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Dienstag, 27. Juli 2021

Im Kino: Generation Beziehungsunfähig

Tim (Frederick Lau) arbeitet in einer Social-Media-Agentur und schreibt Bücher über Liebe und Beziehungen. Er selbst lebt das Leben eines ungebundenen Singles, in seinen Kreisen, tindert man sich von einem One-Night-Stand zum nächsten, Sex wird so unverbindlich und beliebig praktiziert, wie man sich früher auf eine Tasse Kaffe traf, und wer bei diesem Spiel anfängt, sich Hoffnungen auf eine längerfristige Beziehung zu machen, wird kurzerhand geghostet, d.h. man lässt einfach nichts mehr von sich hören. Selbstverständlich kommt es dann, wie es kommen muss, eines Tages trifft auch Tim auf seinen Ghost (Luise Heyer), die ihn am langen Arm verhungern lässt, eine ganz neue Erfahrung für das geübte Fluchttier Tim,  der beginnt, seine vorgebliche Beziehungsunfähigkeit zu hinterfragen, hat er am Ende nur einfach noch nicht die Richtige gefunden?

Eine leichte Sommerkomödie über die Generation 30+, die eigentlich längst die wilden Jahre hinter sich gelassen haben sollte, um sich dem Ernst des Lebens und zum ersten Mal einer stabilen Beziehung zu widmen, dazu aber anscheinend nicht fähig ist. Lau und Heyer spielen diese flatterhaften Geschöpfe aufopferungsvoll locker, wobei richtig zündender Wortwitz und Situationskomik leider etwas zu kurz kommen.

Dennoch unterhaltsam, aber ohne wirklichen Tiefgang wird das Thema abgehandelt, viele Nebenfiguren und –handlungen werden allerdings nur kurz eingeführt und dann fallen gelassen, ohne die Geschichte wirklich weiter zu bringen. Tims Job in der Social-Media-Agentur bleibt so nebulös, wie diese Jobs wahrscheinlich tatsächlich sind, und die privaten Probleme seines Bosses (Maximilian Brückner) berühren nicht wirklich. Man erfährt, dass Tims Vater selbst erfolgreicher Autor ist, indem dessen Buch kurz in einem Schaufenster zu sehen ist, auch hier fehlt die Einbindung in die Handlung, und der Gastauftritt von Kida Ramadan als Autofahrer, der Tim und Ghost beim Zurücksetzen auf ihrer Fahrradrikscha anfährt, dann aber als Opfer von Verkehrsrowdys gehandelt wird, ist wohl der Buddy-Vorgeschichte von Lau und Ramadan geschuldet. Dass Ghost selbst einen handfesten Beruf hat, wird kurz angesprochen und dann wieder als unwichtig verworfen, so dass man über sie als eine der Hauptpersonen am Ende viel zu wenig erfährt, um zu ihr mehr als eine oberflächliche Beziehung aufzubauen.

Dafür, dass Tim ein im Grunde anschmiegsamer Typ mit dem Bedürfnis nach Knuddeln und Nähe ist, steht etwas plakativ ein flauschiges Karnickel, das er hingebungsvoll mit sich herumträgt. Aus den anfangs angesprochenen guten Ansätzen wird am Ende nicht so viel gemacht, wie man es gerne gesehen hätte, so dass es dabei bleibt: Eine leichte Sommerkomödie ohne viel Tiefgang, obwohl das Thema für die angesprochene Generation vielleicht ein ganz wichtiges wäre.

 



 Regie: Helena Hufnagel

Drehbuch: Hilly Martinek, Helena Hufnagel, b/a auf dem titelgebenden Buch von Michael Nast

Kamera: Christiane Zingelmann

Schnitt: Frank Müller

Musik: Matthias Hauck, Nepomuk Heller, Florian Kiermaier

 

Darstellende:

Frederick Lau, Luise Heyer, Henriette Confurius, Tedros Teclebrhan, Klaus Steinbacher, Verena Altenberger, Maximilian Brückner, Virctoria Trauttmansdorff und als Gast Kida Khodr Ramadan

 

Pantaleon Films/ Warner Bros. Pictures Germany

D 2021

84 min.

FSK 12

 

Deutscher Kinostart: 29. Juli 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=77vDP4Yv8JU

Dienstag, 13. Juli 2021

Im Kino: Nebenan

Schauspieler Daniel (Daniel Brühl) lebt mit Frau und zwei kleinen Kinder in einem schicken Loft in Berlin. Er steht kurz vor einem Karrieresprung, für ein internationales Franchise hat er ein Vorsprechen in London. Vor der Fahrt zum Flughafen geht er in seiner Stammkneipe in Berlin noch einmal seinen Text durch, dort sitzt an der Theke ein Fremder namens Bruno (Peter Kurth), mit dem er ins Gespräch kommt. Als Daniel nach und nach klar wird, dass dieser Mann äußerst intime Kenntnisse über ihn und seine Familie besitzt, nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung…

Für sein Regiedebüt hat sich Daniel Brühl einiges vorgenommen, indem er auch eine der beiden Hauptrollen übernommen und die Idee zu dem Film entwickelt hat, dessen Drehbuch allerdings aus der Feder des Schriftstellers Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) stammt.

Herausgekommen ist ein intelligentes Kammerspiel mit Zügen einer schwarzen Komödie, die ruhig noch etwas schärfer hätten ausfallen können. Sympathisch ist, wie der Regisseur Brühl sich über den Schauspieler Brühl lustig zu machen scheint, indem er ihn irgendwo zwischen bekanntem Darsteller, dem noch etwas zum wirklichen Ruhm fehlt und aufgeblasenem Gockel mit Starallüren ansiedelt. Ihm gegenüber agiert, ganz ohne die genannten Anwandlungen, dafür mit dem ganzen Schwergewicht seiner (Schauspiel)Persönlichkeit Peter Kurth, der den einfachen, gebeutelten und im Leben immer zu kurz gekommenen Bruno gibt und in seinen besten Momenten den Darsteller Brühl überrollt wie eine Dampfwalze.

Zwischen Daniel und Bruno entwickelt sich ein immer beklemmender werdendes Duell auf engstem Raum – Hauptschauplatz der Handlung ist die enge und miefige Kneipe – bei dem Timing und Choreographie exzellent funktionieren, Kompliment an den Regisseur Brühl! Vordergründig geht es um eine persönliche Geschichte, die Bruno mit Daniel auszufechten hat, dahinter steckt aber auch Gesellschaftskritisches zu so aktuellen Themen wie Gentrifizierung und sozialer Ungerechtigkeit, nicht streng und zeigefingerbewehrt, sondern unterhaltsam und spannend vorgeführt am lebenden Objekt. Den einen, Bruno, im Dunkeln, sieht man normalerweise nicht, während der andere, der leichtfüßige Musenjünger, sich im Lichte sonnt, obwohl auch er mit seinen Dämonen zu kämpfen hat, wenn er hin und wieder von Versagensängsten geplagt wird. Wirklich sympathisch ist am Ende keiner von beiden, aber es scheint dem Regisseur Brühl Spaß zu machen, die dunklen Seiten seiner Lichtgestalt, des Schauspielers Daniel, auszuleuchten, und genauso viel Spaß macht es, dabei zuzusehen.

 


 Regie: Daniel Brühl

Drehbuch: Daniel Kehlmann b/a Idee von Daniel Brühl

Kamera: Jens Harant

Schnitt: Marty Schenk

Musik: Jakob Grunert, Moritz Friedrich

 

Darsteller:

Daniel Brühl, Peter Kurth, Rike Eckermann, Aenne Schwarz, Gode Benedix, Vicky Krieps,

 

 Warner Bros. Pictures

92 min.

FSK 12

 

Deutscher Kinostart: 15. Juli 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ujRKKXXsofs

 

 

Im Kino: The Nest - Alles zu haben ist nie genug (The Nest)

Der Brite Rory O’Hara (Jude Law) ist Investmentbanker in den USA und Verkörperung all dessen, was diesen Berufsstand so zwielichtig erscheinen lässt. Er brennt vor Ehrgeiz und um seine Karriere weiter voranzutreiben überredet er seine Frau Allison (Carrie Coon), mit ihm und den beiden Kindern zurück nach England zu gehen, wo er ein äußerst lukratives Job-Angebot erhalten hat. Aus der hellen Leichtigkeit des amerikanischen Vorstadtlebens zieht die Familie in ein völlig überdimensioniertes englisches Landhaus, das genauso gut als Spukschlosskulisse dienen könnte. Mehr und mehr verschieben sich dort Anspruch und Wirklichkeit, der Lebensstandard entspricht bei weitem nicht den realen Bedingungen, aber Rory denkt nicht daran, sich hinter die Fassade schauen zu lassen, und das Unheil nimmt seinen Lauf…

Was aufgrund seiner düsteren Kulisse zunächst wie ein schauriger Gruselfilm
daherkommt, ist tatsächlich die Geschichte einer gescheiterten Existenz, eines Angebers und Hochstaplers, der nach und nach sein Umfeld mit in den Abgrund zieht, also am Ende ein ganz realer Horror ohne übersinnliche Phänomene, obwohl das alte finstere Haus an allen Enden knarzt und stöhnt. Rory blendet alle mit seinem Charme, seiner Eloquenz und seinem Elan, und Jude Law verkörpert diese Figur mitreißend. Aber auch Carrie Coon hält hervorragend dagegen als stellenweise gequälte Gattin, die sich allmählich aus dem Netz aus Lügen und Geschichten befreit, das ihr Mann für sie spinnt. Rorys Vergangenheit wird etwas plakativ angerissen, aber es reicht, um klar zu machen, was ihn antreibt, und auch wenn einige Fragen offen bleiben, bietet dieser ansonsten sorgfältig und intensiv inszenierte Film spannende Unterhaltung ohne spektakuläre Höhepunkte, das Leiden kommt schleichend und ob es schließlich am Ende eine Wendung zum Guten geben kann, ist bei dem labilen Charakter des Rory O’Hara doch eher fraglich.

 


 Regie: Sean Durkin

Drehbuch: Sean Durkin

Kamera: Mátyás Erdély

Schnitt: Matthew Hannam

Musik: Richard Reed Parry

 

Darsteller:

Jude Law, Carrie Coon, Oona Roche, Charlie Shotwell, Tanya Allen

 

Element Pictures

GB 2020

FSK 12

107 min.

 

 Bildmaterial: © Ascot Elite Entertainment

 

Deutscher Kinostart: 08. Juli 2021

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=75FdB2nADyw

 

Donnerstag, 1. Juli 2021

Im Kino: Catweazle

Der 12-jährige Benny (Julius Weckauf) lebt mit seinem Vater (Henning Baum) im familieneigenen Tierpark, wo er eines Tages auf einen kauzigen Mann in altmodischer Tracht und Kapuze trifft. Er ahnt nicht, wen er da vor sich hat: den Magier Catweazle (Otto Waalkes), durch unglückliche Umstände aus dem Jahr 1020 geradewegs in unsere Gegenwart hinein gepurzelt. Von allen Selbstverständlichkeiten moderner Zivilisation überfordert, tapst er zusammen mit Benny und der Kröte Kühlwalda durch haarsträubende Situationen, auf der Suche nach dem bei seinem Zeitsprung verloren gegangenen Zauberstab Anawandur, mit dessen Hilfe er umgehend und rechtzeitig in seine Zeit zurückkehren muss, will er ein schlimmes Ereignis noch ungeschehen machen. Allerdings hat die fiese Kunsthändlerin Dr. Katharina Metzler (Katja Riemann) ein großes Interesse an dem Stab und setzt alles daran, in seinen Besitz zu kommen…

Den Älteren wird diese Geschichte bekannt vorkommen: In den 1970ger Jahren gab
es eine gleichnamige britische Kinderserie, entwickelt von Richard Carpenter mit dem unvergesslichen Geoffrey Bayldon in der Titelrolle, die im Laufe der Zeit einen gewissen Kultstatus erreicht hat (Stichwort: Elektriktrick... ) Nun haben der Regisseur Sven Unterwaldt und der unverwüstliche Komiker Otto Waalkes sich dieses Stoffes angenommen und ihn für heutige Generationen und die große Leinwand aufgearbeitet. Wenn auch natürlich der Charme der alten Serie heute verstaubt wirken mag und nicht mehr zeitgemäß scheint, hinterlässt das Ergebnis der modernen Kinoadaption zwiespältige Gefühle.

Bei dem Bemühen, einen familientauglichen Film für Jung und Alt zu präsentieren, ist eine reichlich konventionell erzähle Geschichte mit vorhersehbaren Gags und einigen Slapstickeinlagen herausgekommen. Der Magier muss zurück ins Mittelalter und hat dafür nur drei Tage Zeit, eine böse Frau auf der Jagd nach Geld und Ruhm macht ihm den Zauberstab Anawandur streitig, wird dabei von cleveren Kindern ausgetrickst, alles nett anzusehen, aber auch wenig originell, und der aus der Zeit Gefallene 1000-jährige Magier mit Kröte ist kein tragikomischer Don Quijote mehr im Kampf gegen die Normannen, sondern verkommt zu einem liebenswerten Trottel, was nicht nur an der piefigen Inszenierung, sondern leider auch an dem Hauptdarsteller liegt.

Rein optisch macht Otto Waalkes durchaus eine gute Figur und solange er in seiner Rolle bleibt, ist alles in Ordnung. Aber die Macher des Films waren, wie sie selber sagen, der Meinung, wo „Otto“ drauf steht, muss auf jeden Fall auch „Otto“ drin sein, und so poppt immer dann, wenn der Darsteller Waalkes sich gerade von sich selbst befreit hat und seinem Catweazle einen ernsthaft-komischen und vor allem echten Moment gönnt, der bis zum Überdruss bekannte Otto auf, und das trübt die Freude am Film, sehr schade. Vielleicht hätte ein anderer Schauspieler, ein Nicht-Otto, hier besser gepasst, jemand, der witzig, aber auch tragikomisch kann, ganz spontan kommt da Bjarne Mädel in den Sinn...

Die übrigen Darsteller sind solide und machen das, was sie können in bewährter Weise. Julius Weckauf überzeugt als kleiner Außenseiter mit Herz und Verstand, Katja Riemann gibt das Biest, und wenn alles schief zu gehen droht, ist Henning Baum mit ruhiger und starker Hand zur Stelle.

Alles in allem nette Unterhaltung, zumindest für diejenigen, die die alte TV-Geschichte nicht kennen, bei einem Film, der niemandem weh tut und hoffentlich wieder einmal die ganze Familie ins Kino locken wird!

 


 Regie: Sven Unterwaldt

Drehbuch: Otto Waalkes, Bernd Eilert, Claudius Pläging, Sven Unterwaldt

Kamera: Bernhard Jasper

Schnitt: Zaz Montana

Musik: Philipp Noll

 

Darsteller:

Otto Waalkes, Julius Weckauf, Katja Riemann, Henning Baum, Gloria Terzic, Milan Peschel

 

 Tobis Film GmbH

D 2021

FSK 0

90 min.

 Bildmaterial: © TOBIS Film GmbH

 

Deutscher Kinostart: 01 Juli 2021

 

 

Im Kino: Rosas Hochzeit (La Boda de Rosa)

Auf Rosa (Candela Peña) kann sich – beruflich wie privat – jeder zu jeder Zeit hundertprozentig verlassen. Sie arbeitet als Kostümbildnerin bis zum Umfallen, kümmert sich um ihren Vater und die Kinder des Bruders, die Katze der Freundin, sie ist da, wann immer man sie braucht, und irgend jemand braucht sie immer. Kurz vor ihrem 45. Geburtstag wird Rosa plötzlich klar, dass sie so nicht weitermachen kann und will und sie beschließt, ihr Leben zu ändern, was bei Familie und Freunden auf Unverständnis stößt. Einmal will sie selbst im Mittelpunkt zu stehen und lädt zu ihrer etwas anderen Hochzeit in ihrem Geburtsort Benicàssim ein, für sie der Startschuss in ihr neues und selbstbestimmtes Leben. Aber dann steht ihre Tochter mit Kindern vor der Tür und wieder wird Rosa gebraucht…

Die spanische Komödie bereitet ihr durchaus ernstes Thema so leicht und
erfrischend auf, wie man dies auch von vielen französischen Filmen kennt. Es macht Spaß, Rosa auf ihrem Weg zu sich selbst zu begleiten, und da geht es nicht um die oberflächliche Selbstbezogenheit, die viele Menschen umtreibt, die tatsächlich nur noch sich selbst im Blick haben, sondern um die tiefe und wichtige Frage, wer man ist und wie viel man zu geben bereit ist, ohne sich dabei selbst aufzugeben. Alle Figuren um Rosa herum sind ein wenig klischeehaft und überzeichnet und die Entwicklung der Geschichte ist auch keine große Überraschung, aber dies ändert nichts daran, dass alles beschwingt und mit feinem Humor daherkommt. Candela Peña als die sich befreiende und emanzipierende Rosa trifft stets den richtigen Ton, ihre Selbstzweifel schmerzen und ihre Entschlossenheit reißt mit, wie es der ganze Film schafft – auch mit der ansprechenden Optik seiner sommerlichen Bilder – mitzureißen, und das ist genau das Richtige, was nach dieser langen Kinoabstinenz gut tut.

Auch „Rosas Hochzeit“ hätte bereits letztes Jahr in die Kinos kommen sollen, leider besteht die Gefahr, dass er nun in der Masse der Neustarts untergehen wird, was wirklich schade wäre. Wer also einen schönen Feelgood-Sommerfilm erleben möchte, sollte diesen auf keinen Fall verpassen!

 


 Regie: Iciar Bollain

Buch: Iciar Bollain & Alicia Luna

Kamera: Sergi Gallardo & Beatriz Sastre

Schnitt: Nacho Ruiz Capillas

Musik: Vanessa Garde

 

Darsteller:

Candela Peña, Sergi López, Nathalie Poza, Ramón Barea,

 

 Tendem Films/ Piffl Medien

97 min.

FSK 0

  

Deutscher Kinostart: 01. Juli 2021

 Trailer: http://www.piffl-medien.de/film.php?id=178&kat=aktuell#http://www.piffl-medien.de/

 

Dienstag, 29. Juni 2021

Im Kino: Der Spion (The Courier)

Nach einer Phase der Aufrüstung stehen sich die Supermächte USA und Sowjetunion Anfang der 1960ger Jahre bis an die Zähne bewaffnet gegenüber. Dabei haben die USA bereits eine Vielzahl von atomaren Waffen so stationiert, dass sich die Sowjets unmittelbar bedroht fühlen und diese beginnen deshalb, ebensolche Waffen nach Kuba, sozusagen direkt vor die Haustür der USA, zu schaffen. Der hochrangige Sowjetoffizier Oleg Penkowski (Merab Ninidze) fürchtet Tod und Verderben für die ganze Welt und liefert den westlichen Geheimdiensten Informationen, um das Schlimmste zu verhindern. Um unauffällig Kontakt mit ihm halten zu können, stellen ihm MI6 und CIA den harmlosen britischen Geschäftsmann Greville Wynne (Benedict Cumberbatch) zur Seite. Dieser lässt sich zunächst nur zögernd auf die Sache ein, findet dann aber mehr und mehr Gefallen an seinem Abenteuer und es entwickelt sich sogar eine Freundschaft zu Penkowski, die beiden am Ende zum Verhängnis wird.

Der Film basiert auf wahren Ereignissen, die Protagonisten Penkowski und Wynne
hat es wirklich gegeben, ebenso wie die nur 13 Tage dauernde Kuba-Krise, nach deren Ende die beiden Supermächte ihre Beziehungen neu ordneten, wenngleich das atomare Wettrüsten weiterging. In entfärbten Bildern wird ein Stück düsterer Zeitgeschichte auf die Leinwand gebracht, gesamtgeschichtlich nichts Neues, personell im Detail vielleicht nur Wenigen bekannt. Die Geheimdienste sind wie sie immer sind, im Geheimen operierend und wenn es darauf ankommt skrupellos, wer sich ihnen ausliefert, ist, wenn es schief geht, geliefert. Es sind die Hauptfiguren, die die im Großen und Ganzen eher bieder und etwas blutleer inszenierte Geschichte auf eine andere Ebene außerhalb der üblichen Spy-vs.-Spy-Story heben.

Da ist der von Skrupeln heimgesuchte und von seinem Gewissen geplagte Penkowski, zurückhaltend und eindrucksvoll dargestellt von Merab Ninidze, der es auf sich nimmt, die Welt zu retten, obwohl er genau weiß, wie es Verrätern in seinen Kreisen ergeht. Und da ist der Geschäftsmann Greville, der etwas naiv dabei ist, im großen Spiel mitzuspielen, aber offensichtlich beeindruckt von der Lauterkeit seines russischen Gegenübers, den er mehr und mehr, über alle Grenzen, geographische und ideologische, als seinen Freund betrachtet. Der Preis, den er dafür bezahlen muss, ist hoch und die Unmenschlichkeit des sowjetischen Regimes bei der Behandlung ihrer Feinde ist grausam anzuschauen, wobei nicht gesagt sein soll, dass die Gegenseite in Fällen wie diesen wesentlich zimperlicher zu Werke geht, aber das ist eine andere Geschichte. Wie jedenfalls Benedict Cumberbatch die Leiden seines Greville im letzten Teil des Films sicht- und spürbar werden lässt, ist nichts für schwache Nerven und hinterlässt einen noch lange anhaltenden Eindruck im Gemüt.

 


 

Regie: Dominic Cooke

Drehbuch: Tom O'Connor

Kamera: Sean Bobbitt

Schnitt: Tariq Anwar, Gareth C. Scales

Musik: Abel Korjeniowski

 

Darsteller:

Benedict Cumberbatch, Merab Ninidze, Rachel Brosnahan, Jessie Buckley

 

TELEPOOL/ 24 Bilder

112 min.

FSK 12

 

Deutscher Kinostart: 01. Juli 2021 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ThFLOj57o9A

Im Kino: Conjuring 3: Im Bann des Teufels (The Conjuring: The Devil Made Me Do It)

Das Ermittlerpaar zum Aufspüren – und im besten Fall auch Beseitigen – paranormaler Phänomene, Ed und Lorraine Warren (Vera Fermiga, Patrick Wilson), hilft diesmal im Kampf um die Seele eines kleinen Jungen, nicht ahnend, dass sich hieraus ihr schwierigster Fall entwickeln wird. Am Ende geht es um einen Aufsehen erregenden Mord, der im Zustand der Besessenheit verübt worden sein soll, und dabei geraten die Warrens selbst an ihre Grenzen und in allerhöchste Gefahr.

„Conjuring 3: Im Bann des Teufels“ ist der siebte Film im „Conjuring“-Universum, dem größten Horror-Franchise, zu dem die ersten beiden „Conjuring“-Teile, die drei „Annabelle“-Filme und „The Nun“ gehören.

Hier nun ist Grundlage der Handlung ein 1981 in Brookfield, Connecticut geschehenes Verbrechen, als ein junger Mannes namens Arne Cheyenne Johnson seinen Vermieter brutal tötete und sich in dem anschließenden Gerichtsverfahren darauf berief, von einem Dämon besessen zu sein. Die echten Warrens, ein Ehepaar, das sich tatsächlich der Aufklärung paranormaler Phänomene widmete und in einigen Fällen mit Elaine Warrens hellseherischen Fähigkeiten der Polizei zur Seite stand, wurden hinzugezogen, um einen Präzedenzfall zu schaffen, den es so in der Justizgeschichte der USA noch nicht gegeben hatte. Der Film hat den Anspruch, ein wahre Geschichte zu erzählen, und den Mord samt Gerichtsverfahren unter großem Medieninteresse hat es ja auch tatsächlich gegeben. Aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich nicht auf den juristischen Feinheiten, sondern auf den schaurigen Effekten und dem Grusel, den verwunschene Häuser, besessen Kinder, Dämonen, ein alter Fluch und ein Pakt mit dem Leibhaftigen hervorrufen. Dies macht der Film solide und gut, wer sich darauf einlässt, wird bestens unterhalten und bei allem Horror bieten die Warrens in ihrer Liebe und ihrem Respekt füreinander immer wieder eine Projektionsfläche, um den ewigen Kampf des Guten gegen das immerwährende Böse unterhaltsam abzubilden.

 


 

Regie: Michael Chavez

Drehbuch: David Leslie Johnson-McGoldrick

Kamera: Michael Burgess

Schnitt: Peter Gvozdas, Christian Wagner

Musik: Joseph Bishara

 

Darsteller:

Vera Fermiga, Patrick Wilson, Ruairi O’Connor, Sarah Catherine Hook, Julian Hilliard

 

Warner Bros. Pictures Germany

USA

112 min.

FSK 16

 

Deutscher Kinostart: 01. Juli 2021

 

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=LV8mCGMAv18