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Donnerstag, 20. Mai 2021

Heimkino: Hunted - Waldsterben (Hunted)

Eve (Lucie Debay) lässt sich in einer Bar von einem Fremden (Arieh Worthalter) zu einem Drink einladen – ein fataler Fehler, wie sich schnell herausstellt, denn der Fremde und ein plötzlich auftauchender Freund versuchen, Eve zu entführen, und ihr Gebaren dabei lässt nichts Gutes ahnen. Zunächst scheint Eve noch die Flucht zu gelingen, doch so leicht lassen die beiden Männer ihr Opfer nicht entkommen…

Wenn Eve die Bar verlässt und zu den beiden Fremden ins Auto steigt, weiß der
Zuschauer natürlich bereits, dass dies keine gute Idee ist, und nach Eves Flucht in einen Wald ist klar, dass das Ganze auf ein perfides Katz-und-Maus-Spiel hinauslaufen wird. Der Film entwickelt sich dann auch erwartungsgemäß: während die junge Frau auf der Hatz durch den Wald verzweifelt darum kämpft, ihren Verfolgern zu entkommen, darf ihr Jäger seine psychopathischen Züge genüsslich ausleben.

Aber Regisseur Paronnaud versucht, in seine Geschichte eine weitere Ebene einzuweben, mit einer Wolfsgeschichte, die im Vorspann eine Mutter (nein, nicht der Vater!) ihrem kleinen Jungen als Gruselgeschichte am Lagerfeuer erzählt, einem geheimnisvollen Wald und dem Märchen vom Rotkäppchen – so trägt Eve nicht zufällig ein rotes Jäckchen, das sie im grünen Wald weithin sichtbar sein lässt. 

Die Perspektiven verschieben sich nach und nach und es bahnt sich ein Rollentausch von Jäger und Gejagter an. Diese an sich gute Idee, aus der schwachen Frau eine furiose Rächerin zu machen und den Psychopathen auf das zu reduzieren, was in jedem frauenhassenden Macho steckt, nämlich ein winselndes Weichei, gelingt nicht ganz überzeugend, da fehlt der Inszenierung leider die Raffinesse. So gerät das unterschwellig angedeutete #MeToo-Drama beim Showdown am Ende eher zu einer Farce mit unfreiwillig komischen Sequenzen und auch die ihren Sohn auf das Überleben nach dem Weltuntergang vorbereitende Mutter darf die anfangs geweckten Erwartungen leider nicht erfüllen, so dass es am Ende doch nur ein konventioneller Thriller mit Horrorelementen geworden ist – schade!

 

Regie: Vincent Paronnaud

Drehbuch: Vincent Paronnaud, Léa Pernollet

Kamera: Joachim Pihilippe

Schnitt: Nicolas Sarkissian

Musik: Olivier Bernet

 

Darsteller:

Lucie Debay, Arieh Worthalter, Ciarán O’Brian, Ryan Brodie, Simone Milsdochter

 


Pandastorm Pictures

B/Frk/Irl 2020

FSK: 16

87 min.

 

Ab 21. Mai 2021 auf DVD, Blu-ray & Digital

 

Details DVD:

Laufzeit: ca. 84 min.

Bildformat: 1,85:1/ 16:9

Audio: DD 5.1

Sprache: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch

Bonus: Trailer

EAN: 426 0428 0 5307 1

 

Details Blu-ray:

Laufzeit: ca. 87 min.

Bildformat: 1,85:1/ 1080p24/ AVC

Audio: DTS-HD MA 5.1

Sprache: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch

Bonus: Trailer

EAN: 426 0428 0 5308 8

 

 Trailer: https://youtu.be/LZxwCGxePLY

Mittwoch, 21. April 2021

Im Kino: Curveball - Wir machen die Wahrheit

Im Jahr 1997 sucht der BND-Biowaffenexperte Dr. Arndt Wolf (Sebastian Blomberg) mit anderen internationalen Kontrolleuren wie der US-Amerikanerin Leslie Shearer (Virginia Kull) im Irak vergeblich nach biologischen Massenvernichtungswaffen. Zurück in Deutschland holt man zwei Jahre später seinen Rat ein, als der irakische Asylbewerber Rafid Alwan (Dar Salim) behauptet, im Irak an Experimenten mit Anthrax beteiligt gewesen zu sein. Für Schutz und einen deutschen Pass ist er zum Entzücken von BND-Abteilungsleiter Schatz (Torsten Merten) und Verbindungsoffizier Retzlaff (Michael Wittenborn) bereit, Details zu offenbaren und Dr. Wolf soll diese auf ihre Echtheit prüfen. Aber kommt es darauf überhaupt an, wenn sich der deutsche Nachrichtendienst freut, endlich einmal die CIA hinter sich zu lassen, während die Amerikaner sich ihrerseits freuen, eine Rechtfertigung gefunden zu haben, um gegen Sadam Hussein vorgehen zu können? Am Ende gibt es nur eine von Alwan gekritzelte Skizze von einem rollenden Labor, das angeblich auf LKWs durchs Land gefahren und deshalb von den Kontrolleuren nie gefunden wurde – reicht das, um einen Krieg zu beginnen?

Nun, wir wissen, dass es gereicht hat, denn am 19. März 2003 begann mit der Bombardierung von Bagdad der Irak-Krieg.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001, erklärten die Amerikaner Sadam Hussein zum Drahtzieher, und um seinem nächsten Angriff zuvorkommen, musste er –  der zudem angeblich biologische und andere Massenvernichtungswaffen irgendwo im Irak hortete – unschädlich gemacht werden, wie der amerikanische Außenminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat im Februar 2003 verkündete. Zu diesem Zeitpunkt hatte Deutschland den Vorsitz in dieser Versammlung und Außenminister Joschka Fischer widersprach Powells Darstellung nicht.

Der Film ist kein Dokumentarfilm, aber er stützt sich auf inzwischen bekannt gewordene Fakten und zeigt im Gewand einer bitteren Satire auf, wie der BND, nachdem er herausgefunden hatte, dass Alwans Aussagen komplett erfunden waren, diese Erkenntnis zunächst für sich behielt, währen die Amerikaner, als sie den Schwindel merkten, diesen bereitwillig aufrecht erhielten, um ihre Ziele weiter zu verfolgen und vor allem zu rechtfertigen, nach dem Motto: Truth doesn’t count, justice does, also nicht Wahrheit zählt, sondern Gerechtigkeit. Aber wessen Gerechtigkeit, und nach welchen Fakten wird geurteilt? Man braucht die Fakten nicht zu verändern, wenn man sie gleich selber schafft, und Wahrheit ist eh nur eine Illusion, aber was wären wir ohne das Ringen um Wahrheit? So der zynische Umgang der Politik mit der Lebenswirklichkeit unzähliger Menschen – allein in diesem Krieg sind zwischen 150000 und 600000 Menschen gestorben, die meisten davon Zivilisten – und es wird mit Hilfe der guten Darsteller – allen voran der hervorragende Torsten Merten – deutlich, wie leicht sich ein in seinem Fachgebiet durchaus bewanderter Wissenschaftler von wendigen Akteuren in Politik und anderswo für ihre Zwecke einspannen lässt, ein interessantes Lehrstück, gerade in heutigen Zeiten. 

Auch Sebastian Blomberg als eben dieser Wissenschaftler, der etwas dröge aber kompetent seine Arbeit verrichtet und zum Spielball der Politik wird, zeigt die Entwicklung seiner Figur, vom anfangs stoischen Gleichmut bis hin zum verzweifelten Aktionismus, sehr eindring-lich und Dar Salim und Michael Wittenborn setzen die richtigen Akzente, so dass aus diesem eigentlichen Trauerspiel eine fürchterliche Komödie wird, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Neben der Spielhandlung sorgen zum Schluss eingefügte dokumentarische Szenen aus dem UN-Sicherheitsrat, die als unmittelbare Folge die Bombardierung Bagdads zur Folge hatten, für Authentizität und die ernüchternde Erkenntnis, dass man es tatsächlich nicht mit einer fiktionalen, sondern mit einer wahren Geschichte zu tun hat. Leider.

 


 Regie: Johannes Naber

Drehbuch: Oliver Keidel, Johannes Naber

Kamera: Sten Mende

Schnitt: Anne Jünemann

Musik: Johannes Naber

 

Darsteller:

Sebastian Blomberg, Dar Salim, Virginia Kull, Thorsten Merten, Michael Wittenborn, Franziska Brandmeier

 

Bon Voyage Films/ Filmwelt

D 2020

108 min.

 

Deutscher Kinostart: nach dem ursprünglichen Starttermin im November 2020 sollte es am 22. April 2021 losgehen, bleibt abzuwarten, wann die Kinos tatsächlich wieder öffnen dürfen… Stay tuned!

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=UkVIioGzo2M

 

Copyright Fotos: Sten Mende

Montag, 19. April 2021

Heimkino: World on Fire - Staffel 1

Die aufwändig gestaltete Serie führt zurück in das Europa des Jahres 1939. Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen bringt den Krieg zurück nach Europa, in eine Welt, die noch an den Folgen des Großen Krieges, wie der Waffengang von 1914 bis 1918 bis dahin genannt wurde, leidet. Die Handlung setzt kurz vor Kriegsbeginn ein und rückt eine Reihe von Menschen aus verschiedenen Ländern in den Fokus, für die die Welt bald ein weiteres Mal im wahrsten Sinnes des Wortes in Flammen steht.

Vom Fall Warschaus über den Blitzkrieg im Westen mit der Einnahme von Paris bis hin zur Evakuierung britischer Truppen in Dünkirchen spannt sich der Bogen dieser ersten Staffel, daneben werden aber auch die Verwerfungen innerhalb der Zivilgesellschaft thematisiert, so zum Beispiel das Kindereuthanasieprogramm der Nazis, Denunziantentum, Diskriminierung von Juden, Schwarzen und Homosexuellen, Gleichschaltung und Zensur der Presse, Partisanentum und pazifistischer Widerstand, alles in allem eine geballte Mischung, die die Serie insgesamt etwas zu überfrachten droht. Dabei werden einzelne Figuren zu bloßen Schablonen, wie zum Beispiel die taffe amerikanische Kriegsreporterin Nancy Campbell (Helen Hunt), immer am Puls des Geschehens, zwischen Warschau, Berlin und Paris, oder die deutsche Familie Rossler. 

Andererseits gibt es aber auch Charaktere, die helfen, einen allzu trockenen Geschichtskurs mit Leben zu füllen, allen voran der junge britische Übersetzer Harry Chase (Jonah Hauer-King), der eine Entwicklung zum Kriegshelden durchlaufen darf, dabei hin- und hergerissen wird zwischen seiner polnischen Freundin Kasia (Zofia Wichlacz) und dem Mädel an der Heimatfront, Lois (Julia Brown). Für ein paar komische Momente im ernsten Drama darf Harrys Mutter Robina (Lesley Manville) sorgen, einem auf den ersten Blick kaltherzigen britischen Snob, deren mit scharfzüngigem Witz vorgetragenen pointierten Spitzen sich von den ansonsten oft papiernen Dialogen abheben. 

Die erste Staffel dieser Serie hat ihre oben genannten Schwächen, vieles ist geschichtlich bekannt und auch so vorhersehbar inszeniert, dass man meint, manche Dialoge mitsprechen zu können. Dennoch wird der Zuschauer auf unwiderstehliche Weise von Episode zu Episode immer tiefer in die Geschichte und die Schicksale der einzelnen Figuren hineingezogen, so dass trotz aller Vorhersehbarkeit der Handlung Spannung erzeugt und auch immer wieder hoch gehalten wird. Wie ein polnischer Widerständler allein von Ostpolen kommend Deutschland und Frankreich durchquerend, in Dünkirchen und schließlich sogar in England landen kann – geschenkt: das Gesamtpaket überzeugt, und das liegt an den guten Darstellern, die durch die Personalisierung einzelner Schicksale, eingebettet in eine sorgfältig gestaltete und authentisch wirkende Szenerie, abstrakte geschichtliche Fakten und Ereignisse hautnah spüren lassen, das weckt insgesamt auf jeden Fall Lust auf die zweite Staffel.

 



 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Chanya Button, Thomas Napper, Adam Smith, Andy Wilson

Drehbuch: Peter Bowker 

Kamera: Søren Bay, Suzie Lavelle, Mika Orasmaa, John de Borman

Schnitt: Andrew MacRitchie, Jamie Pearson, Mark Trend, Daniel Greenway, Robert Hall, Joel Skinner, Ben Whitehead

Musik: Dan Jones

Darsteller: Jonah Hauer-King, Julia Brown, Sean Bean, Helen Hunt, Zofia Wichlacz, Lesley Manville, Max Riemelt, Blake Harrison, Arthur Darvill, Johannes Zeiler, Bruno Alexander

 

Pandastorm Pictures

UK 2019

FSK 16

 

VÖ: ab 16. April 2021 auf Blu-ray, DVD und digital

 

 

Details DVD:

 

Anzahl Discs: 3

Laufzeit: 420 Min. (7 Folgen à 60 Min.)

Bildformat: 16:9 / 1,78:1

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Englisch

Extras: -

 

Details Blu-ray;

 

Anzahl Discs: 2

Laufzeit: 420 Min. (7 Folgen à 60 Min.)

Bildformat: 1,78:1 / 1080p25 / AVC (BD)

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS 5.1

Untertitel: Englisch

Extras: -

 

Dienstag, 6. April 2021

Heimkino: Pelikanblut

Wiebke (Nina Hoss) lebt mit Adoptivtochter Nikolina (Adelia-Constance Ocleppo) auf ihrem Pferdehof, wo sie eine Reiterstaffel der Polizei trainiert. Nikolina stammt aus einem bulgarischen Weisenhaus und eines Tages erhält Wiebke die Gelegenheit, ein zweites Mädchen, die kleine Raya (Katerina Lipovska), von dort zu bekommen. Ihr Glück scheint vollkommen, aber das niedliche Mädchen entpuppt sich bald als unkontrollierbarer Problemfall, dessen Wutanfälle und Aggressionen das Leben für alle immer unerträglicher machen, bis Wiebke, am Ende ihrer Kraft, sich zu einer ganz besonderen Therapie entschließt.

Ähnlich wie in dem vielbeachteten Werk „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt
bringt ein unangepasstes Kind die Erwachsenen um sich herum an ihre Grenzen. Bei allem Verständnis für die traumatischen Erlebnisse der kleinen Raya scheint es keinen Weg zu geben, zu dem Mädchen durchzudringen, nicht mit Liebe, nicht mit Strenge. Aber genau das kann und will die im Umgang mit störrischen und verstörten Pferden geschulte Wiebke einfach nicht wahrhaben, und es ist aufwühlend, mit anzusehen, wie sie sich und ihr Umfeld quält, obwohl ihr auch Fachleute zum Aufgeben raten. Ist es eine tief verwurzelte Mutterliebe, die ihr keine Wahl lässt, als auch das nicht leibliche Kind bedingungslos und bis zur Selbstaufgabe zu umsorgen, so wie es, der Legende nach Pelikanmütter mit ihren bereits toten Küken machen, oder ist es der eigene brennende Ehrgeiz, sich und aller Welt als starke und unbeugsame Frau zu beweisen, die nie aufgibt, wenn sie eine Aufgabe übernommen hat? Für letzteres sprechen die durchaus gewollten Parallelen zu ihrer Arbeit, bei der sie „Problempferde“ ebenfalls mit unendlicher Geduld führt und trainiert, auch wenn es aussichtslos scheint.

Dass sie, um Raya zu retten, am Ende auch vor irrationalen Methoden nicht zurückschreckt, ist konsequent, aber für den Zuschauer etwas schwer verdaulich. Man kann es als Taschenspielertrick des Films sehen, die offensichtlich ausweglose Situation doch noch zu aufzulösen, oder als Metapher dafür, dass es immer einen Weg gibt, auch wenn es fragwürdig bleibt, ob man diesen wirklich gehen sollte, denn alles hat seinen Preis. Was dies für Wiebke und ihre Familie bedeutet, bleibt letztlich offen, es gibt aber Zeichen für ein gutes Ende.

Der Film bewegt sich in einem durchaus spannenden Cross-Genre zwischen Drama und Horror und lebt von der bewegenden Darstellung seiner Protagonisten Nina Hoss und der sensationellen kleinen Katerina Lipovska. Beide sorgen für eine emotionale Achterbahnfahrt und wer bereit ist, sich auf beide Ebenen einzulassen, erlebt einen spannenden Film, der noch eine Weile nachwirkt.



 Regie: Katrin Gebbe

Drehbuch: Katrin Gebbe

Kamera: Moritz Schultheiß

Schnitt: Heike Gnida

Musik: Johannes Lehniger

 

Darsteller:

Nina Hoss, Murathan Muslu, Katerina Lipovska, Adelia-Constance Ocleppo, Yana Marinova, Daniela Holtz

 

 DCM

D/ BGR 2019

FSK 16

VÖ: EST 02. April 2021; DVD, Blu-ray & digital ab 09. April 2021

 

 Details DVD:

Laufzeit: ca. 122 min.

Bildformat: 2,39:1 (16:9 anamorph)

Audio: DD 5.1

Sprache: Deutsch

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonus: Trailer

EAN: 4061229150200

 

Details Blu-ray:

Laufzeit: ca. 127 min.

Bildformat: 2,39:1 (1080p/24)

Audio: DTS-HD MA 5.1

Sprache: Deutsch

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonus: Trailer

EAN: 4061229150217

 

Trailer: https://youtu.be/8M8Zq4wgmzE

Dienstag, 2. März 2021

Heimkino: Rogue Hunter (Rogue)

Söldnerin Samantha „Sam“ O’Hara (Megan Fox) soll im südafrikanischen Busch mit ihrem Team die Tochter eines Gouverneurs aus den Händen von Entführern befreien. Der Job scheint routinemäßig zu verlaufen, aber dann bekommt es Sams Truppe nicht nur mit den Terroristen unter Führung des ruchlosen Zalaam (Adam Deacon), sondern auf einer verlassenen Löwenfarm auch mit einer wilden Löwin zu tun, die dort bereits unter den Wilderern gewütet hat und bald werden Sam und ihre Männer selbst zu Gejagten.

Der Film bietet erwartbar pralle Action, es wird gekämpft, geschossen, verfolgt und gebombt, unter Beteiligung jeder Menge wilder Kerle. Das Gegengewicht hierzu sollen offensichtlich die kriegerische Amazone bilden, die in Gestalt von Megan Fox jedoch leicht überfordert wirkt, sowie eine mörderische Großkatze, bei der die CGI-Technik bedauerlicherweise so grottenschlecht geraten ist, dass sie bei ihrem blutigen Geschäft – auch wenn viele der Szenen gnädigerweise im Dunkeln spielen – unfreiwillig zu einer Karikatur verkommt, was schade ist, da sie ansonsten zu der mit reichlich Klischees beladenen Handlung und den ebensolchen Dialogen ein wenig Originalität hätte beisteuern können. Bei den menschlichen Darsteller überzeugt am ehesten Philip Winchester als bewährter Haudegen Joey Kasinski, aber er darf leider auch nur die üblichen Floskeln beisteuern, die für einen solchen Film typisch sind. Alles unterliegt einer eher schlichten Dramaturgie, wo in jedem Moment immer genau das passiert, was man erwartet.

Die im Film vorgetragene Kritik an dem, was der Mensch der Natur antut, indem er beispielsweise auf Löwenfarmen, wie der im Film gezeigten, Löwen züchtet, um deren Knochen zu medizinischen Zwecken nach Asien zu liefern, wo die Tiger allmählich knapp werden, sowie die Praktiken, in Gefangenschaft aufgewachsene Löwen zahlungskräftigen Kunden zum Abschuss feilzubieten, ist sicher berechtigt, hat aber leider nicht mehr als eine Alibifunktion und kann dem Film insgesamt nicht mehr Tiefe geben.

Als Bonusmaterial stehen Interviews mit einzelnen Schauspielern sowie je eine Tonspur mit Kommentaren der Regisseurin M.J. Bassett alleine und eine weitere mit Kommentaren von M.J. Bassett, der Co-Autorin Isabel Bassett, die auch eine Nebenrolle übernommen hat, sowie dem Darsteller Philip Winchester zur Verfügung, was teilweise durchaus unterhaltsam daherkommt.


 





 

 

 

 

 

 

Regie: M.J. Bassett

Drehbuch: Isabel Bassett , M.J. Bassett

Kamera: Brendan Barnes

Schnitt: Andrew MacRichie, David Wigram

Musik: Jack Halama, Scott Shields

 

Darsteller:

Megan Fox, Philip Winchester, Greg Kriek, Brandon Auret, Sisanda Henna, Jessica Sutton, Kenneth Fok, Isabel Bassett, Adam Deacon, Tamer Burjaq

 

South Africa/ GB 2020

SquareOne Entertainment/ Leonine

FSK 18

VÖ DVD, Blu-ray und digital: 05. März 2021

 

 Details DVD:

Laufzeit: ca. 105 min.

Bildformat: 2,40:1 Widescreen

Audio: DTS –HD MA 5.1

Sprache: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonus: Interviews mit den Darstellern, Audiokommentar mit Regisseurin M.J. Bassett, Co-Drehbuchautorin/ Darstellerin Isabel Bassett und Darsteller Philip Winchester; Audiokommentar mit Regisseurin M.J. Bassett

EAN: 4061229156004

 

Details Blu-ray:

Laufzeit: ca. 106 min.

Bildformat: HD 1080 p, 2,40:1 Widescreen

Audio: DTS –HD MA 5.1

Sprache: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonus: Interviews mit den Darstellern, Audiokommentar mit Regisseurin M.J. Bassett, Co-Drehbuchautorin/ Darstellerin Isabel Bassett und Darsteller Philip Winchester; Audiokommentar mit Regisseurin M.J. Bassett

EAN: 4061229156011

 

https://youtu.be/RaRMO_DGdag

Mittwoch, 13. Januar 2021

Heimkino: Run

Die 17-jährige Chloe kam als Frühchen zur Welt und leidet seither an diversen Krankheiten wie Diabetes, Asthma und Hautausschlägen, außerdem kann sie ihre Beine nicht bewegen und sitzt im Rollstuhl. Sie wird von ihrer Mutter, mit der sie im ländlichen US-Bundesstaat Washington lebt, umsorgt und auch von dieser zu Hause unterrichtet. Als sie sich für ein Studium Seattle bewirbt und sehnsüchtig auf den Brief mit der Zusage der Universität wartet, merkt sie, wie sehr sie von ihrer fürsorglichen Mutter von allem abgeschirmt wird, bis sie schließlich ein dunkles Geheimnis aufdeckt, das ihr bisheriges Leben in Frage stellt.

Der Film beschreibt in düsteren Bildern die Einsamkeit von Mutter und Tochter,
deren Leben voll und ganz aufeinander abgestimmt ist, und auch wenn ziemlich bald klar wird, wohin die Handlung sich entwickelt, baut sich eine sinistre Spannung auf. Regisseur Chaganty spielt mit bekannten und bewährten Elementen, die jedoch ihre Wirkung nicht verfehlen und den Zuschauer bis zum Ende in Atem halten. 

Dies liegt auch und vor allem an den beiden Hauptdarstellerinnen und ihrem intensiven Spiel: Sarah Paulson als überfürsorglicher Mutter, die alles im Griff hat, nur nicht sich selbst, und die Debütantin Kiera Allen, die tatsächlich auf einen Rollstuhl angewiesen ist, in deren Gesicht die gesamte Bandbreite ihrer Gefühle zu lesen ist, und die trotz ihrer eingeschränkten Beweglichkeit ein paar bemerkenswerte Stunts zeigen darf. Das Katz und Mausspiel zwischen Mutter und Tochter ist voller dramatischer Spannung, ein glänzend dargebotenes und inszeniertes Kammerspiel und nichts für schwache Nerven!


 

 Regie: Aneesh Chaganty

Drehbuch: Aneesh Chaganty, Sev Ohanian

Kamera: Hillary Spera

Schnitt: Will Merrick

Musik: Torin Borrowdale

 

Darsteller:

Sarah Paulson, Kiera Allen, Pat Healy, Sara Sohn

 

Lionsgate / Leonine

USA 2020

FSK 16

90 min.

 

Ab 15. Januar 2021 als DVD, Blu-ray und digital

 

Dienstag, 29. Dezember 2020

Das Filmjahr 2020...

... war ein schlimmes Jahr. Vieles konnte nur kurz im Kino erfreuen und ist dann direkt in die diversen Streaming-Dienste gewandert oder auf Blu-ray/DVD herausgebracht worden, um dort im besten Fall auf einem großen TV-Bildschirm, im schlimmsten auf winzigen Tablets oder (*grusel*) Smartphones betrachtet zu werden…

Hier dennoch meine Auswahl an Filmen, die mir im abgelaufenen Jahr am besten gefallen haben, wie stets chronologisch, nicht als Rangliste:

 

 - Little Women (Januar) – Charmante Neuverfilmung eines Klassikers mit hervorragenden Schauspielerinnen, allen voran die wunderbare Florence Pugh.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/01/film-rezensionen-little-women.html

 - The Gentlemen (Februar) – Schräge Gaunerkomödie, gelungen und mit Stars gespickt, einmal anders und richtig gut: Hugh Grant.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/02/film-rezensionen-gentlemen.html

 - Der Unsichtbare (The Invisible Man) (Februar) –Horrorfilmklassiker in neuem Gewand, solide, aber mit einer exzellenten Elisabeth Moss

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/02/film-rezensionen-der-unsichtbare.html

 - New York – Die Welt vor deinen Füßen (The World before your feet) (März) – Der Amerikaner Matt Green wandert durch alle Stadtteile New Yorks, durch wirklich jede Straße und jede Gasse – Faszinierende Dokumentation über einen Einzelgänger (kein Wortspiel…) und eine Stadt.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/03/film-rezensionen-new-york-die-welt-vor.html

 - Onward (März) – Bezaubernder Film über zwei Brüder, einen verlorenen und nur halb wiedergefundenen Vater, ein aufregendes Abenteuer mit sentimentalen, aber nie kitschigen Momenten, großes Kino für Kinder und Erwachsene aus dem Hause Pixar.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/03/film-rezensionen-onward-keine-halben.html

 - Monos (Juni) – Eindrucksvoll bebildertes Drama im Urwald, zwischen Abenteuertrip und psychologischem Kammerspiel.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/06/monos-zwischen-himmel-und-holle-monos.html

 - The King of Staten Island (Juli) – Liebevolles und tragikomisches Porträt eines jungen Nesthockers, der durch den frühen Verlust des Vaters nicht in die Spur kommt.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/07/im-kino-king-of-staten-island.html

 - Berlin Alexanderplatz (Juli) Für mich der beste Film des Jahres, zwar kein neuer Stoff, aber zeitgemäß adaptiert und deshalb von überraschender Aktualität, mit herausragenden Schauspielern, allen voran beeindruckt einmal mehr Albrecht Schuch.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/07/berlin-alexanderplatz.html

 - Tenet (August) – Für mich der zweitbeste Film des Jahres, ein furioser Action-Thriller mit dem gewissen Nolan-Touch, auf Anhieb kaum zu durchschauen, mehrfaches Ansehen lohnt!

Zu loben bleibt außerdem der Mut, einen solchen Blockbuster in diesen schwierigen Zeit überhaupt ins Kino zu bringen. Sicher blieb der Film (bisher) hinter den Erwartungen zurück, aber immerhin hat er seine Produktionskosten eingespielt, was alle anderen Studios, die ihre Filme immer und immer wieder verschoben haben (Bond, die sich zierende Jungfrau!), erst noch vor sich haben. Was davon dann tatsächlich noch im nächsten Jahr ins Kino kommt, bleibt abzuwarten, einiges ist ja schon direkt in die – teilweise hauseigenen – Streamingdienste gewandert, siehe Disney und „Mulan".

Danke noch mal Warner, dass ihr die Ei*r gehabt habt, danke für das einzige fulminante Kinoerlebnis im ganzen Jahr!

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/08/tenet.html

 - Mein Liebhaber, der Esel und ich (Oktober) – Die charmanteste und schönste Komödie des Jahres über eine Frau auf dem Weg zu sich selbst und einen einfühlsamen, wenngleich störrischen Esel, der ihr dabei hilft.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/10/im-kino-mein-liebhaber-der-esel-ich.html

 

Das waren die Filme, die zumindest kurz im Kino liefen, hier noch zwei Filme, die es aus dem Heimkino in meine Liste geschafft haben

 

- Pinocchio (Dezember) – Sehr nah am Buch angesiedelte wunderbare Version des Klassikers.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/12/heimkino-pinocchio.html

 

Und dieser Film wurde von Amazon produziert, insofern ist er bereits jetzt auf Amazon Prime zu sehen, kommt aber hoffentlich im nächsten Jahr noch ins Kino, er hätte es verdient:

 - Sound of Metal (Dezember) – Musiker verliert sein Gehör und versucht, sich in der Welt der Gehörlosen zurecht zu finden, mit beeindruckendem Hauptdarsteller und grandiosem Sound Design.

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/12/heimkino-sound-of-metal.html

  

Zwei weitere Filme, die der Presse bereits gezeigt wurden, wären auch noch auf meiner Liste, der Kinostart steht aber hoffentlich im nächsten Jahr noch an, deshalb folgt ihre Rezension später:

 

- A quiet place 2 Gelungene Fortsetzung des Horrors um blinde, aber äußerst geräuschempfindliche Aliens, die die Menschheit terrorisieren

 

- Curveball – Ein Film über Lügen, die zu alternativen Wahrheiten werden, bis sie nicht mehr als Lügen zu erkennen sind, am Ende sterben Menschen. Wirklich so passiert, ich schwöre.

 

Und last but not least

 

- Bad Education – Irrwitzige Geschichte um einen Betrug im Schulmilieu, ebenfalls wirklich so passiert, das Leben schreibt doch die besten Drehbücher! Als Kinofilm produziert, dann aber von HBO ausgestrahlt und mit einem Emmy belohnt, mit dem besten Duo des Jahres: Hugh Jackman und Allison Janney. Rezension folgt.

 

Das war’s – es kommen bald hoffentlich wieder bessere Zeiten, das Jahr mag insgesamt beschi**en gewesen sein, die genannten Filme waren es nicht!