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Mittwoch, 7. Dezember 2022

Im Kino: She Said

Im Jahr 2017 möchte die New York Times etwas über den Machtmissbrauch und sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz veröffentlichen, bei ihren Recherchen hierzu stoßen die Journalistinnen Megan Twohey (Carey Mulligan) und Jodi Kantor (Zoe Kazan) auf einen massiven Skandal im Filmgeschäft, der zur Verurteilung von Harvey Weinstein, einem der mächtigsten Männer in diesem Business führt und eine weltweite Welle der Solidarität von ebenso betroffenen Frauen unter dem Hashtag #MeToo auslöst.

Die deutsche Regisseurin Maria Schrader legt mit ihrem Hollywood-Debüt einen sehenswerten Film über minutiöse journalistische Recherchearbeit vor, ganz in der Tradition von „Spotlight“ oder „All the President’s Men“. Dieses Genre hat immer damit zu kämpfen, das mühsame und langwierige Zusammentragen von Informationen so interessant darzustellen, dass es nicht langweilt, ohne dabei die tapfer recherchierenden JournalistInnen zu effekthascherisch darzustellen. Diese Klippe umschifft „She Said“ mühelos, wobei natürlich das immense Interesse an dem Thema hilft, denn es gibt sicher kaum jemanden, der von #MeToo oder Harvey Weinstein noch nie gehört hat.

Dass es bei dem hier aufgedeckten Skandal letztlich um die Situation vieler Frauen auf der ganzen Welt an jedem erdenklichen Arbeitsplatz handelt, verliert der Film zwar komplett aus dem Fokus, dafür entfaltet er seine Wucht durch die Ungeheuerlichkeit der Geschichte an sich, wobei die Ungeheuerlichkeit nicht nur in den miesen und verbrecherischen Handlungen des Herrn Weinstein liegen, sondern auch darin, dass lange Jahre niemand im Umfeld dieses mächtigen Mannes die Eier hatte, ihn zu stoppen, und damit sind nicht die letztlich wehrlosen Schauspielerinnen gemeint, hatte er doch genug Macht und Einfluss, um sie für immer aus dem Filmbusiness zu befördern. Gemeint sind alle diejenigen, die zu Weinsteins Dunstkreis gehörten und nie mitbekommen haben wollen, was er über Jahre betrieben hat, also beispielsweise ein überall gehypter Regisseur wie Quentin Tarantino, dessen Erfolg zu einem großen Teil durch Weinstein durchgeboxt wurde und der aufgrund seines eigenen Standings in Hollywood genug Einfluss gehabt hätte, um Weinstein zu stoppen.

Darüber verliert der Film zwar leider kein Wort, dafür konzentriert er sich voll und ganz auf die mühsamen Recherchen, unter den eigentlich schutzlosen Schauspielerinnen die erste zu finden, die bereit war, zu einem „J’accuse“ vorzutreten, um den Weg für alle anderen zu ebnen, und diesen schwierigen Weg, den die Journalistinnen und ihre Zeitung zu gehen hatten, vermittelt der Film glaubhaft und durchaus spannend. Dabei ist es ein großartiges Zeichen, dass die Schauspielerin Ashley Judd, die unter den ersten Anklägerinnen war, den Mut hatte, unter ihrem eigenen Namen mitzuwirken, Kudos, Frau Judd!

Der Film arbeitet damit ein wichtiges Kapitel im Kampf gegen sexuelle Belästigungen und Missbrauch von Frauen in der Arbeitswelt in angemessener und gekonnter Weise auf, ohne dabei ins Effekthascherische abzugleiten, auch wenn das Thema damit nicht abgeschlossen ist, denn es gibt sicher noch immer viele Weinsteins in Firmen und Unternehmen, die zumindest vor #MeToo ungestört und aus einem hoffentlich ein für alle Mal überkommenen männlichen Selbstverständnis gehandelt haben. In fast dokumentarischer Weise wird gezeigt, was möglich ist, wenn man sich am Ende nicht einschüchtern lässt, aber auch wie wichtig Helfer sind, die nicht wegsehen, sondern ebenso mutig Stellung beziehen, wie die Opfer!

 


 Regie: Maria Schrader

Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz, b/a den New York Recherchen von Jodi Kantor, Megan Twohey, Rebecca Corbett und dem Buch von Jodi Kantor und Megan Twohey

Kamera: Natasha Braier

Schnitt: Hansjörg Weißbrich

Musik: Nicholas Britell

 

Besetzung:

Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson, Andre Braugher, Jennifer Ehle, Angela Yeoh, sowie Ashley Judd

 

Universal Pictures

USA 2022

129 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 08. Dezember 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=7S9qqZ69alI&t=1s (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=i5pxUQecM3Y (Englisch)

 

Im Kino: Weißes Rauschen (White Noise)

Jack Gladney (Adam Driver) ist Professor an einem amerikanischen Kleinstadtcollege. Er führt mit seiner aktuellen Frau Babbette (Greta Gerwig) und dem gemeinsamen Sohn sowie drei Kindern aus früheren Beziehungen ein leicht chaotisches Patchworkfamilienleben. Als nach dem Zusammenstoß eines Gefahrguttransporters mit einem Güterzug eine toxische Wolke heranwabert, muss die Stadt kurzzeitig evakuiert werden, aber das ist nicht das einzige Ereignis, das das Leben der Gladneys gehörig durcheinander bringt…

Weißes Rauschen wird in der Physik als das „Rauschen mit einem konstanten Leistungsdichtespektrum in einem bestimmten Frequenzbereich“ definiert, für den Laien klingt dies ebenso kryptisch und rätselhaft wie der ganze Film, der auf dem eigentlich als unverfilmbar geltenden Buch des amerikanischen Autors Don DeLillo basiert. Es gibt satirische Elemente, philosophische und gefühlvolle Momente, apokalyptisches Geschehen mit Einsprengseln absurden Theaters, ein knallbuntes Panoptikum des American Way of Life, zwischen Hitler, (Jack Gladneys Spezialgebiet) und Elvis (Spezialgebiet von Gladneys Kollegen Murray Siskind), wo riesige Supermärkte als die Kathedralen von heute die spirituellen Bedürfnisse des modernen Menschen auf ein profanes Level resublimieren. Auf einem eben solchen profanen Level bietet der Film auch eine handfeste Ehekrise nebst schrägem Liebhaber – von Lars Eidinger launig interpretiert – der den an sich eher braven Collegeprofessor zum Äußersten treibt, und über allem schwebt die Angst vor dem Tod, der einzigen Konstante im Leben aller.

Getragen wird der Film von den beiden Hauptdarstellern und der Virtuosität der Bilder, letzteres als Gegenpol zur Kakophonie der Tonspur mit sich überlappenden Gesprächen und Gesprächsfetzten, die manchmal über das Erträgliche hinausgehen, aber so ist das eben mit dem weißen Rauschen... Das Ganze mag nicht jedermanns Sache sein und sicher nicht den Geschmack eines Massenpublikums bedienen, aber wer sich darauf einlässt und zumindest ein wenig Sinn für die Absurditäten des Lebens, des Universums und des ganzen Rests besitzt, wird am Ende doch gut unterhalten und findet dabei genug Anregungen und Gesprächsstoff für die Zeit nach dem Kinobesuch, was den Film auf jeden Fall aus dem Einheitsbrei der üblichen Blockbuster heraushebt.

 


Regie: Noah Baumbach

Drehbuch: Noah Baumbach, b/a dem Roman von Don DeLillo

Kamera: Lol Crawley

Schnitt: Matthew Hannam

Musik: Danny Elfman

 

Besetzung:

Greta Gerwig, Adam Driver, Don Cheadle, Lars Eidinger, Sam Nivola, Raffey Cassidy

 

Netflix Studios

136 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 08. Dezember 2022

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=UpcHGuHTNUs

 

 

Dienstag, 22. November 2022

Im Kino: Bones and All

Maren (Taylor Russell) lebt mit ihrem alleinerziehenden Vater, der sie vor allem zu behüten und abzuschirmen scheint. Als sie ein Tages bei einer Freundin eingeladen ist, kommt es zu einem schlimmen Ereignis, das die Vorsicht des Vaters verständlich werden lässt. Von ihm daraufhin im Stich gelassen, macht sich Maren auf eine Reise durch die USA, um ihre Mutter zu suchen, von der sie Antworten erwartet, unterwegs begegnet sie dem Streuner Lee (Timothée Chalamet) und dem unheimlichen Sully (Mark Rylance)...

Ein Film, der sich zwischen den Genres bewegt, teils Horrorstory mit Slasher-Elementen, teils Liebesromanze mit einer Portion Außenseiter- und Coming-of-Age-Elementen, das Ganze als Roadmovie verpackt, darf‘s ein bisschen mehr sein? Oder doch nur ein Vehikel, um den abgerissenen Charme des gerade so angesagten Timothée Chalamet ausgiebig in Szene zu setzen?

Wenn es um die berührende Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern ginge, die ihren Platz im Leben noch nicht gefunden haben, warum dann die sorgfältig choreographierten und kalkuliert unappetitlich-blutrünstigen Szenen des Körperfressens? Wenn der Film genauso berechnend in schönen Bildern und Einstellungen schwelgt, obwohl er sich eher durch die tristen und unschönen Regionen der USA bewegt, darf man sich auch hier wieder am Ästhetischen ergötzen und das Hässliche ausblenden, dabei erstaunt allerdings, wie stark die Kannibalen-Community über das Land verteilt ist – eine Metapher über den Zustand der USA? Na ja…

Wer dann allerdings wissen möchte, wie sich ein Kannibale ansonsten so durch seinen Alltag bewegt, wird enttäuscht, denn darüber erfährt man wenig. Der von Mark Rylance sehr intensiv – am Ende dann doch eher aufdringlich – dargestellte Sully bereitet für Maren zwar einmal ein Hühnchen zu, ob das dann gegrillt, gebraten oder auch roh verzehrt wurde, wird nicht klar, wie so vieles. Ist Kannibalismus eine genetische Veranlagung, immerhin ist Maren auf der Suche nach ihrer verschollenen Mutter, die womöglich auch…?

Ein paar andere Fragen sollen hier nicht weiter vertieft werden, es ist auch so schon unappetitlich genug, nur die eine - etwas gemeine – sei noch gestattet: Warum ist Armie Hammer nicht dabei? Dann hätte Kritikerliebling Luca Guadagnino neben Chalamet und Michael Stuhlbarg die Protagonisten aus seinem vielbeachteten Werk „Call me by your name“ aus dem Jahr 1917 wieder vereint, aber vielleicht sollte der Glanz von Everybody’s Darling Chalamet nicht durch hässliche Flecken getrübt werden…

 

 

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: David Kajganich, b/a Buch von Camille DeAngelis

Kamera: Arseni Khachaturan

Schnitt: Marco Costa

Musik: Trent Reznor, Atticus Ross

 

Besetzung:

Taylor Russell, Timothée Chalamet, Mark Rylance, Michael Stuhlbarg, David Gordon Green, André Holland

 

MGM/ Warner Bros. Germany

2022

130 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 24. November 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=av8bPV4jg2I (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=pjMt1MIk2EA (Englisch)

Montag, 21. November 2022

Im Kino: Zeiten des Umbruchs (Armageddon Time)

New York zu Beginn der 1980ger Jahre: Der junge Paul Graff (Banks Repeta), jüngster Spross einer jüdischen Familie, legt sich zusammen mit seinem schwarzen Mitschüler und Freund Jonathan (Jaylin Webb) immer wieder mit den Lehrern an, aber während bei Paul meistens ein Auge zugedrückt wird, ist man mit Jonathan nicht so nachsichtig. Paul spürt früh, dass im Jahrzehnt, in dem Ronald Reagan Präsident wird, nicht alle Menschen die gleichen Chancen im Leben haben. Während seine Eltern (Anne Hathaway und Jeremy Strong) von Pauls Wunsch, Künstler zu werden nicht begeistert sind, trifft er auf das liebevolle Verständnis seines Großvaters (Anthony Hopkins), der ihm über so manche pubertäre Schwierigkeit hinweghilft…

Obwohl der Originaltitel eigentlich etwas anderes erwarten lässt, ist dies ein ruhiger Film über die eigentlich gar nicht so ruhigen 1980ger Jahre. Dabei kommen die politischen Ereignisse wie die Wahl Reagans zum Präsidenten eher am Rande vor, ebenso wie die Auftritte eines gewissen Fred Trump und seiner Tochter Maryanne an Pauls Schule, ihres Zeichens Vater und ältere Schwester des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Im Vordergrund des teilweise autobiographischen Werks steht eindeutig der junge Paul und die Verbindung zu seinem Großvater, aber so wirklich mitreißen will das Ganze nicht und am Schluss bleiben zu viele lose Enden übrig. Es gibt Einblicke in eine (jüdische) Familie, in der sich der Vater aus heiterem Himmel als brutaler Schläger geriert, die Mutter allzu beschäftigt in ihren ehrenamtlichen Schulämtern ist, um dann den Großvater als zwangsläufigen Verbündeten einzuführen. Die Freundschaft Pauls zu dem schwarzen Jungen, der einmal Astronaut werden möchte, ist problematisch, aber man erfährt nicht, wie es mit Jonathan später weiter gegangen ist, ganz sicher aber wird er keine Chance auf eine Karriere als erster Schwarzer auf dem Mond gehabt haben, ebenso wenig wissen wir, ob Paul später statt Zeichner oder Schriftsteller oder Regisseur geworden ist, denn so allzu klar werden die autobiographischen Bezüge nicht.

Der Film plätschert ohne große Höhepunkte dahin, am Ende hat man Menschen für eine gewisse Zeit bei ihrem Leben zugesehen und verlässt das Kino so, wie man hineingegangen ist, nicht unbedingt gelangweilt, aber ohne neue Erkenntnisse.

 

 

 Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray

Kamera: Darius Khondji

Schnitt: Scott Morris

Musik: Christopher Spelman

 

Besetzung:

Anne Hathaway, Jeremy Strong, Banks Repeta, Jaylin Webb, Anthony Hopkins, Tovah Feldshuh, John Diel, Jessica Chastain

 

Universal Pictures International

USA 2022

114 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 24. November 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=pISoHBiMWXM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=o0cd7qZJb8E (Englisch)

 

 

Im Kino: Grump (Mielensäpahoittaja Eskorttia etsimässä)

Der Grump genannte mürrische alte Milensäpahoittaja (Heikki Kinnunen) aus einem kleinen Dorf in Finnland hat seinen roten Ford Escort, Baujahr 1972, geschrottet, und da für ihn kein anderes Modell in Frage kommt, versucht er, einen entsprechenden Ersatz zu finden. Seine Suche führt ihn nach Deutschland, allerdings landet er aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse geradewegs in den Niederungen eines Escort-Services. Als er überraschenderweise seinen Bruder Tarmo (Kari Väänänen) wiedertrifft, den er vierzig Jahre nicht gesehen hat, setzen die beiden die Suche nach dem Auto zusammen fort und kommen sich auf dieser Odyssee wieder näher…

Bei einem Roadmovie kommt es auf Atmosphäre, Situationen und/ oder Schauplätze an, die Reise muss in sich stimmig sein, sie braucht nicht zwingend an ein realistisches, greifbares Ziel führen, nur die Protagonisten müssen, zumindest für die Zeit des Trips, in irgendeiner Form zueinander finden, dies erfüllt der Film bestens. In gewohnt lakonischer Weise schickt Mika Kaurismäki seine Figuren in ein Universum, das sie nicht immer und in jeder Hinsicht verstehen, wobei insbesondere Grump durch eine ihm fremde Welt irrt, sobald er sein vertrautes Dorf verlassen hat. Das ist zwar nicht immer unbedingt originell, aber dennoch meistens komisch, denn Komik entsteht oft dadurch, dass sich Zuschauer den Protagonisten in den jeweiligen Situationen überlegen fühlen.

Berührend ist auf jeden Fall, wie die beiden Brüder, der Grump und Tarmo, die sich wegen einer Liebesgeschichte in der Vergangenheit völlig entfremdet haben, Schrittchen für Schrittchen aufeinander zugehen, bis sie wieder da anknüpfen können, wo das Band zwischen ihnen einst gerissen ist. Dabei lernen die beiden jeweils einige unbekannte Seiten an sich selbst kennen, vor Überraschungen ist man also auch im fortgeschrittenen Alter nicht gefeit und manchmal erkennt man erst nach einigen Umwegen, was wirklich wichtig ist im Leben…

Auf dieser emotionalen Ebene ist der Film durchaus herzerwärmend, wenn auch die haarsträubenden Situationen, in die die beiden Protagonisten ständig geraten, manchmal etwas zu viel des Guten sind. Aber am Ende hat der Grump dann wenigstens endlich seinen heißersehnten Ford Escort - oder etwa doch nicht?

 


Regie: Mika Kaurismäki

Drehbuch: Daniela Hakulinen, b/a Roman von Thomas Kyrö

Kamera: Jari Mutikainen

Schnitt: Markus Leppälä

Musik: Anssi Tikanmäki

 

Besetzung:

Heikki Kinnunen, Kari Väänänen, Ville Tiihonen, Iikka Forss, Silu Seppälä, Tiina Lymi, Rosalie Thomass, Samu Haber

 

Arsenal Filmverleih

Fin 2022

109 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 24. November 2022

 

Trailer: https://grump.arsenalfilm.de/trailer.html

 

Im Kino: Shattered – Gefährliche Affäre (Shattered)

Einsamer Millionär (Cameron Monaghan) beginnt eine verhängnisvolle Affäre mit der attraktiven Sky (Lily Krug)…

…und wir ahnen schon bald, dass das eine ganz schlechte Idee ist. Diese Vorhersehbarkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den Film, in dem Lily Krug, die Tochter von Veronica Ferres, die raffinierte Femme Fatale gibt. Die Handlung nimmt ein paar Wendungen, die aber geübte ZuschauerInnen nicht wirklich überraschen können, für alle anderen baut sich durchaus Spannung auf, wobei es am Ende allerdings hauptsächlich darauf ankommt, dem Protagonisten die Daumen zu drücken, dass er es schafft, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien.

Alles in allem ein durchschnittlicher Thriller, mit durchschnittlichen Darstellern, unter denen einzig John Malkovich heraussticht, und der deutscher Titel zielt mit seiner Anspielung auf Filme wie „Eine verhängnisvolle Affäre“) („Fatal Attraction“) oder „Basic Instinct“ um einiges zu hoch.

 


 Regie: Luis Prieto

Drehbuch: David Loughery

Kamera: Juan Miguel Azpiroz

Schnitt: Federico Conforti

Musik: Tom Howe

 

Besetzung:

Cameron Monaghan, Sasha Luss, Ridley Asha Bateman, Lily Krug, John Malkovich, Ash Santos, James C. Burns, Frank Grillo

 

Leonine/ Lionsgate

USA 2022

92 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 24. November 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=yhYPyFwEa3Q (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=CcsQr1VyMnc (Englisch)

 

Mittwoch, 16. November 2022

Im Kino: Einfach mal was Schönes

Radiomoderatorin Karla (Karoline Herfurth) hört mit Ende 30 die biologische Uhr immer lauter ticken und möchte bevor es zu spät ist unbedingt noch ein Kind, aber, es fehlt der passende Vater. Dennoch lässt sie nichts unversucht, ein Baby zu bekommen, wofür weder ihre Schwestern Jule und Johanna (Nora Tschirner und Milena Tscharntke), noch ihre (geschiedenen) Eltern (Ulrike Kriener und Herbert Knaup) Verständnis zeigen. Ihre einzige Unterstützung ist Freundin Senay (Jasmin Shakeri), die aber auch nicht verhindern kann, dass sich die Dinge verkomplizieren, als der zehn Jahre jüngere Ole (Aaron Altaras) in Karlas Leben tritt, dessen Lebensplanung noch überhaupt nicht auf Nachwuchs programmiert ist…

Dass viele deutsche Komödien nicht gelingen, liegt oft daran, dass die Pointen schlecht getimt und die Gags albern sind, oder das Geschehen sich platt von Klischee zu Klischee schleppt, manchmal, in ganz schlimmen Fällen, kommt alles zusammen. Dieser Film von Karoline Herfurth bewegt sich zumindest am Anfangt einige Male haarscharf am Klischee-Abgrund entlang, wenn die Protagonistin sich durch die in Beziehungskomödien üblichen Datingpannen manövriert, aber dann wird er besser und besser.

Die Charaktere werden von zweidimensionalen Scherenschnitten zu Figuren aus Fleisch und Blut, mit denen man bangt, lacht und weint und die Komödie bekommt immer dann echte Tiefe, wenn das Beziehungsgeflecht innerhalb der Familie aufgedröselt und dabei der Finger in Wunden gelegt wird, die das Leben jedem Einzelnen zugefügt hat. So ist die von Ulrike Kriener großartig dargestellte trinkende Mutter nicht nur das von ihrem Ehemann für eine Jüngere verlassene bedauernswerte Opfer, als das sie sich gerne selbst inszeniert, und bei ihren drei Töchtern hat diese häusliche Tragik sichtbar ihre Spuren hinterlassen. Schön auch, wie unaufgeregt das Thema Behinderung einfach mal am Rand mit eingebunden wird, indem es eben nicht weiter thematisiert wird, es ist einfach so, dass Freundin Senay einen behinderten Sohn hat.

Trotz dieser einzelnen persönlichen Dramen bleibt aber der leichte Komödienton immer erhalten, dafür sorgen einige wirklich gelungene witzige Szenen, beispielweise mit einem trocken berlinernden Pierre Sanoussi-Bliss im Treppenhaus, oder die völlig aus dem Ruder laufende große Hochzeitsfeier zum Schluss, bei der das Kunststück gelingt, eigentlich platten Slapstick so würdevoll zu gestalten, dass es am Ende unwiderstehlich komisch ist. Alles in allem löst Karoline Herfurth genau das ein, was sie in ihrem Filmtitel verspricht: Einfach mal was Schönes!

 


Regie: Karoline Herfurth

Drehbuch: Monika Fäßler, Tim Hebborn, Karoline Herfurth

Kamera: Daniel Gottschalk

Schnitt: Linda Bosch

Musik: Annette Focks

 

Besetzung:

Karoline Herfurth, Nora Tschirner, Milena Tscharntke, Jasmin Shakeri, Ulrike Kriener, Herbert Knaup, Aaron Altaras, Pierre Sanoussi-Bliss

 

Warner Bros. Germany

D 2022

116 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 17. November 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=PMbZs8aIV4Y