollen leicht ins Klamaukige abgleiten und der Darsteller des Paul etwas farblos bleibt. Umso mehr überzeugt Marleen Lohse als verträumte, aber dennoch energische Cleo, die etwas, das sie sich einmal vorgenommen hat, gegen alle Widerstände zu Ende bringt. Anspielungen auf „Die wunderbare Welt der Amélie“ sind eher gewollt als zufällig, das Vorbild erreicht der Film nicht ganz, aber hinter Audrey Tautou braucht sich Marleen Lohse auf keinen Fall zu verstecken.




Regie: Erik Schmitt
Drehbuch: Stefanie Ren, Erik Schmitt
Kamera: Johannes Louis
Schnitt: David J. Rauschning
Musik: Johannes Repka

Darsteller:
Marleen Lohse, Fabian Busch, Jeremy Mockridge, Heiko Pinkowski, Max Mauff, Max Befort,
Ben Münchow, Anna Böttcher, Andrea Sawatzki und Jean Pütz

Weltkino Filmverleih
99 min.
Deutscher Kinostart: 25. Juli 2019


Film-Rezensionen (Homerelease): Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks (Le secret de la potion magique)

In dem weltberühmten gallischen Dorf ist die Zeit nicht stehengeblieben. Als der Druide Miraculix eines Tages vom Baum fällt, findet er es an der Zeit, über seinen Ruhestand und damit einen Nachfolger nachzudenken, der dann auch in das Geheimnis des Zaubertranks eingeweiht werden müsste. Obwohl alle Männer des Dorfes dagegen sind, machen sie sich gemeinsam mit dem Druiden auf den Weg, um überall im Land nach geeigneten Kandidaten Ausschau zu halten. Das Dorf bleibt derweil, versehen mit einem ordentlichen Kessel voll Zaubertrank, in der Obhut der Frauen und des Barden. Doch es droht Gefahr in Gestalt eines alten Widersachers, der intrigante Druide Dämonix möchte die Gunst der Stunde nutzen, sich in den Besitz der geheimen Formel zu bringen, um – dem Plan so vieler Bösewichter folgend – nichts weniger als die Weltherrschaft an sich zu reißen, und Asterix und seine Freunde müssen wieder einmal alles geben, um dies zu verhindern.

In bewährter Manier werden die bekannten Elemente der Geschichte zu einer neuen Story gemischt, die zwar vorhersehbar, aber dennoch nett anzuschauen ist. Man wird es einfach nicht leid, immer wieder zu sehen, wie die Römer verkloppt werden, Obelix ein Wildschwein verspeist oder Asterix einen neuen Plan schmiedet. Neu ist diesmal ein kleines Mädchen mit einer kleinen, aber wichtigen Rolle, das Potential für zukünftige Aufgaben im Dorf hat, ob es dazu kommt, wird sich zeigen. Die Form des Zeichentrick- bzw. Animationsfilms bleibt im Vergleich zu den Realfilmen die eindeutig bessere Variante, insbesondere wenn sie wie hier in verbesserter 3D-Animation daherkommt. Die deutschen Stimmen der Hauptpersonen stammen dankenswerterweise von gestandenen Schauspielern bzw. Synchronsprechern, und so steht einem unterhaltsamen Filmvergnügen mit den beliebten gallischen Helden nichts im Weg.


Regie: Alexandre Astier, Louis Clichy
Drehbuch: Alexandre Astier, b/a den Vorlagen von
René Goscinny und Albert Uderzo
Kamera: David Dulac
Schnitt: Bertrand Maillard
Musik: Philippe Rombi

Darsteller
Stimmen deutsch
Milan Peschel, Charly Hübner, Thomas Rau, Alexander Duda u.a.
Original:
Christian Clavier, Guillaume Briat

Universum Film
Animation/ Frankreich 2018
Homerelease: 26. Juli 2019


 Alle Formate:
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Interviews, B-Roll

Details DVD:
Laufzeit: ca. 82 min.
Bildformat: 2,40: 1 (16:9 anamorph)
Ton DD 5.1

Details Blu-ray:
Laufzeit: ca. 85 min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p/24)
Ton: DTS-HD MA 5.1

Details Blu-ray 3D/2D:
Laufzeit: ca. 85 min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p/24, 3D)
Ton: DTS-HD MA 5.1

Details UDH Blu-ray
Laufzeit: ca. 170 min.
Bildformat: 2,40:1 (2160p/24), 2,40:1 (1080p/24)
Ton: DTS-HD MA 5.1


TV-Rezensionen (Homerelease): F is for Family (F steht für Familie)


Die US-Serie führt auf eine Zeitreise zurück in die 1970ger: Familienvater Frank Murphy lebt mit Frau und drei Kindern in einer amerikanischen Vorstadt und führt das typische Leben dieser Jahre. Er ist Gepäckarbeiter bei der Fluggesellschaft Mohican Airways, als sein Chef bei einem tragischen Propellerunfall (ugh…) ums Leben kommt, erhält er dessen Stelle. Damit steht er plötzlich zwischen seinen alten Kollegen und der Geschäftsleitung, ein Spagat, der ihn nach einem drohenden Streik, den er zwar abwenden kann, seinen Job kostet.

Seine Frau Sue fühlt sich als Hausfrau unterfordert und startet eine Karriere als
Verkäuferin von Plast-a-Ware-Produkten, den berüchtigten Haushaltshelfern aus Plastik. Der älteste Sohn Kevin pubertiert heftig und hasst alles, was sein Vater macht, der mittlere Billy ist ein Weichei und die kleine Maureen spielt am liebsten mit den Schmuddelkindern der Nachbarschaft.
 
Das ist Franks Leben, das, wie es der Vorspann jeder einzelnen Folge treffend und ohne Worte zeigt, einst so hoffnungsvoll begann: Nach dem Schulabschluss Start zum Höhenflug in eine verheißungsvolle Zukunft, dann Militärdienst in Korea, das erste Kind, Hochzeit, die Taille wird weiter, die Haare weniger, die Flügel sind gestutzt, und danach kommt nicht mehr viel. Dabei hilft es nicht, einen Nachbarn wie Vic zu haben, dessen Singleleben mit Partys und jungen Mädchen Neidgefühle heraufbeschwört, daneben bevölkern noch ein paar weitere mehr oder weniger bizarre Nebenfiguren den nachbarschaftlichen Kosmos, wie es halt so ist im Leben…

Die Serie erinnert in (Zeichen)Stil und Botschaft an Dave Bergs Reihe „The Lighter Side of…“ in dem Satiremagazin MAD und beleuchtet die Geschicke der Familie Murphy mit bösem Witz und teilweise anarchischen Gags, am Ende weiß niemand so genau, ob er lachen oder doch eher weinen soll.


  Episoden Staffel 1:
 1.Die roten Tränen von Göteborg (The Bleedin’in Sweden)
2. Samstagshorror (Saturday Bloody Saturday)
3. Fehlschläge (The Trough)
4. Ein schrecklicher Tag (F’ ist for Halloween)
5. Bill Murphys freier Tag (Bill Murphy’s Day Off)
6. Ach du heilige Nacht (O Holy Moly Night)



Regie: Benjamin Marsaud, Laurent Nicolas
Drehbuch: wechselnd
Darsteller/ Sprecher:
Deutsch: Michael Pan, Maud Ackermann, Julien Haggége, Peter Lontzek
Original: Bill Burr, Laura Dern, Justin Long, Sam Rockwell

Gaumont International Television/ Wild West Television
USA 2015
Animation, Comedy
FSK: 16
Erscheinungsdatum:
26. Juli 2019 (digital)
02. August 2018 (DVD + Blu-ray)

Details DVD:
 Laufzeit: 180 min. (6x30 min.)
Bildformat: 16:9
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailershow

Details Blu-ray:
Laufzeit: 180 min (6x 30 min.)
Bildformat: 1080p24/ AVC
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailershow