Blog-Archiv

Dienstag, 22. Januar 2019

Creed II: Rocky's Legacy (Creed II)


Rocky Balboa (Sylvester Stallone), der Underdog, der im Boxring über sich hinauswuchs und damit (Film)Geschichte schrieb, steht schon längst nicht mehr selbst im Ring, aber seit „Creed: Rocky’s Legacy" aus dem Jahr 2015 betreut er den jungen Adonis Johnson (Michael B. Jordan), den unehelichen Sohn des legendären Apollo Creed, einst Gegner und später Freund von Rocky.

Adonis hat es als frisch gebackener Weltmeister noch nicht gelernt, mit seinem Ruhm klarzukommen. Unsicher ist er auch in seiner Beziehung zu Freundin Bianca (Tessa Thomson), sein geplanter Heiratsantrag fällt ihm sichtlich schwerer als jede Herausforderung im Ring, aber auch hier bekommt er Unterstützung seines alten Freundes Rocky, der ihm mit seiner Lebenserfahrung stets zur Seite steht. Als Bianca schwanger wird, scheint dem Glück nichts mehr im Wege zu stehen.

Dann aber wird Adonis von der Vergangenheit eingeholt, denn er bekommt es mit einem neuen und gleichzeitig alten Herausforderer zu tun: Ivan Drago (Dolph Lundgren), der für Apollo Creeds Tod im Ring verantwortlich war, hat nach seiner darauffolgenden Niederlage gegen Rocky schwere Zeiten in seiner alten Heimat Russland hinter sich und arbeitet mit seinem Sohn Viktor (Florian „Big Nasty" Munteanu) an einer späten Revanche für seine Schmach, indem er Viktor zu einer bissigen Kampfmaschine abrichtet und ihn bereit macht für die Eroberung des Titels, der ihm seinerzeit verwehrt blieb. Adonis hat Zweifel, ob er seinen Titel gegen diesen Gegner verteidigen kann, und als auch Rocky ihm seine Unterstützung hierfür entzieht, machen ihn seine Selbstzweifel zu einer leichten Beute für Viktor und dessen Einpeitscher Ivan. Eine Disqualifizierung Viktors rettet den schwer angeschlagenen Adonis zwar zunächst, aber es ist klar, dass es zu einem Rückkampf kommen muss. Jetzt ist auch Rocky wieder an seiner Seite und gemeinsam mit ihrem alten Team baut dieser Adonis physisch aber vor allem auch mental wieder auf, und der furiose Showdown kann beginnen.

Mit Creed findet die Rocky-Saga eine Fortsetzung für eine neue Generation, die 1976, dem Jahr des ersten Rocky-Films, noch nicht einmal geboren war, der Film, der seinerzeit drei Oscars – inklusive den für den besten Film – gewann und den Beginn einer großen Hollywood-Karriere für den bis dahin völlig unbekannten Sylvester Stallone bedeutete.

Wie damals, und wie in jedem Film dieser Art, geht es um die Frage, woraus Champions gemacht sind, ob sie für sich kämpfen, oder jemand anderem etwas beweisen wollen, und es gibt keine Überraschungen bei der Antwort, nur dass sie nicht mehr so einfach ist, wie damals, als Rocky auf die Frage „Why do you wanna fight?“ lakonisch erwiderte: „Because I can’t sing or dance.“ Aber für das fast shakespearehafte Thema zweier Söhne, die das Erbe ihrer Väter mit sich herumschleppen, ist der Film dann doch zu leichtgewichtig. Die Rolle der Mütter in diesem Drama klingt kurz an, während Viktors Mutter (Brigitte Nielsen) ihren Sohn wiederholt verlässt und ihn dem zweifelhaften Einfluss des Vaters ausliefert, ist Adonis’ Stiefmutter Mary Anne Creed (Phylicia Rashad) eine gleichzeitig starke und feinfühlige Frau, die bereits weiß, dass Bianca schwanger ist, bevor diese es selbst herausfindet.

Der Schwerpunkt der Handlung liegt jedoch auf der Figur des Adonis Johnson, an manchen Stellen zu ausufernd, hier hätten eine Straffung der Geschichte und etwas weniger Kitschmomente, wie der am Grab des Vaters, dem Film gut getan. Wenig Zeit erhält Viktor, der als das Produkt seines Vaters zwar furchterregend auftritt, aber insgesamt farblos bleibt. Das Verhältnis von Drago und Viktor bleibt oberflächlich und dass Vater und Sohn am Ende schiedlich-friedlich beim Joggen gezeigt werden, erscheint nach dem verbissenen Auftreten Ivan Dragos während des ganzen Films zuvor wenig glaubwürdig.

Die Szenen rund um den Kampf im Ring sind durchaus meisterhaft inszeniert, wie es sich für einen Kampf- und Sportfilm geziemt, dennoch gelingt es nicht, den Zuschauer gänzlich mitzureißen, und so kommt nur einmal etwas wie ein Gänsehautmoment auf, als die Musik unvermittelt in die Rockyfanfare übergeht.

Der jungen Held Adonis steht zwar im Mittelpunkt, aber er kann noch nicht in die Fußstapfen der zwar gealterten, aber immer noch präsenten Ikone Sylvester Stallone treten, der seine Figur Rocky mit einer altersweisen Abgeklärtheit verkörpert, zeitweise müde zwar, aber immer noch mit dem alten Funken, der wieder aufblitzt und zündet, wenn es darauf ankommt. 


Regie: Steven Caple Jr.
Drehbuch: Juel Taylor, Sylvester Stallone b/s story von Sascha Penn und Cheo Hodari Coker
Kamera: Kramer Morgenthau
Musik: Ludwig Göransson

Darsteller:
Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thomson, Wood Harris, Russell Hornsby, Phylicia Rashad, Dolph Lundgren, Florian „Big Nasty" Munteanu, Brigitte Nielsen

MGM und Warner Bros. Pictures
130 min.
Deutscher Kinostart: 24. Januar 2019

Ralph reichts 2: Chaos im Netz (Ralph Breaks the Internet)

Der tollpatschige aber gutmütige Hüne Ralph aus dem Film „Ralph reichts" ist zurück! Eine neue Technik bedroht seine kleine Freundin Vanellope und ihr Rennfahrspiel „Sugar Rush": Der Automatenbetreiber Mr. Litwak ist kurz davor, das Spiel abzuschalten, weil er einen WiFi-Router angeschafft hat, und als dann auch noch das Steuerrad von Vanellopes Auto bei einer wilden Fahrt auf einem Parcours, den Ralph für sie eingerichtet hat, zerbricht, ist schnelle Hilfe gefragt, und die glauben sie in einem Laden namens „eBay“ zu finden.

Mit Hilfe des Routers katapultieren sich Ralph und Vanellope ins World Wide Web, eine für sie zunächst völlig undurchschaubare Welt in Gestalt einer futuristischen Großstadt, in der sie sich nur mühsam zurecht finden. Als sie bei eBay tatsächlich fündig werden, ersteigern sie das gesuchte Steuerrad, allerdings, weil sie das Prinzip des Bietens nicht verstehen, zu dem horrenden Preis von 27.001 Dollar, eine utopische Summe, die sie natürlich nicht haben.

Bei der Suche nach Möglichkeiten das nötige Geld zu verdienen kommt ihnen der Algorithmus Yesss zu Hilfe und es beginnt ein wahrhaft wilder Ritt durch das Internet mit all seinen Versprechungen und Gefahren. Besonders Ralph stiftet dabei in kürzester Zeit so viel Chaos, dass es eine wahre Freude ist. Auf der Seite OhMyDisney.com gibt es jede Menge spannender Begegnungen mit zahlreichen Disney-Charakteren, von StarWars- über Marvelhelden, bis hin zu allen, wirklich allen Prinzessinnen, die jemals für Disney aufgetreten sind und die Vanellope gerne in ihren Kreis aufnehmen.
 
Während Ralph plötzlich zum Internet-Star auf einer Seite namens Buzzz Tube aufsteigt, entdeckt Vanellope ein Rennfahrerspiel, in dem sie sich gleich zu Hause fühlt und plötzlich tritt die ursprüngliche Mission, ihr altes Automatenspiel zu retten, völlig in den Hintergrund.

Der Film wartet mit einem Feuerwerk an Ideen auf, jeder Zuschauer, ob klein, ob groß, wird viele bekannte Dinge erkennen, von zwitschernden blauen Vögelchen bis zu einem bekannten Wissensgiganten, aber auch die Schattenseiten tauchen auf, die nervenden Pop-up-Seiten, ein Shitstorm und ein unheimlicher, alles fressender Virus.

Am Ende haben sich Ralph und Vanellope ziemlich voneinander entfernt und es stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch etwas gemeinsam hat. Aber die beiden finden natürlich einen Weg zurück zueinander, bei dem jeder so sein kann, wie er ist und seinen eigenen Interessen nachgehen kann, ohne dass sie ihre Freundschaft dafür aufgeben müssen, und dafür hat sich der chaotische Ausflug allemal gelohnt.





Regie: Rich Moore, Phil Johnston
Drehbuch: Phil Johnston, Pamela Ribon b/a story von Rich Moore, Phil Johnston, Jim Reardon, Pamela Reardon, Josie Trinidad und zusätzlichem Material von Kelly Younger
Kamera (Layout): Nathan Warner
Musik: Henry Jackman
Stimmen:
John C. Reilly, Sarah Silverman, Gal Gadot, Taraji P. Henson, Alfred Molina, Ed O’Neil,
Deutsche Stimmen:
Anna Fischer, Kim Hasper, Vera Teltz, Lina Larissa Strahl
 
Disney/ Pixar
112 min.
Deutscher Kinostart: 24. Januar 2019


Dienstag, 15. Januar 2019

Das Filmjahr 2018

An dieser Stelle möchte ich das Jahr noch einmal Revue passieren lassen und präsentiere meinen ganz persönlichen Filmjahresrückblick, die Film erscheinen chronologisch, nicht als Rangliste:

Meine Favoriten

Greatest Showman (Januar)
Wie der Zirkus entstand: Die Geschichte des P.T. Barnum als schwungvolles Musical mit einem Soundtrack, der durchweg Ohrwurmcharakter hat und einem tollen Ensemble, allen voran einem singenden und tanzenden Hugh Jackman in Bestform.

Three Billboards outside Ebbing, Misouri (Januar)
Böser Film über den Rachfeldzug einer trauernden Mutter, die ihre Tochter bei einem Verbrechen verloren hat, unnachgiebig und kompromisslos.

The Death of Stalin (März)
Politsatire mit beißendem Spott: Wie man an die Macht kommt und wie man verhindert, dass andere an die Macht kommen, über Leichen zu gehen kann dabei nicht schaden.

Isle of Dogs (Mai)
Warmherzige Geschichte über den einst besten Freund des Menschen in Stop Motion-Technik, mit japanischem Touch, etwas Sozialkritik und einer bunt gemischten Hundetruppe, Verstoßene, die sich zurück in die Herzen der Menschen kämpfen.

25 km/h (Oktober)
Charmantes deutsches Roadmovie mit zwei hervorragend aufgelegten Hauptdarstellern und gut besetzten Nebenrollen, der Beweis, dass eine deutsche Komödien auch niveauvollen Spaß mit Tiefgang bieten kann.

Bad Times at the El Royale (Oktober)
Spannend und trickreich inszenierter Film mit glänzenden Darstellern, die sich ein Stelldichein in einem ganz speziellen Hotel geben, beste schräge Unterhaltung mit Kultcharakter

Dogman (Oktober)
Kleiner, stiller Film aus der tristen italienischen Provinz über einen bemitleidenswerten Tropf, mit furiosem Ende und der Erkenntnis: Hunde sind doch die besseren Menschen.

Werk ohne Autor (Oktober)
Bilderbogen zur deutschen Geschichte über Kriegsgräuel, Opportunismus, familiäre Verstrickungen und die heilende Kraft der Kunst.

Assassination Nation (November)
Furiose Abrechnung mit dem amerikanischen Traum, mit der Freiheit und den Freuden des Internets, mit der Unterdrückung von Frauen, Schwarzen, und überhaupt mit allem.

Bohemian Rhapsody (November)
Trotz einiger biographischer Ungenauigkeiten voller Herz, Schmerz, der Musik von Queen und einem überzeugend besetzten Freddie Mercury – da bleibt kein Auge trocken, we will rock you!

Auch gut

Wunder (Januar)
Berührender Film über Außenseiter, die Liebe und ganz viel Mut.

I Tonya (März)
Aufstieg und tiefer Fall der „Eishexe“ Tonya Harding, satirisch und unterhaltsam.

Lady Bird (April)
Coming-of-Age-Story mit guten Darstellern.

Deadpool 2 (Mai)
Die Quasselstrippe schlägt wieder zu – politisch unkorrekt, böse und ziemlich komisch.

Foxtrot (Juli)
Dem Schicksal entgeht man nicht und Krieg endet immer tödlich, selbst im Frieden. 

Mission Impossible – Fallout (August)
Ethan Hunt gegen alle – trotz hanebüchener Handlung spannend und unterhaltsam.

Book Club (September)
Trotz schlechten Buchgeschmacks beweist tolles Damenquartett, dass Liebe zeitlos ist.

Bumblebee (Dezember)
ET goes Transformers – gelungenes Prequel. Oder ein Reboot?

Leto (November)
Rocksommer im Leningrad der 80ger Jahre, originell, bunt und laut.


Unterschätzte Filme

Letztendlich sind wir dem Universum egal (Mai)
Jugendfilm über eine wandernde Seele auf der Suche nach Liebe.

Love, Simon (Juni)
Erste Liebe und Erwachsenwerden betrifft nicht nur Heteros.

Nur ein kleiner Gefallen (November)
Harmlose Hausfrau entpuppt sich als taffes Mädel, satirisch und überraschend, mit schönen, stylischen Bildern.

Hostiles (Mai)
Kompromissloser Spätwestern, zu Unrecht übersehen.

Molly’s Game (März)
Jessica Chastain zieht alle über den Pokertisch, bis man ihr das Handwerk legt – spannendes Spielerdrama.


 Überschätzte Filme

A Star is Born (Oktober)
Warum? Warum zum vierten Mal die bekannte Geschichte?

Aufbruch zum Mond (November)
Zu altmodisch inszeniert, mit einem ausdruckslosen Hauptdarsteller.

Überflüssige/ Ärgerliche Filme

Alles Geld der Welt (Februar)
Zu lang, um den Entführungsfall Getty noch einmal spannend aufzuarbeiten (überflüssig)

Red Sparrow (März)
Schlecht inszenierte krude Agentenstory, bei der aber auch gar nichts überzeugt. (ärgerlich)

Solo – A Star Wars Story (Mai)
Beantwortet Fragen über Han Solos Vergangenheit, die nie gestellt wurden, mit einem farblosen Darsteller in der Titelrolle (überflüssig)

Papillon (Juli)
Fügt dem Original von 1973 nichts Sehenswertes hinzu. (überflüssig)

Hereditary (Juni)
Hatte das Potential für einen spannenden Horrorfilm und vergeigt es mit einem hanebüchenen Ende.

Sicario 2 (Juli)
Hat leider nicht mehr die Wucht und Überzeugungskraft des ersten Films. (überflüssig)

A Star is Born (Oktober)
Drittes Remake (überflüssig) eines uralten Stoffes, mit dem ein alkoholnuschelnder Bradley Cooper als Hauptdarsteller, Sänger Regisseur und Drehbuchautor einen kalkulierten Frontalangriff auf Oscar & Co startet, indem er sich selbst groß in Szene setzt, Lady Gaga als Sängerin am Anfang ihrer Karriere besetzt und dieses Kalkül auch leider zum größten Teil aufgeht. (ärgerlich)

Abgeschnitten (Oktober)
Die Welt des Sebastian Fitzek ist nicht die meine – kruder Film basierend auf einer kruden Buchvorlage. (ärgerlich)

Kin (September)
Konnte sich nicht zwischen Jugend-, Kriminal- und Science-Fiction-Film entscheiden. (ärgerlich)

Mortal Engines (Dezember)
So ein Aufwand für so eine schwache Geschichte voller Klischees und bekannter Versatzstücke. (ärgerlich)







Sonntag, 13. Januar 2019

Film-Rezensionen: The Front Runner


Im Jahr 1987 hatte Gary Hart, Ex-Senator aus Colorado, beste Chancen, als Kandidat der Demokratischen Partei im Wahlkampf um das Amt des 41. Präsidenten der USA ins Rennen zu gehen. Diese Chancen lösten sich innerhalb kurzer Zeit in Luft auf, Hart zog zurück und der ehemalige Vizepräsident von Ronald Reagan, George H. W. Bush, setzte sich bei der Wahl 1988 gegen den neuen Kandidaten der Demokraten, Michael Dukakis, durch.


Der Grund für Gary Harts Scheitern lag nicht an seinen Fähigkeiten, er war ein überzeugender Redner und brillanter Analyst des politischen Geschehens. Zu Fall brachte ihn eine angebliche außereheliche Affäre mit
einer Frau namens Donna Rice. War man den bisherigen Präsidenten gegenüber in Bezug auf Liebschaften und sexuelle Eskapaden immer nachsichtig gewesen und hatte deren Verfehlungen geflissentlich aus der Berichterstattung herausgehalten, war der Fall des Gary Hart der erste, bei dem das private Verhalten eine so große Rolle spielte, dass es einen aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten zu Fall brachte.

Der Film orientiert sich eng an der Buchvorlage des Journalisten Matt Bai, der sich in seinem Werk „All the truth is out: The week politics went tabloid“ fundiert dem Politiker und Menschen Hart widmet, und daraus ist ein intelligenter und spannender Film entstanden, der den Zuschauer mitten hinein in die Maschinerie eines amerikanischen Wahlkampfs führt. Wir sind hautnah dabei, wenn ein ganzes Team von gewieften aber auch jungen engagierten Mitarbeitern praktisch Tag und Nacht an der Positionierung ihres Kandidaten arbeitet, und Hart ist kein einfaches „Produkt". Er ist eher spröde und zurückhaltend, viele der von seinem Team als notwendig erachteten PR-Termine machen ihm sichtlich keinen Spaß, aber er spielt mit, wenn auch widerwillig, um dann alle bei einem sportlichen Axtwurf auf eine Zielscheibe zu überraschen, wo er mühelos ins Schwarze trifft. Ansonsten fokussiert er sich jedoch ausschließlich auf seine politischen Botschaften und Analysen, von denen sich einige im Nachhinein als zutreffend erweisen sollten, wie hätte wohl ein Amerika ohne Bush Senior ausgesehen, hätte es einen Präsidenten Bush Junior dann überhaupt noch gegeben? Gedankenspiele, die sich ergeben, ebenso wie die Frage, weshalb ausgerechnet Hart über seine Affäre stolpern musste.

Der Film liefert hierzu keine endgültigen Antworten und bringt gerade dadurch den Zuschauer dazu, sich selbst ein Bild zu machen und zu hinterfragen, inwieweit private Seiten eines Politikers für dessen berufliches Wirken relevant sind. Wir sehen, wie ein intelligenter, politisch erfahrener Mann durch eine von ihm selbst angestachelte Presse zu Fall gebracht wird, die er mit einem wütend hinausgeschleuderten Satz „Follow me around. I don’t care" herausgefordert hatte. Offensichtlich ohne jegliches Verständnis für das Interesse an ihm als Privatperson, versucht er unbeirrt, seine Arbeit zu machen und reißt damit am Ende sich und sein engagiertes Team in den Abgrund.

Hugh Jackman in einer seiner stärksten Rollen spielt diesen Mann zurückgenommen und präzise, er porträtiert ihn als unterkühlten Menschen, soweit es um sein privates Umfeld geht, in der Sache leidenschaftlich und engagiert, der am Ende nicht begreift, wieso ein privater Fehltritt, der weder von ihm noch seiner angeblichen Liebschaft jemals bestätigt wurde, die politische Karriere beendete. 

Eine auch in den weiteren Rollen hochkarätige Besetzung macht aus dem Fall des Gary Hart ein politisches und gesellschaftliches Lehrstück, das auch heute nichts von seiner Brisanz eingebüßt hat.


Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Matt Bai, Jay Carson, Jason Reitman b/a Buch von Matt Mai
Kamera: Eric Steelberg
Musik: Rob Simonsen
Darsteller: Hugh Jackmank, Vera Farmiga, J.K. Simmons, Mark O’Brian, Alfred Molina,
Sara Paxton
 

Sony Pictures
113 min.
Deutscher Kinostart: 17. Januar 2019



Mittwoch, 19. Dezember 2018

Film-Rezensionen: Bumblebee

 Man hat es nicht leicht als Teenager, dem das Leben so gar nichts zu bieten scheint und man sich fühlt, als gehöre man nirgendwo so richtig dazu. Es ist das Jahr 1987, Charlie Watson lebt in einer kalifornischen Kleinstadt, ihr Vater ist verstorben, der Stiefvater zwar bemüht, aber weder er noch ihre Mutter scheinen sie richtig zu verstehen, und der kleine Stiefbruder nervt.   Geld für ein eigenes Auto gibt es auch nicht, bis Charlie an ihrem 18. Geburtstag auf einem Schrottplatz einen alten knallgelben VW Käfer entdeckt. Sie liebt es, an Autos herumzuschrauben, ein Hobby, das sie mit ihrem verstorbenen Vater geteilt hat, und so holt sie den Käfer heim, um ihn wieder auf Vordermann zu bringen. 

Was sie nicht weiß ist, dass es sich bei dem Gefährt um den Autobot B-127 handelt, der von seinem Anführer Optimus Prime auf die Erde geschickt wurde, um dort nach dem verlorenen Kampf um Cybertron eine neue Basis aufzubauen. Aber B-127 hatte einen schlechten Start, eine Armeeeinheit um Agent Burns (John Cena) und ein kurzes Scharmützel mit dem hinterhergereisten Decepticon Blitzwing hat ihn arg ramponiert. Vor allem hat er seine Stimme verloren und ist ziemlich verängstigt und verstört, als Charlie bei ihrem Versuch, den gelben Käfer zu reparieren, auf sein Geheimnis stößt und der Autobot plötzlich in seiner ganzen (auseinandergefalteten) Größe vor ihr steht. Nachdem beide ihren anfänglichen Schrecken überwunden haben, entwickelt sich schnell eine rührende Beziehung zwischen ihnen, ohne dass es allzu kitschig wird.

Als Vorgeschichte zu den späteren Transformers-Abenteuern angelegt, erfahren wir hier, wie B-127 zu seinem Namen und zu seiner Radiosprache kommt, aber der Film ist mehr als ein Prequel, das Fragen beantwortet, die nie gestellt wurden. Es ist der Versuch, aus der actionlastigen und stellenweise als sexistisch verschrienen Bombastreihe ein familientaugliches Abenteuer mit Seele zu machen, und der Versuch darf als gelungen angesehen werden. Die Protagonistin Hailee Steinfeld  füllt ihre Rolle überzeugend aus und eröffnet der Filmreihe aufgrund ihrer schauspielerischen Qualitäten eine neue ungekannte Dimension.
„Bumblebee“ ist ein charmanter Ausflug in die zur Zeit so angesagten 80ger Jahre und die Geschichte um Charlie und Bumblebee erlaubt sich augenzwinkernd jede Menge musikalische oder filmische Anspielungen auf diese Zeit. Daneben gibt es nette King-Kong-Momente, aber mehr noch steckt in Bumblebee ein heimatloser, verängstigter E.T., der jede Menge Zuwendung braucht, und die Älteren werden sich hin und wieder an Herbie, den „tollen Käfer“ erinnern, wenn Charlie und Bumblebee die Straßen unsicher machen. Absolutes Highlight sind bezeichnenderweise nicht die Tranformers-Kampfsequenzen, von denen es auch hier ein paar gibt, sondern der neugierige, aber absolut tapsige und ungeschickte Bumblebee, der ein Wohnzimmer zerlegt, das einfach nicht auf seine Körpermaße zugeschnitten ist.

So machen die „Transformers“ wieder Spaß, ein Wohlfühlfilm für alle Generationen!



 Regie: Travis Knight
Drehbuch: Christina Hodson
Kamera: Enrique Chediak
Production Design: Sean Haworth
Musik: Dario Marianelli

Darsteller:
Hailee Steinfeld, Dylan O'Brian, Megyn Price

FSK 12
113 min
Deutscher Kinostart: 20. Dezember 2018



Mittwoch, 12. Dezember 2018

Film-Rezensionen: Mortal Engines

Wenn Peter Jackson sich daran macht – wenn auch, wie in diesem Fall nur als Produzent und Drehbuchschreiber – fantastische Welten zu erschaffen, dann ist die Erwartung hoch, dass Großes auf uns zu kommt. Die Geschichte von "Mortal Engines" geht auf eine Jugendbuchreihe zurück und der Film wurde bewährterweise in Neuseeland gedreht.

Die Menschheit hat sich in einem 60 Minuten dauernden Krieg mit einer neuen Superwaffe fast komplett vernichtet und brauchte ein paar Jahrhunderte, um sich davon einigermaßen zu erholen. Die Erde ist nun zum größten Teil öde und leer, auf der Suche nach überlebensnotwendigen Ressourcen fahren gigantische Städte auf Rädern umher, walzen panzergleich alles platt und verschlingen kleinere Städte, um sich alles Brauchbare – Mensch und Material – einzuverleiben und den unverdaulichen Rest auszuscheiden. Eine der mächtigsten dieser Städte ist London, und gleich zu Beginn werden wir Zeuge einer Städtejagd, beeindruckend und in faszinierenden Bildern in Szene gesetzt, das macht Spaß und Lust auf mehr. Als Gegenpart zu den Raubstädten gibt es irgendwo in der Ferne hinter einer riesigen Mauer eine Kolonie von Widerständlern gegen diese Art der Städteplanung, sogenannte Anti-Traktionisten, sesshafte Freigeister, die sich widersetzen.

Und es gibt eine spezielle Rebellin, Hester Shaw (Hera Hilmar), deren tapfere Mutter von
einem Bösewicht ermordet wurde. Hester ist wild und verwegen und trägt als äußeres Zeichen dessen eine ungezähmte Haarpracht sowie eine Narbe im Gesicht, die ihr bei dem Mord an ihrer Mutter zugefügt wurde. Ihr Ziel ist es, deren Mörder zu töten, dafür muss sie nach London, wo sie auf den braven Historiker Tom (Robert Sheehan) trifft. Beide werden hineingestoßen in eine Schicksalsgemeinschaft – in Toms Fall im wahrsten Sinne des Wortes – von demselben Schurken (Hugo Weaving), den es zu bekämpfen gilt, bis zum leider in allen Facetten vorhersehbaren Ende.


Die Geschichte ist so konventionell erzählt, dass der Zuschauer an manchen Stellen die Dialoge mitsprechen könnte, und die Figuren und Handlungsstränge gehorchen einer Dramaturgie, die sich bis ins Detail an jedes, wirklich jedes Klischee dieses Genres hält. So muss am Ende wieder einmal ein tödlicher Countdown buchstäblich in letzter Sekunde gestoppt werden, und als beim unvermeidlichen Showdown als besondere Überraschung ein vermeintlich großes Geheimnisses aufgedeckt wird, ist dies ein weiteres unglückliches Glied in der Kette von platten Versatzstücken, bei dem das Publikum im Saal nur gequält aufstöhnen kann.

So gehen die ansonsten guten Ansätze leider unter, wie das mit viel Liebe gestaltete Innenleben der rollende Stadt London, die neben ihrer Kommandozentrale ein wunderbar altmodisches Bild bietet, mit Bibliothek und Museum, wo all das aufbewahrt, aufgearbeitet und wiederhergestellt werden soll, was der Menschheit durch ihren zerstörerischen letzten Krieg und ihre Lebensweise davor beinahe verloren gegangen ist.

Die zahlreichen Nebenfiguren helfen ebenfalls nicht, die dünne Geschichte aufzuwerten, auch sie können sich nicht aus ihrer schablonenhaften Rolle lösen, obwohl sie Potential für Größeres gehabt hätten, wie zum Beispiel die taffe Widerstandskämpferin Anna Feng (Jihae). Einzig der unheimliche Shrike (Stephen Lang), eine Menschmaschine ohne Herz, aber mit Seele, hat ansatzweise den vielschichtigen Charakter, den man allen anderen Figuren auch gewünscht hätte, damit dieser Film mit so viel Potential zu einem wirklich großen Ereignis hätte werden können.

Fraglich ist schließlich, ob es in Zeiten des Brexits eine glückliche Entscheidung war, London als Protagonisten auftreten zu lassen, es wirkt aktuell wenig pietätvoll, wenn man dabei zusieht, wie eine honorige und verdienstvolle Stadt bei dem Versuch, sich zu Großem aufzuschwingen, krachend scheitert…




Regie: Christian Rivers
Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, b/a Romanen von: Philip Reeve
Kamera: Simon Raby
Produktionsdesign: Dan Hennah
Musik: Tom Holkenborg
Produzenten: Zane Weiner, Amanda Walker, Deborah Forte,
Fran Walsh, Peter Jackson
Darsteller: Hugo Weaving, Hera Hilmar, Robert Sheehan, Jihae, Ronan Raftery,
Leila George, Patrick Malahide und Stephen Lang
 

Universal Pictures International Germany
FSK 12
129 min.
 Deutscher Kinostart: 13. Dezember 2018




Montag, 12. November 2018

Film-Rezensionen: Assassination Nation

Lily ist Schülerin und lebt mit ihrer Clique von Freundinnen in Salem, USA. Ihr Leben besteht, wie das aller Teenager auf der ganzen Welt, aus Handynachrichten, Postings und Selfies, jeder lagert sein privatestes Leben auf diese kleinen Geräte aus und gewährt seinen engsten „Freunden“ Einblicke darin. 

Unangenehm wird es, als diese Geheimnisse durch einen anonymen Hacker publik gemacht werden und jeder plötzlich entblößt für alle dasteht. Auf der Suche nach dem Schuldigen geraten Lily und ihre Freundinnen unter Verdacht und auf einmal bricht die für bürgerlich gehaltene Fassade auf. Unter den so entstandenen Rissen kommt all das Hässliche, Gemeine und Brutale zum Vorschein, das offenbar überall im Verborgenen schlummert und es ist wieder Hexenjagt in Salem…

Sam Levinson ist ein kompromissloser Film über die Abgründe in den scheinbar so bürgerlichen Gesellschaften gelungen, wobei die USA nur exemplarisch für alle anderen auf der Welt stehen. Überall scheint es zu brodeln und der kleinste Funke genügt, um in einer furchtbaren Detonation alles hinwegzufegen, was an zivilisatorischem Verhalten scheinbar so selbstverständlich Bestand hatte. Diese Idee ist nicht neu, aber gerade zur Zeit gibt es überall auf der Welt Anzeichen für unheimliche Kräfte, die an der Fassade kratzen, bis die Masken abgerissen werden und die darunter liegende Fratze von Gewalt, Rassismus, Faschismus auch bei den biedersten Nachbarn zum Vorschein kommt, der Schoß ist nach wie vor fruchtbar... Die Opfer sind mal Frauen, mal Schwarze, mal Ausländer, je nachdem welche Gruppe gerade in den Fokus rückt, und die Wutbürger übernehmen das Regiment.


Der Film verwendet drastische Bilder für seine Parabel, die sicher nicht jedem gefallen werden und das Ende ist mit ein wenig Gespür vielleicht vorhersehbar, die Spannung bleibt jedoch bis zum bitteren Ende hoch. Es ist eine Abrechnung mit gesellschaftlichen Tendenzen, wie dem maßlosen Gebrauch von Handy und Social Media, aber auch mit der Politik der USA, die die Gesellschaft spaltet und aufwiegelt und hinterlässt keinerlei Trost auf Erlösung, jedenfalls nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Fraglich ist, ob die Schlussszene endgültiger Abgesang oder doch eher Aufbruch zu mehr ist, der Titel des Films ist jedenfalls Programm.





Regie: Sam Levinson
Drehbuch: Sam Levinson
Kamera: Marcell Rév
Musik: Ian Hultquist
 
Darsteller:
 Odessa Young, Hari Nef, Suki Waterhouse, Bella Thorne, Abra, Bill Skarsgård, Colman Domingo
Universum Film
108 min.
FSK 16
Deutscher Kinostart: 15. November 2018