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Mittwoch, 20. Februar 2019

Film-Rezensionen: Der Goldene Handschuh


Was wie der Titel eines anheimelnden Märchens klingt, ist tatsächlich ein Trip geradewegs hinab in die Hölle. Die Kiez-Kneipe auf Sankt Pauli mit dem Namen „Zum Goldenen Handschuh" wird als Sammelbecken für Säufer kurz vor und manchmal auch kurz nach dem Delirium tremens gezeigt, für abgehalfterte Huren und Frauen auf der Suche nach einer vollen Flasche und einem Schlafplatz für die Nacht, egal wie heruntergekommen und versifft. Die Stammgäste, die sich dort treffen, tragen programmatische Namen wie Doornkaat-Max, Soldaten-Norbert, Tampon-Günther, Nasen-Ernie, Anus, und sie scheinen ihr Refugium nie zu verlassen, außer für die halbe Stunde, in der der Schankraum kurz durchgeputzt wird, um danach die gewohnten Plätze wieder einzunehmen. Deutsche Schlagermusik aus der Jukebox sorgt für den ein oder anderen sentimentalen Moment, ansonsten herrscht schnapsgeschwängerter Stumpfsinn.

In dieser Kneipe verkehrt auch eine weitere armselige Gestalt, Fritz Honka, genannt Fiete, der eine schaurige Berühmtheit erlangt hat, weil er zwischen 1970 und 1974 vier Frauen ermordet und Teile von ihnen in seiner Wohnung einlagerte, bis man ihm schließlich zufällig auf die Spur kam, weil in der Wohnung unter ihm ein Feuer ausbrach.

Der Stoff diente Heinz Strunk in seinem Roman „Der Goldene Handschuh“ für eine Milieustudie, lakonisch und trocken, die nichts beschönigt, den Serienmörder als ärmstes unter den armen Würstchen darstellt und dabei auch die unappetitlichsten Details nicht ausspart, und diese Vorlage hat sich nun der Regisseur Fatih Akin für seinen Film ausgesucht. Vielleicht weil es eine Hamburger Geschichte ist, vielleicht weil er, wie er sich selbst äußerte, einmal einen Horrorfilm machen wollte, und ein Horrorfilm ist es dann auch geworden. Empfindliche Gemüter sollten unbedingt von einem Kinobesuch absehen, den Hartgesottenen, die diese Warnung ignorieren, bietet sich ein von Akin ausstattungsmäßig präzise und authentisch in Szene gesetztes Panoptikum, das in seinen drastischen Szenen seinen Darstellern eine Menge abverlangt. Fraglich bleibt jedoch, ob sich die Mühe gelohnt hat, denn der Film schafft es nicht, den Zuschauer mitzunehmen, sondern lässt ihn einigermaßen ratlos und angewidert zurück.

Der junge Schauspieler Jonas Dassler schlüpft dank einer kompromisslosen Arbeit der Maskenbildner in die hässliche Haut des Fritz Honka, dessen Gesicht und Gestalt durch einen schweren Unfall arg deformiert wurden, was der Film nicht thematisiert. Trotz einer beeindruckenden Leistung Dasslers überzeugt seine Verwandlung dennoch nicht immer, an manchen Stellen droht sein Honka in eine bloße Karikatur des Schreckens abzugleiten. Zu keinem Zeitpunkt wird die Frage gestellt – geschweige denn beantwortet – wie dieses Monster über einen so langen Zeitraum völlig unbemerkt von aller Welt seine Taten begehen konnte, wie Frauen spurlos verschwinden konnten, während sich in Honkas Wohnung ein unerträglicher Gestank ausbreitete, den er auch mit jeder Menge Tannenduft-Wunderbäumen nicht überdecken konnte. Sein biographischer Hintergrund – zehn Geschwister und eine überforderte Mutter – wird während eines Besäufnisses mit seinem kurz auftauchenden Bruder knapp angerissen, was sonst über die Person des realen Honka bekannt ist, nimmt der Film ebenfalls nicht auf, allein sein – letztendlich gescheiterter – Versuch, über einen neuen Job sein Leben zu ändern, findet Eingang.

Die Faszination, sich aus sicherer Distanz einem Biotop voller gescheiterter Existenzen zu nähern, wird in Gestalt eines Teenagerpaares greifbar: ein junger Mann führt seine Freundin, um diese zu beeindrucken, an den verruchten und deshalb so spannenden Ort, den der „Der Goldene Handschuh“ darstellt, abstoßend und anziehend zugleich, ohne zu ahnen, dass er sie unter Umständen in Gefahr bringt, denn Honka sieht in der blonden jungen Frau einen Engel, der für ihn normalerweise unerreichbar ist. Als er sich ihr auf der Straße zu nähern versucht, macht das Feuer in seinem Haus seinem Treiben ein Ende, denn die Feuerwehr stößt auf der Suche nach Brandnestern auf die Leichenteile in Honkas Wohnung, was dann endlich zu seiner Verhaftung führt.

Natürlich ist es fast unmöglich, einen Menschen wie Honka begreiflich zu machen, aber dann stellt sich die Frage, weshalb man ihn überhaupt zur Hauptperson eines Films macht. Da der künstlerische Ansatz, die dunkelsten Seiten der menschlichen Natur zu beleuchten im Gegensatz zum Buch im Film nicht überzeugt, muss sich Fatih Akin den Vorwurf gefallen lassen, lediglich die niederen und voyeuristischen Gelüste seines Publikums anzusprechen. 


Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, b/a Roman von Heinz Strunk
Szenenbild: Tamo Kunz
Bildgestaltung: Rainer Klausmann
Schnitt: Andrew Bird, Franziska Schmidt-Kärner
Maske: Maike Heinlein, Daniel Schröder, Lisa Edelmann
Musik: FM Einheit

Darsteller:
Jonas Dassler, Margarethe Tiesel, Katja Studt, Marc Hosemann, Tristan Göbel, Uwe Rohde, Hark Bohm Victoria Trauttmansdorff, Adam Bousdoukos, Jessica Kismalla, Marina Eitner-Acheampong, Barbara Krabbe

Warner Bros. Pictures
Bombero International
Warner Bros.Film Productions Germany und Pathé

FSK: Keine Jugendfreigabe
110 min.
Deutscher Kinostart: 21. Februar 2019

Film-Rezensionen: Vice: Der Zweite Mann (Vice)


Zwischen 2001 und 2009 war Richard „Dick" Cheney Vizepräsident des als schwach und nicht besonders intelligent geltenden Präsidenten George W. Bush, der Film "Vice" widmet sich seiner Karriere, die ihn, von vielen unbemerkt, zeitweise zum mächtigsten Mann der Welt machte.

Cheney (Christian Bale) wird als zunächst gescheiterte Existenz skizziert, der die Universität wegen schlechter Noten und einiger Alkoholexzesse verlassen muss. Seine ehrgeizige Verlobte und spätere Ehefrau Lynne (Amy Adams), ebenso machthungrig wie er, die als Frau in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts jedoch nur über den Umweg eines erfolgreichen Ehemannes ihre Ziele verwirklichen kann, setzt ihn unter Druck und die Angst, sie zu verlieren, gibt ihm den nötigen Antrieb, sich eine Karriere in der Politik aufzubauen. Dabei hilft ihm von Anfang an das scheinbar phlegmatische Naturell eines schweigenden Beobachters, der jederzeit bereit ist, im geeigneten Moment zum Schlag auszuholen.

Er beginnt im Team Nixons als persönlicher Assistent von Donald Rumsfeld (Steve Carell), an dem er im Laufe seiner Karriere vorbeizieht, schafft es dank seiner immer präziseren Kenntnisse der Mechanismen der Hauptstadt zum Stabschef des Weißen Hauses unter Gerald Ford und zum Außenminister unter George Bush senior, insofern hätte der Posten des Vizepräsidenten eigentlich einen Rückschritt bedeutet, was dem machthungrigen Menschen Cheney zunächst nicht behagte. Dank seiner Gerissenheit und seines Ehrgeizes entdeckt er jedoch Möglichkeiten, seine Position zur Schaltzentrale auszubauen, aus der heraus er für eine kurze Zeit die Geschicke der Welt lenkt, wovon Auswirkungen zum Teil bis heute spürbar sind.

Zwischen seinen politischen Ämtern ist er für den Konzern Halliburton tätig, eine Verquickung privater und politischer Interessen, die sich für beide Seiten als lukrativ erweist, verdient Halliburton doch durch staatliche Aufträge immense Summen.

Der Film zeigt machtgierige und dabei letztlich skrupellose Menschen bei der Arbeit, an sich nichts Neues, doch wartet Regisseur Adam McKay immer wieder mit kleinen, aber originellen inszenatorischen Überraschungen auf, die den satirischen Ansatz des Films unterstreichen, ohne ihn gänzlich zu einer Komödie zu machen. Der Unterton bleibt ernst, hebt sich aber wohltuend von der eher verbissenen Kritik eines Michael Moore ab und bietet reichlich Anregung, sich mit einem verhältnismäßig unbekannten Politiker noch einmal näher zu beschäftigen, der aus der zweiten Reihe heraus das Schicksal der Welt in Händen hielt.

Christian Bale wird mit Hilfe der hervorragenden Arbeit seiner Maskenbildner tatsächlich zu Cheneys Widergänger und auch die übrigen Akteure, allen voran Sam Rockwell als leicht tumber George W. Bush kommen den Originalen sehr nahe. Alles in allem ein faszinierender Einblick in Machtmechanismen der Politik in einem sehenswerten und unterhaltsamen Film.



Regie: Adam McKay
Drehbuch: Adam McKay
Kamera: Greig Fraser
Schnitt: Hank Corwin
Musik: Nicholas Britell

Darsteller:
 Christian Bale, Amy Adams, Steve Carell, Sam Rockwell, Eddie Marsan, Tyler Perry

Universum film
132 min
Deutscher Kinostart: 21. Februar 2019





Film-Rezensionen: Der Verlorene Sohn (Boy Erased)


Der neunzehnjährige Jared (Lucas Hedges) wächst bei seinen streng gläubigen Eltern im Süden der USA auf. Sein Vater (Russell Crowe) ist Prediger in der Baptistengemeinde und seine Mutter (Nicole Kidman) unterstützt ihren Ehemann. Als der Verdacht aufkommt, Jared könnte homosexuell sein, erschüttert dies besonders den Vater und er schickt seinen Sohn in eine sogenannte Reparativtherapie, wo der selbsternannte Therapeut Viktor Sykes (Joel Edgerton) solche vom Weg abgekommenen Jugendlichen zu heilen und wieder auf den rechten Weg zurückzubringen verspricht, eine Behandlung, die für viele der „Patienten" eine traumatische Erfahrung bedeutet. Als Jareds Mutter schließlich erkennt, wie ihr Junge unter den repressiven Methoden des Viktor Sykes leidet, widersetzt sie sich dem Willen des Vaters und holt Jared nach Hause.

Hollywood sucht sich seine Themen mehr und mehr in tatsächlichen Begebenheiten, inwieweit der fertige Film dann jeweils tatsächlich die Realität widerspiegelt, können nur die echten Personen beurteilen, die als Vorlage für die fiktiven gedient haben. Die äußerst umstrittene Reparativtherapie, auch Konversions- oder Reorientierungstherapie genannt, gibt es tatsächlich und wird auch in Deutschland praktiziert, ausgehend von der Vorstellung, dass es sich bei Homosexualität um eine psychische Störung handelt, die therapierbar ist. Da diese Auffassung inzwischen allgemein abgelehnt wird, gibt es Bestrebungen, solche Therapien gesetzlich zu verbieten, wie dies in einer Reihe von amerikanischen Bundesstaaten mittlerweile der Fall ist. Das Europäische Parlament hat 2018 mit überwältigender Mehrheit eine parteiübergreifende Initiative ergriffen, nach der Therapien zur Heilung von Homosexualität gesetzlich verboten werden sollen.

Der Schauspieler Joel Edgerton hat sich des Themas auf Grundlage der autobiographischen Schilderung eines Betroffenen angenommen, aber der Film schafft es nicht, das tatsächlich Unerhörte der Reparativtherapie so darzustellen, dass es den Zuschauer aufrüttelt. Zu behäbig inszeniert, in blassen Bilder tröpfelt die Handlung dahin. Es fehlen pointiert gesetzte Höhepunkte, obwohl es diese durchaus gegeben hätte, als sich zum einer der Jugendlichen das Leben nimmt. Aber auch dieses tragische Ereignis verschwimmt, so wie auch die Atmosphäre im elterlichen Haus des jungen Jared nie die notwendige Schärfe erreicht, obwohl die hochkarätigen Schauspieler, allen voran Nicole Kidman, durchaus gute Arbeit abliefern. Dieses wichtige Thema hätte einen insgesamt packenderen Film verdient, schade.


 Regie: Joel Edgerton
Drehbuch: Joel Edgerton, b/a der Biographie „Boy Erased – Autobiografische Erzählung" von Garrard Conley
Kamera: Eduard Grau
Schnitt: Jay Rabinowitz
Musik: Danny Bensi, Saunder Jurriaans

Darsteller:
 Lucas Hedges, Nicole Kidman, Joel Edgerton, Russell Crowe, Flea,


Universal Pictures Germany
115 min
FSK 12
Prädikat: Besonders Wertvoll
Deutscher Kinostart: 21. Februar 2019



Dienstag, 12. Februar 2019

Film-Rezensionen: Alita - Battle Angel



In einer fernen Zukunft findet ein Cyber-Doktor namens Ido (Cristoph Waltz) auf einem Schrottplatz der Stadt Iron City die Reste eines halb zerstörten weiblichen Cyborgs. Er gibt ihr einen neuen Körper und nennt sie „Alita" nach seiner verstorbenen Tochter. Alita (Rosa Salazar) erinnert sich nicht, wer sie ist oder wo sie ursprünglich herkommt, aber auf ihren Streifzügen durch die dystopische Stadt Iron City, in der Menschen, Cyborgs und abenteuerliche Mischwesen ums Überleben kämpfen, lernt sie schnell, dass sie für ein paar mächtige Leute offensichtlich eine Gefahr darstellt, die versuchen, sie zu eliminieren, allen voran der korrupte Vector (Mahershala Ali).

Ein neuer Freund, der smarte Hugo (Keenan Johnson), bietet sich als Helfer an, ist aber selbst zu sehr in dunkle Machenschaften verstrickt und auch ihr Ziehvater Ido scheint nicht das zu sein, was er vorgibt. Alita kommt nach einigen Kämpfen gegen andere Cyborgs, vor allem die berüchtigten Hunter-Warrior, allmählich ihrer Vergangenheit immer näher, bis sie sich schließlich als hochgerüstete Kampfmaschine offenbart, die den Menschen in Iron City gegen die bösen Mächte von Zalem – einer geheimnisvollen, hoch über Iron City schwebenden Stadt – helfen kann.

Der Film ist ein von Robert Rodriguez beherzt in Szene gesetztes Actionspektakel, bei dem es im Unterton wieder einmal um die tiefen Fragen des Lebens geht: wer bin ich, woher komme ich und was ist meine Bestimmung? Dies ist auch für actionlastige Filme nicht neu, entscheidend ist am Ende die Umsetzung. Technisch eine gelungene Mischung in 3D aus Motion-Capture und CGI im Zusammenspiel mit echten Schauspielern, ist die Story des Films, die auf einer Manga-Comicromanserie von Yukito Kishiro beruht, eher konventionell. Die Charaktere treten, wie es sich gehört, als gute und böse und im Fall von Hugo auf etwas dazwischen auf, die meisten ihrer Dialoge sind wenig originell. Die Handlung setzt sich aus zahlreichen Versatzstücken zusammen, es gibt ein Motorball-Kampfspiel, das sehr an die guten alte Rollerball-Spiele erinnert, und ein Panoptikum aus bizarren Menschmaschinenwesen, wie sie gern für eine ferne Zukunft eingesetzt werden.

 Alita hat, wie viele Actionhelden, ein Vergangenheitsproblem mit Erinnerungsdefizit und schaut auf die chaotische Welt, in der sie gelandet ist, mit den mangatypischen großen Kinderaugen. Selbstverständlich braucht es für solch ein verlorenes Wesen eine Liebesgeschichte, einen jugendlichen Helden, der sich in Alita, den Cyborg verliebt - auch wenn Hugo sich nicht als ganz so rein entpuppt -  und einen bösen Antagonisten, der diesmal in doppelbödiger Gestalt aus dem Hintergrund bzw. buchstäblich von oben die Fäden zieht. Christoph Waltz gibt sich als Dr. Ido väterlich und wirkt manchmal ein bisschen verloren, zu kämpfen hat er in der deutschen Fassung jedenfalls manchmal damit, seine deutschen Sätze einigermaßen synchron einzusprechen. Ach ja, und wer es sich zutraut, mag im Film nach dem nicht im Abspann genannten Edward Norton suchen…

Unterhaltsam ist der Film für jeden, der bunte Action und die Cyborgwelt liebt, inwieweit Fans der Mangareihe sich für diese Umsetzung des Stoffes begeistern werden, kann mangels Kenntnis der Vorlage nicht beurteilt werden. Wer allerdings ein Kammerspiel mit geschliffenen Dialogen erwartet, ist definitiv falsch im Kinosaal.





Regisseur: Robert Rodriguez
Drehbuch: James Cameron, Laeta Kalogridis und Robert Rodriguez
Kamera: Bill Pope
Schnitt: Stephen E. Rivkin, Ian Silverstein
Musik: Tom Holkenborg, Junkie XL
Basierend auf dem Graphic Novel "Gunnm" von Yukito Kishiro
Produziert von: James Cameron und Jon Landau

Darsteller:

Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly, Mahershala Ali,
Ed Skrein, Jackie Earle Haley, Keean Johnson, Jeff Fahey

Twentieth Century Fox
122 min.
FSK 12
Deutscher Kinostart: 14. Februar 2019



Copyright Bilder + Clip: 20th Century Fox


Donnerstag, 7. Februar 2019

Film-Rezensionen: The Prodigy

Ein Frauenmörder, der es liebt, seinen Opfern vor der Tötung die Hände abzutrennen, wird von der Polizei erschossen, nachdem eine der Frauen entkommen und bevor er sein "Werk" vollenden konnte. Im Moment seines Todes bringt in einem anderen Teil der USA eine Frau namens Sarah Blume (Taylor Schilling) ein Kind zur Welt. 

Der kleine Miles (Jackson Robert Scott) zeigt schon bald Entwicklungsschübe, die auf eine
Hochbegabung hindeuten (daher der Filmtitel: „Wunderkind"), während sein Sozialverhalten jedoch gestört zu sein scheint. Als er etwa acht Jahre alt ist, häufen sich die beunruhigenden Vorkommnisse, die sich nicht mehr mit den Sonderlichkeiten eines hochbegabten Nerds erklären lassen und seine verzweifelte Mutter wird in einen unauflösbaren Konflikt gestürzt zwischen der Liebe zu ihrem Kind und der Bekämpfung des Bösen, das, wie sie mehr und mehr glaubt, in ihm steckt.


Der Horrorfilm von Nicholas McCarthy appelliert an tiefste Elternängste und spielt ebenso mit den Gefühlen des Zuschauers, der immer wieder zweifelt, ob das Geschehen real oder nur in der Einbildung der Beteiligten existiert, weil die Inkarnation des Bösen in einem Kind stets eine besondere Anmutung darstellt. Aber es gab genügend Vorläufer, in denen sich, offensichtlich von deren Unschuld angezogen, das Böse genau aus diesem Grund gerne eines Kindes bedient, siehe Regan in „The Exorcist“ und natürlich Satansbraten Damien in "The Omen". Auch wenn einige Züge der Handlung der vorhersehbaren Logik des Genres folgen und dem abgebrühten Horrorfan sicher nicht mehr als einen wohligen Schauer bescheren werden, wartet der Schluss mit einer durchaus überraschenden Wendung auf, als Mutter Sarah vor einer grausamen Entscheidung steht.




Regie: Nicholas McCarthy
Drehbuch: Jeff Buhler
Kamera: Bridger Nielson
Musik: Joseph Bishara

Darsteller:
Taylor Schilling, Jackson Robert Scott, Colm Feore, Peter Mooney, Paul Fauteau

Orion Pictures/ splendid film
92 min.
Deutscher Kinostart: 07. Februar 2019




Fotos und Clip: © 2000-2019 MR FilmPressKit-online Gmbh


Donnerstag, 31. Januar 2019

Film-Rezensionen: Belleville Cop (Le Flic de Belleville)


Baaba Keita (Omar Sy) ist Polizist im Pariser Stadtteil Belleville und sein Leben verläuft unspektakulär, während er versucht, sich mit den beiden Frauen seines Lebens, Mutter (Biyouna) und Freundin (Diem Nguyen), zu arrangieren. Als sein Jugendfreund Roland (Franck Gastambide), ebenfalls Polizist, vor seinen Augen erschossen wird, übernimmt Baaba dessen Job in Miami, USA, wo dieser einem internationalen Drogendeal auf der Spur war. Dort muss sich Baaba mit seinem amerikanischen Partner Ricardo (Luis Guzmán) arrangieren, was beiden Probleme bereitet, bis sie sich erwartbar zusammenraufen und, ebenso erwartbar, den Drogendealern das Handwerk legen.
Im Presseheft ist zu lesen, der Film sei die französische Antwort auf "Lethal Weapon", Anspielungen auf „Miami Vice“ und irgendwie auch auf den "Beverly Hills Cop“ sind beabsichtigt, außerdem ist von rasanten Verfolgungsjagden, wilder Action und explosivem Humor die Rede. Leider trifft all dies alles nicht zu.

Der Regisseur konkurrierte 2010 mit seinem Film„Tage des Ruhms" („Hors la Loi“) im Wettbewerb um die Goldene Palme in Cannes und wurde damit im nächsten Jahr für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Wie es zu dem aktuellen Film kommen konnte, ist daher schwer zu fassen, denn dieser vermag in keinerlei Hinsicht überzeugen, und da können auch zwei so profilierte Darsteller wie Omar Sy („Ziemlich beste Freunde“) und Luis Guzmán ("Narcos") nichts retten, schade.




Regie: Rachid Bouchareb
Drehbuch: Larry Gross, Rachid Bochareb & Marion Doussot,
b/a Vorlage von Rachid Bouchareb
Kamera: Alain Duplantier
Schnitt: Yannick Kergoat, Vincent Tabaillon
Musik: Eric Neveux

Darsteller:
 Omar Sy, Luis Guzmàn, Biyouna, Diem Nguyen,
Issaka Sawadogo, Franck Gastambide

Constantin Film Verleih GmbH
Tessalit Productions mit Davis Films
111 min
Deutscher Kinostart: 31. Januar 2019


Film-Rezensionen: The Possession of Hannah Grace


Die Ex-Polizistin Megan Reed (Shay Mitchell) hat nach einem traumatischen Ereignis mit anschließender Reha-Maßnahme einen neuen Job: sie nimmt während der Nachtschicht in der Leichenhalle eines Krankenhauses die dort eingelieferten Toten in Empfang. Die düstere Umgebung macht ihr keine Angst, bis eines Nachts die schlimm zugerichtete Leiche von Hannah Grace eingeliefert wird, einer junge Frau, die drei Monate zuvor während eines Exorzismus gestorben ist. Die bösartige Macht in ihr hat sich nicht austreiben lassen, sondern sucht nun nach einem neuen Körper, und für Megan beginnt ein wahrer Albtraum.

Ein Leichenschauhaus bei Nacht ist für sich gesehen bereits ein unheimlicher Ort, wenn dann die Leichen nicht mal richtig tot sind, ist Gruseln garantiert. Der Film liefert einige erwartbare Horror- und Schockeffekten, besonders die Versuche zu Beginn des Films, den Dämon auszutreiben, sind nichts für ganz schwache Nerven, wobei allerdings die Frage unbeantwortet bleibt, wieso ein mächtiger Dämon zwar mit reiner Willenskraft Menschen durch die Luft schleudern kann, dagegen nicht in der Lage ist, die Schlingen zu lösen, die ihn in Gestalt der Hannah Grace ans Bett fesseln.

Insgesamt aber dennoch eine solide Inszenierung mit einer robusten Heldin, die sich nicht einschüchtern lässt, sondern die gestellte Aufgabe offensichtlich nutzt, ihr angeknackstes Selbstvertrauen wieder aufzubauen. Shay Mitchell, Star der Serie „Pretty Little Liars“ überzeugt als starke Heldin, die sich dem fremden Dämon stellt, um am Ende ihre eigenen zu besiegen.





Regie: Diederik Van Rooijen 
Drehbuch: Brian Sieve
Kamera: Lennert Hillege
Schnitt: Stanley Kolk, Jake York
Musik: John Frizzell

Darsteller:
Shay Mitchell, Grey Damon, Kirby Johnson, Nick Thune

 Sony Pictures
86 min.
Deutscher Kinostart: 31. Januar 2019


Copyright Bild und Clip: Sony Pictures