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Montag, 2. Januar 2023

Das Filmjahr 2022...

...war endlich wieder ein komplettes, mit viel „Stoff“, leider sind aber auch wieder einige wirklich sehenswerte Filme untergegangen, weil die Aufmerksamkeit so massiv auf die (vermeintlichen) Blockbuster gerichtet wird, nicht immer zu Recht…

Hier also meine Auswahl der Filme des vergangenen Jahres, an die ich mich besonders gerne zurück erinnere:

Januar:

- Fabian oder der Gang vor die Hunde (Heimkino) Dominik Grafs gelungene Umsetzung des Erich-Kästner-Romans Regie: Dominik Graf – Besetzung: Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch 

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/01/heimkino-fabian-oder-der-gang-vor-die.html

 - Nightmare Alley  Ein Mann will nach oben…Pralles Kinoerlebnis von (Regie:) Guillermo del Toro - Besetzung: Bradley Cooper, Cate Blanchett, Toni Collette

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/01/im-kino-nightmare-alley.html

 Februar:

- Belfast  Eine Kindheit in Nordirland mit autobiographischen Zügen des jungen Kenneth Branagh - Besetzung: Caitriona Balfe, Jamie Dornan, Ciarán Hinds

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/02/im-kino-belfast.html

-  King Richard  Tennisvater Richard Williams bringt zwei seiner Töchter an die Weltspitze des Sports  Regie: Reinaldo Marcus Green - Besetzung: Will Smith, Aunjanue Ellis, Saniyya Sidney

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/02/im-kino-king-richard.html

Mai:

- Top Gun 2: Maverick  (Top-Tipp!) Es wird wieder geflogen, 36 Jahre nach dem Kultfilm Top Gun  Regie: Joseph Kosinski - Besetzung: Tom Cruise, Miles Teller, Jennifer Connelly

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/05/im-kino-top-gun-maverick.html

- Die Täuschung (Operation Minemeat) Spionagedrama nach wahren Begebenheiten: Briten täuschen 1942 Landung in Griechenland vor  Regie: John Madden - Besetzung: Colin Firth, Matthew Macfadyen, Kelly Macdonald, Jason Isaacs, Mark Gatiss,

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/05/im-kino-die-tauschung-operation.html

Juni:

- Massive Talent  (Top-Tipp!) Nicolas Cage at his best in der besten Komödie des Jahres   Regie: Tom Gormican - Besetzung: Nicolas Cage, Pedro Pascal, Alessandra Mastronardi

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/06/im-kino-massive-talent-unbearable.html

- Der beste Film aller Zeiten  Zwei alternde Schauspieler und eine aufstrebende Regisseurin auf Ego-Trip Regie: Mariano Cohn, Gastón Duprat - Besetzung: Penélope Cruz, Antonio Banderas, Oscar Martinez

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/06/im-kino-der-beste-film-aller-zeiten.html

August:

-  Guglhupfgeschwader  Lotto-Otto in Gefahr: Niederkaltenkirchen im Griff des organisierten Verbrechens... Achter Film der Eberhoferreihe  Regie: Ed Herzog - Besetzung: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/08/im-kino-guglhupfgeschwader.html

- Warten auf Bojangles (Top-Tipp!)  Flirrendes Drama zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, zum Weinen schön...  Regie: Regis Roinsard - Besetzung: Virginie Efira, Romain Duris, Grégory Gadebois

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/08/im-kino-warten-auf-bojangles-en.html

September:

- Mittagsstunde  Familiendrama um Heimat, Altern und Veränderungen nach dem Roman von Dörte Hansen   Regie: Lars Jessen - Besetzung: Charly Hübner, Lennard Conrad, Peter Franke

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/09/im-kino-mittagsstunde.html

- Im Westen nichts Neues  Erste deutsche Adaption des Antikriegsromans von Erich Maria Remarque über die Schrecken des ersten Weltkriegs Regie: Edward Berger - Besetzung: Felix Kammerer, Albrecht Schuch, Aaron Hilmer

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/09/im-kino-im-westen-nichts-neues.html

- Tausend Zeilen  Filmische Umsetzung des Spiegel-Skandals um den Journalisten Claas Relotius und dessen Enttarnung als Lügner und Fälscher  Regie: Michael Bully Herbig - Besetzung: Elyas M'Barek, Jonas Nay, Michael Ostrowski

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/09/im-kino-tausend-zeilen.html

- Smile - Siehst du es auch? (Heimkino) Horror-Thriller um eine Therapeutin, die den Selbstmord einer Patientin nicht verarbeiten kann  Regie: Parker Finn - Besetzung: Sosie Bacon, Jessie T. Usher, Kyle Gallner

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/12/heimkino-smile-siehst-du-es-auch-smile.html

Oktober:

- Fleabag Season 1&2  (Heimkino) (Top-Tipp!) Tragikomische britische Serie über das Chaosleben einer jungen Frau  Mit: Phoebe Waller-Bridge, Andrew Scott, Olivia Colman

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/10/heimkino-fleabag-staffel-1-2.html

Catherine, Lady wider Willen (oder auch: Catherine, genannt Birdy) (Catherine Called Birdy) (Amazon Prime) (Top-Tipp!) Junges Mädchen widersetzt sich mit List und Tücke den väterlichen Zwängen  Regie: Lena Dunham Besetzung: Bella Ramsay, Andrew Scott, Billie Piper, Joe Alwyn

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/10/heimkino-catherine-genannt-birdy.html

- See How They Run  (Tipp!) Wie Agatha Christies "Mausefalle" ins Theater, aber nie auf die Leinwand kam... Regie: Tom George - Besetzung: Sam Rockwell, Saoirse Ronan, Adrien Brody

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/10/im-kino-see-how-they-run.html

November:

- Einfach mal was Schönes Enddreißigerin im Endspurt auf Babyglück und dauerhafte Beziehung, nicht unbedingt in der Reihenfolge – ein schöner Film von: Regie: Karoline Herfurth - Besetzung: Karoline Herfurth, Nora Tschirner, Jasmin Shakeri

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/11/im-kino-einfach-mal-was-schones.html

- Mrs. Harris und ein Kleid von Dior Englische Putzfrau erfüllt sich ihren größten Traum  Regie: Anthony Fabian - Besetzung: Lesley Manville, Isabelle Huppert, Lambert Wilson

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/11/im-kino-mrs-harris-und-ein-kleid-von.html

Dezember:

- She Said Wie die beharrlichen New -York-Times-Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey den mächtigen Filmmogul Harvey Weinstein jagten – und zur Strecke brachten  Regie: Maria Schrader - Besetzung: Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/12/im-kino-she-said.html

- Weißes Rauschen Don DeLillos Buch aus den 1980ger Jahren als grellbuntes Panoptikum - Satire, Drama, ein bisschen Horror und der ganz alltägliche Wahnsinn  Regie: Noah Baumbach - Besetzung: Adam Driver, Greta Gerwig, Don Cheadle

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/12/im-kino-weies-rauschen-white-noise.html

- Oskars Kleid  Familiendrama und Komödie über einen Vater, der mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sein kleiner Sohn als Mädchen leben möchte  Regie: Hüseyin Tabak - Besetzung: Florian David Fitz, Ava Petsch, Marie Burchard, Senta Berger, Burghart Klaußner, Kida Khodr Ramadan,

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/12/im-kino-oskars-kleid.html

 

Dann gab es noch ein paar Filme, über die man sprach, die mich aber nicht so angesprochen haben (1) bzw. mit denen ich gar nichts anfangen konnte (2):

- The Batman (März) (1) Wieder einmal versucht der Fledermausmann, seine Stadt vor ruchlosen Verbrechern zu schützen - Regie: Matt Reeves - Besetzung: Robert Pattinson, Zoë Kravitz, Paul Dano, John Turturro, Colin Farrell

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/03/im-kino-batman.html

- Dr. Strange in the Multiverse of Madness   (Mai) (1) Zweites Einzelabenteuer des Doktors, nicht in einem Universum, nicht in zweien, sondern im Multiversum! Regie: Sam Raimi - Besetzung: Benedict Cumberbatch, Elizabeth Olsen, Rachel McAdams

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/05/im-kino-doctor-strange-in-multiverse-of.html

-  Elvis (Juni) (1) Das Leben einer Legende aus der Sicht seines Förderers, Colonel Parker, der es nicht immer nur gut mit ihm meinte, mit herausragenden Gesangseinlagen

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/03/im-kino-batman.html

- Thor – Love andThunder (Juli) (1) Und auch er ist zurück, um einmal mehr die Welt zu retten…  Regie: Taika Waititi - Besetzung: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Christian Bale

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/07/im-kino-thor-love-and-thunder.htm

- Nope (August) (1) Unheimliche Begegnung der dritten bis vierten Art auf einer Pferderanch, bildgewaltiger Mix aus Horror und Gesellschaftskritik  Regie: Jordan Peele - Besetzung: Daniel Kaluuya, Keke Palmer, Steven Yeun

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/08/im-kino-nope.html

- Don’t Worry Darling (September) (1) Ein nostalgisch-dystopischer Film über das perfekte Leben Regie: Olivia Wilde - Besetzung: Florence Pugh, Harry Styles, Chris Pine

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/09/im-kino-dont-worry-darling.html

- Bones & All (November) (2) Mahlzeit!  Unverständlicher Hype um einen Kannibalen-Liebesfilm (!), wahrscheinlich hauptsächlich dem Hype um Kritiker-und-Teenie-Liebling Chalamet geschuldet   Regie: Luca Guadagnino - Besetzung: Taylor Russell, Timothée Chalamet, Mark Rylance, Michael Stuhlbarg

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/11/im-kino-bones-and-all.html

- Black Panther 2: Wakanda Forever  (November) (1) Neues aus dem Reich des schwarzen Panthers  Regie: Ryan Coogler - Besetzung: Letitia Wright, Lupita Nyong'o, Danai Gurira

https://wandasnewworld.blogspot.com/2022/11/im-kino-black-panther-2-wakanda-forever.html

 

(Leider) Nicht gesehen, aber empfehlenswert:

 - The Menu  (November) Kulinarische Thriller-Komödie um ein Dinner der besonderen Art  Regie: Mark Mylod - Besetzung: Ralph Fiennes, Anya Taylor-Joy, Nicholas Hoult

- Glass Onion: A Knives Out Mystery  (November) Knives Out Teil 2  nicht fürs Kino gemacht, wurde der Presse im Rheinland nicht gezeigt  Regie: Rian Johnson - Besetzung: Daniel Craig, Edward Norton, Janelle Monáe

- Aftersun  Tragikomödie, Coming-of-Age-Geschichte, die leider der Presse in Köln nicht gezeigt wurde  Regie: Charlotte Wells - Besetzung: Ruby Thompson, Paul Mescal, Frankie Corio

 

Und last but not least, den hab ich auch nicht gesehen, empfehlenswert sicher wegen seiner Schauwerte, etwas wofür das Kino auf jeden Fall steht, aber sonst? Entscheidet selbst:

 - Avatar 2: The Way Of Water  Lange hat es gedauert, aber jetzt ist die Fortsetzung da… Regie: James Cameron - Besetzung: Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver

 

So viel von mir, und was waren Eure Favoriten?

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Im Kino: Oskars Kleid

Polizist Ben (Florian David Fitz) lebt von seiner Frau Mira (Marie Burchard) und den beiden gemeinsamen Kindern Oskar (Laurì) und Erna (Ava Petsch) getrennt. Als Mira, von ihrem neuen Partner schwanger, eine Zeit ins Krankenhaus muss, besteht Ben darauf, sich um Oskar und Erna zu kümmern, dabei erlebt er eine Überraschung, mit der er nie im Leben gerechnet hätte: Oskar steht im Kleid vor ihm und möchte nur noch als Lili angeredet werden…

Ein Kind, das sich im falschen Körper fühlt – kann das Thema einer Komödie sein? Florian David Fitz, der nicht nur die Rolle des Vaters spielt, sondern auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat sich mit seinem Regisseur Tabak an dieses heikle Thema gewagt und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Fitz legt seinen Polizisten Ben als schlichtes Gemüt an, der, wie so viele, über das Gendern die Nase rümpft und bisher keine Veranlassung hatte, sich mit Transgender überhaupt näher zu beschäftigen, und so trifft ihn die Keule, die da über ihm geschwungen wird, völlig unvorbereitet und demgemäß heftig. Wie ein Trauernder kämpft er sich durch die bekannten fünf Phasen, Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression bis hin zur finalen Akzeptanz, und dies geschieht gleichermaßen berührend wie unterhaltsam, denn der Film findet fast immer eine gute Balance zwischen Drama und Komödie mit überwiegend netten Pointen und dankenswerterweise ohne platte Witze oder plumpen Klamauk, was dem guten Skript, aber vor allem auch den großartigen Darstellern und Darstellerinnen zu verdanken ist.

Dabei fallen die Figuren der Exfrau Mira und ihres neuen Lovers zwar etwas ab, aber Fitz selber und seine von Senta Berger und Burghart Klaußner sehr launig dargestellten Eltern wiegen dies mehr als auf, und in dieser Riege behaupten sich auch die beiden Kinder hervorragend, wobei vor allem die von Ava Petsch dargestellte kleine Schwester positiv heraussticht. Ein bisschen zu dick aufgetragen sind vielleicht die Hintergrundprobleme, mit denen Ben zu kämpfen hat, wie sein latenter Alkoholismus, dafür sind seine beruflichen Einsätze als Schutzpolizist bei diversen Demonstrationen und Straßenschlachten kurz, aber sehr pointiert abgebildet.

Bei dem eigentlichen Thema schließlich, wie man einem Kind begegnet, das sich nicht seinem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht angehörig fühlt, trifft der Film auf jeden Fall den richtigen Ton. Behutsam versucht er zu beleuchten, wie schwierig es gerade bei Kindern ist, zu erkennen, ob es sich „nur“ um eine „Phase“ handelt, ob äußere Einflüsse möglicherweise der Auslöser für diese „Verwirrung“ sind, oder ob es wirklich ernst ist, haben doch alle weiteren Schritte, die einzuleiten wären, nicht mehr rückgängig zu machende Konsequenzen. Als Ben sich bei einer älteren Transfrau Rat holt, geschieht dies mit einem kleinen Augenzwinkern, so dass diese kleine Lehrstunde nicht allzu aufgesetzt und trocken herüberkommt, vor allem der Hinweis auf den immer komplizierter werdende Buchstabensalat LGBTIAQ+, bei dem es trotzdem noch Beleidigte gibt, weil sie mit ihren Buchstaben nicht vertreten sind, zeigt die Komplexität der Materie.

Am Ende steht aber auf jeden Fall die mit leichter Hand vorgetragene Geschichte einer Familie, die trotz aller Probleme zueinander steht, wobei das „Problem“ ein gerade sehr aktuelles ist, das es unbedingt verdient, sich damit auseinanderzusetzen, und es wäre schön, wenn der Film es schaffte, eine Hilfe für alle Familien zu sein, die sich damit konfrontiert sehen.

 


Regie: Hüseyin Tabak

Drehbuch: Florian David Fitz

Kamera: Daniel Gottschalk

Schnitt: Ana de Mier y Ortuño

Musik: Josef Bach, Arne Schumann

 

Besetzung:

Florian David Fitz, Laurì, Ava Petsch, Marie Burchard, Senta Berger, Burghart Klaußner, Kida Khodr Ramadan, Juan Lo Sasso, Gustav-Peter Wöhler, Nora Boeckler

 

Warner Bros. Germany

DE 2022

102 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 22. Dezember 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=R09wG1Rf9Kw

 

 

Dienstag, 13. Dezember 2022

Heimkino: Smile – Siehst du es auch? (Smile)

Die Psychologin Dr. Rose Cotter (Sosie Bacon) erlebt, wie eine Patientin bei einem Therapiegespräch plötzlich mit einem irren Lächeln im Gesicht vor ihren Augen Selbstmord begeht. Danach ist nichts mehr so, wie es wahr, und als sie dieses Lächeln plötzlich bei anderen Menschen um sich herum wieder zu sehen scheint, gerät Rose mehr und mehr in Panik…

Ein Horrorfilm lebt von seinen Effekten, dabei werden gerne die beliebten Jump Scares eingesetzt, die einen immer wieder im Kinositz zusammenzucken lassen, darüber hinaus ist es aber auch schön, wenn sich der Horror über eine Geschichte verbreitet, die ihren unaufhaltsamen Verlauf nimmt, den man im besten Fall irgendwann erkennt, ein Aufhalten jedoch nicht möglich zu sein scheint.

Hier wird mit vielen der üblichen Stilmittel gearbeitet, aber es gibt eben auch diese Geschichte, in der sich die Protagonistin verfangen sieht, und wie sie dies erkennt, und bis sie endlich weiß, wie sie daraus entkommen kann, das entwickelt sich spannend und in fast detektivischer Kleinarbeit. Man zittert und bangt mit der von Sosie Bacon eindrucksvoll dargestellt Hauptfigur bis zum Ende, das hier natürlich nicht verraten werden soll.

Ein mehr als solider Thriller, der virtuos mit den Mitteln des Genres spielt, ohne sich dabei in reiner Effekthascherei zu verlieren, mit einer spannenden Geschichte, die unter die Haut geht, ohne unnötige Schnörkel, aber mit der notwendigen Härte, für Freunde und Freundinnen des gepflegten Horrors, die diesen Film im Kino verpasst haben nun die Möglichkeit, das Versäumte nachzuholen.

 

Regie: Parker Finn

Drehbuch: Parker Finn

Kamera: Charlie Sarroff

Schnitt: Elliot Greenberg

Musik: Cristobal Tapia de Veer

 

Besetzung:

Sosie Bacon, Jessie T. Usher, Kyle Gallner, Robin Weigert

 

Paramount Pictures

USA 2022

FSK 16

Ab 15. Dezember 2022 als DVD, Blu-ray und 4K UHD

 

Trailer: https://youtu.be/1xIs9zna7DM

 

Details DVD/ Blu-ray/ 4K UHD:

 

Laufzeit: 111 min./ 116 min.

Bildformat: 2,00:1 Letterbox

Ton: DD 5.1

Sprachen: Deutsch, Englisch, Polnisch, Ungarisch/ Englisch Dolby Atmos, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch

Untertitel: Deutsch, Englisch, Chinesisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch

Extras: Kommentar von Regisseur Parker Finn, Etwas ist mit Rose: Das Making-of von Smile, Fliegen an der Wan: Die Filmmusik, Entfallene Szenen mit optionalem Kommentar von Regisseur Parker Finn: Panikattacke, Alles wird gut – Laura Hasn’t Slept: Original-Kurzfilm

EAN: 5053083256227/ 5053083256234/ 5053083256241

Mittwoch, 7. Dezember 2022

Im Kino: She Said

Im Jahr 2017 möchte die New York Times etwas über den Machtmissbrauch und sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz veröffentlichen, bei ihren Recherchen hierzu stoßen die Journalistinnen Megan Twohey (Carey Mulligan) und Jodi Kantor (Zoe Kazan) auf einen massiven Skandal im Filmgeschäft, der zur Verurteilung von Harvey Weinstein, einem der mächtigsten Männer in diesem Business führt und eine weltweite Welle der Solidarität von ebenso betroffenen Frauen unter dem Hashtag #MeToo auslöst.

Die deutsche Regisseurin Maria Schrader legt mit ihrem Hollywood-Debüt einen sehenswerten Film über minutiöse journalistische Recherchearbeit vor, ganz in der Tradition von „Spotlight“ oder „All the President’s Men“. Dieses Genre hat immer damit zu kämpfen, das mühsame und langwierige Zusammentragen von Informationen so interessant darzustellen, dass es nicht langweilt, ohne dabei die tapfer recherchierenden JournalistInnen zu effekthascherisch darzustellen. Diese Klippe umschifft „She Said“ mühelos, wobei natürlich das immense Interesse an dem Thema hilft, denn es gibt sicher kaum jemanden, der von #MeToo oder Harvey Weinstein noch nie gehört hat.

Dass es bei dem hier aufgedeckten Skandal letztlich um die Situation vieler Frauen auf der ganzen Welt an jedem erdenklichen Arbeitsplatz handelt, verliert der Film zwar komplett aus dem Fokus, dafür entfaltet er seine Wucht durch die Ungeheuerlichkeit der Geschichte an sich, wobei die Ungeheuerlichkeit nicht nur in den miesen und verbrecherischen Handlungen des Herrn Weinstein liegen, sondern auch darin, dass lange Jahre niemand im Umfeld dieses mächtigen Mannes die Eier hatte, ihn zu stoppen, und damit sind nicht die letztlich wehrlosen Schauspielerinnen gemeint, hatte er doch genug Macht und Einfluss, um sie für immer aus dem Filmbusiness zu befördern. Gemeint sind alle diejenigen, die zu Weinsteins Dunstkreis gehörten und nie mitbekommen haben wollen, was er über Jahre betrieben hat, also beispielsweise ein überall gehypter Regisseur wie Quentin Tarantino, dessen Erfolg zu einem großen Teil durch Weinstein durchgeboxt wurde und der aufgrund seines eigenen Standings in Hollywood genug Einfluss gehabt hätte, um Weinstein zu stoppen.

Darüber verliert der Film zwar leider kein Wort, dafür konzentriert er sich voll und ganz auf die mühsamen Recherchen, unter den eigentlich schutzlosen Schauspielerinnen die erste zu finden, die bereit war, zu einem „J’accuse“ vorzutreten, um den Weg für alle anderen zu ebnen, und diesen schwierigen Weg, den die Journalistinnen und ihre Zeitung zu gehen hatten, vermittelt der Film glaubhaft und durchaus spannend. Dabei ist es ein großartiges Zeichen, dass die Schauspielerin Ashley Judd, die unter den ersten Anklägerinnen war, den Mut hatte, unter ihrem eigenen Namen mitzuwirken, Kudos, Frau Judd!

Der Film arbeitet damit ein wichtiges Kapitel im Kampf gegen sexuelle Belästigungen und Missbrauch von Frauen in der Arbeitswelt in angemessener und gekonnter Weise auf, ohne dabei ins Effekthascherische abzugleiten, auch wenn das Thema damit nicht abgeschlossen ist, denn es gibt sicher noch immer viele Weinsteins in Firmen und Unternehmen, die zumindest vor #MeToo ungestört und aus einem hoffentlich ein für alle Mal überkommenen männlichen Selbstverständnis gehandelt haben. In fast dokumentarischer Weise wird gezeigt, was möglich ist, wenn man sich am Ende nicht einschüchtern lässt, aber auch wie wichtig Helfer sind, die nicht wegsehen, sondern ebenso mutig Stellung beziehen, wie die Opfer!

 


 Regie: Maria Schrader

Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz, b/a den New York Recherchen von Jodi Kantor, Megan Twohey, Rebecca Corbett und dem Buch von Jodi Kantor und Megan Twohey

Kamera: Natasha Braier

Schnitt: Hansjörg Weißbrich

Musik: Nicholas Britell

 

Besetzung:

Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson, Andre Braugher, Jennifer Ehle, Angela Yeoh, sowie Ashley Judd

 

Universal Pictures

USA 2022

129 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 08. Dezember 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=7S9qqZ69alI&t=1s (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=i5pxUQecM3Y (Englisch)

 

Im Kino: Weißes Rauschen (White Noise)

Jack Gladney (Adam Driver) ist Professor an einem amerikanischen Kleinstadtcollege. Er führt mit seiner aktuellen Frau Babbette (Greta Gerwig) und dem gemeinsamen Sohn sowie drei Kindern aus früheren Beziehungen ein leicht chaotisches Patchworkfamilienleben. Als nach dem Zusammenstoß eines Gefahrguttransporters mit einem Güterzug eine toxische Wolke heranwabert, muss die Stadt kurzzeitig evakuiert werden, aber das ist nicht das einzige Ereignis, das das Leben der Gladneys gehörig durcheinander bringt…

Weißes Rauschen wird in der Physik als das „Rauschen mit einem konstanten Leistungsdichtespektrum in einem bestimmten Frequenzbereich“ definiert, für den Laien klingt dies ebenso kryptisch und rätselhaft wie der ganze Film, der auf dem eigentlich als unverfilmbar geltenden Buch des amerikanischen Autors Don DeLillo basiert. Es gibt satirische Elemente, philosophische und gefühlvolle Momente, apokalyptisches Geschehen mit Einsprengseln absurden Theaters, ein knallbuntes Panoptikum des American Way of Life, zwischen Hitler, (Jack Gladneys Spezialgebiet) und Elvis (Spezialgebiet von Gladneys Kollegen Murray Siskind), wo riesige Supermärkte als die Kathedralen von heute die spirituellen Bedürfnisse des modernen Menschen auf ein profanes Level resublimieren. Auf einem eben solchen profanen Level bietet der Film auch eine handfeste Ehekrise nebst schrägem Liebhaber – von Lars Eidinger launig interpretiert – der den an sich eher braven Collegeprofessor zum Äußersten treibt, und über allem schwebt die Angst vor dem Tod, der einzigen Konstante im Leben aller.

Getragen wird der Film von den beiden Hauptdarstellern und der Virtuosität der Bilder, letzteres als Gegenpol zur Kakophonie der Tonspur mit sich überlappenden Gesprächen und Gesprächsfetzten, die manchmal über das Erträgliche hinausgehen, aber so ist das eben mit dem weißen Rauschen... Das Ganze mag nicht jedermanns Sache sein und sicher nicht den Geschmack eines Massenpublikums bedienen, aber wer sich darauf einlässt und zumindest ein wenig Sinn für die Absurditäten des Lebens, des Universums und des ganzen Rests besitzt, wird am Ende doch gut unterhalten und findet dabei genug Anregungen und Gesprächsstoff für die Zeit nach dem Kinobesuch, was den Film auf jeden Fall aus dem Einheitsbrei der üblichen Blockbuster heraushebt.

 


Regie: Noah Baumbach

Drehbuch: Noah Baumbach, b/a dem Roman von Don DeLillo

Kamera: Lol Crawley

Schnitt: Matthew Hannam

Musik: Danny Elfman

 

Besetzung:

Greta Gerwig, Adam Driver, Don Cheadle, Lars Eidinger, Sam Nivola, Raffey Cassidy

 

Netflix Studios

136 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 08. Dezember 2022

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=UpcHGuHTNUs