Blog-Archiv

Dienstag, 14. Juli 2020

Im Kino: Marie Curie – Elemente des Lebens (Radioactive)


Als Frau ist der 1867 in Warschau geborenen Marie Sklodowska (Rosamund Pike) in ihrem Heimatland der Weg an die Universität verwehrt, daher geht sie nach Paris, um dort Physik und Mathematik zu studieren. Beides schließt sie mit Bestnoten ab, dennoch  bleibt ihre weitere Karriere ein ständiger Kampf gegen männliche Vorherrschaft und Vorurteile. Als sie Pierre Curie kennen lernt, will sie sich auf keinen Fall von ihm fördern lassen, aber dann verlieben sich beide ineinander und wirken fortan gemeinsam. Über ihren Doktorvater, Henri Becquerel, bekommt sie Zugang zur Strahlenforschung, ihre Erkenntnisse im Bereich Radioaktivität sind noch heute wegweisend. Im Jahr 1903 wird sie zusammen mit ihrem Mann und Bequerel mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet und erhält als erste Frau Europas einen Doktortitel in eben jenem Fach. Zwei Jahre später stirbt Pierre Curie, bereits von den Strahlenforschungen gesundheitlich angeschlagen, bei einem tragischen Unfall und Marie übernimmt seinen Lehrstuhl an der Sorbonne. 1911 erhält sie als erster Mensch einen zweiten Nobelpreis, diesmal für Chemie. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich ihr immer wieder in den Weg stellen, gibt sie nie auf, sich für ihre Wissenschaft einzusetzen. 1934 verstirbt sie, ebenfalls gezeichnet von den Auswirkungen der Radioaktivität, der sie jahrelang ausgesetzt war. 

Der Film porträtiert diese in jeder Hinsicht außergewöhnliche Frau als klug, ambitioniert und zielstrebig, Eigenschaften, die man zu ihrer Zeit einer weiblichen Person nicht zutraute und mit denen man sich auch heute bisweilen noch schwer tut. Die bahnbrechenden Erkenntnisse, die auf Marie Curies Forschungen fußen, die Entdeckung der Wirkungen von Radioaktivität mit ihren Möglichkeiten, von der Entwicklung der Strahlentherapie bei Krebserkrankungen bis hin zur Verwendung von Kernkraft zur Energiegewinnung, werden eingebettet in einen düster bebilderten Rahmen, in dem Rosamund Pike einmal mehr glänzen darf. 

Ihre Darstellung macht den Film auf jeden Fall sehenswert, ansonsten will der Funke, den eine solche Frau und Wissenschaftlerin entzündet hat, nicht immer auf den Zuschauer überspringen. Der Mensch Marie tritt größtenteils hinter der übergroßen Ikone Marie Curie zurück, auch wenn es nicht an privaten Momenten aus ihrem Leben mangelt, bleiben diese leider etwas blutleer und die Stationen ihrer Karriere werden allzu konventionell erzählt. Dennoch ist es das Verdienst dieses Filmes, ein realistisches Sittenbild jener Zeit zu zeichnen, das es um so erstaunlicher macht, wie es eine Frau unter diesen Umständen überhaupt schaffen konnte, hinter dem heimischen Herd hervorzutreten und Weltgeschichte zu schreiben. Ein Appell an alle Frauen und Mädchen, und eine Ermutigung, sich auch heute nicht von falschen Vorstellungen und Vorurteilen abschrecken zu lassen, sondern sich entschieden vorzuwagen, wenn man etwas gefunden hat, wofür man brennt...


Regie: Marjane Satrapi
Drehbuch: Lauren Redniss, Jack Thorne
Kamera: Anthony Dod Mantle
Schnitt: Stéphane Roche
Musik: Evgueni Galperine, Sacha Galperine

Darsteller:
Rosamund Pike, Sam Riley, Cara Bossom, Aneurin Barnard, Anya Taylor-Joy, Simon Russell Beale, Tim Woodward, Jonathan Aris

 StudioCanal / Amazon Studios
109 min.
FSK 6
Deutscher Kinostart: 16. Juli 2020 (nach dem ursprünglich geplanten 09. April)

Montag, 13. Juli 2020

Im Kino: Berlin Alexanderplatz


Francis (Welket Bungué) erlebt auf seiner Flucht über das Mittelmeer von Afrika nach Europa Schlimmes. Kurz vor dem Ertrinken kann er sich retten und es gelingt ihm, sich nach Berlin durchzuschlagen. Dort möchte er arbeiten, um ein anständiges Leben führen zu können, schließlich ist er jung und stark. Er lernt Leute kennen, die es gut mit ihm meinen, so wie die Prostituierte Mieze (Jella Haase), die seine große Liebe wird, er macht aber auch Bekanntschaft mit Reinhold (Albrecht Schuch), einem Menschenfänger, der es versteht, andere für sich einzuspannen. Francis lässt sich wider besseres Wissen auf Reinhold ein und das Schicksal nimmt seinen Lauf, an dessen Ende Francis seinen linken Arm, seine Freundin und seinen Vorsatz einbüßt, ein guter, anständiger Mensch zu sein, denn die Verhältnisse, sie sind nicht so…

Mit seinem dreistündigen Film ist Regisseur Qurbani ein wuchtiges und trotz seiner Länge niemals langweiliges Werk gelungen, das mit frischem Ansatz Alfred Döblins alte Geschichte des Franz Bieberkopf aus dem Berlin der 1920ger Jahre in die heutige Zeit transportiert. Wie damals gibt es die Hoffnung, in dieser Stadt sein Glück zu machen, aber ebenso wie damals, lauern überall Versuchungen und Gefahren, die nur darauf warten, einen noch so rechtschaffenen, dabei aber labilen Menschen, vom rechten Weg ins Verderben hinab zu ziehen.

Wie ein Menetekel klingt von Anfang an die Stimme Miezes aus dem Off, um ihren Francis auf diesem Weg zu begleiten, auf dem er, wie sie erzählt, dreimal straucheln wird, lakonisch, aber auch traurig ob des unausweichlichen Schicksals, das auf ihn wartet. Dieses Schicksal in Gestalt des Verführers Reinhold erweckt Albrecht Schuch in mitreißender Weise zum Leben. Anfangs als stets zur Seite gekrümmte, fast bemitleidenswert verwachsene Figur mit unwiderstehlich mephistophelischer Ausstrahlung, scheint sich dessen Körper immer weiter zu strecken, je mehr Macht er über den armen Francis gewinnt, als würde er dessen Kraft und Stärke in sich aufsaugen, um daran zu gesunden. Auch die übrigen Darsteller machen ihre Sache hervorragend, so darf Jella Haase einmal mehr zeigen, was schauspielerisch in ihr steckt, und der in Guinea-Bissau geborene Schauspieler Welket Bungué gibt seinem Francis eine bewegende Menschlichkeit, zeigt ihn als heimatlosen Strauchelnden, der in dieser Welt, in die er sich begeben hat, nie eine Chance hatte, genauso wenig, wie er sie offensichtlich in Afrika hatte, sonst hätte er dort nicht alles verlassen.

Das, was für den Franz Bieberkopf der 1920ger Jahre die Entwurzelung durch einen verheerenden Krieg und die instabilen politischen Verhältnisse dieser Zeit waren, ist heute das globale Flüchtlingselend, das immer mehr Entwurzelte produziert, solange sich an ihren Lebensumständen in ihren Heimatländern nichts ändert, eine wichtige und aktuelle Botschaft, die Burhan Qurbani beeindruckend in diese Adaption des Döblin-Romans eingebettet hat. Der Stoff mag alt sein, die Geschichte ist es nicht.




Regie: Burhan Qurbani
Drehbuch: Martin Behnke, Burhan Qurbani, b/a Roman von Alfred Döblin
Kamera: Yoshi Heimrath
Schnitt: Philipp Thomas
Musik: Dascha Dauenhauer

Darsteller:
Welket Bungué, Albrecht Schuch, Jella Haase, Joachim Król, Nils Verkooijen, Annabelle Mandeng, Lena Schmidtke

Entertainment One / Paramount Pictures
183 min.
FSK 12
Deutscher Kinostart: vorgesehen 16. Juli 2020/ 30. Juli 2020

Der Film ist zur Zeit, teilweise in Anwesenheit von Regisseur und Darstellern, auf Kinotour in folgenden Städten:

SOMMERKINO KULTURFORUM – Öffentliche Open Air Preview Berlin (11.7.)
LUNA KINO – Öffentliche Preview Ludwidsburg (13.7.)
SCALA KULTUR – Baden-Württemberg Premiere Ludwigsburg (13.7.)
KUNSTRASEN IM LANDSCHAFTSPARK – NRW-Premiere Duisburg (14.7.)
ZEISE AUTOKINO HEILIGENGEISTFELD – Öffentliche Preview Hamburg (15.7.)
KINO INTERNATIONAL – Öffentliche Sondervorführung Berlin (16.7.)

 Fotos Medianetworx

Dienstag, 7. Juli 2020

Heimkino: Colony - Staffel 2


Was bisher geschah, hier noch einmal zum nachgelesen:

Die Sci-Fi-Serie beginnt ihre zweite Staffel mit einem Rückblick, wie die Protagonisten – die Bowman-Familie, der Rebell Broussard (Tory Kittles ) und der findig-windige Alan Snyder (Peter Jacobson) – die Ankunft der „Gastgeber“ erlebt haben, um dann den Erzählstrang dort wieder aufzunehmen, wo es Will Bowman (Josh Holloway) gelingt, in den Santa-Monica-Block zu gelangen, um seinen Sohn Charlie zu finden, während gleichzeitig sein anderer Sohn Bram (Alex Neustaedter) in einem Arbeitslager dem alten Widersacher Snyder, nach seiner Entlassung als Proxy mit neuen Aufgaben vertraut, auf Gedeih und Verderben ausgeliefert ist. Ansonsten verschärft sich die Lage für die Menschen im Los-Angeles-Block, die Besatzer brauchen sich weiterhin keine Mühe zu geben, außer durch ihre hin und wieder auftauchenden todbringenden Drohnen, in Erscheinung zu treten, ihr Marionettenregime aus Opportunisten und Kollaborateuren funktioniert bestens, während auf der anderen Seite immer neue Widerstandsgruppen entstehen, um mit allen Mitteln gegen die Besatzer zu kämpfen.

Die Handlungsfäden aus Staffel 1 werden gekonnt weiter gesponnen und lassen den bekannten Charaktere immer weniger Spielraum, sich aus ihren Verstrickungen zu befreien, wobei ein geschickt eingesetzter „MacGuffin“ in Gestalt eines erbeuteten Handschuhs der Besatzer eine wichtige Rolle spielt, ebenso wie ein mysteriöser Countdown, der im Hintergrund abläuft.

Für Will und Katie Bowman (Sarah Wayne Callies) bleibt der Schutz ihrer Familie, respektive ihrer Kinder, das Wichtigste, während andere Protagonisten weniger selbstlos nur ihren eigenen Vorteil fest im Blick behalten. Dabei ist derjenige am erfolgreichsten, der es versteht, wechselnde Allianzen zu erkennen und entsprechend zu nutzen, um am Ende nicht unterzugehen, und dabei gibt es keinen Besseren als Alan Snyder, dem bei seinen Intrigen zuzusehen immer wieder ein Vergnügen ist. Die Figuren entwickeln sich, Will wird weicher, Katie im Kampf um ihre Kinder immer kompromissloser. Gut herausgearbeitet wird dabei zum einen die Frage, ob und wie viel Gewalt berechtigt ist, um sich zur Wehr zu setzen, wann man es mit moralisch legitimierten Widerständlern und wann mit verbrecherischen Terroristen zu tun hat. Die andere Frage ist, warum sich stets genügend Willige ohne Gewissen und moralische Skrupel finden, die einem Regime, wie fragwürdig und diktatorisch es auch immer sein mag, zu dienen bereit sind. Auf beides muss der Zuschauer allerdings selbst eine Antwort finden.

 
Die Spannung wird über alle Episoden hinweg hoch gehalten und die letzte Folge ist wiederum als Cliffhanger angelegt, es darf – und muss - also weitergehen, denn auch diesmal erfährt man nicht allzu viel über die Besatzer und ihre eigentlichen Ziele… Staffel 3 ist für September 2020 angekündigt.




 
Regie: Juan José Campanella, Tim Southam, Thomas Carter, Jeremy Webb, Olatunde Osunsanmi, Charlotte Brändström, Peter Leto
Drehbuch: diverse, b/a den Entwicklern Ryan J. Condal und Carlton Cuse
Kamera: Christopher Faloona u.a.
Schnitt: Nona Khodai u.a.
Musik: Clinton Shorter

Darsteller:
Josh Holloway, Sarah Wayne Callies, Peter Jacobson, Tory Kittles, Isabella Crovetti, Alex Neustaedter, Amanda Righetti

Pandastorm
 Genre: Sci-Fi
FSK 16
VÖ: ab 03. Juli 2020
 
Details DVD:
Anzahl Discs: 4
Laufzeit: 550 min. (13 Episoden à 42 min.)
Bildformat: 1,78:1 / 16:9
Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Episodenguide

Details Blu-ray:
Anzahl Discs: 3
Laufzeit: 550 Min. (13 Folgen à 42 Min.)
Bildformat: 1,78:1 / 1080p24 / AVC
Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1, Englisch DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Episodenguide
 

Dienstag, 30. Juni 2020

Filmrezension: 7500


Auf dem Weg von Berlin nach Paris versuchen Terroristen das Cockpit einer Maschine zu stürmen. Der junge Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) leistet heroischen Widerstand, aber dann spitzen sich die Ereignisse zu, und die Maschine droht, abzustürzen, aus dem Routineflug wird ein Horrortrip…

Die titelgebende Ziffernfolge ist der Code für die Meldung einer Flugzeugentführung, die bei den heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr so häufig vorkommt, aber der Film zeigt, wie es dennoch möglich ist. Dabei gelingt dem deutschen Regisseur Patrick Vollrath das Kunststück, auf engstem Raum, in der klaustrophobischen Enge eines Cockpits, atemberaubende, fast körperlich spürbare Spannung zu erzeugen, ohne aufwändige Spezialeffekte und so gut wie keine Außenaufnahmen. Er streut weder Bilder des im Flug befindlichen Flugzeugs ein, noch bekommt man andere Personen außerhalb des Cockpits zu sehen, der Kontakt nach draußen erfolgt ausschließlich akustisch und die Passagiere sind lediglich beim Boarding kurz zu sehen, später liefert eine Überwachungskamera leicht unscharfe Bilder aus dem Vorraum der Passagierkabine. Eine derart minimalistische, nur auf das Wesentliche konzentrierte Inszenierung von Angst und Schreckens gibt es nicht allzu oft, Stephen Spielberg ist dies beispielsweise in seinem Frühwerk „Duell" ("Duel") von 1971 eindrucksvoll gelungen, bei dem ein Autofahrer von einem gesichtslos bleibenden Lastwagenfahrer gejagt wird. So kann Kino also auch sein, einfach und effektiv, an Emotionen und Urängste rührend, bis es schmerzt.

Dass die beschriebene Spannung über 90 Minuten tatsächlich aufrecht erhalten bleibt, liegt neben der gelungenen Inszenierung auch an der intensiven Darstellung der Akteure, allen voran Joseph Gordon-Levitt, der im Kampf um die Cockpit-Tür zum Helden wider Willen und zum Herrn über Leben und Tod wird. Aber auch der junge Omid Memar als Terrorist Vedat kann überzeugen, wenn auch das, was seine Figur und die seiner Komplizen angetrieben hat, nicht weiter ausgebreitet wird. Es fehlt eine konkrete politische Botschaft und die Motive der Terroristen bleiben diffus und plakativ, vielleicht der einzige Vorwurf, den man dem Film machen kann. Ansonsten ein Kammerspiel der besonderen Art, packend und aufwühlend, nichts für schwache Nerven!



Regie: Patrick Vollrath
Drehbuch: Patrick Vollrath, Senad Halilbasic
Kamera: Sebastian Thaler
Schnitt: Hansjörg Weißbrich

Darsteller:
Joseph Gordon-Levitt, Omid Memar, Aylin Tezel, Carlo Kitzlinger, Murathan Muslu

Augenschein Filmproduktion/ Leonine
93 min.
FSK 12
Amazon Prime Video

Montag, 29. Juni 2020

Film-Rezensionen: Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen (Selvmordsturisten)


Als der Versicherungsmakler Max Isaksen (Nikolaj Coster-Waldau) an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt, gerät er in eine existentielle Krise, die ihn und seine Frau Lærke (Tuva Novotny) an ihre Grenzen bringt. Bei diversen Versuchen, sich in sein Schicksal zu fügen und letztlich auch zwei vergeblichen Ansätzen, sich selbst zu töten, stößt Max eines Tages auf das mysteriöse „Hotel Aurora", das finale Lösungen für betreute Suizide anbietet. Allerdings gibt es nach Unterzeichnung eines entsprechenden Vertrages kein Zurück mehr…

Der Film ist ein Mystery-Puzzle, das seinen Protagonisten, aber auch den Zuschauer auf eine surreale Reise zwischen Leben und Tod nimmt, wobei sich die Handlung in Rückblenden und Zeitsprüngen zunächst sehr behäbig entwickelt. Die verwaschenen Bilder scheinen ein Spiegelbild von Max Innenleben zu sein, der verzweifelt versucht, sich von Lærke zu verabschieden, ohne sie wirklich einzubeziehen. Seine beiden Selbstmordversuche zeigen einen grimmigen, grotesken Humor, ein Fremdkörper in einem ansonsten düsteren Szenario, das bis zum Ende keine richtige Spannung aufkommen lässt, wohl aber eine Faszination, die auch nach Ende des Films noch nachwirkt.

Neben Nikolaj Coster-Waldau, der seine Figur gleichzeitig intensiv und nichtssagend als Mann ohne Eigenschaften anlegt, ist das labyrinthisch und unwirklich anmutende Ambiente des Hotels Aurora der heimliche Hauptdarsteller, eine abgelegene Einrichtung inmitten der beklemmenden Kulisse einer grandiosen Gebirgslandschaft. Diese Beklemmung steigert sich, je tiefer Max in die Geschäftspraktiken des Hotels eintaucht, die seinen Kunden jede Wahl hinsichtlich des gewünschten Endes lässt, bezüglich der eingesetzten Mittel, aber auch, inwieweit ökologische Aspekte eine Rolle spielen sollen, sei es die kompostierbare Urne oder die Möglichkeit, als Pflanzendünger, dem Kreislauf des Lebens erhalten zu bleiben – nur auschecken kann man aus dem Hotel eben nicht mehr... und dann verschwimmen am Ende albtraumhaft die Grenzen zwischen dem, was Realität und was mögliche Visionen seitens Max aufgrund des Hirntumors sein mögen.

Der Film lässt sich in keine Kategorie so richtig einordnen, für einen regelrechten Thriller fehlen Spannungsbogen und Auflösung am Ende, und den ethischen Fragen im Zusammenhang mit erlaubter Sterbehilfe, wie es sie in einigen Ländern Europas gibt, stellt er sich auch nicht. Letzteres ist jedoch ein legitimer Ansatz, denn eine einfache Antwort zu diesem schwierigen Thema gibt es ohnehin nicht und so ergeht an den Zuschauer die Einladung, selbst oder mit anderen darüber zu reflektieren.

Alles in allem keine leichte Kost, aber dennoch sehenswert, und wenn man dafür empfänglich ist, wird der Nachhall des Films nach dem Verlassen des Kinos noch länger wirken, etwas, was nicht jeder Film zu bieten hat.


Regie: Jonas Alexander Arnby
Drehbuch: Rasmus Birch
Kamera: Niels Thastum
Schnitt: Yorgos Mavropsaridis
Musik: Mikkel Hess

Darsteller:
Nikolaj Coster-Waldau, Tuva Novotny, Kate Ashfield, Robert Aramayo, Johanna Wokalek, Sonja Richter

Dk/D/Frk/Sw/Nor
DCM Film Distribution GmbH
FSK 12
89 min.
Deutscher Kinostart: 02. Juli 2020


Bild- und Clipmaterial:
 © Jørgen-Nordby DCM, © Niels Thastum DCM, © Andreas+Schlieter DCM

Mittwoch, 24. Juni 2020

Heimkino: Bataillon der Verdammten – Schlacht um Jangsari (Jangsa-ri 9.15)

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das seit 1910 von Japan annektierte Korea zunächst in zwei Besatzungszonen aufgeteilt, Demarkationslinie war der 38. Breitengrad. Ziel der UNO war die Etablierung eines wiedervereinigten, unabhängigen Staates, jedoch entwickelte sich, nachdem der Norden von den Sowjets und der Süden von den USA unterstützt wurde, ab dem 25. Juni 1950 ein Stellvertreterkrieg zwischen den politischen Systemen. Zunächst konnte die kommunistische Armee Nordkoreas weite Teile des Landes unter Kontrolle bringen, aber mit der Operation „Chromite“, der Landung bei Incheon und der darauffolgenden Rückeroberung von Seoul, gelang es den US-Truppen, eine Wende einzuleiten, die schließlich mit einem Waffenstillstand im Juli 1953 zu der heute noch bestehenden Aufteilung des Landes in Nord- und Südkorea führte. Maßgeblich zum Incheon-Erfolg beigetragen hatte eine als Ablenkung gedachte Truppenlandung auf der Halbinsel Jangsari, bei der im September 1950 772 junge Studentensoldaten eingesetzt wurden, die gerade einmal eine zweiwöchige Ausbildung erhalten hatten. Völlig unerfahren schlugen die durchschnittlich 17-jährigen Jungen eine Schlacht, die sie nicht gewinnen konnten, die aber den Weg für „Chromite“ ebnete.

Da es sich um eine Geheimoperation handelte, kennt bis heute kaum jemand in Korea, und erst recht nicht im Rest der Welt, die Geschichte dieser „vergessenen“ jungen Soldaten, und der Film hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern und dieses unbekannte Kapitel des Koreakrieges zu erzählen. Dabei ist ein Kriegsfilm im klassischen Sinn entstanden, der in teils drastischen Schlachtszenen ein realistisches Bild zeichnet. Immer ein Balanceakt zwischen legitimer Heldenehrung und glorifizierender Heldenverehrung gelingt es, vor allem dank der beeindruckenden jugendlichen Darsteller, das gelegentlich aufkommende Pathos in Grenzen zu halten. Nur eine Nebenrolle spielen die amerikanischen Verbündeten, die unter General Stevens zur Rettung der letzten Verbliebenen Jungen Jangsari erreichen, sowie die amerikanische Kriegsreporterin Higgins, die sich im Hintergrund für die jugendlichen Soldaten einsetzt.

Freunde des Genres bekommen eine gut gemachtes Spektakel mit allem, was einen Kriegsfilm auszeichnet, Schlacht- und Kampfszenen mit Blut, Schweiß und Tränen, Kameradschaft und Opferbereitschaft. Aber auch Kriegsgegner werden sich wieder einmal bestätigt sehen, dass aller Einsatz und alles Sterben sinnlos bleiben, wenn am Ende jeder all das verloren hat, was einmal einen Wert hatte. Besonders perfide wird es, das macht der Film auch in einer berührenden Sequenz deutlich, wenn sich in einem Krieg wie diesem Angehörige desselben Volkes gegenüber stehen und sich Mitglieder derselben Familie gegenseitig abschlachten, Marionetten in einem grausamen Spiel zur Durchsetzung unterschiedlicher Ideologien. When will they ever learn… 


Regie: Kyung-taek Kwak
Drehbuch: Brian Chung, Cory Gustke, Man-Hee Lee
Schnitt: Changju Kim, Wo-Hyon Kim
Musik: Komeil S. Hosseini

Darsteller:
Kim Myung-Min, Choi Min-Ho, George Eads, Megan Fox, Kim Suong-Cheol, Kim In-Kwon, Kwak Si-Yang 

Pandastorm
FSK 16
VÖ DVD, Blu-ray und digital: 26. Juni 2020




Details DVD:
Laufzeit: ca. 100 min.
Bildformat: 2,39:1 Widescreen
Audio: DD 5.1
Sprache: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Making Of, Charakter-Trailer, Original-Trailer
EAN: 4260428052715
 

Details Blu-ray:
Laufzeit: ca. 104 min.
Bildformat: 2,39:1 Widescreen
Audio: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Making Of, Charakter-Trailer, Original-Trailer
EAN: 4260428052722

Deutscher Trailer: 
 https://youtu.be/uaNpK9Epppo

Dienstag, 16. Juni 2020

Heimkino: Modern Love

Inspiriert von einer beliebten Kolumne der New York Times, über die Jahre unter dem Titel "Modern Love" veröffentlicht, ist dieser wunderbare Episodenfilm entstanden, der sich mit den verschiedensten Facetten eines uralten, doch immer modernen Themas beschäftigt. Herausgekommen ist ein Episodenreigen, bei dem Menschen jeglichen Alters und jeglicher Hautfarbe mit den Irrungen und Wirrungen der Liebe zu kämpfen haben, besondere und unerwartete Geschichten, mit und ohne Happy End, aber immer mit viel Gefühl und Tiefe, mit ausgezeichneten Darstellern liebevoll in Szene gesetzt, etwas für einen regnerischen Sonntagnachmittag auf dem Sofa.


Regie: John Carney, Tom Hall, Sharon Horgan, Emmy Rossum
Drehbuch: John Carney, Tom Hall u.a.
Kamera: Yaron Orbach
Schnitt: Ken Eluto u.a.
Musik: Cary Clark

Darsteller:
Jane Alexander, Marin Ashby, Quincy Tyler Bernstine, Sofia Boutella, Cary Carr, Olivia Cooke, Tina Fey, John Gallagher Jr., Andy Garcia, Julia Garner, Brandon Kyle Goodman, Anne Hathaway, Judd Hirsch, Katherine Keener, Caitlin McGee, Cristin Milioti, Dev Patel, Laurentiu Possa, James Saito, Andrew Scott, Ed Sheeran, John Slattery, Charles Warburton, James Waterston, Shea Whigham 

Amazon Prime Video
8 Episoden

Originaltitel der einzelnen Episoden:

1. When the Doorman is your Main Man (Aufmerksamer Concierge hält seine schützende Hand über eine junge Frau)
2. When Cupid is a Prying Journalist (Journalistin entdeckt bei einem Interview mit dem jungen Entwickler einer Dating-App mehr über ihre Ehe, als ihr lieb ist)
 3. Take me as I am, whoever I am (Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – der schwierige Weg zwischen zwei Extremen)
 4. Rallying to keep the Game alive (Mittelaltes Ehepaar in der Krise)
 5. At the Hospital, an Interlude of Clarity (Vom Sofa ins Krankenhaus – erstes Date mit Hindernissen)
6. So he looked like Dad. It was just Dinner, right? (Tochter sucht Vater, keinen Liebhaber)
7. Hers Was a World of One (Junge Frau auf der Suche nach Eltern für ihr ungeborenes Kind)
  8. The Race grows sweeter near its Final Lap (Bittersüßes Ende einer jungen alten Liebe)