Blog-Archiv

Donnerstag, 26. August 2021

Im Kino: Tides

Die Menschheit hat es geschafft: die Erde ist mehr oder weniger unbewohnbar geworden und das Meer schwappt in gewaltigen Ebbe- und Flutwellen über das Land. Eine herrschende Elite hat sich rechtzeitig auf den Planeten Kepler 209 in Sicherheit gebracht, leidet dort aber unter Unfruchtbarkeit. Expeditionen sollen herausfinden, ob es möglich ist, vielleicht doch auf die Erde zurückzukehren. Astronautin Blake (Nora Arnezeder) ist Teil der Mission Ulysses II, allerdings hat sie als Einzige die Landung ihrer Raumkapsel überlebt. Was sie auf der Erde vorfindet, hat niemand erwartet und Blake steht plötzlich vor unerwarteten Herausforderungen…

Der Weltenzerstörer Roland Emmerich, unser Schwabe in Hollywood, fungiert bei „Tides" als Produzent, aber mit seinen Werken hat dieser Film wenig gemein. Mit einfachen Mitteln und ohne die üblichen bombastischen Effekte ist dem deutschen Regisseur Fehlbaum, der vor zehn Jahren mit "Hell – Die Sonne wird euch verbrennen“ debütierte, auf seine ganz eigene Art ein spannender Science-Fiction-Thriller gelungen, der gerade zu Anfang faszinierende Bilder eingebettet in eine packende Atmosphäre liefert. Im Gegensatz zu dem auf Deutsch produzierten "Hell“ zielt man hier auf den internationalen Markt ab, vielleicht hat dies dazu geführt, dass die eigentliche Geschichte sich, gerade zum Ende hin, etwas zu konventionell und ziemlich vorhersehbar entwickelt.

Dafür ist der Film mit der jungen Nora Arnezeder hervorragend besetzt, sie trägt den Film in beeindruckender Weise, eine Endzeitheldin mit Tiefe, die sich gleichsam taff und verletzlich durch eine unwirtliche Welt bewegt. Auch die übrigen Darsteller überzeugen, vor allem aber besticht die einfache und dennoch bedrohliche Kulisse, die unbarmherzig die Schemen von Vergangenheit und Zukunft verbindet.

 


 Regie: Tim Fehlbaum

Drehbuch: Tim Fehlbaum, Mariko Minoguchi, Jo Rogers, Tim Trachte

Kamera: Markus Förderer

Schnitt: Andreas Menn

Musik: Lorenz Dangel

 

Cast:

Nora Arnezeder, Iain Glen, Sarah-Sofie Boussnina, Joel Basman

 

D/ CH 2021

Constantin Film

FSK 12

104 min

 Deutscher Kinostart: 26. August 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=6uAOHSu_mzQ

 

 

 

 

Mittwoch, 25. August 2021

Im Kino: Killer's Bodyguard 2 (Hitman's Wife's Bodyguard)

Während Michael Bryce (Ryan Reynolds) seine Bodyguard-Lizenz verloren hat, eine Therapie macht und davon träumt, als Bodyguard des Jahres ausgezeichnet zu werden, steckt Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) in ziemlichen Schwierigkeiten. Seine Frau Sonia (Salma Hayek) wäre als Ein-Frau-Einsatzkommando zwar durchaus in der Lage, Darius alleine herauszuhauen, holt dann aber aus alter Verbundenheit Bryce zur Hilfe, und damit sind alsbald alle drei – der Killer, der Bodyguard und die Frau des Killers – wieder vereint bei einem weiteren Abenteuer voller wilder Verfolgungsjagden, Schießereien und Prügeleien, dabei geht es so ganz nebenbei noch darum, die Welt vor einer fatalen Cyberattacke zu retten, und, ach ja, die Kincaids wollen unbedingt ein Baby...

Der Film, in bewährter Weise mit Sprüchen und Flüchen (Trinkspiel: Wie oft sagt Sam Jackson „Motherfucker"?) garniert, bietet gegenüber Teil 1 nicht allzu viel Neues, außer, dass es Ryan Reynolds gelungen ist, seine Gin-Marke werbewirksam unterzubringen, außerdem stellt sich die Frage, ob ein ausgewiesener Buddy-Film auch mit einer Frau als Dritter im Bunde möglich ist. Und, Überraschung, es funktioniert, denn trotz ihrer immer wieder gern herausgestellten weiblichen Attribute bringt Salma Hayek alles mit, um sich ohne Probleme einzufügen: sie ist laut, sie ist durchgeknallt und hantiert routiniert mit sämtlichen Waffen, einen Bodyguard braucht die Frau eigentlich nicht...

Bestens aufgelegte Akteure, zu denen außer den Genannten noch Antonio Banderas, Gary Oldman sowie als Überraschungsgast Morgan Freeeman zählen, sorgen für Unterhaltung ohne störenden Tiefgang. Nicht jeder Gag zündet, aber wer gut getimte und stellenweise durchaus brutale Action mag – der Film hat die Altersfreigabe 16 – der ist hier richtig. Auf ein Neues, Motherfucker!

 


 Regie: Patrick Hughes

Drehbuch: Tom O’Connor, Philip Murphy, Brandon Murphy

Kamera: Terry Stacey

Schnitt: Michael J. Duthie, Jack Hutchings

Musik: Atli Örvarsson

 

Cast:

Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Morgan Freeman, Salma Hayek, Antonio Banderas, Frank Grillo, Gary Oldman, Barry Atsma,

 

USA 2021

Paramount Pictures

100 min.

FSK 16

 

Deutscher Kinostart: 26. August 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ggMw7fXB86I

 

Dienstag, 24. August 2021

Im Kino: Reminiscence - Die Erinnerung stirbt nie (Reminiscence)

Miami in nicht allzu ferner Zukunft: Der Privatdetektiv Nick Bannister (Hugh Jackman) bedient sich beim Aufspüren von Personen und anderem einer neuen Technik, indem er die Erinnerungen seiner Klienten erforscht und in einem 3D-Holodeck zu neuem Leben erweckt. Seine Auftraggeber sind Privatpersonen, aber auch schon einmal die Polizei, der er auf diese Weise bei ihren Ermittlungen hilft. Unterstützt wird er dabei von seiner Assistentin Emily (Thandiewe Newton), die ihn vergeblich vor einer neuen Kundin namens Mae (Rebecca Ferguson) warnt. Nick verliebt sich sofort unsterblich in Mae, aber nach einer kurzen, heftigen Affäre ist sie plötzlich verschwunden und Nick gerät trotz seiner Ermittlungsmethoden bald an seine Grenzen, als er versucht Maes dunkle Geheimnisse aufzudecken.

„Reminiscence“ ist ein Film-Noir mit Science-Fiction-Elemente – wahlweise auch umgekehrt – eingebettet in eine wunderschöne Liebesgeschichte mit ebenso geheimnisvollen wie verstörenden Elementen. Die Kulisse der durch den angestiegenen Meeresspiegel bereits halb in den Fluten versunken Stadt Miami bietet in faszinierenden Bildern einerseits einen Ausblick in unsere Zukunft, andererseits liefert es die Erklärung, weshalb Nicks Klienten offensichtlich lieber in der Vergangenheit als in der Gegenwart leben und sich in einem Wasserbecken mithilfe seiner Technik in ihre Erinnerungen flüchten. Dabei ist die ansatzweise anklingende Kritik an den zu erwartenden Verhältnissen, wenn sich reiche Menschen die letzten trockenen Plätze sichern, während alle andere langsam absaufen, lediglich der Aufhänger für eine fast schon nostalgisch aufgebaute Detektivgeschichte, bei der der Detektiv seine Arbeit und seine Gedanken gerne aus dem Off kommentiert. Es gibt deutliche Anklänge an „Blade Runner“ im Dauerregen oder das unter extremem Wassermangel leidende Los Angeles in „Chinatown“, wo es jeweils auch mehr um menschliche Abgründe und verzwickte menschliche Beziehungen geht, als um ökologische Probleme. „Reminiscence“ reiht sich insofern ein in die Reihe zeitloser Geschichten von Liebe, Leidenschaft, Verlust und Verrat, angereichert um einige cool bebilderte futuristische Elemente. 

Die Geschichte folgt ansonsten in bewährter Gumshoe-Tradition einem kurvenreichen Plot, verwoben mit leichten „Inception“-Momenten, wobei der Figur des Nick Bannister vielleicht ein wenig der zynische, desillusionierte Ansatz eines Philip Marlowe oder Sam Spade fehlt, aber den hatte Rick Deckard auch nicht. Dafür darf Hugh Jackman seine vielleicht stärkste Waffe einsetzen, seine Stimme (insofern ist natürlich die Originalfassung des Films unbedingt zu empfehlen), mittels derer er in betörender Weise verspricht: „You're going on a journey. A journey through memory. Your destination? A place and time you've been before. To reach it, all you have to do is follow my voice.“ Aber auch Rebecca Ferguson darf ihre Stimme einsetzen, durch ihre gleichzeitig lasziv und verträumt vorgetragene Version des alten Ohrwurms „Where or When“ (hier vielleicht eine Hörprobe für alle, die es nicht kennen: https://www.youtube.com/watch?v=iyfWlX9Dv2k  ), mit dem sie Nick den Kopf verdreht, ein Lied, das – man ahnt es schon – Erinnerungen weckt, die ihm leider nicht gut tun. Hugh und Rebecca geben ein schönes Paar ab, dem leider – wie es sich in einer richtig guten Liebesgeschichte gehört – keine Happy End vergönnt ist, was Nick Bannister bereits ziemlich früh erkennt: „No such thing as a happy ending. All endings are sad. Especially if the story was happy“

Alles in allem ist der Regisseurin Lisa Joy, Co-Schöpferin der erfolgreichen „Westworld“-Serie, in ihrem ersten Spielfilm ein vielversprechendes Debüt gelungen, bei dem sie am Ende vielleicht etwas zu viel wollte und einige Erinnerungssequenzen nicht ganz stimmig sind, aber ihre coole Bildsprache und die gelungene Auswahl ihrer Protagonisten machen Lust auf mehr. Vor allem ist es erfrischend, trotz aller Zitate und  Anspielungen einmal wieder ein originäres Werk zu sehen, das nicht Teil einer der endlosen Fortsetzungs- und Vorgeschichtenorgien ist oder die Neuauflage eines schon einmal gesehenen Films!

 



 

Regie: Lisa Joy

Drehbuch: Lisa Joy

Kamera: Paul Cameron

Schnitt: Mark Yoshikawa

Musik: Ramin Djawadi

 

Cast:

Hugh Jackman, Rebecca Ferguson, Thandiwe Newton, Cliff Curtis, Marina de Tavira, Daniel Wu

 

USA 2021

Warner Bros. Pictures Germany

116 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 26. August 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_BggT--yxf0

Copyright Bilder: Warner Bros. Pictures

 

Dienstag, 3. August 2021

Im Kino: The Suicide Squad

Im Gefängnis Belle Reve – euphemistisch für den schlimmsten Alptraum - sitzen die fiesesten Superschurken ein. Wenn jemand ein Himmelfahrtskommando benötigt, findet er dort, was er braucht: ein dreckiges Dutzend in wirklich dreckig. Amanda Waller (Viola Davies) rekrutiert so ihre Task Force X für eine streng geheime Mission auf der kleinen Insel Corto Maltese, wo Verbrecher und Politiker noch weniger unterscheidbar sind, als anderswo und schickt solch illustre Persönlichkeiten wie Bloodsport (Idris Elba), Peacemaker (John Cena), Colonel Flag (John Kinnaman), T.D.K. (Nathan Fillion), Ratcatcher (Daniela Melchior), den bunt getupften Polkadot Man mit Mutterproblem, King Shark, das Wiesel, sowie die völlig überdrehte Psychopathin Harley Quinn (Margot Robbie) wegen eines aus dem Ruder gelaufenen Projekts namens Starfish los, und niemand würde eine Wette darauf abschließen, dass man auch nur einen der Beteiligten lebend wiedersehen wird – die Bürowetten unter Wallers Mitarbeitern laufen eher dahin, wer als erster und wie ums Leben kommt.

Für Freunde und wirklich hartgesottene Fans des DC-Universums bietet der Film einen Augenschmaus, und das nicht nur dann, wenn King Shark (im Original gesprochen von Sylvester Stallone) mal wieder jemanden kopfüber in seinen von Zahnreihen umrahmtes Maul schiebt und genüsslich verspeist. Irre Brutalo-Action, bei der auch schon mal die Falschen dran glauben müssen, zieht sich durch die Handlung bis zum aberwitzigen Showdown-Kampf mit einem gigantischen, alles niedertrampelnden Seestern (ein fieser Verwandter des Marshmellow-Mannes?)

Wem das zu abgedreht klingt, sollte zu Hause bleiben, alle anderen werden sich wahrscheinlich gut unterhalten, zumindest während der ersten Hälfte des Films, wo es durchaus originelle und witzige Szenen gibt. Danach allerdings flacht alles mehr und mehr ab und verliert etwas die Spur, zu viel von allem tut niemals gut– wann hat endlich jemand den Mut, auch einen solchen Film einmal kurz und knackig auf 90 bis 100 Minuten zu begrenzen? Der Cast ist mit Idris Elba vorneweg gut besetzt, wenn auch der heimliche Held das Wiesel (Sean Gunn) sein dürfte, dem (bisher?) leider nur ein Kurzauftritt vergönnt ist, während Margot Robbie sich mehr und mehr zu einer Nervensäge entwickelt, der etwas weniger Screen-Time besser gestanden hätte.

Alles in allem für Liebhaber des Genres sicher ein Fortschritt gegenüber dem doch ziemlich misslungenen Vorgänger „Suicide Squad“ von 2016, egal ob als Fortsetzung oder Relaunch konzipiert, und wer bis zum Abspann-Ende bleibt, erhält einen Hinweis darauf, wie es weiter gehen könnte…


 Regie: James Gunn

Drehbuch: James Gunn

Kamera: Henry Braham

Schnitt: Christian Wagner, Fred Raskin

Musik: John Murphy

 

Cast:

Idris Elba, Viola Davis, Margot Robbie, John Cena, Joel Kinnaman, Jai Courtney, Peter Capaldi, David Dastmalchian, Nathan Fillion, Daniela Melchior, Alice Braga, Michael Rooker, Peter Davidson, Sean Gunn, Sylvester Stallone (voice)

 

 

Warner Bros. Pictures Germany/ DC Entertainment

USA 2021

FSK 16

132 min.

 Deutscher Kinostart: 05. August 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Lrsi4C_B-y4

https://www.youtube.com/watch?v=3eD5d48t_Uo

 

 

 

Donnerstag, 29. Juli 2021

Im Kino: Jungle Cruise

Einer Legende zufolge gibt es irgendwo tief im Amazonas-Dschungel einen magischen Baum, der heilende Kräfte hat und seit Jahrhunderten von Eroberern und Glücksrittern vergeblich gesucht wird. Im Jahr 1916 macht sich die energische britische Forscherin Lily Houghton (Emily Blunt), zusammen mit ihrem dandyhaften Bruder MacGregor (Jack Whitehall) auf den Weg, das Rätsel zu lösen. Sie ist im Besitz einer Karte und eines Amuletts in Gestalt einer herzförmigen Speerspitze, die ihr den Weg weisen sollen. Vor Ort engagiert sie den Flussschiffer Frank (Dwayne Johnson), der mit allerlei Hokuspokus und wilden Geschichten auf seinem alten Kahn Touristen auf dem Amazonas befördert. Zusammen gehen die drei auf eine abenteuerliche Reise, bei der ihnen ein deutscher Prinz namens Joachim (Jesse Plemons) in seinem U-Boot und eine Gruppe von einem Fluch belegte Konquistadoren unter ihrem Anführer Aguirre (Edgar Ramirez) das Leben schwer machen, die alle zusammen die Mission zum Scheitern bringen wollen, weil sie selbst den Schatz für sich reklamieren.

Ja, es ist der gute alte Abenteuerfilm –nach einer Attraktion etlicher Disney-Themenparks benannt – mit Schatzsuche, Karte, versteckten Hinweisen und allem was dazu gehört, im Grunde ein Querschnitt durch alle bekannten Werke des Genres, „Indiana Jones", "Die Mumie", „Pirates of the Carribean", aber auch Anklänge an Klassiker wie „African Queen“, alles wird verwurstet. Dass der Film trotzdem Spaß macht, liegt an der schwungvollen, humorigen und absolut unterhaltsamen Inszenierung, vor allem aber an den bestens aufgelegten Darstellern – Emily Blunt ist großartig und auch „The Rock“ Johnson setzt seinen Haudegencharme gekonnt ein, so dass die in vielen Punkten erwartbare Handlung ihren Inhalt dennoch wie eine kunterbunte Wundertüte über das staunende Publikum ausschütten kann.

Abzüge gibt es für die etwas blass bleibenden zu neuem Leben erwachenden Konquistadoren, da wäre vielleicht noch etwas mehr drin gewesen, vor allem aber für die Einfallslosigkeit, den Bösewicht wieder als deutsche Karikatur zu präsentierten, obwohl Jesse Plemons seine Sache ebenfalls gut macht. Aber muss man wirklich im Jahr 2021 noch immer auf deutsche Oberschurken zurückgreifen, auch wenn Prinz Joachim nicht als der übliche Nazi daherkommt – die Handlung spielt zur Zeit des ersten Weltkriegs – aber hier könnte man vielleicht doch einmal neue Wege beschreiten.

Ansonsten bleibt es dabei: gute und bunte Unterhaltung mit großem Spaßfaktor, vor allem auf der großen Leinwand, wer sich den Film nicht im Kino, sondern im fast gleichzeitigen Streaming-Angebot von Disney+ auf dem heimischen Bildschirm anschaut, dem ist nicht zu helfen.

 


 

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: Glenn Ficarra, John Requa, Josh Goldstein, Michael Green, John Norville

Kamera: Flavio Martínez Labiano

Schnitt: Joel Negron

Musik: James Newton Howard

 

Darstellende:

Dwayne Johnson, Emily Blunt, Edgar Ramirez, Jack Whitehall, Jesse Plemons, Paul Giamatti,

 

 


Walt Disney Pictures

USA 2021

127 min.

FSK 12

 

Deutscher Kinostart: 29. Juli 2021

Disney+ Start mit VIP-Zugang: 30. Juli 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=CbRzZXjyq44

https://www.youtube.com/watch?v=f_HvoipFcA8

Mittwoch, 28. Juli 2021

Im Kino: Himmel über dem Camino – Der Jakobsweg ist Leben! (Camino Skies)

Der Film begleitet sechs Menschen aus Neuseeland und Australien auf dem Jakobsweg, fast 800 lange Kilometer von Frankreich nach Santiago de Compostela. Über den Weg an sich, seine Geschichte, die Landschaft und was die Pilger grundsätzlich erwartet, erfährt man wenig und technisch ist alles eher einfach gehalten, mit Handkamera im Gepäck gibt es halt keine raffinierte Bebilderung. Die deutsche Fassung liefert leider keine vollständige Synchronfassung, die deutschen Stimmen werden einfach über den Originalton gelegt, was sich immer wieder als störend erweist, hier wäre eine Untertitelung besser gewesen.

Ansonsten liegt der Fokus auf den sechs Pilgern und Pilgerinnen, Julie, Sue, Mark,
Terry, Claude und Cheryl, alle bereits in der zweiten Hälfte ihres Lebens, die sich aus verschiedenen Gründen auf die Wanderschaft begeben haben. Wer in diesem Lebensabschnitt aufbricht und sich, teilweise unter erheblichen Schmerzen, den Strapazen einer solchen Wanderung unterwirft, möchte oft Schicksalsschläge wie Trennung oder den Tod von geliebten Menschen verarbeiten, und diese sehr persönlichen Motive werden nach und nach behutsam angesprochen. Trotz aller Schwere auf der einen Seite kommt es aber durchaus auch zu beschwingten und fröhlichen Szenen und am Ende nimmt man teil am Stolz und der Erleichterung, den der Einzug in Santiago des Compostela für alle bedeutet, die es schließlich gegen alle Widrigkeiten geschafft haben.

Aber hier ist für manche die Reise noch nicht ganz zu Ende und der Film begleitet die Pilgerin Julie zum Abschluss in das Hafenstädtchen Muxia, wo für sie der endgültige Abschluss ihrer Reise liegt. Wie für die Wanderer untereinander ergibt sich für die Zuschauer so etwas wie eine Bekanntschaft auf Zeit, für einen kurzen Moment zoomt der Film völlig fremde Menschen und ihre Schicksale ganz nah heran, um sich dann wieder von ihnen verabschieden, vielleicht weckt er aber bei dem ein oder anderen den Wunsch, sich auch ohne ein schwerwiegendes Schicksal einmal auf diesen Weg zu machen.

 


 Regie: Moel Smyth, Fergus Grady

Drehbuch: Noel Smyth, Fergus Grady

Kamera: Noel Smyth

Schnitt:

Musik: Tom McLeod

 

Mit: Julie Zarifeh, Sue Morris, Mark Thomson, Terry, Claude Tranchant, Cheryl Stone, Father Manny u.a.

 

Dokumentarfilm

Ascot Elite/ 24 Bilder

NZ/ Aus 2019

FSK 0

80 min.

 Bildmaterial: © Ascot Elite Entertainment / 24 Bilder 

 

Nach immer wieder verschobenen Startterminen nun endlich ab  
29. Juli 2021 im Kino!
 
 
 

Dienstag, 27. Juli 2021

Im Kino: Wer wir sind und wer wir waren (Hope Gap)

Als Jamie (Josh C’Connor) auf Einladung seines Vaters Edward (Bill Nighy) nach Hause in seinen Heimatort Seaford an der südenglischen Küste zurückkehrt, ahnt er nicht, dass Edward Hilfe dabei benötigt, der Mutter Grace (Annette Bening) mitzuteilen, dass er sich nach 29 Jahren Ehe von ihr trennen wird. Während für Edward die Entscheidung feststeht, versucht Grace zu halten, was nicht mehr zu halten ist, beide Eltern suchen dabei in Jamie einen Verbündeten, der er aber nicht sein kann, weil durch ihre Trennung auch ein Teil seines Lebens unwiderruflich beschädigt wird.

„Hope Gap“ heißt die Bucht zwischen den meerumtosten Klippen des Ortes, an dem sich dieses stille Drama abspielt, eindringlich und intensiv zeigt der Film, wie eine als selbstverständlich angesehene Gewissheit, nämlich eine glückliche und bis ans Lebensende dauernde Ehe zu führen, für die eine Partei zerstört wird, ohne dass man der anderen Partei einen Vorwurf machen könnte. Die Trennung kommt nicht wirklich überraschend, aber Edward hat den Vorteil, dass er seit langem Zeit hatte, mit der gemeinsamen Ehe endgültig abzuschließen, während Grace von jetzt auf gleich vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Außerdem hat Edward bereits eine neue Frau an seiner Seite, während Grace buchstäblich vor dem Nichts steht und den gesamten Ablösungsprozess noch vor sich hat.

Der Sohn der Familie, der von beiden Eltern jeweils bedrängt wird, zu helfen, stellt ernüchtert fest, dass seine Eltern offensichtlich nie wirklich zueinander gepasst haben. Edward, der stoische und in sich gekehrte Part, musste sich immer Anforderungen erwehren, denen er sich nie gewachsen fühlte, während Grace, die aktivere und emotionalere von beiden nie gemerkt hat, dass ihre Vorstellungen vom Glück selten die seinen waren. Die permanenten Reibereien waren für Grace stets Zeichen einer lebendigen und vitalen Beziehung, während sie für Edward die Hölle bedeuteten, und die auf Dauer das gemeinsame Glück erodierenden Vorwürfe und Missverständnisse wurden von Grace offensichtlich ausgeblendet. Dass dann ausgerechnet der passive Partner ausbricht, kommt für die beiden anderen daher umso überraschender, auch Sohn Jamie, Zeuge der jahrelangen Kabbeleien seiner Eltern, hat deren wahre Ursache immer verdrängt und steht nun vor der Frage, wie das alles sein eigenes Leben und seine Beziehungs(un)fähigkeit geprägt hat.  

Der Film ist wie die Landschaft, in der die Geschichte angesiedelt ist, einerseits schön und idyllisch, andererseits von unberechenbaren Wellen und stürmischem Meer umspült, und Regisseur Nicholson seziert unbarmherzig ein ganzes Leben, gibt aber auch Hoffnung für einen Neubeginn unter anderen Vorzeichen. Bill Nighy und Annette Bening liefern eine sehenswerte Leistung ab, vor allem Bening, die ihrer Figur so viele Facetten verleiht, von der alles umsorgenden Mutter und Ehefrau, die leidenschaftlich ihren Interessen und Hobbys frönt, bis zur mit allen Mitteln um ihren Mann und ihre Ehe kämpfenden Furie, die sich am Ende geschlagen geben muss.

Alles in allem ein sehenswerter Film über das Ende einer Beziehung, ohne Schuldzuweisungen und falsches Pathos, in großartiger Landschaft und mit ebensolchen Darstellern, traurig und schön zugleich!

 


 Regie: William Nicholson

Drehbuch: William Nicholson

Kamera: Anna Valdez-Hanks

Schnitt: Pia Di Ciaula

Musik: Alex Heffes

 

Darstellende:

Annette Bening, Bill Nighy, Josh O’Connor

 

Origin Pictures Produktion/ Tobis Film

GB 2019

100 min.

FSK 6

 

Deutscher Kinostart: 29. Juli 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=WtOk1oLp4wM